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„Todesfälle“: Neue rechtsextreme Drohungen gegen uns per Post

Es war die erste Postlieferung im neuen Jahr, die wir dem Kasten am Haustor entnahmen. Neben Werbung und Gratiszeitungen steckte darin auch ein unverdächtiger Umschlag vom „Waldviertel Tourismus“, einer Organisation, mit der wir beruflich zu tun haben. Sie kümmert sich um die touristische Vermarktung des Waldviertels, also jener Region, in der wir mit unseren beiden Kindern seit bald 4 Jahren leben.

Wir sind im Jahr 2022 aus Wien in den äußersten Norden von Österreich umgezogen, weil die Drohungen gegen uns so intensiv wurden, dass uns der Staatsschutz sogar zeitweise empfahl, unsere Kinder „aufs Land zur Oma“ zu schicken. Unser Ältester konnte eine Zeit lang nur mit Polizeischutz auf den Spielplatz gehen und sein Kindergarten wurde polizeilich überwacht. Eine untragbare Situation.

Im Fadenkreuz

Die Drohungen sind uns an den neuen Wohnort gefolgt. Unsere Privatadresse ist zwar auskunftsgesperrt, doch die Briefe erreichen uns über Umwege trotzdem. Zurück zum Umschlag: Nach Öffnung stellten wir fest, dass es sich schon wieder um eine Drohung handelte. Das Schreiben zeigt eine Foto-Montage, auf welcher u.a. Sebastian und der SPÖ-Obmann und österreichische Vizekanzler Andreas Babler zu sehen sind.

Auszug aus dem neuen Drohschreiben

Über ihren Gesichtern prangen Fadenkreuze, als Bildunterschrift steht „Todesfälle“ geschrieben. Es findet sich kein Hinweis auf den realen Absender, nur eindeutig rechtsextreme Codes wie „Heimatschutz Sektion 88 NOE“ sind angeführt. Es dürfte sich dabei um den gleichen Absender handeln, der bereits mehrfach auf postalischem Weg seine teils sehr expliziten Drohungen gegen uns übermittelt hat.

Keine Ausforschung möglich

Jedes Mal haben wir diese zur Anzeige gebracht, jedes Mal wurden angeblich die entsprechenden Stellen informiert. Herausgekommen ist bislang nichts, die Behörden sind offenbar nicht in der Lage den Absender zu ermitteln. Und so bleibt uns nur die Hoffnung, dass die beruhigend gemeinten Worte, die wir schon oft gehört haben, wonach „bellende Hunde nicht beißen“, auch der Realität entsprechen.

Es bleibt ein mulmiges Gefühl und genau das soll damit auch bezweckt werden. Wir sollen uns nicht sicher fühlen, keine Sekunde lang – auch nicht im Waldviertel. Die Absender von Drohungen, ob digital oder per Post, möchten uns signalisieren, dass sie uns im Blick haben. Dass sie genau wissen, was wir machen und mit wem wir zusammenarbeiten. Das wir uns unentwegt im Fadenkreuz ihres Hasses befinden.

https://steady.page/de/bohrnundmena/posts/3f9d7249-6e35-480d-bbc2-a6d9208f57c7 (Öffnet in neuem Fenster)

Kampf gegen Hass wirkt

Die Anzahl der Drohungen gegen uns ist seit dem Beginn unserer „rechtlichen Notwehr“, bei der wir primär gegen digitalen Hass mit juristischen Mitteln vorgehen, deutlich zurückgegangen. Wir haben keine Statistik, aber wir gehen von 95 Prozent aus. Natürlich tauchen vereinzelt noch Hassnachrichten auf, werden wir beschimpft oder diffamiert. Aber es dürfte sich rumgesprochen haben, dass das Konsequenzen hat.

Geblieben sind die anonymen Drohungen, die von der ersten Sekunde unseres öffentlichen Wirkens bestanden. Sie haben nichts mit der Art unserer Äußerungen zu tun, sondern mit der schlichten Tatsache, dass wir existieren und uns öffentlich äußern. Eine Frau und ein Mann mit Migrationsgeschichte, die sich für die Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen - das alleine reicht schon.

Wir weichen nicht

In rechten Kreisen kann man oft lesen, dass wir uns halt zurücknehmen sollten. Dass der Hass und die Drohungen schon aufhören würden, wenn wir uns aus der Öffentlichkeit zurückziehen würden. Genau das ist es, was die Täter damit bezwecken: Wir sollen mundtot gemacht werden. Wir sollen nicht mehr sichtbar sein, sollen uns nicht mehr für unsere Mitmenschen einsetzen. Wir sollen das Feld räumen.

https://steady.page/de/bohrnundmena/posts/76ab0c3e-02b1-4298-aa69-2492f4efe547 (Öffnet in neuem Fenster)

Genau das werden wir natürlich nicht machen. Weder Gewaltaufrufe noch Drohungen oder Beleidigungen werden dafür sorgen, dass wir uns nicht mehr gesellschaftlich engagieren. Wir sind schon seit Jahren nicht mehr Mitglieder einer politischen Partei, aber wir sind und wir bleiben politische Menschen. Und gerade dieser rechte Hass zeigt uns, dass es notwendig ist, dass wir sichtbar und hörbar bleiben. Und widersprechen.

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Kategorie Meinung

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