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Was Krautreporter mit Media Rewilding zu tun hat

Hallo,

das ist der Media-Rewilding-Newsletter mit meinen Learnings dazu, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird.

Heute schreibe ich dir in eigener Sache. Wobei das eigentlich nicht der richtige Begriff ist, denn jede Ausgabe dieses Newsletters ist ein sehr persönlicher Blick darauf, was da draußen passiert. Aber heute ist es etwas anders. Der Anlass: Ich bin seit Juli geschäftsführender Vorstand bei Krautreporter, das ich vor zwölf Jahren mitgegründet habe. Und nein, mit Media Rewilding höre ich deswegen nicht auf. Ich bleibe dabei selbstständig und werde weiterhin meine anderen Projekte weiterverfolgen, also auch meine Spurensuche nach neuen Orten für Journalismus in der physischen Welt. Und ich bin weiterhin offen für weitere Aufträge, Kooperationen und Projekte. Sprich mich einfach an.

Puzzle mit Media-Rewilding-Logos (KI-generiert) (Si apre in una nuova finestra)
Dieser Newsletter ist bislang kostenfrei. Leite ihn gerne an Menschen in Redaktionen, Verlagshäusern und Medienorganisationen weiter, die sich für das Thema interessieren. Und falls du diesen Newsletter von jemandem weitergeleitet bekommen hast, kannst du ihn hier abonnieren: media-rewilding.de
Brainstorming

Als wir 2014 Krautreporter starteten, haben uns viele Ideen dabei begleitet. Die grundlegende war aber die: Ein unabhängiges Digitalmagazin, das nur von seinen Mitgliedern finanziert wird, verändert die Art, wie wir Journalismus machen. Und das hat sich bewahrheitet: Die DNA von Krautreporter ist Community. Wir verstehen Journalismus als Gemeinschaftsprojekt mit unseren Leser:innen.

Das kann man natürlich einfach mal so schreiben, aber mir ist in den letzten Jahren bewusst geworden, wie sehr sich mein Blick auf Journalismus durch Krautreporter über die Jahre verändert hat. Hier ein paar Gedanken dazu:

  • Transparenz ist die neue Autorität
    Vertrauen entsteht nur, wenn unsere Arbeit sichtbar wird. Also nicht nur das Ergebnis an sich, sondern wie wir dorthin kommen. Wir müssen als Autor:innen unsere Haltung und unseren Horizont transparent machen, damit sich unser journalistisches Ergebnis besser einordnen lässt.

  • Beziehung ist die neue Reichweite

    Relevanz entsteht, wenn Menschen sich gesehen fühlen. Nicht als Zielgruppe, sondern als Teil einer gemeinsamen Wirklichkeit. Wir kommen so von einer Geschäftsbeziehung zu einem gemeinsamen Beziehungsprojekt, das auch eine wirtschaftliche Symbiose eingeht: Wer Journalismus liebt, will ihn mittragen.

  • Orientierung ist die neue Verantwortung

    Wir müssen unsere Rolle neu denken, von Gatekeeper:innen hin zu Möglichmacher:innen. Journalismus moderiert künftig Gespräche, vernetzt Perspektiven und schafft Räume, in denen Menschen ihre Meinung bilden können. Die journalistische Sendung an sich wird dabei in den Hintergrund rücken. Unsere Informationsbeschaffung nicht.

Und ja, dieser hier:

  • Relevante Orte sind die neuen Publikationen

    Die Frage ist nicht, wie wir Menschen erreichen, sondern, wie wir Teil ihrer Gespräche werden.

Tatsächlich hätte ich Media Rewilding niemals ohne diesen jahrelang erlebten Perspektivwechsel gestartet. Wenn Journalismus eigentlich ein Dialog ist, war meine Ausgangsthese für diese Spurensuche hier, dann müssen wir über neue Formate nachdenken, die das auch in der physischen Begegnung abbilden. Mit Media Rewilding suche ich, welche das sein können – und wie wir das alles auf die Straße bringen.

Bei Krautreporter haben wir vor allem im ersten Jahr einige Live-Formate ausprobiert. Unsere Reporter:innen haben zum Beispiel ihre Protagonist:innen zu Kneipengesprächen mit der KR-Community eingeladen. Wir haben Community-Veranstaltungen in verschiedenen Städten gemacht. Und wir waren auf Tour in Ostdeutschland. In eine konsequente Strategie haben wir das alles aber nie überführt. Die Begegnungsformate sind vielmehr sogar auf der Strecke geblieben, als wir hauptsächlich mit unserer wirtschaftlichen Situation beschäftigt waren. Vielleicht war es aber damals auch noch nicht so dringend wie heute, so etwas zu machen.

KR-Leser:innentreff in Berlin mit Reporter Rico Grimm (2014)
KR-Leser:innentreff in Berlin mit Reporter Thomas Wiegold (2014)
KR-Leser:innentreff in Essen mit Frederik Fischer (2014)

In Zukunft werden wir auch bei Krautreporter wieder mehr über Veranstaltungen sprechen. Erste Testballons gab es bereits. Mal sehen, was dabei herauskommt. Ich gebe hier dann gerne ein paar Insights weiter.

Lesetipp

Falls du diesen Newsletter schon von Anfang an liest, hast du dich vielleicht schon einmal gefragt, warum ich noch keinen Deep Dive zur Zeit gemacht habe. Die Frage ist berechtigt, denn sie ist das große Medienhaus in Deutschland, das in Sachen Live-Formate und Begegnung sehr vieles richtig angeht – und es vor allem auch durchzieht. Kurze Antwort: Die Zeit macht so viele verschiedene interessante Sachen, dass ich mich ihr wohl in mehreren Anläufen nähern muss. Ab Herbst geht es los. (Ein Interview habe ich übrigens schon, aber mit dieser Erkenntnis erst einmal zurückgestellt.) Zum Warmlaufen empfehle ich dir aber erst einmal diese Kurzanalyse bei der International News Media Association (INMA), die vom Ausland auf die Einstiegspunkte für die journalistische Marke blickt. Dabei spielen Events eine wichtige Rolle. Und ich habe einen Begriff gelernt, der für die Zeit diese Kontaktpunkte beschreibt: „off-portal.“

https://www.inma.org/blogs/reader-revenue/post.cfm/die-zeit-is-growing-subscriptions-beyond-its-home-page (Si apre in una nuova finestra)
Termine

Journalismus auf der Bühne erleben? Ein Journalismus-Festival mitten in der Stadt besuchen? Hier ein paar Formate, die man in den nächsten Monaten sehen kann:

Ausblick

Das war es für heute. Eventuell blicken wir bereits nächsten Mittwoch auf eine große deutsche Tageszeitung, deren Lokaljournalismus eine großartige Live-Performance hinlegt. Ich habe nämlich Anke Myrrhe vom Tagesspiegel interviewt.

Bis dann,

💚 Alexander

Report 2025

Im Media-Rewilding-Report findest du ein paar Einblicke und Gedanken zu meiner bisherigen Spurensuche. Er umfasst nicht alle Punkte, die ich gesehen und gelernt habe, aber er zeichnet eine erste Landkarte einer Welt, in der bereits einige Projekte daran arbeiten, den Journalismus in der Gesellschaft zu renaturieren. Lade dir das PDF als Mitglied der Media-Rewilding-Community gerne herunter. Und gib es bei Bedarf auch an andere Menschen weiter, die sich dafür interessieren könnten.

Cover des Media Rewilding Report 2025 (Si apre in una nuova finestra)
Media Rewilding

Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Mein 2025 gestartetes Projekt MEDIA REWILDING dreht sich um die Frage, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird. Konkret versuche ich herauszufinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und was das mit Vertrauen und Markenbeziehung zu tun hat. Und natürlich, wie sich das alles finanzieren lässt.

Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Si apre in una nuova finestra)
Hier ist meine Website: von-streit.de (Si apre in una nuova finestra)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Si apre in una nuova finestra)