Früher war Familie ein größeres Gefüge – mit mehr Menschen, die mittragen. Heute stemmen oft zwei Erwachsene Kinderbetreuung, Haushalt und Beruf allein, weit weg von Familie und gewachsenen Netzwerken. Wie es dazu kam, warum das so erschöpft, was das mit Gemeinschaft zu tun hat – und was man daraus machen kann.

„Mama?", fragt Mia auf dem Heimweg vom Kindergarten.
„Kann ich am Wochenende bei Oma und Opa übernachten? Sophia ist jedes Wochenende bei ihrer Oma und ich fast nie."
„Das ist eine schöne Idee!", antwortet Andrea. „Wie wär’s in einem Monat? Da sind Ferien, dann können wir als ganze Familie hinfahren."
„In einem Monat? Das dauert ja noch ewig! Warum nicht dieses Wochenende?"
„Opa und Oma wohnen echt weit weg. Schau mal: Wir müssen fünf Stunden fahren, um zu ihnen zu kommen. Das lohnt sich nicht für ein Wochenende."
„Och Menno! Warum können wir nicht wie bei Sophia alle zusammen wohnen?"
Andrea sagt nichts, aber lässt ihre Gedanken laufen.
Ja, warum eigentlich nicht?, überlegt sie. Irgendwie hat es sich anders entwickelt. Das Studium, der erste Job – eine Entscheidung nach der anderen. Alle waren sinnvoll, nachvollziehbar. Und nun wohnen sie weit weg von ihrer Familie. Ein bisschen heimatlos. Ohne Unterstützung. Wie so viele andere Familien auch.
Hätte ich vorher gewusst, was das bedeutet, hätte ich manches anders gemacht, denkt Andrea. Vielleicht.