Teilnehmenden- und Beobachterperspektiven im Spannungsfeld der Philosophie von Jacques Derrida und von Jürgen Habermas
Habe mal wieder gebastelt. Was, das kann man hier (Si apre in una nuova finestra) hören (ich kann bei Steady keine Soundfiles direkt einbetten).
Dazu später mehr.
Angesichts der Lektüre all der Habermas-Nachrufe - den ich verehre, an dem ich mich orientiere, über den ich eine Doku gestaltet habe, die anlässlich seines Todes auf ARTE ausgestrahlt wurde - befiel mich wieder ein vertrautes Gefühl. Eines, das ich noch aus den Jahren meines Studiums kenne. Jenes, dass ich nun am liebsten sofort tanzen gehen würde, mich betrinken und mit wildfremden Typen flirten.
Nun bin ich leider aus dem Alter raus, da ich so etwas bis zu 3 Mal die Woche tat und mal eben so in Clubs auf St. Pauli hastete, um ein wenig Exzess zu leben. Damals in den späten 80ern, frühen 90er, da habe ich das oft so gemacht. Es ergab sich ein faszinierender Kontrast - eben noch versucht, Platons Menon-Paradox mit Hilfe der pragmatischen Bedeutungstheorie nach Habermas aufzulösen, um kurz darauf mich in eine heftige Affäre zu stürzen. Mein Debutroman “Das Erbe” (Si apre in una nuova finestra) erzählt das. Auch wenn er explizit weniger auf Habermas Bezug nimmt als vor allem auf Immanuel Kant und Michel Foucault. Implizit orientiert sich “Das Ebe” jedoch an der System/Lebenswelt-Differenz im Werk von Jürgen Habermas. Zu dieser später mehr.
Zu den großen Antipoden von Habermas gehörte, seitdem er 1985 “Der philosophische Diskurs der Moderne” veröffentlichte, Jacques Derrida. Habermas attackierte ihn scharf und warf ihm vor, dass er den Gattungsunterschied zwischen Literatur und Philosophie eingeebnet habe. Was vermutlich weniger in den Texten Derridas begründet lag als darin, dass Derrida stark in den Literaturwissenschaftlern rezipiert wurde. Habermas war ein Viel-Leser. Manche behaupteten gar, er ließe lesen; ein großer Hermeneutiker, der den Texten Anderer Gerechtigkeit, Einfühlung und Verständnis entgegenbrachte, war er jedoch nicht. Er neigte eher zu Lektüren, die einen Anlass boten, seine eigenen Konzeptionen, Begriffe und Theorien als die wahre Conclusio aus der Philosophiegeschichte zu behaupten.
Derrida unterstellte er die “Überbietung der temporalisierten Ursprungsphilosophie” Heideggers, was auch immer das heißen mochte, und reihte ihn in die rüpelnde Gang jener ein, welche die “Einheit der Vernunft in der Vielfalt ihrer Stimmen” zerstörten.
Wie viele Attacken in “Der philosophische Diskurs der Moderne” auf andere Denker, deren Entwürfe und Methoden, erschien die Wucht der Aggression, mit der Habermas auf “die Franzosen” los ging, darunter auch auf Foucault, vielen damals Studierenden als außerordentlich dubios. Für die Wirkung seiner Ansätze war das nicht gut - er entfremdete sich so dem großen Teil einer ganzen Philsophierenden-Generation. Der nahm ihn nur noch als autoritären Oberlehrer wahr. Habermas-Bashing erwies sich als ziemlich trendy.
Einer der Gründe dafür war, dass er so gar nicht popkulturell rezipierbar schien. Das verhielt sich im Falle Derridas ganz anders. 1982 erschien z.B. im New-Pop-Paradigma ein Song der Band Scritti Politti mit dem Titel “Derrida”. Er galt als Denker der Differenz, Habermas als der eines langweiligen Konsens’. Differenz kommt in popkulturellen Zusammenhängen immer gut; sich unterscheiden wollen, das wirkt konstitutiv im Pop - in den 80ern noch mehr als heute.
Derridas Begriff der différance – ein bewusst falsch geschriebenes Kunstwort, das im gesprochenen Französisch von différence nicht zu unterscheiden ist – beschreibt eine doppelte Operation: Bedeutung entsteht durch Differenz (Zeichen bedeuten immer nur etwas im Verhältnis zu anderen Zeichen; es ist zudem nicht identisch mit dem, was es bezeichnet) und durch Aufschub (différer als “aufschieben”): Bedeutung ist denen, die Zeichen verwenden, nie ganz präsent. Es verweist immer auch auf ein nächstes und andere Zeichen in Strukturen ohne Zentrum.
Das fügte sich vor allem in musikalische Praxen jener Jahre ein - immerhin hatte sich die elektronische Musik von den Synthesizern weg hin zu kostengünstigeren Sequenzern, Drum-Computern und Sampling verschoben. Man arbeitete mit Arpeggiatoren; Programmierungen in Keyboards, die in bestimmten Rhythmen und Abfolgen die Töne eines Akkordes abspielten. Die Sounds imitierten zudem reale Instrumente, Kuhglocken, Bläser, ohne mit ihnen identisch zu sein oder sie “abzubilden” - verschoben so auch Denotationen von Sounds. Insbesondere im Pop-Diskurs Großbritanniens fielen Annahmen Derridas und anderer “postmoderner” oder “poststrukturalistischer” Theoretiker in oft nicht sonderlich den Texten treuen Aneignungen auf fruchtbaren Boden. Die Annahme einer sich selbst in Maschinen generierenden Musik ohne Urheber, die in Samples zudem noch ein System von Verweisen etablierten, das erschien attraktiv. Die Dekonstruktion Derridas war immer auch eine des Subjekts, wie oben zitiert: es wird von dem Tanz getanzt. Slave to the Rhythm.
Ein Beispiel (mit der Hilfe von Claude KI recherchiert):
“In der Poppraxis des frühen britischen New Pop der 1980er Jahre verdichtet sich die Subjektkrise zu einem faszinierenden Laborexperiment. Das Epizentrum ist ZTT Records, das Label, das Paul Morley – zuvor als Theoretiker unter den britischen Popjournalisten bekannt – gemeinsam mit dem Produzenten Trevor Horn 1983 gründete. Morley kam vom NME, wo er in den späten 70ern und frühen 80ern eine Schreibpraxis entwickelt hatte, die Popkritik mit continentalem Theorievokabular vermengte; er verstand sich explizit als jemand, der über Pop theoretisch nachdachte.
Morley konzipierte das Image von Art of Noise als “gesichtsloses Anti-Band”, deren Pressefotos Schraubenschlüssel und Statuen zeigten – kein Gesicht, kein Subjekt. Der Name selbst – aus Luigi Russolos Futuristischem Manifest über die Kunst der Geräusche – markiert die Geste: Es gibt keinen Komponisten, der spricht, es gibt eine Klangorganisation ohne Ursprung.
Die Namenlosigkeit der Art of Noise ist dabei nicht bloße Pose. Sie vollzieht, was Roland Barthes 1967 mit dem “Tod des Autors” formuliert hatte – und was Derrida von einer anderen Seite her begründet: Es gibt kein Subjekt vor dem Text, das ihn autorisierte.”
Ich habe zu Art of Noise im “bad” in Hannover getanzt, und was ich rund um House- und Clubleben, um Flyer-Ästhetiken und Sampling-Techniken an Ästhetiken auf St. Pauli wahrnahm, anhand von Tracks wie auch “Pump up the Jam” oder auf Acid-Parties erlebte, das fügte sich in die Pop-Anwendungen von Derrida und Co ziemlich gut ein. In den 90ern, z.B. in der Musik von Tricky, bauten sich auch aufgrund neuer Technologien wie den Vorläufern heutiger Digital Audio Workstations und Beatboxes wie den MPCs solche musikalischen Produktionsmethoden aus. Tricky fertigte Musik aus fragmentierten Zitaten, verzerrten Stimmen, Spuren ohne klaren Absender – eine Ästhetik, die strukturell der différance entspricht: Bedeutung verschiebt sich, verweist weiter, findet keinen Halt.
Stuart Hall als einer der wohl bedeutendsten Pop-Theoretiker nutzte die Konzeptionen von Derrida dazu, fragmentierte Identitäten in “Cultural Identity and Diaspora” zu reflektieren. Hall verwendet Derridas Konzept, um die willkürliche und kontingente Natur von Identitätspositionen zu unterstreichen – ein vorübergehendes Positioniertsein, das die z.B. “karibische Identität”, also die “Herkunft” vieler Briten und auch von Stuart Hall selbst, als sich wandelndes Konstrukt versteht, das selbst durch afrikanische, europäische und amerikanische Einflüsse bedingt ist, diese aber permanent in einem Nicht-Identisch-Sein mit sich selbst auflöst und verschiebt. Weil “Herkunft” selbst nur ein Effekt in einem Spiel von Zeichen ist, mit denen man sich identifizieren oder von ihnen desidentifzieren kann - gerade in popkulturellen Zusammenhängen.
Der Track, den ich oben eingebaut habe, reflektiert das Ganze. Ich habe den Ton aus einem Instagram-Reel mit einem Derrida-Interview gelöst und in Musiken gesampelt, Aussagen von Derrida selbst, all das so, dass es der Produktionslogik der Apple Software “Logic” entspricht. Musiker in den 80er Jahren hätten für solche Tools gemordet. Die Basis ist mit programmierbaren “Session-Musikern” gebastelt - Piano, Drums, Bass, Percussion. Und einer Akkordspur, in die man die Basis-Akkorde einträgt - die “Session Musiker” folgen diesen dann. Man kann diese Akkordspur auf Tonspuren ziehen und dann andere Sounds diese Akkorde spielen lassen, sie noch mit Arpeggiatoren wiederum bestimmte Tonfolgen- und Rhythmen spielen lassen, ein paar Loops aus der Apple-Bibliothek hinein bauen und das Ganze von einem Mastering-Tool finalisieren lassen - und fertig ist der Track.
Das ist keine KI-Produktion, allenfalls das Mastering. Die Akkorde stammen von mir, man schiebt ziemlich lange die Parameter in den Session-Musikern hin und her, sucht neue Sounds, die besser passen, als die, die Logic vorgibt usw.. Es ist eher die Forsetzung dessen, womit schon die Pet Shop Boys und Michel Crétu gearbeitet haben.
ABER: das Derrida-Zitat, das ich hinein gesampelt habe, folgt einer ganz anderen Logik als die seiner bisher skizzierten Ansätze. Er diskutiert die Frage, ob ich einen Menschen um seiner selbst oder nicht einfach nur für Eigenschaften oder Attribute, sprachanalytisch Prädikationen, die ich aus der Gesamtheit der Person löse, liebe - so z.B. seine Schönheit. Liebe ich also jemanden, quelqu’un oder etwas an ihm, quelque-chose? Das ist eher eine Fragestellung, die an Erich Fromms “Kunst des Liebens” erinnert. Und verweist auf etwas, das den bisher in diesem Text eher alt aussehenden Habermas recht gibt (und auf einen entscheidenden Punkt im Umgang mit KI verweist, dazu später mehr).
Eine Besonderheit an Habermas’ Philosophie ist die Unterscheidung zwischen Teilnehmer- und Beobachterperspektive. Er zeigt das anhand der Personalpronomina auf. Menschen können “ich” und “Du” sagen, “wir” und “ihr” - oder aber “es ist der Fall, dass” oder “Man verwendet Sprache so, wie man zu Musik tanzt”.
Die erste, zweite und dritte Person Sinular verweisen auf etwas, schweben nicht nur frei durch ein Reich der Zeichen. “Ich habe Zahnschmerzen”, “Du guckst aber traurig” artikulieren Referenzen. Die Bedeutung von Zeichen, Worten, Sätzen wandelt sich, je nachdem, ob ich sage “Ich tanze”, “Du tanzt” oder “es tanzen Menschen”. Oder gar als Imperativ formuliere: “Tanze”.
Man muss auch gar nicht “das Ich” oder Ähnliches reaktivieren, um diese Sätze jeweils unterschiedlich zu verstehen. Man kann sich mit Ernst Tugendhat damit zufriedengeben, das “ich” nichts identifiziert, sondern allenfalls raumzeitlich identifizierbar macht - “wer will ein Eis?” “Ich”!” - und dass Worte, die Empfindungen zum Ausdruck bringen, eben nur durch mich verifiziert werden können als raumzeitlich identifzierbarer Körper, der spricht, denkt und sich bewegt. In diesem Sinne kann nur ich wirklich die Frage beantworten, ob ich jemanden oder etwas an jemandem liebe, und Andere können dann ggf. anhand meiner Handlungen schauen, was ich damit meine. Jeder kann sehen, wenn ich tanze - zumindest jeder Anwesende -; aber nur ich habe die damit korrespondierenden Körperempfindungen und kann sie erfahren, mir ihrer als Erfahrung gewahr sein und zudem sagen, ob das nun eine Erfahrung ist, die etwas in mir verändert hat oder auch nicht.
Habermas baut auf den damit korrespondierenden Sprachformen seine gesamte Gesellschaftstheorie auf. In Lebenswelten, so Habermas, verständigen wir uns anhand von Konventionen und in Sprachen sich verdichtendem kulturellem Wissen über etwas in der Welt - mit Anderen. Da verschränken sich “ich”, “Du” und “es ist der Fall, dass”. Wir können über Dinge kommunizieren, aber auch über Interaktionsformen und Mediales. Aktuell ist unsere Welt von in ihr zirkulierenden Memen und Social Media durchdrungen, z.B., Kommunktaionsmedien, die wir nutzen, um uns anhand ihrer über das Weltgeschehen zu verständigen - und wir diskutieren zugleich Regeln, die in diesen neuen Kommunikationsmedien endlich mal berücksichtigt werden sollten. Also normative Aspekte; auf welche Verhaltensregeln sollten wir uns verständigen?
Zu den Ästhetiken dieser Kommunikationsmedien hatte Habermas eher wenig zu sagen. Das hat in Teilen Martin Seel, mein einstiger Philosophieprüfer, übernommen - z.B. in “Die Kunst der Entzweiung”. Pointe an diesen lebensweltlichen Verständigungsprozessen ist, dass wir notwendig als Teilnehmende in ihnen aktiv sind. Es betrifft mich, wenn gegen Queers gehetzt wird und Andere, wenn der Wettlauf darum einsetzt, wer am grausamsten abschiebt. In letzterer Diskussion erscheint eine Art “verstecktes Du”; wenn wir wollen, dann können wir zumindest hypothetisch die Perspektiven Anderer einnehmen und in ihrem Sinne artikulieren: Ich will nicht, dass es Dir schlecht geht, ich helfe Dir - wenn das auch gerade ziemlich aus der Mode gekommen ist. Ich kann mich zudem reflexiv zu Konventionen und etablierten Sprachformen verhalten und z.B. rassistisches Vokabular meiden. Eben diese Kritik an Traditionen, falschen Geschichtsbildern usw. ist das, was zentral in Habermas’ Theorie des Kommunikativen Handelns wirkt: ich kann Gründe anführen, wieso Aussagen und Praxen falsch sind.
Anders verhält es sich in der Gesellschaft aus Beobachterperspektive. “Es ist falsch, Menschen ausreichend Bürgergeld zu zahlen, weil das ein Anreiz ist, nur auf der faulen Haut zu liegen”. Das ist ein Beispiel für systemische Prozesse in Habermas’ Werk, die am Leitfaden der generalisierten Kommunikationsmedien Macht und Geld vollzogen werden. “Macht” meint bei ihm die Befugnis von Autoritäten, zu strafen und zu zwingen, wenn ihre Anordnungen nicht befolgt werden - Knöllchen verteilen, Bürgergeldempfänger*innen sanktionieren. Geld abstrahiert von allem. An ihm nimmt niemand Teil, allenfalls mit ihm und durch es, und es organisiert anhand von “ökonomischen Systemimperativen” wie dem Prinzip der Gewinnmaximierung, der Kosten/Nutzen-Rechnungen usw. gleichzeitig zu lebensweltlichen Verständigungsprozessen, jedoch am Funktionalen und Strategischen orientiert, Gesellschaften. Habermas hat zu dieser Differenz und ihrer Genese Tausende von Seiten verfasst, das ist hier die Super-Kurzfassung.
In lebensweltlichen Zusammenhängen hat die Frage, ob ich jemanden oder etwas an ihm liebe, Relevanz. In systemischen Zusammenhängen interessiert nur, ob ich Produkte zum Valentinstag verkaufen kann oder wie Orban der Meinung bin, dass nur bestimmte Menschen einander lieben sollten und andere lieber nicht.
Zurück zur Lebenswelt des Studenten, der sich in Habermas’ Schriften vertiefte und dann tanzen gehen wollte, weil ihm das alles zu abstrakt wurde: Man kann vielleicht jetzt ganz gut beurteilen, wo und wie welche Derrida-Anwendung sich da einfügen lässt. Die von Stuart Hall ziemlich gut - da, wo Überlieferungen kritisiert, aufgelöst und neu kombiniert werden aus der Teilnehmendenperspektive heraus in sich verschiebenden Identitätsverständnissen, da fügt sich das nahtlos in das Lebenswelt-Konzept von Habermas ein und bestimmte z.B. die Auswahl der Clubs, in die ich ging. Man kann mit dem, was Habermas geschrieben hat, auch problemlos Thatchers Politik kritisieren - wie Stuart Hall das eben auch tat. Genau aufgrund solcher Politiken hat Habermas seine Texte sogar geschrieben - um Gewerkschaften und den Sozialstaat so zu verteidigen, dass dieser niemanden entmüdigen kann. Thatchers Politik fasste er als “Kolonisierung der Lebenswelt” - systemische Prozesse annektieren alltägliche Verständigungsleistungen und ersetzen sie durch ökonomische und administrative Maßnahmen.
Die oben skizzierten Musikproduktionstechniken waren für ihn einfach kein Thema. Aber auch bei denen ist ja eher das Faszinierende, wie wir sie lebensweltlich wahrnehmen, damit umgehen, was für Ausdrucksformen oder deren Verneinung dabei entstehen, die sich in Relation zu gesellschaftlichen Konfigurationen verstehen lassen können oder sich dem Verständnis gerade entziehen, um so Freiräume zu erkunden. Art of Noise kann man immanent analysieren und dazu auch tanzen, und an nichts davon wollte Habermas je jemanden hindern.
Es ist aber jederzeit möglich, das Changieren zwischen Teilnehmenden- und Beobachterperspektiven bei Wahren der Spannungen im lebensweltlichen Kontext in Künsten zu erfahren, zu thematisieren, zu reflektieren und zu artikulieren. Was ja auch ständig passierte, wenn z.B. die “Kommerzialisierung von Musik”, also das Befolgen von ökonomischen Systemimperativen, in Musikzeitschriften Thema war und Wege diskutiert wurden, wie man sich dem entzieht. Man kann damit nur schlecht Grundrechte begründen.
Das leitet nun zu KI über. Die erfährt ja nichts und nimmt nicht teil. Bisher zumindest. Die operiert rein systemisch, kann Qualitäten nicht verstehen, sondern nur das zusammen sammeln, was andere dazu bisher gesagt und geschrieben haben. Oder Gütekriterien abarbeiten, die zuvor in das System gespeist wurden. Sie weiß nicht, wie man sich fühlt, wenn man tanzt, flirtet, jemanden, nicht etwas an ihm liebt. Sie kann das sammeln und aus Romanen lösen, dann neu zusammenfassen - aber sie kann nicht wissen, wie es ist, eine Fledermaus zu sein. Um einen berühmten Aufsatz von Thomas Nagel hinzuziehen.
Diese Unterscheidung zwischen Teilnehmer- und Beobachterperspektive hat freilich immense gesellschaftliche Folgen. Weil ein Großteil der politischen Diskussionen am Leitfaden der VWL die Teilnehmendenperspektive wenn überhaupt, dann im nur im Sinne der “Investoren” und “der Wirtschaft” diskutiert oder den Befindlichkeiten von Landeiern und AfD-Wähler*innen sich zuwendet. Alles andere wird objektiviert, aus der 3. Person betrachtet und kolonisiert.
Es wird völlig unabhängig von den Erfahrungen Teilnehmender auf dem Wohnungsmarkt oder in Asylverfahren eine angeblich “objektive” Notwendigkeit verfügt und durchgesetzt, je nachdem, für wen gerade lobbyiert wird oder was für ein MAGA in dieser Politik nun gerade befriedigt werden soll. Zugleich räumen administrative Systeme auch Kommunikatives Handeln als Medium der Kritik ab, indem sie z.B. NGOs und alles, was sie als links behaupten, unter Beschuss nehmen, um Finanzierungen zu streichen.
Was Mamdani in New York zumindest angekündigt hat, das ist das exakte Gegenteil solcher Politiken. Er begab sich in die Teilnehmendenperspektiven der Einwohner*innen New Yorks - gerade auch die der Menschen mit den hybriden Identitäten, die Stuart Hall beschrieben hat - und suchte Lösungswege. Um deren Interessen und Bedürfnisse aus Sicht der 1. Person nicht nur der Privilegierten, sondern aller zudem im Sinne wechselseitiger Perspektivenübernahmen als maßgeblich für Politik einzuklagen.
Insofern fand und finde ich es auch weiterhin unsinnig, nun Derrida gegen Habermas ausspielen zu wollen. Zum Teil haben sie einfach nur andere Fragen gestellt, es gibt Schnittmengen - und was die Logik politischen Handelns aus dem Geiste der Emanzipation und Partizipation betrifft, halte ich das Erbe von Habermas für unverzichtbar. Es immer mal wieder mit Derrida zu dekonstruieren, das schadet aber auch nicht.
Nun aber wieder Musik (Si apre in una nuova finestra) (bei Substack ganz nach unten scrollen).