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Komplementäre Therapien bei ADHS: Was Eltern wirklich wissen sollten


Neue Studie zeigt: Komplementäre Therapien wie Akupunktur oder Neurofeedback können ADHS-Symptome lindern – aber nur als Ergänzung, nicht als Ersatz.


ADHS und die Suche nach alternativen Wegen

ADHS ist eine der häufigsten Diagnosen im Kindes- und Jugendalter. Weltweit sind rund 7–10 % betroffen. Standardbehandlungen bestehen meist aus Medikamenten wie Methylphenidat und Verhaltenstherapie. Diese wirken oft gut – bringen jedoch Nebenwirkungen mit sich, wie Schlafprobleme, Appetitverlust oder Wachstumsverzögerungen.

Immer mehr Eltern suchen daher nach komplementären Therapieansätzen, die Symptome lindern oder Nebenwirkungen abfedern können. Leider fehlt es da aber meist an seriösen Studien, die Anbieter sind selten wirklich im Bereich ADHS oder Autismus unterwegs, sondern bieten ihre Methoden für eine Vielzahl von Symptomen und “Erkrankungen” an.

Eine neue Scoping Review (Lee & Sung, 2025) hat jetzt erstmals systematisch untersucht, wie wirksam und sicher Traditionelle ostasiatische Medizin (EATM) bei ADHS im Kindes- und Jugendalter ist.

Die Studie im Überblick

  • 198 Studien aus den letzten 20 Jahren

  • 169 davon randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)

  • Schwerpunkt: China und Korea

  • Fünf Behandlungsfelder:

    1. Kräuterheilkunde

    2. Akupunktur

    3. Manuelle Therapien (z. B. Tuina-Massage)

    4. Sonstige Verfahren (Neurofeedback, Meditation, Tai Chi, Akupressur)

    5. Kombinationstherapien

Ergebnisse nach Therapieform

Kräuterheilkunde

  • Rund die Hälfte der Studien zeigte Symptomverbesserungen.

  • Häufig Dekokte und Granulate.

  • Risiko: Viele Studien ohne Sicherheitsdaten. Mögliche Belastung für Leber/Nieren.

Akupunktur

  • 70 % der Studien positiv.

  • Besonders wirksam in Kombination mit Medikamenten – Nebenwirkungen wie Appetitverlust oder Schlafprobleme besserten sich.

  • Kaum schwere Nebenwirkungen, aber methodische Schwächen.

Manuelle Therapie (Tuina)

  • Erste Hinweise auf Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und Verhalten.

  • Nur wenige Studien, kleine Stichproben.

  • Keine ernsthaften Nebenwirkungen berichtet.

Sonstige Verfahren

  • Neurofeedback: teils gute Effekte auf Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen.

  • Meditation/Tai Chi: begrenzte, aber positive Ansätze.

  • Problem: 75 % der Studien ohne Nebenwirkungsangaben.

Kombinationstherapien

  • 80 % der Studien mit positiven Ergebnissen.

  • Am häufigsten: Kräuter + Akupunktur oder Kräuter + Neurofeedback.

  • Spiegelt klinische Praxis in Asien wider.

„Neue Studie: Komplementäre Therapien wie Akupunktur, Kräuter oder Neurofeedback können ADHS-Symptome lindern. Aber nur als Ergänzung – nicht als Ersatz!“


Grenzen der Studienlage

  • Behandlungsdauer meist nur 1–3 Monate

  • Uneinheitliche Diagnosekriterien (DSM, ICD, chinesische Systeme)

  • Kaum Langzeitdaten

  • Mangelhafte Sicherheitsberichte – gerade bei Kindern problematisch

  • Fast ausschließlich Studien aus China – Übertragbarkeit auf Europa eingeschränkt

Was bedeutet das für Eltern?

Die Ergebnisse sind spannend – aber sie dürfen nicht missverstanden werden:

  • Komplementäre Verfahren sind keine Alternative zu Medikamenten oder Verhaltenstherapie.

  • Akupunktur und Kombinationstherapien können sinnvoll sein, besonders zur Linderung von Nebenwirkungen.

  • Kräuterheilkunde nur unter ärztlicher Kontrolle! Viele Präparate sind unzureichend untersucht und können Organe belasten.

  • Neurofeedback kann helfen – aber nur in spezialisierten Zentren.

Warnung vor unseriösen Angeboten

In Deutschland gibt es viele Anbieter, die „für alles“ Akupunktur, Kräuter oder Neurofeedback anbieten – oft ohne Spezialisierung auf ADHS. Das birgt Risiken:

  • unklare Qualifikation

  • unsaubere Diagnostik

  • fehlendes Wissen zu Wechselwirkungen mit Medikamenten

👉 Eltern sollten immer prüfen:

  • Hat der/die Behandler:in Erfahrung mit ADHS?

  • Gibt es ärztliche Begleitung und seriöse Diagnostik?

  • Werden Risiken und Nebenwirkungen offen besprochen?

Fazit

Komplementäre Therapien können bei ADHS eine wertvolle Ergänzung sein, wenn sie fachlich korrekt eingebettet werden.

  • Alleinige Anwendung: nicht empfehlenswert.

  • Ergänzend: besonders Akupunktur und multimodale Kombinationen zeigen Potential.

  • Wichtig: Anbieter sorgfältig prüfen, nicht jedem Heilsversprechen glauben.

So können Familien die Chancen nutzen – ohne in riskante Sackgassen zu geraten.

Quelle: Lee J, Sung HK. East Asian traditional medicine for attention-deficit hyperactivity disorder in children and adolescents: a scoping review. BMC Complement Med Ther. 2025 Oct 24;25(1):399. doi: 10.1186/s12906-025-05119-y. PMID: 41137076.

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