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I PREVAIL - Lieber nicht in die Karten schauen lassen.

Die meisten Schlagzeilen machten I PREVAIL aus Michigan neben ihrem Metal-Cover von Taylor Swifts „Blank space“ 2014 und ihrer zweifachen Grammy-Nominierung 2020 wohl mit dem Ausstieg von Gründungsmitglied und Cleansänger Brian Burkheiser im Mai dieses Jahres. Kurz darauf kündigte die Band ihr viertes Album „Violent Nature“ an. Es folgten wilde Spekulationen, mit denen die verbliebenen Mitglieder aber offenbar nicht aufräumen und an denen wir uns nicht beteiligen möchten. Frontmann Eric Vanlerberghe verrät uns stattdessen etwas über die neue Platte, hält sich an manchen Stellen allerdings unerwartet bedeckt. Immerhin empfiehlt er uns zum Abschluss noch eine TV-Serie, die ihn aktuell schwer begeistert.

Foto: Reilly Clark

Eric freut sich auf den 19. September. Dann endlich kann er „Violent Nature“ in voller Pracht der Welt zeigen. „Ich bin sehr stolz auf das, was wir erschaffen haben. Mit unseren letzten Alben haben wir die ganze Bandbreite unseres Sounds gezeigt, jetzt machen wir uns zunutze, was wir am besten können“, fasst er zusammen. Die ersten Instrumentals sind bereits auf der Tour Ende letzten Jahres entstanden, so richtig in den Prozess abgetaucht ist die Band dann Anfang 2025. Den Feinschliff erfuhr „Violent Nature“ in den Blackbird Studios in Nashville. „Es war ein großartiges Gefühl, mit der ganzen Band in einem Raum gemeinsam die letzten Handgriffe zu machen.“

https://youtu.be/AytPEP2kW-E?si=Pie5iWeB4GmiKqiH (Öffnet in neuem Fenster)

Zwischendurch mal heavy sein

Während I PREVAIL schon immer gerne experimentiert und die Grenzen ihres Sounds ausgelotet haben, wirkt es so, als wollten sie auf „Violent Nature“ erst recht Extreme vereinen. Besonders deutlich wird das, wenn auf das gemütlich-akustische „Crimson clover“ der Track „God“ folgt, ein wildes Spektakel mit Blastbeats und Pig Squeals. „Das Tracklisting ist uns sehr wichtig“, beteuert Eric. „In einer Welt, in der sich alles um Singles und Playlists dreht, wird das Album als Gesamtwerk oft vergessen. Für die Hörer:innen, die eine Platte auflegen, weil sie mit auf eine Reise genommen werden wollen, möchte ich jedenfalls sicherstellen, dass es keine lahmen oder einschläfernden Stellen gibt. Das Album soll zwar Höhen und Tiefen haben, aber alles muss sich einem Spannungsbogen fügen.“

Auch bereits die ersten Single-Auskopplungen unterstrichen den Kontrastreichtum, I denn PREVAIL platzierten zwischen den Releases der melodiösen Metalcore-Hymnen „Rain“ und „Into hell“ den brachialen Titeltrack „Violent nature“. Der fällt ein wenig aus dem Rahmen und wirkt, als solle er möglichst früh beweisen, dass I PREVAIL auch noch heavy sein können – und zwar so richtig. Eric meint: „Ich glaube, auf der neuen Platte machen wir einen sehr guten Job darin, all die Seiten zu zeigen, die die Band wirklich ausmachen.“ Generell verdichtet sich im Metalcore zur Zeit der Eindruck, dass Bands, die sich auf seichteres Terrain gegeben, zugleich das Bedürfnis verspüren, auch ihre harte Seite unter Beweis stellen zu müssen. Eric hat seine eigene Art, damit umzugehen. „Ich denke, wir haben noch viel vor uns“, überlegt er. „Darüber nachzudenken, was wir zukünftig noch alles machen können, nimmt den Druck aus der aktuellen Situation heraus. So können wir uns einfach darauf konzentrieren, im Hier und Jetzt die besten Songs zu schreiben.“

Generell ist Eric gespannt auf das, was sich im Metal in den kommenden Jahren noch entwickeln wird. „Ich habe den Eindruck, dass Metal als Genre lange nicht mehr so groß war und so schnell gewachsen ist wie aktuell. Ist es nicht aufregend, all die neuen Fans des Genres zu sehen, wie sie Bands für sich entdecken, die jahrelang geackert haben und nun endlich Gehör bekommen? Ich freue mich auch auf die nächste Welle an jungen Bands, die von den aktuellen Entwicklungen im Metal beeinflusst werden.“

https://youtu.be/3CuGW_fJvgk?si=fZzsJTFnyKvDlHRr (Öffnet in neuem Fenster)

Neues Terrain – mit verschlossenen Türen

Zu diesen Entwicklungen zählt auch, dass Metal-Musiker etwas Neues wagen, etwa dass Sänger neue stimmliche Facetten ausprobieren. Eric, bislang hauptsächlich für Shouts und gutturalen Gesang zuständig, übernimmt nach Brians Weggang nun auch die cleanen Vocals. Wie geht man diesen Wandel an? Wie schaut das Training aus? Hat Eric eine bestimmte Gesangstechnik gelernt oder sonst ein Ritual, das ihm bei dieser Aufgabe hilft? Wir haben einige Fragen dazu – aber keine Antworten. Denn Eric möchte sich nicht so recht in die Karten blicken lassen. Wir fragen uns, ob es daran liegt, dass er für seine Live-Performances kürzlich Kritik einstecken musste?

Gefragt danach, weshalb er „Rain“ als seinen Lieblingssong der Platte bezeichnet, gewährt der Frontmann dann aber doch noch einen klitzekleinen persönlichen Einblick: „‚Rain‘ bedeutet mir wirklich viel. Er war einer der ersten Songs des Albums, an dem wir gearbeitet haben, und der erste, in dem ich einen großen Refrain gesungen habe.“ Darüber hinaus hat der Track eine emotionale Bedeutung: „Als wir die neuen Songs unserem früheren Manager vorstellten, stach ‚Rain‘ für ihn direkt hervor.“ Gemeint ist Dave Shapiro, der im Mai 2025 bei einem tragischen Flugzeugunglück ums Leben kam. „Jedes Mal, wenn wir diesen Song spielen, dann ist er für ihn“, ergänzt Eric.

Foto: Gaswan Al-Sibai

Eine klare Vision für den Sound, ein neues Band-Setup – ein neues Kapitel? „Wir fühlen uns eigentlich mit jedem Album so, als würden wir in eine neue Ära starten, und ich habe das Gefühl, dass das auch bei den kommenden so sein wird“, gibt Eric zu Bedenken. „Das bedeutet aber nicht, dass wir uns von dem entfernen wollen, was die Band ausmacht. Ich will damit sagen, dass wir neue kreative Wege gefunden haben, um zu wachsen.“

Zum Abschluss fragen wir Eric noch nach TV-Serien, kürzlich hatte er nämlich sehr verzückt von seinem Treffen mit Jay Howell, dem Illustrator seiner Lieblingsserie „Bob’s Burger“, berichtet. Welche Show kann Eric uns außerdem empfehlen? Lange muss er nicht überlegen: „‚I think you should leave.‘ Das ist meiner Meinung nach die lustigste Serie überhaupt – und sie trifft auch den Humor innerhalb unserer Band ziemlich gut.“

Jeannine Michèle Kock

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Kategorie Interviews

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