Hallo,
manche Sätze brauchen Jahre, bis das Leben sie einlöst.
Am 22. Juni hat Lionel Messi bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada zweimal gegen Österreich getroffen – beide Tore zum 2:0. Damit hat er alle fünf argentinischen Treffer dieses Turniers erzielt und ist mit 38 Jahren alleiniger Rekordtorschütze der WM-Geschichte: 18 Tore, erzielt bei sechs Weltmeisterschaften zwischen 2006 und 2026 – vorbei an Miroslav Klose (16). Auf den Tag genau 40 Jahre nach Maradonas “Hand Gottes”.
Und ich musste sofort an einen Mann denken, den ich vor sechzehn Jahren in Buenos Aires getroffen habe. Aber der Reihe nach.
In meinem letzten Beitrag (Si apre in una nuova finestra) habe ich erzählt, wo Amor Eterno (Si apre in una nuova finestra) wirklich begann: 1986, ein Junge im Pyjama vor dem Fernseher, ein verlorenes Finale, der Name Burruchaga. Heute gehe ich eine Etappe weiter – und sie führt zu der Frage, die für mich den Kern von Reportagefotografie ausmacht: Wo schaut man eigentlich hin?
Maradona und Messi: Auf den Spuren zweier Legenden
2009 zog es mich wieder nach Argentinien, diesmal mit Presseausweis. Eine seltsame Konstellation: Diego Maradona, das Idol, war Nationaltrainer. Und Lionel Messi, sein designierter Erbe, sollte in Südafrika endlich beweisen, dass er auch im Nationaltrikot der Beste ist. Viele glaubten nicht daran. Man warf ihm vor, er sei seinen Landsleuten fremd geblieben, kenne nicht einmal den Text der Hymne, sei im Grunde kein richtiger Argentinier. Wie sehr ihn das traf, hat Messi damals selbst erzählt: Nach manchen Länderspielreisen habe er tagelang nicht reden wollen.
Ich habe mich auf die Spuren der beiden gemacht. Aber – und das ist der eigentliche Punkt – nicht die Pressekonferenzen haben mich gereizt. Sondern der Weg zu den Wurzeln.
Rosario: ein gerahmtes Trikot hinter Glas
In Rosario besuchte ich Gonzalo Diaz – Messis Sturmpartner aus Kindertagen beim Stadtteilklub Abanderado Grandoli. Vom Fenster seines Zimmers blickt er auf den staubigen Bolzplatz, auf dem alles begann. An der Wand, hinter Glas, hängt ein winziges orange-weißes Leibchen, Kindergröße XS. “Ich habe immer für Lionel aufgelegt”, sagte er. Auf dem Küchentisch lag ein fast volles Panini-Album – nur ein Bild fehlte ihm noch: das seines alten Nebenmanns.
Hier kannst du die ganze Geschichte lesen:
https://www.welt.de/sport/wm2010/article7955829/WM-2010-Wie-Lionel-Messi-zum-Weltstar-wurde.html (Si apre in una nuova finestra)



Buenos Aires: Maradonas Start bei den Cebollitas
Dann saß ich bei Rodolfo Fernández. Seit 42 Jahren verkauft er vor dem Stadion der Argentinos Juniors Fanartikel, seit bald 63 Jahren ist er Mitglied, aufgewachsen einen Steinwurf von der Tribüne entfernt. “Das ist eine Freude, keine Arbeit”, sagt er. Maradona hat er von dessen erstem Tag im Verein an erlebt.
Denn hier fing Diego Maradona an: bei den Cebollitas (“Zwiebelchen”), der legendären Nachwuchsmannschaft von Argentinos Juniors. Jugendtrainer Francisco Cornejo holte den kleinen Jungen aus dem Armenviertel Villa Fiorito. Der größte Spieler der Welt begann nicht im Rampenlicht, sondern auf einem Trainingsplatz im Viertel. Und genau dort sollte Jahrzehnte später auch Messi zum ersten Mal das Trikot der Selección tragen.
Über Messi sagte Fernández 2010 einen Satz, den ich nie vergessen habe: Er wünsche ihm, in jedem Länderspiel fünf Tore zu schießen. Aber um mit Maradona auf einer Stufe zu stehen, müsse er noch einmal geboren werden.
https://www.welt.de/sport/wm2010/article8225174/WM-2010-Diego-Maradona-zwischen-Genie-und-Wahnsinn.html (Si apre in una nuova finestra)Die Stille von Buenos Aires
Die WM 2010 endete für Argentinien in einem 0:4 gegen Deutschland. Ein geplatzter Traum. Für Maradona. Für Messi. Und für Argentinien. Ich erlebte das Spiel in Buenos Aires. Die Stadt stand still. Kein Verkehr, keine Stimmen auf der Straße – nur ab und zu, aus offenen Balkontüren, ein Schrei, ein Stöhnen. Auch diese Stille war ein Bild.
Weitere Kapitel
2014 erlebte ich die WM auf den Straßen Brasiliens. Das Finale sah ich in einer Bar, fast allein – die Gastgeber hatten nach ihrem eigenen Halbfinal-Debakel das Interesse verloren. Am Ende: Messi, allein mit seinen Tränen, der Pokal in Griffweite und doch unerreichbar. 2022 saß ich weit weg vor einem Bildschirm, als Argentinien endlich Weltmeister wurde – und ärgere mich bis heute, dass ich die Nacht auf den Straßen von Buenos Aires verpasst habe.
2026: der Satz, eingelöst
Und nun löst Messi ein, was ihm damals abgesprochen wurde. Fünf Tore. Der Rekord. Er musste nicht noch einmal geboren werden. Er musste nur den Schatten überdauern.
Warum ich dir das hier erzähle? Weil genau darin für mich die Arbeit steckt. Die zwei großen Namen kennt jeder. Spannender war für mich immer die zweite Reihe: die Weggefährten, die Wurzeln, die Menschen, die die Träume der Fans in Fahnen, Schals und Shirts übersetzen. Die besten Geschichten entstehen selten beim Star – sondern daneben. Das ist der rote Faden von Amor Eterno, meinem Fotobuch über die argentinische Fußballkultur.
Zum Sehen und Hören
Falls du tiefer eintauchen möchtest, habe ich vier Dinge für dich:
📺 Bei FotoTV ist gerade ein Beitrag über Amor Eterno erschienen – mehr über das Projekt und die Geschichte dahinter:
🎥 Das YouTube-Live vom Kampagnenstart, in dem ich ausführlich erzähle, wie das Projekt entstanden ist: https://www.youtube.com/watch?v=I1JItmKN7gM&t=34s (Si apre in una nuova finestra)
🎬 Ein Behind-the-Scenes-Video, das unter anderem die Situation zeigt, aus der das Coverbild entstand: https://vimeo.com/1202758286/5f2e771c45?share=copy&fl=sv&fe=ci (Si apre in una nuova finestra)
🎧 Zu Gast im Podcast Fotobuch-Ecke von Thomas Winter, wo ich ausführlich über das Buch spreche: https://www.fotobuch-ecke.de/amor-eterno/ (Si apre in una nuova finestra)
Wo das Projekt gerade steht
Wir sind bereits über die Hälfte des Finanzierungsziels – und mitten in der Phase, in der das Buch vom Plan zur Wirklichkeit wird. Kickstarter hat Amor Eterno außerdem zum Team-Favoriten (“Project We Love”) gewählt. Dass das Buch unabhängig und ohne Kompromisse entstehen kann, liegt an Menschen, die an langsames, gedrucktes Erzählen glauben.
Wie du Amor Eterno unterstützen kannst
Vielleicht fragst du dich, wie das mit Kickstarter eigentlich funktioniert. Ganz kurz: Kickstarter ist eine Crowdfunding-Plattform. Viele Menschen geben jeweils einen kleineren Betrag – und gemeinsam machen sie ein Projekt möglich, das sonst nicht entstehen würde. Im Gegenzug bekommst du eine Belohnung: bei mir das fertige Buch, je nach Stufe zum Beispiel als signierte Ausgabe oder mit einem zusätzlichen Print.
Das Besondere ist das Alles-oder-nichts-Prinzip: Nur wenn das Finanzierungsziel bis zum 10. Juli 2026 erreicht wird, kommt die Finanzierung zustande – erst dann wird überhaupt Geld eingezogen. Wird das Ziel verfehlt, fließt kein einziger Cent, und das Buch erscheint in dieser Form nicht. Für die Teilnahme brauchst du nur eine kurze Registrierung und eine Kreditkarte.
Es gibt mehrere Wege, dabei zu sein:
Das Buch sichern. Wähle auf Kickstarter eine Belohnungsstufe – damit bestellst du Amor Eterno vor und hilfst direkt, das Ziel zu erreichen. → Zu Kickstarter (Si apre in una nuova finestra)
Weitersagen. Gerade beim Alles-oder-nichts-Prinzip zählt Reichweite enorm. Teile den Link mit Menschen, die Fußball oder Fotografie lieben – im Freundeskreis, im Fußballverein, in deinen Gruppen, online. Jede Empfehlung kann den Unterschied machen.
Den Weg begleiten. Falls ein Beitrag gerade nicht passt: Folge dem Projekt hier im Newsletter und im Podcast “Abenteuer Reportagefotografie” (Si apre in una nuova finestra), oder hinterlasse einen Kommentar. Sichtbarkeit hilft diesem Buch fast so sehr wie eine finanzielle Unterstützung.
Und falls du Fragen zu Kickstarter hast – wie die Registrierung läuft, wie das mit der Zahlung funktioniert oder welche Belohnungsstufe die richtige für dich ist – melde dich gerne einfach als Antwort auf diese Mail. Ich helfe dir gern weiter.
Schön, wenn du dabei bist! 🙏
Herzliche Grüße
Kai
(Si apre in una nuova finestra)