
Bild: Chiara Doveri
Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, empathischen und recherchierten Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.
Liebe Anna,
In letzter Zeit habe ich ziemliche Schuldgefühle gegenüber meinem 2,8 jährigem Sohn und mache mir Sorgen um unsere Beziehung.
Ich bin in der 15. Woche schwanger, fühle mich häufig müde und antriebslos.
Ich bin schnell genervt und habe das Gefühl der Haushalt wächst mir über den Kopf und ich schaffe das alles nicht. Oft frage ich mich auch, wie es wird, wenn das Baby erstmal da ist.
Ich denke manchmal, dass meine Arbeitsstelle derzeit der einzige Ort ist, am dem ich mich irgendwie entspannen kann. Wenn ich danach meinen Sohn von der Kita abhole, freue ich mich am meisten darauf, wenn er abends im Bett liegt.
Vor meiner Schwangerschaft gelang es mir gut Gefühle zu begleiten, auf Bedürfnisse einzugehen, Spielangebote zu machen, unsere Zeit harmonisch zu gestalten. Seit neuestem bin ich oft genervt und gereizt und es fällt mir schwer, ihn in seinen Gefühlen und Bedürfnissen zu begleiten.
Ich reagiere oft über, werde laut und kann überhaupt nicht auf ihn eingehen, ich hab das Gefühl nicht in Verbindung mit mir selbst zu sein und greife auf Methoden und Strategien zurück, die ich sonst ablehne. Mein Sohn spiegelt mir das auch ziemlich deutlich zurück.
Ich entschuldige mich gefühlt jeden Tag bei ihm, dass es mir nicht gut geht, ich sehr müde bin und deshalb oft laut werde, obwohl ich das eigentlich nicht möchte und es als falsch empfinde.
Ich möchte einfach nur Ruhe und das alles irgendwie funktioniert.
Da meine Familie verstreut ist und mein Partner mit 6 Tage-Woche bis Abends auf der Arbeit ist, hab ich nicht die Möglichkeit meinen Sohn mal für ein paar Stunden woanders zu lassen.
Ich fühle mich ihm gegenüber total schuldig und habe Angst durch diese gegensätzlichen Reaktionen bei ihm/unserer Beziehung einen Schaden zu hinterlassen. Denkst du, dass es so ist?
Herzliche Grüße,
Fiona*