The ice we skate is getting pretty thin
The water's getting warm so you might as well swim
My world's on fire, how about yours?
That's the way I like it and I never get bored
(Smash Mouth)
177/∞
Good evening, Europe!
Bevor wir zum Inhaltlichen kommen, sollte ich ein bisschen Selbstpromotion betreiben — mich zwingt niemand und ich will es eigentlich auch gar nicht, aber es ist irgendwie hilfreich für das Produkt und damit dann auch wieder für mich, mein Konto und meine kleine Familie.
JEDENFALLS erscheint in genau einem Monat, am 25. März, mein neues Buch (Öffnet in neuem Fenster) „ESC – Das kleinste Buch zum größten Musikereignis“.1 Das feiern wir mit dem, was bei einem neuen Album ein „Release-Konzert“ wäre, also mutmaßlich mit einer Release-Lesung:

Am Sonntag, 22. März 2026, um 19 Uhr im COMEDIA Theater (Öffnet in neuem Fenster) in Köln (Vondelstraße 4-8, 50677 Köln).
Ich freue mich ganz besonders, dass Thorsten Schorn, immerhin der Kommentator fürs deutsche Fernsehen beim Eurovision Song Contest, an diesem Abend neben mir auf der Bühne sitzen und ebenfalls etwas vorlesen wird — idealerweise aus dem gleichen (wenn auch nicht dem selben) Buch wie ich, aber wir sind da auch noch für Vorschläge und Experimente offen!
Tickets gibt es nicht bei den umstrittenen Plattformen Eventim oder Live Nation, sondern direkt hier (Öffnet in neuem Fenster)! Kommt alle! Sagt Euren Freund*innen und Verwandten Bescheid!
In Bochum ist heute einer dieser Tage, wo man morgens ganz normal das Haus verlässt und mittags lautstark flucht, weil es plötzlich 17 Grad hat, die Sonne von einem hellblauen Himmel runterknallt und die Winterjacke, die man wie selbstverständlich angezogen hatte, viel zu warm ist.
Vorhin kam mir auf dem Weg zur Post ein älteres Paar entgegen, womöglich auf dem Heimweg vom Stadtbummel oder Arztbesuch; der Mann trug seine Pufferjacke gefaltet unter dem Arm, und ich dachte: „Narzissen und Krokusse, Eier und Hasen — schön und gut, aber wenn irgendetwas den nahenden Frühling symbolisiert, dann ja wohl das hier!“, und nickte den beiden vielleicht eine Spur zu euphorisch lächelnd zu.
Es ist aber gut, dass das Wetter jetzt besser wird, denn zuhause sitzen und auf den ausgeschalteten Fernseher schauen ist ja auch langweilig — denn was soll ich denn gucken, jetzt, wo die Olympischen Winterspiele vorbei sind?
Ich habe einen großen Teil der letzten zwei Wochen vor dem Fernseher verbracht und die Wettbewerbe aus Mailand, Cortina d’Ampezzo und den anderen Wettkampfstätten verfolgt. Ich muss gestehen, dass Wintersport bisher eher ein Verlegenheitsprogramm war, das wir geguckt haben, wenn gerade kein anderer Sport im Fernsehen lief.
Womöglich lag meine Zurückhaltung daran, dass „Wintersport“ im deutschen Fernsehen ja zumeist aus Skispringen/-fliegen und Biathlon besteht. Ersteres ist natürlich sehr beeindruckend, aber auch ein bisschen repetitiv; letzteres einfach der kartoffeligste Sport, den ich mir vorstellen kann: Dort, wo sich Schützenfest und Nordic Walking treffen, in der Multifunktionsjacke beim Pur-Party-Hitmix, wünsche ich viel Spaß, bin aber doch lieber abwesend.
Aber da war ja noch so viel mehr! Bob, Rodeln und vor allem Skeleton! „Mit über 100 km/h kopfüber irgendwo runter“ klingt zwar auch nach Schützenfest zu später Stunde, ist aber im Eiskanal dann doch deutlich spektakulärer! Zum ersten Mal überhaupt habe ich die Eiskunstlaufwettbewerbe etwas intensiver verfolgt — gerade rechtzeitig, um die geradezu Antike Tragödie um Ilia Malinin mitzuerleben. Auch der schwere Sturz von Lindsey Vonn in der Abfahrt ist so ein schrecklicher Sport-Moment, bei dem alles andere kurz egal ist und bei dem man sich in 20 Jahren noch erinnern wird, wo man ihn erlebt hat.
Besonders spektakulär fand ich persönlich - neben den ganzen sportlichen Höchstleistungen, die ich kein bisschen schmälern möchte und niemals erbringen könnte - die technische Aufbereitung der Wettbewerbe fürs Fernsehpublikum. Ständig hab ich mit meinen Freunden irgendwelche (Öffnet in neuem Fenster) Reels (Öffnet in neuem Fenster) hin- und hergeschickt, in denen es um die spektakulären Drohnenflüge über Schanzentische, hinter Eisschnellläufer*innen und durch Eisbahnen ging. Noch ein paar Tage, dann hätte ich selbst durch das Cortina Sliding Centre fahren können — zumindest kannte ich am Ende fast alle Kurven.
Direkt zu Beginn der Winterspiele fand ja auch noch die Super Bowl Halftime Show von Bad Bunny statt — ebenfalls ein Hochamt für Fans (Öffnet in neuem Fenster) gepflegter (Öffnet in neuem Fenster) Großproduktionen (Öffnet in neuem Fenster).
https://www.youtube.com/watch?v=G6FuWd4wNd8 (Öffnet in neuem Fenster)Ich hab mir den Auftritt direkt am nächsten Morgen angeschaut und die übliche Sekundärliteratur (Öffnet in neuem Fenster) rezipiert, um möglichst umfassend zu begreifen, was ich da gerade gesehen hatte.
Ich hatte schon ein paar Alben von Bad Bunny gehört (schließlich sollte ich als Popkulturjournalist wissen, was der erfolgreichste Act der Gegenwart so für Musik macht), aber so richtig hatte der Funke nie überspringen wollen. Wie auch?, möchte ich ihm Nachhinein fragen, denn es hilft schon, diese unglaubliche Freude zu sehen, mit der Bad Bunny seine Musik da zur Aufführung brachte. Nach diesem Auftritt habe ich das Gefühl, den Hype und die Musik ein Stück weit verstanden zu haben, und ich freue mich auf einen „DtMF“-untermalten Sommer.
Bad Bunny und Olympia waren auch schöne Beispiele dafür, dass es noch etwas anderes auf der Welt gibt als den verhaltensauffälligen US-Präsidenten — zumindest auf Social Media. Die traditionellen deutschen Medien haben, soweit ich das beurteilen kann, unbeirrt damit weitergemacht, ihre Chronistenpflicht überzuinterpretieren und jeden Rülpser des Rülps-O-Maten im Oval Office zu notieren. Aber gut: So könnte Donald Trump immerhin später noch mal nachgucken, was zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Position zu einem bestimmten Thema war.
Am Ende ging es dann natürlich doch wieder um ihn: Der FBI-Direktor Kash Patel hatte mit der siegreichen US-amerikanischen Eishockey-Nationalmannschaft der Herren in der Kabine an- und aufgestoßen, sich wie ein besonders peinlicher BWL-Student mit Burschenschaftshintergrund in den Spätausläufern eines Junggesellenabschieds auf die Brust getrommelt, besagten US-Präsidenten angerufen, woraufhin dieser in seiner üblichen jovialen Art die Mannschaft ins Weiße Haus eingeladen und hinzugefügt hatte, er werde die Frauen-Mannschaft, die am Tag zuvor ihre dritte Goldmedaille bei ihren achten Winterspielen gewonnen hatte (dazu vier Mal Silber und ein Mal Bronze), wohl auch einladen müssen, wenn er nicht des Amtes enthoben werden wolle, woraufhin die Männer dreckig und unterwürfig lachten.
Natürlich gibt es ein Video von diesem Vorfall, das - zumindest in meiner Ecke des Internets - seitdem natürlich ausgesprochen (Öffnet in neuem Fenster) ausführlich (Öffnet in neuem Fenster) kommentiert (Öffnet in neuem Fenster) wird. Und natürlich beantwortet es sehr gut die Frage, warum wir (gerade wir Männer) das Patriarchat bekämpfen und unsere Söhne beim Aufwachsen vernünftig begleiten müssen.
Apropos Olympia, apropos Söhne begleiten: Vielleicht lag der Grund, dass wir so intensiv die Winterspiele verfolgt haben, auch darin, dass wir eine „Probe BahnCard Gold“ (Öffnet in neuem Fenster) hatten: Nach jeder Goldmedaille, die das deutsche Team bei den Winterspielen geholt hatte, durfte man damit am nächsten Tag kostenlos den Fernverkehr der Deutschen Bahn nutzen.
Wir haben aus verschiedenen Gründen nicht jede Gelegenheit nutzen können, aber in der ersten Woche war ich in Frankfurt/Main, um dort bei Chipotle zu essen und drei interessante Musikfilme in der Schirn anzuschauen (Öffnet in neuem Fenster); während der Karnevalsferien waren wir in Hamburg, um auf dem Heiligengeistfeld schneeblind zu werden, mit der Hafenfähre zu fahren und Franzbrötchen für die ganze Familie zu kaufen; und am Montag sind wir nach der Schule noch nach Köln und zurück gefahren.

Zwischendurch ertappte ich mich beim Gedanken, wie das Leben wohl wäre, wenn so etwas normal wäre: einfach jederzeit in den Fernzug steigen und irgendwohin fahren können. Im Regionalverkehr kann ich das und fahre trotzdem nicht nach Düsseldorf, Wuppertal oder Krefeld, um dort ins Museum zu gehen. Aber Berlin, Frankfurt oder Hannover? Voll die gute Idee!
Schon die Fahrt könnte, 36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl oder zumindest ein Verständnis füreinander auslösen. Ich bin zum Beispiel immer ganz verwirrt, wenn Landschaft im Weg steht, denn meine Welt (Ruhrgebiet, Niederrhein, Norddeutschland und die ICE-Trasse nach Berlin) ist flach wie eine Pizza. Für mich beginnen die Berge im Süden Bochums, raus Richtung Witten, Hattingen, Velbert, Wuppertal; schon die sanften Hügel des Ruhrtals sind für mich nahezu alpin. Die Landschaften, durch die die Athlet*innen bei den Winterspielen pflügen, zeigen eine Welt, die ich allenfalls von oben aus dem Flugzeug kenne. Und dann fahre ich plötzlich durch irgendwelche Mittelgebirge!
Und dann diese Schnellstrecke nach Frankfurt mit ihren Tunnels! Wozu deutsches Ingenieurwesen in der Lage ist, wenn es einfach machen darf und nicht darauf achten muss, was als „shareholder value“ durchgeht! Wie gut die Bahn sein könnte, wenn sie nicht seit Jahrzehnten aktiv von der Politik (Öffnet in neuem Fenster) daran gehindert würde!

Es ist natürlich auch spannend, die verschiedenen Großstädte in so kurzer Zeit miteinander vergleichen zu können. Sie werden nämlich immer weniger verschieden: Man müsste diese ganzen Stadtplaner mit all ihren „Karrees“, „Boulevards“ und „Quartieren“, ihrem überschaubaren Immobilienmakler-Vokabular und ihrem Plan, alle Städte gleich und dabei gleichermaßen unbezahlbar zu machen, wirklich mal an einem Ort mit entschieden niedriger Aufenthaltsqualität einsperren, der nun wirklich unter keinen Umständen zum Verweilen einlädt! Noch zwanzig Jahre, dann ist das ganze Land Wolfsburg!
Alles in allem war diese „Probe BahnCard Gold“ für 19,90 Euro (39,90 in der 1. Klasse) also wirklich eine lohnende Investition (und eine vergleichsweise harmlose Art der Sportwette). Nach Hamburg und zurück hatten wir in Summe zwei Minuten Verspätung, die sich aus zwei Minuten Verfrühung auf der Hin- und vier Minuten Verspätung auf der Rückfahrt ergaben. Von Köln zurück nach Bochum haben wir statt einer fast drei Stunden gebraucht, aber das war in diesem Fall auch egal, denn unser oberstes Ziel war es ja, im ICE zu sitzen — und das konnten wir so natürlich perfekt ausnutzen!
Was hast Du veröffentlicht?
Für „Zeit Online“ (Öffnet in neuem Fenster) habe ich über den Tod von James Van Der Beek geschrieben. Der Schauspieler war im Alter von 48 Jahren gestorben und ich habe versucht, die Bedeutung von „Dawson’s Creek“, wo er vor über 20 Jahren die Titelrolle spielte, für mich und meine Generation herauszuarbeiten.
Was hast Du gehört?
„Lucky Now“, das dritte Soloalbum von Lande Hekt (Tapete; Apple Music (Öffnet in neuem Fenster), Spotify (Öffnet in neuem Fenster), Amazon Music (Öffnet in neuem Fenster), Tidal (Öffnet in neuem Fenster), YouTube Music (Öffnet in neuem Fenster), Deezer (Öffnet in neuem Fenster), Bandcamp (Öffnet in neuem Fenster)). Das ist perfekter Indierock, der alle Fäden der letzten Jahrzehnte aufgreift, von Sleater-Kinney über The Pains Of Being Pure At Heart bis zu MUNA. Es ist zwar erst Februar, aber das Album dürfte am Ende des Jahres ziemlich weit oben in meinen Jahresbestenlisten landen.
Metal ist nicht wirklich mein Genre, aber Kreator kommen aus dem Ruhrgebiet, haben eine Weltkarriere hingelegt und insofern verfolge ich mit grundsätzlicher Sympathie und Zugewandtheit, was die Band so macht. „Krushers Of The World“ (Nuclear Blast; Apple Music (Öffnet in neuem Fenster), Spotify (Öffnet in neuem Fenster), Amazon Music (Öffnet in neuem Fenster), Tidal (Öffnet in neuem Fenster), YouTube Music (Öffnet in neuem Fenster), Deezer (Öffnet in neuem Fenster), Bandcamp (Öffnet in neuem Fenster)) ist ihr 16. Studioalbum und ich maße mir weder an, das Album in den Kontext ihres Gesamtwerks einordnen noch ernsthaft bewerten zu können. ABER: Ich liebe dieses Album! Es ist wunderbar kathartisch und meine ganz eigene Definition von „Gute-Laune-Musik“. Beim Sport, beim Autofahren, am Schreibtisch — es tut gut zu wissen, dass da jemand für einen schreit und man das nicht auch noch selbst machen muss.
Was hast Du gesehen?
Zur Vorbereitung auf die Oscar-Verleihung hab ich zumindest schon mal die beiden heißesten Favoriten geschaut: „One Battle After Another“ und „Sinners“. Wenn’s nach mir ginge, würde ersterer als bester Film ausgezeichnet, denn obwohl letzterer wirklich nicht schlecht ist, hat mich „One Battle After Another“ dann doch insgesamt mehr überzeugt.
Was hast Du gelernt?
Minoru Yamasaki, Architekt des alten World Trade Centers (1973-2001), litt unter Höhenangst. Deswegen waren die Fenster der Twin Towers nur 46 cm breit.
Was hat Dir Freude bereitet?
Mit meinem Sohn an den Landungsbrücken stehen.
Und jetzt: Musik!
https://www.youtube.com/watch?v=v2HKRAtUKNw (Öffnet in neuem Fenster)Wo der Eurovision Song Contest und die Olympischen Winterspiele 2026 sich treffen.
Wenn Dir mein Schaffen (Newsletter (Öffnet in neuem Fenster), Blog (Öffnet in neuem Fenster), Musik (Öffnet in neuem Fenster)) Freude bereitet, teile es doch gerne mit Personen in Deinem Umfeld, denen es auch gefallen könnte! Bis das Buch rauskommt, muss ich mein Publikum vergrößern!
Und wenn Du meine Arbeit auch finanziell unterstützen magst und kannst: Das geht per PayPal (Öffnet in neuem Fenster) oder als Bezahl-Abo.
Habt eine schöne Restwoche!
Always love, Luki
Ich habe gerade gesehen, dass es online sogar schon eine Leseprobe (Öffnet in neuem Fenster) gibt, in der man die ersten 100 Seiten lesen kann! Dann seid Ihr schneller fertig, wenn das ganze Buch da ist. ↩