In diesem zweiten Teil der Erfolgsgeschichte der SĂ€ugetiere geht es um das Leben im Schatten der Giganten: unterirdisch, zwischen Wurzeln, in Baumkronen oder lautlos durch die Nacht gleitend. Ich zeige dir, wie sich SĂ€ugetiere in einer Welt behaupteten, die ihnen nur wenig Raum lieĂ, und wie aus kleinen ĂberlebenskĂŒnstlern eine weltumspannende, hochspezialisierte Tiergruppe wurde â und das schon lange bevor die Dinosaurier verschwanden.

Das Leben nach dem Inferno
Im ersten Teil dieser Reihe (Ăffnet in neuem Fenster) haben wir gesehen, wie eine globale Katastrophe am Ende des Perms fast alles Leben auslöschte. Doch wie ging es danach weiter? Ăber einen Zeitraum von mehr als 150 Millionen Jahren, von der spĂ€ten Trias bis zum Ende der Kreidezeit, entwickelte sich eine groĂe Zahl spezialisierter SĂ€ugetierformen, die fossil leider kaum dokumentiert sind. Neue Fundstellen aus China und SĂŒdafrika der letzten zwei Jahrzehnte ermöglichen heute dennoch eine teilweise Rekonstruktion dieser spannenden Phase. Sie beginnt vor 225 Millionen Jahren und reicht bis kurz vor das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren.
Stell dir nun also vor, wir reisen zurĂŒck in die spĂ€te Trias, also in die Zeit vor etwa 210 bis 195 Millionen Jahren. Dort begegnen wir den frĂŒhesten VorlĂ€ufern unserer heutigen SĂ€ugetiere: winzigen, schlanken Geschöpfen wie Morganucodon, Sinoconodon und Megazostrodon. Diese Tiere waren zwar noch keine direkten SĂ€ugetiere, trugen aber bereits viele ihrer typischen Merkmale in sich. Ihre SchĂ€del verrieten eine fortschrittliche Zahnstruktur und ein weiterentwickeltes Kiefergelenk, das schon an das moderner SĂ€ugetiere erinnerte. Ihr gedrungener Körperbau deutet darauf hin, dass sie vorwiegend in der DĂ€mmerung oder Nacht aktiv waren â perfekte Bedingungen also, um sich vor gröĂeren RĂ€ubern zu verstecken. Sie bewegten sich am Boden, lebten vermutlich als EinzelgĂ€nger und ernĂ€hrten sich hauptsĂ€chlich von Insekten und anderen Wirbellosen.

Die Nachfahren dieser frĂŒhen Formen entwickelten sich im Jura weiter, einem Zeitraum vor zwischen etwa 201 und 145 Millionen Jahren. Auch wenn der Fossilbericht aus dieser Zeit eher lĂŒckenhaft ist, haben uns einige auĂergewöhnliche Funde â insbesondere in den Yanliao- und Daohugou-Formationen in Nordchina â einzigartige Einblicke ermöglicht. Dort wurden kleine SĂ€ugetierskelette in vulkanischer Asche perfekt konserviert, die uns heute Details ĂŒber ihre Anatomie und Lebensweise verraten. Diese Tiere gehörten verschiedenen Linien an, die teilweise mehrere zehn Millionen Jahre nebeneinander existierten, sich unabhĂ€ngig spezialisierten und am Ende vollstĂ€ndig ausstarben.
Schauen wir uns doch mal an, wer damals so ĂŒber die Welt tippelte, schwamm oder gleitete, ja?
Da wÀre beispielsweise Castorocauda, dessen Fossil auf ein Alter von etwa 164 Millionen Jahren datiert wird. Das Tier war etwa 40 Zentimeter lang, besaà ein dichtes Fell, SchwimmhÀute und einen abgeflachten Schwanz. Die Körperform erinnert irgendwie an einen Biber, doch die Zahnmorphologie und das Skelett belegen unmissverstÀndlich, dass es sich um eine eigenstÀndige Entwicklungslinie handelte, die mit den heutigen kleinen Baumeistern nicht nÀher verwandt ist. Hier war die Form funktional Àhnlich, die Evolution jedoch gÀnzlich unabhÀngig. Castorocauda lebte vermutlich an Flussufern und ernÀhrte sich von kleinen Wassertieren.
