
Was passiert im Kopf eines Fotografen, wenn plötzlich alles zusammenpasst? In dieser Folge spreche ich mit Pia Parolin (Si apre in una nuova finestra) über Flow, Emotionen und kreative Prozesse – und darüber, warum gute Bilder oft lange vor dem Auslösen entstehen.
Zu Beginn des Gesprächs geht es zunächst um persönliche Entwicklungsphasen. Ich befinde mich derzeit in einer Phase der Neuorientierung.
Nach Jahren, in denen ich sehr viel fotografiert habe, wird für mich immer wichtiger, meine Bilder stärker zu reflektieren, zu kuratieren und in eine Form zu bringen.
Fotografie endet für mich nicht beim Auslösen der Kamera. Ein wesentlicher Teil des Prozesses besteht darin, Bilder zu sichten, Zusammenhänge zu erkennen und herauszufinden, welche Themen sich durch meine Arbeit ziehen.
Ein zentrales Thema unseres Gesprächs ist der Flow-Zustand
Wir sprechen darüber, wie dieser Zustand entsteht und welche Rolle er beim Fotografieren spielt.
Für mich ist Flow der Moment, in dem das bewusste Nachdenken in den Hintergrund tritt und ich intuitiv auf Situationen reagieren kann.
Voraussetzung dafür ist, dass technische Abläufe automatisiert sind und ich meine Kamera so gut kenne, dass sie mich nicht mehr ablenkt.
Gleichzeitig brauche ich eine gewisse innere Klarheit darüber, wonach ich suche und welche Geschichten ich mit meinen Bildern erzählen möchte.
Wir sprechen auch über die Bedeutung von Routinen und Vertrautheit mit Orten
Ich arbeite gerne an Orten, die ich über Jahre hinweg immer wieder besuche – etwa in Buenos Aires oder Havanna.
Diese Vertrautheit hilft mir, Licht, Bewegungen und typische Situationen besser zu verstehen. Erst wenn man eine Umgebung wirklich kennt, wird es möglich, über oberflächliche Motive hinauszugehen und tiefergehende Serien zu entwickeln.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Rolle von Emotionen
Für mich entstehen starke Bilder oft dann, wenn ich eine Verbindung zu dem empfinde, was ich sehe. Inspiration kommt dabei nicht nur aus der Fotografie selbst. Literatur, Gespräche, gesellschaftliche Beobachtungen oder philosophische Gedanken können ebenfalls Auslöser sein. Sie wirken wie kleine Funken, die sich im Kopf sammeln und irgendwann zu konkreten Bildideen führen.
Außerdem sprechen wir über Pias aktuelles Buchprojekt, das sie gemeinsam mit dem Psychologen Joachim Feigl (Si apre in una nuova finestra), Host des Podcasts “Foto Psychologisch” (Si apre in una nuova finestra) entwickelt.
Darin geht es um die Verbindung von Psychologie und Fotografie und um die Frage, welche mentalen Faktoren kreatives Arbeiten fördern oder behindern.
Das Buch wird im Sommer 2026 im dpunkt-Verlag erscheinen.