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Not Ready to Make Nice

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Hey y’all!

Vor ein paar Wochen begingen wir mal wieder Weltfrauentag.

Man gratuliert sich, postet Herzen auf Social Media, vielleicht gibt es irgendwo Blumen und dann: Dann geht man wieder zur Tagesordnung ĂĽber.

In der Countrymusik lässt sich diese Tagesordnung aktuell ganz gut mit einer Zahl beschreiben: 8,4 Prozent.

So hoch war der Anteil von KĂĽnstlerinnen im US-Country Radio im Jahr 2024. Und das Tragische daran: Diese Zahl ist nicht etwa im Steigen begriffen.

Im Jahr 2000 lag der Wert noch bei 29 Prozent. Im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts hat sich die Präsenz von Frauen im Country Radio also nicht etwa an die der Männer angenähert, sondern ist um fast drei Viertel eingebrochen.

Die Geschichte der Frauen in der Countrymusik ist damit – wie auch in allen anderen Bereichen der Gesellschaft – auch eine Geschichte des Kampfes um Sichtbarkeit.

Schon die Carter Family – oft als "First Family of Country Music" bezeichnet – verdankte ihren Sound maßgeblich Maybelle Carters Gitarre. Sara Carter sang Lead.

Aber wenn man über die Anfänge von Country spricht, spricht man trotzdem meist über Jimmie Rodgers.

Es dauerte bis in die 1950er-Jahre, bis Frauen begannen, die ersten Mauern in der Country-Industrie einzureiĂźen.

Kitty Wells schaffte mit “It Wasn't God Who Made Honky Tonk Angels" 1952 als erste weibliche Solo-Künstlerin einen Nummer-eins-Hit.

Der Song prangert die Doppelmoral der Männer an, als direkte Antwort auf Hank Thompsons "The Wild Side of Life".

Das war mutig und ein bitter nötiger Anfang. Aber es war auch wirklich nur ein Anfang. Denn dann kam Loretta Lynn.

Herzlich Willkommen zu diesem Special der Honky Tonk Post! 🤠

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ON ROTATION

Loretta Lynn – The Pill (Si apre in una nuova finestra)

Man könnte über Loretta Lynn gleich eine ganze Ausgabe der Honky Tonk Post schreiben. Aber ein einziger revolutionärer Song fasst ihren Geist eigentlich gut zusammen:

"The Pill". Ein Country-Song ĂĽber die Antibabypille.

Loretta Lynn singt darin über sexuelle Selbstbestimmung, darüber, dass Frauen endlich die Kontrolle über ihren eigenen Körper hatten. Dass sie nicht mehr "barefoot and pregnant" sein mussten, wie es das Klischee wollte.

Die Reaktion?

Country-Radiosender weigerten sich sofort, den Song auch nur zu spielen.

Und genau hier sehen wir ein Muster, das sich durch die gesamte Geschichte der Frauen im Country zieht: Mutige, ehrliche Kunst unterdrĂĽckt von einem altbackenen System.

"The Pill" wurde aber auch so zum Hit. Weil die Menschen – und ganz besonders die Frauen – sich in der Musik eben wiederfanden und sie kauften.

Dixie Chicks – Not Ready To Make Nice (Si apre in una nuova finestra)

Wenn wir über Frauen im Country, Aktivismus und Bestrafung durch die Industrie reden, kommen wir aber nicht an den Dixie Chicks (inzwischen nur noch “The Chicks”) vorbei.

2003 machte Sängerin Natalie Maines auf einem Konzert in London eines der berühmtesten politischen Statements der Countrywelt.

Mit Blick auf den Irak-Krieg sagte sie, sie schäme sich dafür, dass Präsident George W. Bush so wie sie aus Texas kommt.

Die Reaktion der Radiosender war dieselbe wie schon dreißig Jahre zuvor: Die komplette Verbannung der Dixie Chicks aus dem Programm. Es folgten gar Todesdrohungen und öffentliche Verbrennungen von Dixie Chicks-CDs.

Wohl auch der oben genannte radikale Einbruch in den Zahlen weiblicher Country-Artists im Radio nahm hier den Anfang.

Die Chicks ließen sich davon nicht beeindrucken. Drei Jahre später antworteten sie darauf mit "Not Ready to Make Nice". Einem Song voller Wut, Verletzlichkeit und vor allem Uneinsichtigkeit:

I'm not ready to make nice, I'm not ready to back down

Der Song gewann drei Grammys und die Chicks standen damit auf dem Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens.

Aber im Country Radio? Nach wie vor Totenstille.

Die Botschaft des Establishments war klar: Frauen dürfen in diesem Genre singen, solange sie niemandem unbequem werden. Und "unbequem" kann vieles bedeuten. Eine politische Meinung, zu viel Feminismus, zu viel Eigenständigkeit.

Oder auch einfach: zwei Frauen direkt hintereinander im Radio. Gott bewahre.

2015 formulierte das der Radioberater Keith Hill dann ganz offen. Frauen seien nicht der Salat im Country Radio, sagte er. Sie seien die Tomaten.

Man solle sie "drĂĽberstreuen", aber bitte nicht zu viele hintereinander spielen.

Die Empörung war groß. Also “Tomato-Gate” wurden die Äußerungen schon bald bezeichnet. Geändert hat sich in den über zehn Jahren seitdem trotzdem wenig bis nichts.

Kacey Musgraves – Follow Your Arrow (Si apre in una nuova finestra)

Damit sind wir dann auch schon fast in der Gegenwart angekommen. Und wenn eine KĂĽnstlerin das moderne Dilemma der Frauen im Country auf den Punkt bringt, dann ist es Kacey Musgraves.

"Follow Your Arrow" ist vordergründig ein fröhlicher, leichtfüßiger Song. Eingängig, witzig, warm. Aber unter der Oberfläche steckt doch eine deutliche Botschaft.

Say what you think, love who you love

Musgraves singt ĂĽber Queerness, genauso aber ĂĽber das Kiffen, ĂĽber das Recht von Frauen und allen anderen, so zu leben, wie sie wollen.

Und sie kleidet all das in den Sound von Nashville. Der Song gewann den CMA Award fĂĽr den Song des Jahres.

Aber wieder: kaum Airplay im Radio – der auch 2013 noch alles bestimmende Faktor in der Welt des Country.

Ashley McBryde – Girl Goin' Nowhere (Si apre in una nuova finestra)

Oder nehmen wir Ashley McBryde. Auch sie verkörpert die ungeschönte Realität der Frauen im heutigen Country. Sie zeigt aber auch, wie es nach vorne gehen kann.

"Girl Goin' Nowhere" war ihre trotzige Antwort auf alle, die ihr in der Frühzeit ihrer Karriere sagten, sie passe nicht nach Nashville. Sie sei zu wild, zu tätowiert, nicht poppig genug, sie würde es nie schaffen:

I hear the crowd, I look around, and I can't find one empty chair / Not bad for a girl goin' nowhere

Ashley McBryde änderte weder ihren Sound noch ihren Look für das Radio. Und doch wird sie inzwischen auch dort gespielt.

Auch ein Zeichen fĂĽr die neue Macht von KĂĽnstlerinnen in Zeiten von Streaming. Es beweist aber doch den nach wie vor frustrierenden Punkt:

Frauen im Country mĂĽssen oft noch immer doppelt so hart arbeiten. Sie mĂĽssen doppelt so authentisch sein. Und sie mĂĽssen oft jahrelange Ablehnung ĂĽberstehen, nur um ĂĽberhaupt einen Platz am Tisch zu bekommen.

Der Weltfrauentag ist gut und schön. Aber vielleicht sollte man gerade in Nashville öfter als einmal im Jahr darüber nachdenken, wem dieses Genre eigentlich was verdankt.

Oh und ĂĽbrigens: Ein Tomatensalat ist auch etwas Gutes.

Diese und weitere Banger findest du auch immer in der Honky Tonk Post Spotify-Playlist (Si apre in una nuova finestra).

Ich möchte außerdem auch diese Woche Robert danken, der die Honky Tonk Post als Mitglied (Si apre in una nuova finestra) auf der Sheriff-Stufe unterstützt.

Bis zum nächsten Mal!

Dein Ralf

P.S: Wie hat dir diese Ausgabe der Honky Tonk Post gefallen? Antworte mir doch direkt auf diese E-Mail!

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