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"Mein Kind hängt nur an uns"

Jolene* schreibt mir: "Seit unsere Tochter da ist, klebt unser Sohn an mir und vor allem an meinem Mann. Er kann mir bei nichts mehr helfen und soll die ganze Zeit mit ihm spielen, dabei will unser Sohn dann exakt bestimmen, was er spielen soll. Das belastet uns sehr."

Hier auf Steady beantworte ich einige eurer Fragen mit meinem Hintergrund eines Studiums der Neurowissenschaften und kognitiven Psychologie, einer Ausbildung zur Trageberaterin und Babykursleiterin, meinem gesammelten Wissen aus etwa 250 Büchern zum Thema Erziehung und meinen Erfahrungen, die ich in den letzten sieben Jahren als Mutter gesammelt habe. Ich bin keine Psychologin und kein Coach. Wenn euch eine Situation so sehr belastet, dass sie eure Gedanken den ganzen Tag über beeinflusst, möchte ich euch bitten, euch professionelle Hilfe zu suchen. Ich kann euch die innere Arbeit mit eurem Päckchen an Erfahrungen, Verletzungen und Traumata nicht abnehmen. Was ich aber versuchen kann, ist euch ein paar Gedanken und Impulse mitzugeben, die euch vielleicht helfen können, eure eigene Lösung zu finden. Und wenn ihr euch mit dem, was ich schreibe, überhaupt nicht identifizieren können solltet, dann ist auch das ein wichtiges Zeichen. Ich bin keine „Expertin“ und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Was ich anbieten kann, ist eine (hoffentlich) empathische Antwort aus wissenschaftlichem und persönlichem Hintergrund.

Wer mir auch schreiben möchte, wendet sich bitte an anna.brachetti@posteo.de. Ich bearbeite dienstags und donnerstags eure Briefe. Schreibt bitte auch dazu, ob ich eure Nachricht und meine Antwort darauf anonymisiert (*Namen werden verändert) veröffentlichen kann.

Vielen Dank für das Vertrauen!

Bild: Anne Richard

Liebe Anna,

Mein Sohn ist jetzt 4 Jahre alt und klebt wie nie zuvor an uns bzw an meinem Mann. Er ist, zu Hause, praktisch nicht in der Lage sich irgendwie kurz alleine zu beschäftigen und sein Spielverhalten mit Papa gleicht mehr einem "Diktat", was dieser zu tun hat. Er selbst spielt kaum, lässt sich sozusagen BEspielen.
Nun kann unser Leben leider nicht einzig und allein daraus bestehen, ihn zu bespielen: im August habe ich unsere Tochter geboren, der mein Mann schon so extrem viel weniger Zeit schenken kann, als es unser Sohn bekommen hat, dass mir gerade beim Gedanken daran die Tränen kommen.
Sie ist ein unglaublich zufriedenes, "einfaches" Baby, ist eigentlich immer "freundlich", freut sich über ihr Spielzeug und damit zufrieden einfach "dabei" zu sein.. Ich kann mir auch gerade nicht vorstellen, wie es wäre, wenn sie auch nur annähernd die Aufmerksamkeit bräuchte, die unser Sohn einfordert.
Trotz, dass wir ihm diverse Angebote machen, von Spielzeug, Büchern, Mal - /Bastelmöglichkeiten, ist er nicht in der Lage zu verstehen, dass wir nicht ausschließlich ihn unterhalten können. Das Baby wird, wenn er da ist, hauptsächlich nur "versorgt", gekocht, wenn er abends eine Serie schaut. Es gibt keinen Handschlag, den mein Mann machen kann, geschweige denn wir beide, wenn unser Sohn zu Hause ist.
Ich kann nicht mehr. Ich weiß, dass es für ihn auch eine große Umstellung ist, jetzt großer Bruder zu sein, aber ich merke, wie ich zunehmend einfach wütend oder traurig bin. Dass wir unserer Tochter so so wenig Aufmerksamkeit schenken können, dass wir ihn in nichts einbinden können, unsere Wohnung kaum aufräumen können, wenn er DA ist.
Ich liebe diesen kleinen Menschen so sehr, aber aktuell verzweifle ich auch sehr und weiß einfach nicht mehr weiter. Es KANN so nicht weitergehen, aber ich habe das Gefühl, zuviel ist immer noch nicht genug für ihn.

Lieben Dank für Deine Zeit...
Alles Liebe, Jolene*

Kategorie Elternschaft

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