von Bernd Schwickerath und Christoph Fetzer
In den „Best-of-seven“ blicken wir auf die Highlights der Eishockey-Woche.
Thema der Woche: “Kein kleiner Bruder” – 3×3 in Innsbruck

Seit gestern passiert Historisches im internationalen Eishockey. Das mögen die Zuschauerzahlen noch nicht hergeben, die Tribünen sahen auf den Bildern ziemlich leer aus. Und überhaupt ist man mit großen Worten ja immer schnell bei der Hand, aber hier passiert wirklich etwas Besonderes: An diesem Wochenende steigt in Innsbruck das erste große 3x3-Eishockey-Turnier der IIHF.
Sechs Teams sind dabei: In der Gruppe A spielen Deutschland, Estland und Ungarn, in der Gruppe B Österreich, Großbritannien und die Niederlande. 17 Spiele stehen seit Freitag und noch bis Sonntag an. Auf dem Eis sind da jeweils drei Feldspieler und ein Torwart. Ein Spiel dauert 24 Minuten, gespielt werden zwei Hälften. Dafür wurden extra eine Eisfläche und Stahlrohrtribünen in der Olympiaworld unweit der Olympiaschanze von 1976 gebaut.
Das soll spektakuläre Bilder garantieren. Im Hintergrund die Alpen, davor feiernde Fans und ein rasantes Spiel. Das alles ist aber nicht etwa Selbstzweck. Der Weltverband hat Großes vor, er will 3x3 zu Olympia bringen, wie es Volleyball und Basketball vorgemacht haben.
Bei Olympischen Jugendspielen 2020 in Lausanne war die schnellere und aufregendere Eishockey-Variante bereits vertreten. Und weil das IOC ja immer auf der Suche nach schnellen und aufregenden Sachen ist, die auch die neue Generation ansprechen, könnte es gut sein, dass wir 3x3 irgendwann auch bei den richtigen Olympischen Spielen sehen. Zusätzlich zum normalen 5x5-Eishockey.
Nichts weniger ist das Ziel. „Wir haben die große Möglichkeit, das erste Kleinfeldformat im Wintersport zu sein", sagte (Öffnet in neuem Fenster) Florian Mayer, bei der IIHF für 3x3 zuständig, dem Sportinformationsdienst. Mayer hat auch direkt das IOC im Sinn, für das könnte es „spannend sein, einen zweiten Eishockeysport mit kürzeren Spielen aufzunehmen".
Luc Tardif hatte das schon 2021 ins Spiel gebracht (Öffnet in neuem Fenster). „Wir leisten eine großartige Arbeit für die Olympischen Spiele, aber am Ende gibt es nur sechs Medaillen, drei für die Männer und drei für die Frauen“, sagte der IIHF-Präsident kurz nach seinem Amtsantritt und versprach: „Wir werden das Drei-gegen-Drei-Spiel forcieren, um etwas präsenter zu sein.“ Auch Tardif hatte da vor allem jüngere Leute im Blick: „Ich denke, es würde der Generation Z gut gefallen. Wir müssen nach neuen Spielformen suchen.“
Das tat die IIHF eben und holte dann zum großen Wurf aus. Gleich eine ganze Turnierserie wird nun gespielt, das Wochenende in Innsbruck ist nur der Anfang der so genannten „3x3 Breaking the Ice Tour“. Generell überschlagen sie sich beim Weltverband fast wegen der neuen Variante. Auf der IIHF-Homepage (Öffnet in neuem Fenster) findet man Absätze wie diesen: „3x3-Eishockey ist die neueste, schnellste und zugänglichste Eishockeyvariante – entwickelt für die nächste Generation von Fans und Athleten. Kleinere Spielfelder, weniger Spieler, Action ohne Ende und Festivalatmosphäre bringen den Sport näher an die Menschen und in die Städte der Welt.“
Puh, erst mal durchatmen. Wobei wir nicht polemisch werden wollen. Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn Sportverbände mit der Zeit gehen und neue Ideen entwickeln. Und Volleyball und Basketball haben ja vorgemacht, dass man mit einer zweiten Variante Erfolg haben kann ohne der anderen zu schaden.
Ob 3x3-Eishockey wirklich ein Erfolg werden kann, bleibt aber abzuwarten. Es gibt da nämlich entscheidende Unterschiede zum 3x3-Basketball sowie zum Beachvolleyball. Die haben auch außerhalb von Olympia eine Basis. Turnierserien, Kontinental- und Weltmeisterschaften. Zahlreiche Spielerinnen und Spieler sind von der klassischen Variante fest zur neuen gewechselt, spielen dort als Vollprofis. Es gibt eigene Leistungszentren für den Nachwuchs, große Sponsoren, bekannte Turniere mit tausenden Fans und Liveübertragungen.