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White Man’s World?

Sonntagmorgen. Du liest die Honky Tonk Post, den Newsletter für moderne Countrymusik. Unabhängig, kompakt und jede Woche Ohrwurm garantiert.

Hey y’all!

Country gilt gemeinhin als eher rechtskonservatives Genre.

Darum, warum diese Beschreibung zwar zu guten Teilen stimmt, aber gleichzeitig doch nur an der Oberfläche kratzt, soll es heute gehen.

Herzlich willkommen zu diesem Special der Honky Tonk Post! 🤠

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Spätestens seit 2016 gilt Country als rechts, konservativ und das Genre, das Donald Trump und der MAGA-Bewegung wohl am treuesten zur Seite steht.

Nach zumindest oberflächlichen Belegen für diese Aussage muss man auch nicht lange suchen.

Jason Aldean etwa singt von “Try That In A Small Town”, beschwört dabei wilde Law-and-Order-Fantasien und begeistert damit Millionen.

Auch wenn man sich auf einem durchschnittlichen Countryfestival umschaut, sieht man inzwischen ähnlich viele MAGA-Caps wie Cowboyhüte.

Das ergibt auf den ersten Blick auch Sinn.

Das Countrypublikum der USA ist eben zu weiten Teilen weiß und ländlich geprägt und pflegt tendenziell ein Selbstbild, das Tradition, Familie und Nation in den Mittelpunkt stellt.

Überlappungen mit der Trump-Wählerschaft lassen sich da kaum übersehen.

Aber:

Dieses Bild ist trotzdem unvollständig.

Denn Country ist ein riesiges Genre und war als solches – wie alle großen Musikgenres und Bewegungen – noch nie komplett einheitlich.

Die Geschichte der Countrymusik ist auch eine Geschichte der Arbeiterklasse, eine Geschichte von Armut und sozial Außenstehenden.

Daher gibt es auch heute noch Nischen in der Countryszene, die sich explizit links oder liberal verorten. Und es gibt Artists, die damit ein riesiges Publikum erreichen.

ON ROTATION

Jason Isbell – White Man’s World (Si apre in una nuova finestra)

Jason Isbell ist wahrscheinlich einer der einfluss- und erfolgreichsten Songwriter in der aktuellen Indieszene und gleichzeitig einer der politisch klarsten.

Im Jahr 2021 etwa veröffentlichte er das Album “Georgia Blue”.

Darauf coverte er ausschließlich Songs von Musikern aus Georgia. Eine Hommage an den Staat, der im Jahr davor wie eine Insel im tief konservativen Süden mehrheitlich demokratisch gewählt hat.

Das war für Jason Isbell keine Premiere.

Auch “White Man’s World” aus dem Jahr 2017 ist ein selbstkritischer Song über weiße Privilegien und die Verantwortung, die mit ihnen einhergeht.

Jason singt darin aus der Perspektive eines weißen Mannes, der erkennt, dass die Welt für ihn schlicht einfacher ist als für andere.

Und dass das kein Zufall ist.

American Acquarium – A Better South (Si apre in una nuova finestra)

Diesen Song habe ich in der Honky Tonk Post schon einmal erwähnt – damals im Zusammenhang mit dem in der Countrymusik praktizierten Umgang mit Geschichte.

Aber er ist auch ein perfektes Beispiel für Bands, die sich kritisch mit der aktuellen Politik der USA auseinandersetzen, ganz besonders im Süden.

“A Better South” rechnet ab mit der noch immer vorherrschenden Verklärung der Südstaaten, mit der Weigerung, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen und mit dem daraus resultierenden Alltagsrassismus.

Sänger BJ Barham singt darin:

I’m sick and tired of listening to Daddy’s generation

The byproduct of war and segregation

Still thinking they can tell us of what to do

Who can live where and who can love who

Ich bin es leid, Zeit auf Daddys Generation zu hören,

das Nebenprodukt von Krieg und Rassentrennung,

die immer noch glaubt, sie kann uns vorschreiben, was wir tun sollen,

wer wo leben darf und wer wen lieben darf.

Klare Worte.

Margo Price – Lydia (Si apre in una nuova finestra)

Und dann gibt es da noch Artists wie Margo Price.

Sie gehört zur neuesten Generation des Outlaw Country – Leute, die sich nicht nur musikalisch, sondern auch politisch deutlich positionieren.

Auf ihrem Album “Strays” aus dem Jahr 2023 thematisiert sie unter anderem das Zurückfahren von Abtreibungsrechten, Fälle von Polizeigewalt und soziale Ungleichheit.

Ein besonders starkes Beispiel für all das ist der Song “Lydia”.

In ihm erzählt Margo von einer Frau, die ungewollt schwanger wird und keine Wahl hat. Der Song ist wütend, empathisch und politisch unmissverständlich.

Und auch stilistisch fällt es nicht schwer, ihn in eine Reihe mit klassischen Protestsongs der Sechzigerjahre zu stellen.

Man sieht:

Country ist vielfältiger, als es das Klischee will. Eine Tatsache, die ohnehin auf fast alles im Leben zutrifft.

Danke für’s Lesen.

Diese und weitere Banger findest du auch immer in der Honky Tonk Post Spotify-Playlist (Si apre in una nuova finestra).

Ich möchte außerdem auch diese Woche Robert danken, der die Honky Tonk Post als Mitglied (Si apre in una nuova finestra) auf der Sheriff-Stufe unterstützt.

Bis zum nächsten Mal!

Dein Ralf

P.S: Wie hat dir diese Ausgabe der Honky Tonk Post gefallen? Antworte mir doch direkt auf diese E-Mail!

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