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Nur eine der vielen Baustellen

Die Trennung von Bundestrainer Harold Kreis darf für den Deutschen Eishockey-Bund nur der erste Schritt sein.

von Bernd Schwickerath

Seit diesem Freitag ist Harold Kreis nicht mehr Bundestrainer. Foto: City-Press

Irgendwie kann einem das für Harold Kreis ja leidtun. Die WM im eigenen Land wäre doch ein krönender Abschluss seiner besonderen Karriere gewesen. Für viele mag Kreis nun vor allem der sein, der die drei letzten Turniere in den Sand gesetzt hat, die jüngeren Ereignisse verdecken halt gern alles, was davor war. Aber wenn wir das Gesamtbild betrachten, ist Kreis schon einer der größeren Namen der deutschen Eishockeygeschichte. Einer, der einen besseren Abgang verdient gehabt hätte.

Zu Beginn war er zwar nur einer dieser vielen Nordamerikaner mit deutschen Wurzeln, die in den 1970ern verpflichtet wurden, um die Ausländerregel der Bundesliga zu umgehen. Aber dann wurde aus dem Mann aus Manitoba ein herausragender Spieler, der als Abwehrchef und Kapitän eine Ära beim Mannheimer ERC prägte. Einer, der auch mal 40 und mehr Minuten auf dem Eis stand und das Spiel dominierte. Der 180 Länderspiele machte und diverse Weltmeisterschaften sowie Olympische Spiele erlebte. Und dann erst seine Trainerkarriere: zweimal Meister in der Schweiz, mehrfach Vizemeister in der DEL, 2023 dann der Einzug ins WM-Finale.

Was viele darüber hinaus an Kreis schätzen: Dass er eben keiner dieser stumpfen Eishockeytypen ist, deren Horizont am Plexiglas endet. Kreis ist an Zusammenhängen interessiert, ein kluger Kopf, ein eloquenter wie charmanter noch dazu. Einer, der auch mal über sich selbst lachen kann und das Spiel mit der Öffentlichkeit beherrscht. Es ist nicht schwer, Harold Kreis zu mögen. Ganz unabhängig davon, ob man ihn für einen guten Eishockeytrainer hält.

Ein lachender Harold Kreis. Während der WM-Vorbereitung 2024 war das noch ein gewohntes Bild. Foto: City-Press

Beim DEB haben sie nun aber vor allem darauf geschaut. Und da ist das Ergebnis eindeutig: Erst das Vorrundenaus bei der WM in Dänemark, dann die verschenkte Chance, beim besten Olympiaturnier der Geschichte ins Halbfinale einzuziehen, dann noch ein (unterdurchschnittlich besetztes) WM-Turnier in der Schweiz, bei dem es nicht mal fürs Viertelfinale reichte. Das lag natürlich nicht nur an Kreis, aber eben auch. An seinen Entscheidungen bei der Kaderzusammenstellung, bei der Verteilung der Aufgaben, bei der Spielweise, zuletzt auch innerhalb der Spiele. Stichworte: Eiszeiten bei Olympia, Challenge gegen die USA.

Bereits in Dänemark war aber auch jenseits des Sportlichen ein anderer Harold Kreis zu erleben. In Mailand ging das so weiter, in Zürich fiel es nun endgültig allen auf: Aus dem netten Harry ist ein mürrischer, sturer Mann geworden, der sich Kritik verbittet. Wir haben das schon während der WM beschrieben. (Öffnet in neuem Fenster) Auch bei den Spielern soll Kreis' spärliche Kommunikation nicht gut angekommen sein. Das war dann insgesamt zu viel, der DEB musste sich von seinem wichtigsten Mitarbeiter trennen. Und das tat er am Freitag auch.

Also alles gut? Weg frei für den Neuanfang? Nun ja. Erstens wissen wir ja noch gar nicht, wer nun folgt. Kandidaten gibt es nicht viele, die auch die Sprache sprechen, was bei der Medientour vor der Heim-WM ja nicht ganz unwichtig wird. Und zweitens ist Kreis sicher nicht der Alleinschuldige an der „Stagnation“ im deutschen Eishockey, wie die Eishockey News (Öffnet in neuem Fenster) diese Woche titelte. Das ist ein Gesamtkunstwerk von Verband, Ligen, Landesverbänden und Vereinen. Und bei allen muss es besser laufen.

Vor allem muss über Christian Künast gesprochen werden. Als Sportdirektor hat er ja die Gesamtverantwortung.

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