In Goldhammer folgt die Kamera dem jungen Marcel Goldammer, der in der Pfalz geboren wurde, sich mit Vierzehn als schwul outete und bereits mit fünfzehn Jahren der rheinland-pfälzischen Enge entfloh, um nach Berlin zu ziehen. Er wollte Schauspieler werden und hatte einige Engagements beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Marcel wurde davon angetrieben, etwas von Bedeutung in seinem Leben zu machen. Erwachsen geworden, verdiente er sein Geld als Luxus Escort und bumste sich durch die Welt. Finanziert von seinem reichen chinesischen Freund lernte er den Jetset, schicke Hotels und das Kokain zu schätzen. Später trat er aus Liebe zu Israel dem Judentum bei und arbeitete als Journalist. Während der Corona-Pandemie transformierte er sich erneut und wurde zum AFD-Politiker für Berlin-Neukölln.
Pablo Ben Yakov und André Krummel, die bekannt sind für ihre geniale Dokumentation Lord of the Toys (2018), in der sie den rechtsextremen Youtuber Max "Adlersson" Herzberg begleiten, präsentierten 2023 ihr neues Werk Goldhammer. Der Film zeigt eindrucksvoll, was Identität sein kann: unlogisch und ambivalent. Schwuler, Jude, Callboy und Rechtspopulist - das scheint oberflächlich betrachtet nicht zusammenzupassen. Doch so sind menschliche Identitäten, sie lassen sich nicht immer in Ideologien oder Schubladen pressen, sie sind fluide. Der Film zeigt, was wahre Queerness bedeuten kann und hat lustige, skurrile und traurige Momente, weil Marcel Goldammer nicht nur ein selbstbewusster Machertyp ist, der für seinen Narzissmus über Leichen geht, sondern auch ein gebrochener, einsamer und drogensüchtiger Junge. Man hasst ihn, man lacht über ihn und man möchte ihn in den Arm nehmen und trösten. All das hat Goldhammer zu bieten. Eine außergewöhnliche Dokumentation und einer der besten Filme des Jahres 2023.
https://www.imdb.com/title/tt27592963/ (Öffnet in neuem Fenster)