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"Fair People trigger sadistic tendencies in others"

Von ostasiatischen Film- und TV-Produktionen lernen? Ansätze einer progressiven Ästhetik

Auf meiner Steady-Seite wie auch in meinem Substack diskutierte ich den Talk mit Masha Gessen in der Ezra Klein-Show. Gessen betonten immer wieder die ästhetische Dimension des Trump-Regimes: eine weißer, männlicher Dominanz, die sich im Falle Trumps mit Gold und Pseudo-Glamour, Prunk, Ornat und Protz umgibt; im Falle von ICE jedoch eher den paramilitärische Todeschwadronen-Look inszeniert, der sich beinahe schon an den “südamerikanischen” Guerilla-Truppen in “Tim und Struppi”-Heften orientiert (”Tim und die Picaros”, z.B.). Oder deformierten Ninja-Turtles. Das soll deren Killer so gar nicht verharmlosen. Die sind das nicht. Das sieht einfach so aus.

Gessen verknüpfen diese Beobachtungen - letztere stammen von mir - mit der Wirkung der Uniformen der jungen Pioniere in der Sowjetunion. Ich bin mir nicht sicher, ob das auf aktuelle, neofaschistische Sturmstaffeln zutrifft. Da geht es nicht um Gleichschritt, sondern um Terror mit einer Prise Mad Max II. Es ist - anders als die filmischen Darstellungen der HJ - kein bisschen sexy. Ja, es mag jetzt als schlimm erscheinen, diese nationalsozialistische “Hart wie Kruppstahl”-Jugend unter “sexy” zu verbuchen, aber die Riefenstahl-Ästhetik wirkt halt bis heute nach, ob man das nun mag oder nicht. Deutsche tun ja immer so, als würden sie sich für Hannah Arendt interessieren; letztlich finden sie aber Riefenstahl erheblich spannender - und sei es, um sich demonstrativ gegen sie abgrenzen zu wollen, weil sie ja so eine furchtbare Frau war.

Wenn man sich im Vergleich dazu den Pop-Subkulturen wie Skinheads zitierenden Look der verstrahlten und mutmaßlich von Drogenmissbrauch schwer gezeichneten Neonazi-Jugend in manchen ostdeutschen Regionen anschaut, aufgebläht, formlos, dazwischen welche, die historische Neonazis eher karikieren als imitieren und dabei wie beim Fasching durch die Gegend torkeln, dann hat das wenig Heroisches. Es will es sein, scheitert dabei furchtbar und kompensiert das wie alle Bullys mit Gewalt, Drohungen und Dominanzgehabe. Es war schon bei den historischen Nazis so, dass sie das, was auch lächerlich erschien, durch extreme Grausamkeit, Mord, Folter und Totschlag kompensierten und all das in den Holocaust mündete. Die aktuelle Ästhetik des Alltagsfaschismus ist aber nicht die Ästhetik der Jungen Pioniere. In Deutschland ist es eine durch und durch verdorbene Persiflage der 90er Jahre.

Conclusio aus ihren Beobachtungen für Gessen ist, dass sie für eine neue progressive Ästhetik plädiert:

“I think we might be falling into an equivalency trap, and I’d be careful here. It’s not incumbent on us, whatever we want to call this politics — liberal, democratic, left, antifascist — to produce an equal and opposite aesthetic. It’s actually a much more complicated task, which is to assert an entirely different aesthetic direction that is oriented toward difference and variety and things that you haven’t seen before. That is, objectively, much more difficult. (Si apre in una nuova finestra)

How do you create an ideal of beauty that includes all sorts of things and all kinds of people and the kind of architecture that no one has seen before?” (Si apre in una nuova finestra)

„Ich glaube, wir könnten dabei in eine Äquivalenzfalle tappen, und dabei wäre ich vorsichtig. Es ist nicht unsere Aufgabe, wie auch immer wir diese Politik nennen wollen – liberal, demokratisch, links, antifaschistisch –, eine gleichwertige und gegensätzliche Ästhetik zu schaffen. Es ist eigentlich eine viel kompliziertere Aufgabe, nämlich eine völlig andere ästhetische Richtung durchzusetzen. Eine, die auf Differenz und Vielfalt und Werke ausgerichtet ist, die man noch nie gesehen hat. Das ist objektiv gesehen viel schwieriger. (Si apre in una nuova finestra)

Wie schafft man ein Schönheitsideal, das alle möglichen Dinge und alle möglichen Menschen und eine Architektur umfasst, die noch niemand zuvor gesehen hat?“ (Si apre in una nuova finestra)

Von nix kommt nun allerdings auch nichts, und völlig geschlafen haben vielleicht politisch organisierte progressive Kräfte, aber nicht alle Film- und Serienschaffenden.

Meine Favoriten sind dabei weniger solche eher didaktischen Ansätze wie “Sexual Education”, sondern Serien wie “Sense 8 (Si apre in una nuova finestra)” . Dieser Mehrteiler hatte den Mut, eine eigene Mythologie zu erschaffen, durchsetzt von ostasiatischen Martial Arts-Elementen - eine, in der zum Homo Sapiens eine Gattung hinzutritt, der Homo Sensorium. Dieser ist empathischer und in der Lage, Cluster zu bilden, in denen sich Menschen auf verschiedenen Kontinenten, Nord- und Mittelamerika (USA, Mexiko), Europa (England, Deutschland), Afrika (Kenia) und Asien (Indien, Südkorea) in telepathisch-imaginativen Räumen begegnen und sogar (zu “What’s up” von den 4 Non Blondes) alle gemeinsam Sex haben können. Gejagt werden sie in der Story von der BPO (Biologic Preservation Organization), weil Empathie und Zusammenschlüsse dem Kapitalismus halt schaden. Sie müssen sich permanent unter Drogen setzen, weil die Mitglieder des Clusters dann nicht gefunden werden können.

Die Serie ist durch und durch queer in allen Spielarten von trans bis gay und bi, Heteros gibt es aber auch. Sie verbindet auf faszinierende Art Ästhetiken aus Bollywood und wie erwähnt ostasiatischen Martial Arts mit Hippie-Fantasien, Thriller- und James-Bond-Elementen (bis hin zum Labor des Superschurken auf Island). Konzipiert und umgesetzt wurde die Serie von den Wachowski-Schwestern, die auch die Matrix-Filme erdachten. In meiner Wahrnehmung fand “Sense 8” in Deutschland wenig Beachtung. Hier wirkt halt immer noch die Volkshochschule des Pseudo-Realismus. Überall.

Ganz anders im asiatischen Raum. “Sense 8” bedient sich vieler Motive und Ästhetiken, die eher dem ostasiatischen Kino entstammen. Durch Filme wie “Parasite (Si apre in una nuova finestra)” oder “Oldboy (Si apre in una nuova finestra)” ist dieses auch dem europäischen Publikum alles andere als fremd; mir wäre aber nicht aufgefallen, dass sich Referenzen in europäischem, progressivem Kunstschaffen gezeigt hätten. Vielleicht gibt es sie ja. Auch Serien wie “Squid Game” dürften bekannt sein.

Interessant an diesen Fiction-Produltionen ist, dass sie Macht, Gewalt, extreme soziale und ökonomische Gegensätze und Zwänge in einem dezidiert außermoralischen Kontext thematisieren. In einer chinesischen BL-Serie (BL = “Boy Love”, die Darsteller in diesem ostasiatischen Hype sind meist in ihren Zwanzigern) die ich mir ansah, fiel in einem Dialog (bzw. Untertitel, ich kann kein chinesisch) der Satz:

“Fair People trigger sadistic tendencies in others.”

Das bringt die Haltung in diesen Produktionen ganz gut auf den Punkt. Ist halt Fiction. Aber die reale Politik des Trump-Regimes oder die Rhetorik eines Ulf Poschardt ist damit ebenso ganz gut umrissen. Die BL-Produktionen mit teilweise hanebüchenen Plots sind häufig in einer Mischung aus Gangster-Szenarien und extrem maskulinen Settings wie paramilitärischem Bodyguard-Schulen oder gar im ABO-Universum der Mangas situiert - Alpha, Beta, Omega. Wie bei den Wölfen. Alphas sind die “Leitwölfe”, Betas neutral, aber untergeordnet, Omegas weiblich konnotiert (auch männliche Omegas) mit permanent aus ihnen strömenden Sexualhormonen, die man deutlich riechen kann - und gesellschaftlich stehen sie ganz unten.

Solche Randordnungen tauchen auch in der “Mannosphäre” sozialer Medien regelmäßig auf. Sie sind zweifelsohne furchtbar; man kann sie in Fiction aber durchaus auch als dystopische Spiegelung grundfalscher Machtverhältnisse deuten.

Gut und Böse ist in diesen Serien oft nicht klar geschieden. Vorgänge in der “freien Wirtschaft”, also z.B. Konzernen, sind Thema und auch Illustrationen gesellschaftlicher Macht, und korrupt und gewallttätig sind in diesen wirtschaftlichen Einheiten annähernd alle. Zugleich sind die guten unter den Serien ästhetisch stark stilisiert. Und mittendrin kuscheln junge Männer miteinander; auch, weil expliziter Sex oft nicht gezeigt werden darf. Regelmäßig fallen vor allem die chinesischen Serien der Zensur zum Opfer - die “Uncut”-Versionen kursieren bei Youtube oder Dailymotion. Das ist alles moralisch hochambivalent, die Plots verzichten auf jeden Realismus und übertreiben im Overacting wie ebenso in ihren Genregrenzen über den Haufen werfenden, haarsträubenden Plots maßlos - wenden alles, was mit Wahrheit zu tun haben könnte, schlicht ins Absurde. Genau das macht sie aber so faszinierend.

Die BL-Serien sind zudem auch ausgesprochen patriarchal arrangiert, was aber dadurch, dass mittendrin mal angedeutet, mal explizit Schwule die Hauptfiguren sind, zumindest nach westlichen Standards Elemente des Patriarchalen aufbricht. Das sind keine Anleitungen zu einem besseren Leben, noch sind sie 1 zu 1 adaptierbar. Und anders als “Sense 8” verzichten sie auch auf eine utopische Dimension. Man schlägt sich in ihnen buchstäblich durch in einer Welt des Bösen und findet dabei, wenn man Glück hat, nicht nur Macht, sondern auch Liebe und manchmal auch beides in Kombination. Das ist nicht schön, aber doch auch eine Form ästhetischer Wahrheit, die dabei entsteht.

Die Produktionen lösen aber ein Problem progressiver Ästhetiken im “transatlantischen Raum”: Diese scheinen oft gefangen in moralischer Selbstgerechtigkeit und einem Abbildenwollen des Elends, in sozialem Realismus, oder aber ästhetisieren sinnlos vor sich hin, ohne noch auf Gesellschaft zu rekurrieren. Sie passen oft die Ästhetiken ihrem Gegenstand nicht mehr an (auch in Dokus). Was zu Zeiten des “Film Noir” noch anders war (und bei Lynch oder Tarantino auch).

In den asiatischen Serien hingegen verkörpern die Helden eine Verbindung aus Begehren und Macht. Progressive Kräfte haben allerdings immer Angst davor, Macht auszuüben. Deshalb verfügen sie auch nie - allen Legenden von der ”linksgrünen Übermacht” zum Trotze - auch nie über solche. Sie verharren oft in:

· Asketischer Tugendhaftigkeit (wir sind die Guten, zeigen und entlarven die Bösen)

· Defensivität (wir definieren uns durch das, was wir ablehnen)

· Pädagogischem Impuls (wir müssen aufklären und korrigieren)

Das erzeugt keine Lust an der eigenen Macht, keine erotische Energie, keine ästhetische Verführung. Es operiert zudem vollständig in einer Welt, in der die Gegenseite für rein gar nichts von dem empfänglich sein will. Man kann Amoralische nicht davon überzeugen, moralisch sein zu wollen. Ihnen fehlt beides: moralische Motivation und Motivation zur Moral. Man kann sie auch nicht in Diskussion zu Einsicht bringen, Gewaltenteilung doch bitte, bitte nicht abzuräumen. Weil sie dann antworten: “Dann tu doch was dagegen. Die Macht haben aber wir. Und nun?” Oder sie lügen. Man kann Menschen, die lügen wollen, jedoch nicht zur Wahrheit zwingen. Außer vielleicht durch Folter. Das ist aber deren Mittel, nicht das progressiver Kräfte.

Die ostasiatischen Produktionen setzen anders an:

· Exzess statt Askese: Pracht, Schönheit, emotionale Intensität

· Transgression ohne Rechtfertigung: Es muss sich nicht alles politisch legitimieren

· Ambivalenz: Machtverhältnisse gibt es halt. Schauen wir mal, wie wir sie nicht minder machtvoll aushebeln können. Wie sie ausgetrickst, verarscht und subversiv untergraben werden kann, das kann erzählt werden - mit einer Lust am Outlaw und einer gewissen Böshaftigkeit in den Künsten. Lisbeth Salander halt.

· Erotik, die deren dunkle Seiten nicht scheut.

Letzteres muss nun auch nicht in (wahrscheinlich) Till Lindemann oder potenziell Julian Reichelt münden. Aber es ist eine produktive Dimension des Seins, die man durchaus von den Machos und Abusern zurückgewinnen sollte. Die Aufgabe ist zu prüfen, wie das gelingen kann.

Mittel könnten sein:

1. Camp und Glamour zurückerobern: Die Queer-Ästhetik der 80er/90er (Voguing, Ballroom, frühe Drag) hatte diese Lust an Exzess und Macht. Sie wurde aber oft durch akademische Queer Theory “gezähmt”. Was wäre, wenn progressive Bewegungen wieder Camp als Machtästhetik verstehen würden, nicht als ironische Distanzierung - als etwas Lustvolles?

2. Körper als Begehrensobjekte: BL z.B. macht männliche Körper zu Objekten des (auch weiblichen) Begehrens, ohne sich dafür zu entschuldigen. Sie kehrt dabei aber gesellschaftliche Blickverhältnisse um, die eher den “Male Gaze”, einen oft degradierenden, sadistischen männlichen Blick in den Mittelpunkt rückt. Eine progressive Ästhetik könnte Begehren ins Zentrum stellen – nicht als Problem, sondern als Kraft. Ohne pornographische Verdinglichung oder Körperkult. Das würde bedeuten: Attraktivität, Verführung, erotische Spannung als legitime politische Werkzeuge und Energie.

3. Mut zum Spektakel: Statt der minimalistischen “good taste”-Ästhetik des Liberalismus (die Gessen kritisiert) – warum nicht die Extreme und auch Unterhaltung suchen? Prozessionen, Kostüme (die Frösche von Portland!), visuelle Überwältigung. Aber nicht nostalgisch heimattümelig wie der Faschismus, sondern futuristisch, hybrid, überbordend. Ein wenig belegt ist das Stilmittel der Opulenz leider, weil, ob in “Twilight” oder den “Hunger Games”, die Despoten barock dargestellt werden. Sie sind queer und dekadent gezeichnet. Darauf muss reagiert werden, indem man zumindest den dekadenten Teil als Ball an die Trumps, Musks und Merz’ dieser Welt zurückspielt.

4. Ambivalente Machtverhältnisse: BL z.B. spielt oft mit seme/uke-Dynamiken, mit Macht und Unterwerfung – ohne sie moralisch aufzulösen. Und wir wissen seit Hegels “Herr und Knecht”: die Macht hat der Maso. Na ja, sehr frei interpretiert. Eine transatlantische Adaption könnte Machtbeziehungen ästhetisieren, ohne sie sofort “korrigieren” zu müssen. Das würde Spannung erzeugen statt moralischer Eindeutigkeit. Es gab das alles auch schon im New Queer Cinema. Das kennt nur kaum noch jemand.

5. Nicht-identitäre Identifikation: BL-Zuschauerinnen identifizieren sich oft quer zu den Figuren (nicht: “ich bin wie diese Figur”, sondern: “ich begehre durch diese Konstellation”). Das könnte ein Modell für fluide, nicht-essentialistische politische Ästhetik sein. Wenn es stimmt, dass René Girard folgend Menschen wollen, was ihre Nachbarn haben, sollten wir mal wieder beneidenswert sein.

Ein konkretes Beispiel: Man stelle sich vor, eine progressive Bewegung würde nicht mit moralischen Parolen auftreten (”Wir sind gegen Rassismus”), sondern mit einer hypersexualisierten, glamourösen, ambivalenten Ästhetik (wie bei jeder Pride-Parade sowieso, übrigens) – irgendwo zwischen Ballroom-Voguing, K-Pop-Inszenierung und Harry Styles-Look. Verführerisch mächtig. Nicht defensiv, sondern begehrend und begehrenswert.

Denn, reden wir Klartext (das wird in Deutschland ja immer gefordert, Klartext reden): Nazis im realen Leben sehen halt grundsätzlich einfach nur Scheiße aus.

Eine Ästhetik, die sich dieser Moralisierung entzieht, die einfach ist – schön, mächtig, begehrend – könnte tatsächlich subversiver sein als jede explizit politische Kunst.

Zudem man in der Länderdifferenz im asiatischen Raum auch differente Umgänge mit Rassismen beobachten kann: die chinesischen Serien wirken ethnisch homogener. Wenn plötzlich mal schwarze Menschen in ihnen auftauchen, dann in subordinierter Position als die Hiwis von Gangstern (ähnlich wie in Deutschland). In Thailand sind die ethnischen Einflüsse offenkundig vielfältiger. Ich weiß nicht, welche gesellschaftlichen Positionsbestimmungen Menschen vor Ort in den Serien erkennen können. Ich konnte das nicht. Ich konnte es nur divers sehen. Das fand ich super. Und fand das gut. Vor allem: Kaum Weiße. Wundervoll. Ja, ich weiß, es gibt auch die These, dass die Verschwörungstheorie vom “Großen Austausch” dadurch Reichweite gewann, dass auf einmal weiße Rollen mit Schwarzen besetzt wurden. Aber so what. Wenn man das lange genug macht, sieht es auch keiner mehr.

Ich genieße es, wenn da nicht wie in ÖRR-Fiction formatiert schauspielernde Weiße durch die Gegend staksen und mit viel Tiefsinn in der Stimme steife Dialoge aufsagen, sondern eher ein Spaß an der Absurdität des Overactings, des komplett abstrusen Plots und grandios überdrehter Dialoge zelebriert wird. So ist das oft in asiatischen Serien. Das hat was von “Bad Taste”, so nannte man das einst - und kann ganz wundervoll sein.

Man kann das alles nicht 1 zu 1 adaptieren. Man muss es - ganz wie “Sense 8” - aus dem patriarchalen Setting und dem Körperkult lösen. Dann macht es die Sinne und den Kopf frei. Und das brauchen wir neben dem Bewusstsein der akuten Gefahren eines sich etablierenden Faschismus und politischer Gegenwehr eben auch.

Der Faschismus lebt zudem vom Opferkult. Sie sind immer die Opfer - von gar nicht statt findender Zensur, Migration, Queers, die angeblich die traditionelle Familie zerstören, Feminismus, Gleichstellungspolitik, “woke” und sowieso immer allesamt der Linken.

Wir müssen sie als Täter zeigen, die sie zweifelsohne sind, allerdings ohne dass sie sich an ihrer Boshaftigkeit und Gewalt auch noch ergötzen können. Trump-Fans finden das ja mutmaßlich unterhaltsam, wenn er die ganze Welt demütigt, herabwürdigt, bedroht oder ermorden lässt. Wenn Frauen, Schwule oder Schwarze Opfer in Handlungen werden, dann ist das in einem stillen Einverständnis vermutlich für AfD-Wähler*innen und Trump-Fans schlicht normal und letztlich in deren Augen auch irgendwie richtig. Es sei denn, der Täter war Araber.

Es müssen Stories geschrieben und Ästhetiken entwickelt werden, in denen sie sich in der ihnen eigenen Hässlichkeit, Brutalität, ihrem Hass und exakt so verkommen, wie sie nun mal sind, gegenseitig kannibalisieren - der ethnonationalistische Techno-Milliardär zerstört das Dorfleben von Jungnazis in Brandenburg oder Gelsenkirchen, z.B..

All das kein bisschen heroisch, kein Deut “er ist soooo böse, cool!”, kein J.R. Ewing-Effekt (für die Älteren) - auch keine Andeutung von “eigentlich will der rechte Hetzer doch nur das Gute für die eigenen Leute”. Diese Annahmen müssen zerstört werden. Vollständig. In Fiction, klar. Und in bildender Kunst. Da ist ja alles erlaubt.

Argomento Kunst

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