
Heyho, lieber Mensch voller Wunder. Du liest den Flausen-Newsletter. Den digitalen Brief mit Geschichten 🌟 und guten Gedanken. 💭 Heute mit einer Geschichte, die sich um ein Herz dreht…♥️
Manchmal ist das mit Geschichten so, dass die Verfassenden unbekannt scheinen. Aber wie sollte es auch anders sein. Wir Menschen erzählen uns ja schon so lange Geschichten, wie es uns gibt und geben sie weiter und erzählen sie neu…
Und grundlegend drehen sich diese Geschichten ja auch meist um die selben Dinge. Liebe, Schmerz, Angst… und die Möglichkeiten, damit umzugehen.
Eine solche, vermeintlich “von unbekannt” erzählte Geschichte ist mir die Tage wieder in die Finger gerutscht. Buchstäblich zwischen zwei Buchseiten.
Aber sie hat mein Herz so zum Schwingen gebracht, dass ich sie gerne mit Euch teilen möchte.
Sie ist schon oft erzählt und auch genauso oft umgeschrieben worden und ich hab nur mit Mühe eine Autorin ausfindig gemacht, der die Urfassung wohl zuzuschreiben ist. (meist steht einfach “von unbekannt” dahinter)
Ich weiß nicht, wie alt die Geschichte wirklich ist oder wann sie veröffentlicht wurde, daher hoffe ich, die Autorin ist mir nicht böse, wenn ich ihre Geschichte hier teile.
(Eine kleine Änderung hab ich allerdings vorgenommen. Wie ihr mich kennt, hab ich aus den klassischen Männer-Rollen Frauen-Rollen gemacht 😅)
Los geht’s:

Das schönste Herz
Eines Tages stand eine junge Frau mitten auf einem Platz und rief voller Stolz, sie besitze das schönste Herz der ganzen Stadt.
Neugierig versammelten sich die Menschen um sie herum. Und tatsächlich: Ihr Herz war makellos – glatt, ohne Flecken, ohne Risse. Alle stimmten ihr zu. Ja, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten.
Die junge Frau sonnte sich im Beifall und prahlte laut mit ihrer Schönheit. Da trat eine alte Frau aus der Menge hervor und sagte ruhig:
„Dein Herz ist nicht annähernd so schön wie meines.“
Verblüfft wandten sich alle ihr zu. Ihr Herz schlug kräftig, doch es war gezeichnet von Narben und Spuren des Lebens. Manche Stellen wirkten brüchig, andere waren durch unregelmäßige Stücke geflickt. Die Kanten waren ausgefranst, und an einigen Stellen fehlten ganze Teile.
„Wie kannst du nur behaupten, dein Herz sei schöner?“, riefen die Leute entsetzt.
Die junge Frau musterte das alte Herz, brach in Gelächter aus und sagte spöttisch:
„Du kannst doch nicht ernsthaft dein zerfurchtes Herz mit meinem vergleichen. Meines ist vollkommen, deines ein einziges Durcheinander.“
Doch die Alte schüttelte den Kopf. „Ja, deines sieht makellos aus. Aber eintauschen würde ich es nie.“
Neugierig lauschte die Menge, als sie weitersprach:
„Jede Narbe erzählt von einem Menschen, dem ich meine Liebe schenkte. Dafür habe ich ein Stück meines Herzens herausgerissen und es weitergegeben. Oft habe ich dafür ein Stück zurückerhalten – doch es passte nie ganz genau, deshalb die Kanten und Risse. Sie sind mir kostbar, denn sie erinnern an die Liebe, die wir teilten.
Manchmal habe ich ein Stück gegeben, ohne etwas zurückzubekommen. Das sind die leeren Furchen. Sie schmerzen, doch auch sie erinnern mich daran, dass ich lieben konnte. Vielleicht kehren diese Menschen eines Tages zurück und füllen die Lücken. Und genau das macht mein Herz schön: Es erzählt von der Liebe, die ich gegeben und empfangen habe.“
Die junge Frau schwieg. Tränen traten ihr in die Augen.
Schließlich griff sie nach ihrem perfekten Herz, riss ein Stück heraus und reichte es der Alten mit zitternder Hand.
Die alte Frau nahm es, setzte es in ihr Herz – und gab im Gegenzug ein Stück ihres vernarbten Herzens zurück.
Es passte nicht ganz, die Ränder blieben ausgefranst. Doch als die junge Frau ihr Herz betrachtete, war es schöner als je zuvor. Denn sie spürte die Wärme der Liebe, die ihr die Alte geschenkt hatte.
Die beiden umarmten sich. Seite an Seite verließen sie den Platz – und hinterließen eine schweigende, tief berührte Menge.
leicht verändert, ursprünglich vermutlich von Manuela Ridder-Hillenbrand
Ich teile diese Geschichte mit euch, weil…
es uns (mich so sehr mit eingeschlossen) manchmal so schwer fällt, das Herz offen zu zeigen. Nach entstandenen Verletzungen (und mögen diese auch noch so lange her sein) oder auch einfach so.
Uns verletzlich zu zeigen.
Auf Vorkasse dann noch jemandem ein Stück zu schenken, erfordert meiner Meinung nach großen Mut.
Im ersten Moment tut es weh, vielleicht tut es sogar noch lange Zeit weh…
Und es gehört immer wieder neuer Mut dazu, ein Stück zu verschenken.
Doch genauso herausfordernd ist es (wenn nicht sogar noch mehr) ein Stück anzunehmen.
Denn es bedeutet Verantwortung.
Dann tragen wir auf einmal ein Stück, auf das wir aufpassen möchten und wir wissen gar nicht immer, ob wir das schaffen.
Aber vielleicht muss Mensch gar nicht alles schaffen… und vielleicht reicht es auch manchmal, das Herz auf der Zunge zu tragen und uns mitzuteilen. (oder eine Geschichte zu teilen ;)
In diesem Sinne, ein Buchstaben-Herzstück für Euch :)
und die liebevolle Einladung, falls Du gerade Gedanken zu dieser Geschichte hast, dann schreib mir gerne (kannst einfach auf die Mail antworten)

Und wenn Du jemanden kennst, dem oder der diese Geschichte gut tun könnte, dann schick sie gerne weiter :)
Bis dahin, schick ich Dir alles Liebe und herzliche Flausengrüße
Anna
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