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Die vergessenen Stimmen des Country

Sonntagmorgen. Du liest die Honky Tonk Post, den Newsletter für moderne Countrymusik. Unabhängig, kompakt und jede Woche Ohrwurm garantiert.

Hey y’all!

Countrymusik bildet neben Jazz und Blues eine der drei groĂźen amerikanischen Musikgenres. Und als einzige der drei gilt Country dabei vor allem als Musik der WeiĂźen, ganz besonders der weiĂźen Arbeiterklasse.

Das stimmt zu guten Teilen auch. Und doch ist diese Erzählung unvollständig.

Denn lange bevor von Country überhaupt die Rede sein konnte, hatten indigene Völker in Nordamerika schon ihre eigenen musikalischen Traditionen.

Als Country im frühen 20. Jahrhundert dann langsam als neues Genre Form annahm, waren auch Native Americans von Anfang an Teil der Bewegung. Sie wurden nur selten gehört.

Das ändert sich gerade – langsam.

Eine neue Generation indigener KĂĽnstlerinnen und KĂĽnstler macht Countrymusik und sie macht es auf ihre Art.

Sie singen neben den klassischen Countrythemen auch über das Leben in Reservaten, über Identität und Enteignung. Über das, was es heißt, in einer Musikindustrie zu arbeiten, die historisch zu oft auf Kosten ihrer Vorfahren romantisiert wurde.

Zeit, hinzuhören.

Herzlich Willkommen zu diesem Special der Honky Tonk Post.

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ON ROTATION

Crystal Shawanda – My Roots Are Showing (Si apre in una nuova finestra)

Crystal Shawanda stammt aus der Wikwemikong-Reserve im kanadischen Ontario und gehört den Ojibwe und Potawatomi an.

2008 schrieb sie Musikgeschichte.

Als erste indigene Frau erreichte sie die Top 20 der amerikanischen Billboard Country Charts. Ihr Debütalbum “Dawn of a New Day” – der Titel bedeutet in ihrer Sprache dasselbe wie ihr Nachname – landete dort auf Platz 16.

Durch diesen einmaligen Erfolg wurde sie kurz darauf auch zur ersten indigenen Frau, die in der berühmten Grand Ole Opry in Nashville auftrat, und auch wenn sie heute hauptsächlich Blues spielt:

Ihr Durchbruch hat Pfade eröffnet, auf denen ihr bald weitere Artists folgen sollten.

William Prince – Breathless (Si apre in una nuova finestra)

Bleiben wir dafĂĽr erst noch in Kanada.

William Prince stammt aus der Peguis First Nation in Manitoba und gehört zur Nation der Saulteaux. Sein Vater war Prediger und ebenfalls Musiker. Prince wuchs also mit Gospel und Country auf und spielte schon als Kind kleinere Konzerte.

Mit “Breathless” erreichte er 2018 die Top 25 der amerikanischen Adult Contemporary Charts und auch er gab vor drei Jahren dann sein Debut in der Grand Ole Opry.

Prince macht zwar keine explizit politische Musik, aber allein seine Präsenz und sein Erfolg sind ein mächtiges Statement.

Vincent Neil Emerson – The Ballad of the Choctaw-Apache (Si apre in una nuova finestra)

Kommen wir nun aber in die USA.

Vincent Neil Emerson ist Choctaw-Apache aus Ost-Texas und machte daraus auch nie einen Hehl.

Er spielte zwar einerseits Honky-Tonk und Texas Country, sang über Bars und gebrochene Herzen – Texas Country eben.

In “The Ballad of the Choctaw-Apache” singt er aber eben auch über die Vertreibung der Choctaw-Apachen aus ihrer Heimat an der Grenze zwischen Texas und Louisiana, als dort Ende der 1960er (!) ein Damm gebaut wurde.

Ein durchdringender, bewegender Song. Und er zeigt wie die anderen Lieder dieser Ausgabe:

Country war nie so weiß, wie Nashville es gerne gehabt hätte.

Das Genre hatte immer auch andere Stimmen und neben schwarzen Artists sind auch indigene KĂĽnstlerinnen und KĂĽnstler ein Teil dieser Geschichte.

Gerade schreiben sie ein neues Kapitel.

Diese und weitere Banger findest du auch immer in der Honky Tonk Post Spotify-Playlist (Si apre in una nuova finestra).

Ich möchte außerdem auch diese Woche Robert danken, der die Honky Tonk Post als Mitglied (Si apre in una nuova finestra) auf der Sheriff-Stufe unterstützt.

Bis zum nächsten Mal!

Dein Ralf

P.S: Wie hat dir diese Ausgabe der Honky Tonk Post gefallen? Antworte mir doch direkt auf diese E-Mail!

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