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Es werde Licht!

Von Hasnain Kazim - Lichtdusche / Ramadan / Buchmodell / Telefonieren im Zug

Liebe Leserin, lieber Leser,

einer der Gründe, weshalb ich nicht mehr in Norddeutschland lebe, ist, und das meine ich völlig ernst, das ewige Grau, das in den Himmel festgetackert ist - vor allem im Herbst und im Winter. Wärme ist mir durchaus wichtig, aber nicht so sehr wie Licht. Ich brauche Licht, Licht, Licht!

Über Pakistan und die Türkei, beides Länder, in denen ich gelebt habe, hätte ich so einiges Kritisches zu berichten, über beide habe ich jeweils ein Buch geschrieben, aber eines muss ich ausdrücklich loben, auch wenn zumindest die politisch Verantwortlichen nichts dafür können: Das Licht dort ist hervorragend! Gut, Istanbul ist grauer als man vermuten mag, es regnet oft, aber so schlimm wie in Hamburg ist es dort lichtmäßig nicht.

Wien kenne ich als durchaus sonnige Stadt, jedenfalls nehme ich das so wahr. Nur die November sind üblicherweise trüb und grauslig, und in diesem Wort steckt, Sie merken es schon, “grau”. Diesen Winter aber lag über längere Zeit eine furchtbare Nebelsuppe über der österreichischen Hauptstadt, es war, das melden einige Zeitungen, der dunkelste und trübste Winter seit dreißig Jahren! Seit dreißig Jahren! Im Dezember gab es, das melden mehrere Medien, nur 38 Sonnenstunden überhaupt. Seit Anfang dieses Monats, also Februar, noch keine einzige. Keine einzige! Da hätte ich ja gleich in Norddeutschland bleiben können! Welch ein Herbst- und Winterblues!

Mir schlägt das himmlische Grau tatsächlich aufs Gemüt. Aber so schlimm ist es auch wieder nicht, dass ich deswegen schon mal beim Arzt war, jedenfalls wurde bei mir weder eine Winterdepression noch eine “Seasonal Affective Disorder”, kurz: SAD (sehr passendes Akronym!) diagnostiziert, und ich habe auch noch nie bezüglich dieser Themen gegoogelt oder sonstwie im Netz recherchiert.

Aber da unsere technischen Helferlein offensichtlich nicht nur “Cookies” speichern, sondern auch Gedanken lesen und Gefühle erspüren können, wurde mir diese Woche in einem “sozialen” Medium dieser Artikel in die Timeline gespült:

https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2025/nov/17/the-one-change-that-worked-i-had-sad-and-felt-desperate-until-a-scientist-gave-me-some-priceless-advice (Öffnet in neuem Fenster)

Eine Autorin beschreibt ihre Winterdepressionen und ihre Furcht vor der Dunkelheit und der Lichtlosigkeit. Sie sprach mit einem finnischen Forscher, und der empfahl ihr eine Tageslichtlampe, auch “Lichtdusche” genannt, und siehe da: Sie wirkte bei ihr Wunder!

Ich hab’s nicht so mit Esoterik und Wunderheilern, aber ich habe mir prompt so eine Lampe gekauft, weil ich die Argumentation der Autorin einleuchtend (besonders schön passendes Verb an dieser Stelle!) finde. Seit dieser Woche sitze ich also bei meinem Morgenkaffee, lesend und sehr, sehr, sehr hell erleuchtet da. Wie ein Heiliger im Schein. Mindestens 10.000 Lux. Ich komme mir ein wenig bescheuert vor: so hell angestrahlt am Tisch zu hocken.

Ich bin gespannt, ob das eine Wirkung hat, ob überhaupt irgendetwas zu spüren sein wird. Ein paar Tage, besser: Wochen soll es ja angeblich dauern, bin man - vielleicht - etwas spürt.

Mal sehen.

Wenn es nicht hilft, muss ich demnächst doch nach Südfrankreich oder in die Südsee ziehen.

Nützt ja nix.

Isst du noch oder fastest du schon?

Seit Donnerstag ist Ramadan, und natürlich ist das wieder ein Thema in den Medien, den herkömmlichen wie den “sozialen”. Manche erklären, wie jedes Jahr, was es mit dem Fasten auf sich hat, wie es vonstatten geht, welche Regeln gelten, dass man tagsüber, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen darf et cetera. Dass es aber Ausnahmen gebe, für arbeitende Menschen zum Beispiel, für Reisende oder für Schwangere, für Kinder sowieso. Und, ebenfalls wie jedes Jahr, in den “sozialen” Medien wird viel gepöbelt, werden Leute, die “Ramadan Kareem” wünschen, also zu Beginn des Fastenmonats gratulieren, beleidigt. Andere weisen, auch wie immer, darauf hin, dass das ja gar kein richtiges Fasten, kein echter Verzicht sei, da es ab dem abendlichen Fastenbrechen regelrechte Gelage gebe, mit sehr viel Essen.

Auf Instagram erklärt eine Journalistin auf dem Kanal des Deutschlandfunks Ramadan - und fragt am Ende: “Was bedeutet Ramadan für euch?”

Dazu möchte ich gerne etwas sagen. Mir persönlich bedeutet es: nichts. Ich faste nicht, ich habe nie gefastet, wahrscheinlich werde ich es auch in Zukunft nicht tun, jedenfalls nicht aus religiösen Gründen. Ich habe zwar muslimische Wurzeln, bin aber christlich aufgewachsen, und auch im Christentum hat ja gerade die Fastenzeit begonnen. Zufälligerweise fällt das in diesem Jahr zusammen, aber auch hier faste ich nicht… Die längste Zeit meines Lebens bin ich konfessionslos, aber durchaus gläubig.

Jedenfalls bin ich ein Freund der verfassungsrechtlich verankerten Religionsfreiheit: Jeder/jede glaube, was er/sie mag. Wenn jemand also fasten möchte: bitteschön. Gleichzeitig bin ich ein Freund des säkularen Staates und der Überzeugung, dass Religion Privatangelegenheit ist.

Von Menschen, die einen Beruf ausüben, der sich auf andere Menschen auswirkt, erwarte ich, dass sie sich vernünftig ernähren und ihre Energiezufuhr so regeln, dass ihr Blutzuckerspiegel nicht verrückt spielt. Fastenmonat hin oder her, sie müssen ihre Arbeit so ausführen können, dass sie nicht zu einem Risiko für andere werden. Ich halte es für völlig richtig, dass Piloten, Chirurgen, Taxifahrer nicht fasten.

Der Äußerung, es werde ja gar nicht richtig gefastet, stimme ich persönlich zu. Mir kommt es auch irgendwie nicht wie ein wirklicher Verzicht vor. Den Verzicht auf Wasser bei 40 Grad Celsius und mehr, wie ich es in Pakistan erlebe, halte ich übrigens für fahrlässig und gefährlich. Als ich das einmal gegenüber einem Fahrer kritisierte, antwortete der: “Allah beschützt mich schon.” Na dann. Zum Glück wandert Ramadan jedes Jahr im kalendarischen Jahr um zehn Tage nach hinten und findet jetzt nun um Winter statt. Im Hochsommer ist es ungleich anstrengender (und gefährlicher).

Solange das Fasten andere nicht gefährdet, sage ich aber auch: Wen interessiert, was ich darüber denke und wie ich das finde? Wenn Millionen Menschen es so machen wollen: sollen sie! Und natürlich nehme ich Rücksicht. Wenn ich mich in einem Umfeld aufhalte, wo Leute fasten, würde ich vor diesen Menschen auch nichts essen. Nicht, weil irgendein Gesetz das vorschreibt, sondern aus Rücksichtnahme. Aber das ist meine persönliche Entscheidung. Andere verhalten sich anders. Auch okay. Wo es erzwungen wird: nicht okay.

Leuten zum Ramadan zu gratulieren und Glückwünsche zu senden, finde ich gut. Ich tue das auch zu christlichen, jüdischen, hinduistischen et cetera Festen, wenn ich davon mitbekomme und daran denke.

Dass Medien darüber aufklären, was es mit dem Ramadan auf sich hat, finde ich ebenfalls gut. Hier leben nun einmal einige Muslime, und es ist immer gut, Dinge zu wissen, sich auszukennen, etwas einordnen zu können. Google und ChatGPT können einem eben nicht alles abnehmen.

Es fängt aber ab dem Moment an, mich zu stören, wo ich den Eindruck habe, dass mir ein Bekenntniszwang abgenötigt wird oder mir ein Verhalten aufgezwängt werden soll. Und ja, manchmal ist das der Fall, vor allem, wenn man rein äußerlich, wegen seines Aussehens oder seines Namens, als muslimisch wahrgenommen wird. Über diese schwierigen Seiten des Ramadan lese ich in den klassischen Medien wenig.

Der soziale Druck ist in manchen islamischen Communities enorm, auch in Deutschland und Österreich. Die Erwartungshaltung: Du musst dich den Regeln beugen! Du darfst nicht ausscheren! Du musst fasten!

Weil manche mich für einen Muslim halten, fragen sie: “Fasten Sie?” Die Frage finde ich in Ordnung, solange es als sachliche Frage gemeint ist, ohne Erwartungshaltung. Man kann sie stellen, weil man zum Beispiel wissen möchte, ob man jemandem einen Kaffee oder Tee anbieten oder zum Mittagessen einladen darf. Sobald aber auf mein “Nein, ich faste nicht” ein “Warum nicht?” kommt, und das geschieht bisweilen, schaltet sich bei mir automatisch der Krawallmodus ein. “Ich denke, das geht Sie überhaupt nichts an!” ist da noch die bestgelaunte Antwort.

Ich glaube, die meisten Menschen in Deutschland und Österreich ahnen nicht, welchen Druck es da gibt. In der Türkei habe ich erlebt, dass Restaurants verwüstet wurden, die es wagten, tagsüber während des Ramadan zu öffnen. Selbst in modernen, westlich geprägten Stadtteilen von Istanbul. In Pakistan kann es passieren, dass Leuten Gewalt angetan wird, die in der Öffentlichkeit essen oder trinken.

Und wenn man meint, das sei ja alles weit weg und gehe uns nichts an: Fragen Sie mal hierzulande an Schulen mit mehrheitlich muslimischen Schülerinnen und Schülern, welchem Druck all jene Klassenkameraden ausgesetzt sind, die nicht fasten. Das trifft natürlich nicht überall zu, aber der Druck ist da, an manchen Orten ziemlich stark. Als Außenstehender bekommt man das nur schwer mit. Ich finde das inakzeptabel. Man möchte diesen Typen, die ihre nichtfastenden Mitschüler mobben, beibringen: Es ist none of your business, ob andere fasten oder nicht.

Das Ritual des Fastens tagsüber, das Nachdenken über Verzicht, das Geben und Teilen, das gesellige Beisammensein beim abendlichen Fastenbrechen, Iftar genannt, finde ich anerkennenswert. Dem kann ich sehr viel abgewinnen, auch wenn ich selbst es nicht praktiziere. Einladungen zum Iftar nehme ich trotzdem an. Es ist eben auch ein Monat des Spirituellen, des Miteinanders, des Feierns. Wer das also machen möchte: schön!

In diesem Sinne all denen, die den Fastenmonat begehen: Ramadan Kareem! Beziehungsweise, wie man in Pakistan und Indien sagt, Ramzaan Mubarak!

Ein Buch! Ein Buch!

Kommende Woche erhalte ich die ersten Exemplare meines neuen Buches “Der Islam und ich”. Das ist immer ein schöner Moment, wenn das Packerl kommt.

Nun ist es so, dass ich in der kommenden Woche Termine habe, bei denen es - für die Bilder - gut wäre, wenn ich das Buch schon dabei habe. Da aber nicht gewiss ist, wann genau ich es erhalte, hat mir mein Verlag schon mal ein Buch in vergleichbarer Größe und Stärke zukommen lassen, außerdem den Buchumschlag in Originalfarbe, sozusagen das Prüfexemplar, und so bekommt nun das Buch von “Checker Tobi” meinen Umschlag, und fertig ist das Fotomodell.

“Checker Tobi” möge mir verzeihen. Ich werde sein Buch natürlich lesen.

Ich freue mich schon darauf, die ersten echten Exemplare zu erhalten, die es ab dem 11. März im Buchhandel gibt. Vorbestellbar ist es, ebenso wie das Hörbuch, das ich selbst eingesprochen habe, ab sofort.

Und wer mag: Am 10. März ist Premierenlesung in Berlin, im Pfefferbergtheater, im Gespräch mit Michel Abdollahi. (Öffnet in neuem Fenster)

Am 9. März gibt es eine Vorpremiere im thüringischen Mühlhausen. (Öffnet in neuem Fenster)

Freue mich, die eine oder den anderen in Mühlhausen oder in Berlin zu sehen!

Schluss mit Gelaber!

Vergangene Woche habe ich mich in den “Erbaulichen Unterredungen” kritisch über das Telefonieren in Zügen geäußert. Darüber, wie nervig es ist, wenn Leute laut und wichtigtuerisch von ihren Geschäften reden oder ihre - durchaus für Fremde nicht hörenswerten - Krankheitserscheinungen für den gesamten Waggon detailliert schildern.

Und was lese ich diese Woche in den Nachrichten? Die Wiener Linien starten eine Kampagne gegen lautes Telefonieren und Musik ohne Kopfhörer in den Öffis! Sehr gut!

Sie sehen: Die “Erbaulichen Unterredungen” werden überall gelesen und geradezu als Handlungsanleitung, ja: als Direktive verstanden! So soll es sein!

Damit Sie also künftig nicht verpassen, was Ihnen alles blüht und wie sich Ihr Leben verändern wird, lesen Sie lieber gleich frühzeitig und regelmäßig die “Erbaulichen Unterredungen”, indem Sie sie abonnieren und damit jeden Sonntagmorgen zugeschickt bekommen. Oder unterstützen Sie mich gleich beim Verfassen mit einem kleinen Beitrag in Form einer “Mitgliedschaft” - Knöpfe siehe unten.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Sonntag und eine schöne Woche, herzliche Grüße aus Wien,

Ihr Hasnain Kazim

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