In Stuttgart-Ost ist der Stadtteil Gaisburg ist kein E-Zentrum mehr, auf der Gänsheide und dem Frauenkopf gibt es keine fußläufig erreichbaren Lebensmittelgeschäfte.
Von Jürgen Brand
Im Stuttgarter Osten wird das Einkaufen des täglichen Bedarfs nicht einfacher. Im gesamtstädtischen Vergleich liegt die Verkaufsfläche pro Einwohner deutlich unter dem städtischen Durchschnitt, in Stadtteilen wie Berg, Gänsheide oder Frauenkopf gibt es kaum noch Einkaufsmöglichkeiten. Der Stadtteil Gaisburg war früher einmal ein sogenanntes E-Zentrum, erfüllt mangels Geschäften inzwischen aber nicht mehr die Kriterien eines zentralen Versorgungsbereiches. Das Einzelhandelskonzept der Landeshauptstadt hilft nur bedingt weiter - und ist deswegen in Stuttgart-Ost und auch im Nachbarstadtbezirk Wangen zum Teil auf Kritik gestoßen.
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Die Fortschreibung des mehrere hundert Seiten dicken Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Stuttgart beschäftigt gerade die Bezirksbeiräte stadtweit. Eigentlich hätte der Punkt in den Sitzungen schnell abgehakt sein sollen. Am 24. Juli gab es eine große Infoveranstaltung für alle Bezirksbeiräte, in den jetzigen Sitzungen sollte nur noch abgestimmt werden. Zumindest hatte sich das der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, Armin Serwani (FDP), so vorgestellt. Mitglieder der Grünen-Fraktion hatten aber Redebedarf.
Wenig Verkaufsfläche in Stuttgart-Ost
Nach dem Konzept gibt es in Stuttgart-Ost mit seinen gut 48.000 Einwohnern 154 Einzelhandelsbetriebe mit einer Gesamtverkaufsfläche von 23.600 Quadratmetern. Das entspricht 0,49 Quadratmetern pro Einwohner und liegt damit deutlich unter dem gesamtstädtischen Durchschnitt von 1,27. Bei der Lebensmittelverkaufsfläche liegt Stuttgart-Ost bei 0,24 Quadratmetern pro Einwohner. Hier ist der städtische Durchschnitt bei 0,32, der Bundesdurchschnitt in der Warengruppe Nahrungs- und Genussmittel wird mit 0,40 bis 0,45 Quadratmetern/Einwohner angegeben.

Laut Konzept gibt es in Stuttgart-Ost noch drei zentrale Versorgungsbereiche, die als D-Zentrum eingestuft werden: Ostheim mit dem Ostendplatz, Stöckach entlang der Neckarstraße und Gablenberg. Der Stadtteil Gaisburg ist von einem zentralen Versorgungsbereich zu einem Nahversorgungsbereich herabgestuft worden, hier gibt es lediglich noch den Cap-Markt als wichtigste Versorgungseinrichtung, eine kleine Bäckerei, eine Apotheke, einen Kiosk auch mit Schreibwaren. Der Stadtteil Berg wurde für das Konzept gar nicht mehr als eigenständiges Zentrum analysiert.
„Für die dort lebenden Einwohner ist eine fußläufige Erreichbarkeit von Lebensmittelmärkten nicht gegeben.”
„Es zeigt sich eine räumlich unausgewogene Nahversorgungssituation”, heißt es in der Vorlage. Zu den Stadtteilen Gänsheide und Frauenkopf wird angemerkt: „Für die dort lebenden Einwohner ist eine fußläufige Erreichbarkeit von Lebensmittelmärkten nicht gegeben.” Konkrete Verbesserungsvorschläge enthält das Konzept nicht. Zum D-Zentrum Gablenberg wird angeführt: „Frequenzbringer sind die Lebensmittelmärkte Aldi Süd und Denn’s (ehemals Naturgut) sowie ein Wochenmarkt am Schmalzmarkt.” Der Wochenmarkt besteht seit Monaten allerdings nur noch aus einem Käsestand.
https://steady.page/de/gaisburger-marsch/posts/7f9e070d-0760-47fd-85d5-56d32a5ea61e (Öffnet in neuem Fenster)Auch die angestrebte Integration sozialer Zentren stößt in Gablenberg an Grenzen: Dort hat sich eine Initiative zur Verkehrs- oder zumindest Geschwindigkeitsreduzierung in der Gablenberger Hauptstraße vor allem im Bereich der Kindergärten beim Petrus-Gemeindezentrums gebildet. Der Handels- und Gewerbeverein dagegen sieht den Durchgangsverkehr dort seit Jahren als überlebenswichtig an, befürwortet aber auch schon länger Tempo 30. Das ließ die alte Fassung der Straßenverkehrsordnung (StVO) aber bisher nicht zu. Die neue Fassung lässt den Kommunen mehr Spielraum.
https://steady.page/de/gaisburger-marsch/posts/a5318138-eed0-47dd-bdb7-b85e2866c015 (Öffnet in neuem Fenster)Ergänzungsantrag in Stuttgart-Wangen
In Stuttgart-Ost wurde der Fortschreibung des Konzepts mit neun Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen zugestimmt. Im Nachbarstadtbezirk Wangen beantragte der Bezirksbeirat eine Ergänzung des Konzepts: Dort wird eine Erweiterung der dort bisher gezogenen Zentrumsgrenzen um das Areal mit dem Sozialkaufhaus und Tanzschulen an der Inselstraße gewünscht. Außerdem hat das Gremium die Verwaltung aufgefordert, nach einer geeigneten Fläche für einen Drogeriemarkt zu suchen. Der fehlt in Wangen.
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Link zum ganzen Konzept (mehr als 600 Seiten)
Quellen