Sonntag. Düsseldorf. Ein Kollektiv aus Kulturschaffenden (Öffnet in neuem Fenster) lud mich in ihre Räumlichkeiten ein. Der Kontakt kam über eine Vorstellung bei der Uni Köln vor ca. einem Jahr zustande. Nun durfte ich ziemlich ausführlich in etwa zwei Stunden über aktuelle (queer-)feministische Herausforderungen und das Thema geschlechtliche Vielfalt sprechen.

Nach einer kurzen Vorstellung fange ich normalerweise immer mit einer Auflockerung an. Ein “Ice-Breaker”, um die Gäste auf das Thema vorzubereiten und einen Einstieg zu finden. Ich spreche häufig über Privilegien.
Heute sollten sich alle Teilnehmenden in einer Reihe aufstellen. Und zwar nach Entfernung wo sie zuletzt im Urlaub gewesen sind. Einige waren gar nicht im Urlaub und standen ganz vorne, andere haben eine Städtereise gemacht und wieder andere waren ganz weit weg auf einem anderen Kontinenten und standen entsprechend weit hinten.

Anschließend zeige ich Ihnen die Weltkarte von ILGA World und plötzlich wird allen bewusst, dass es für einige Menschen eine große Herausforderung ist in den Urlaub zu fahren. Ein Urlaubsort sollte eine Erholung bieten, für einige Menschen ist dies jedoch mit großen Ängsten verbunden. In einigen Ländern gilt die Todesstrafe auf gleichgeschlechtliche Liebe. Andere wiederum verweigern trans* Personen die Einreise. So wird die Auswahl an Urlaubsorten bereits erheblich eingeschränkt.
https://ilga.org/news/ilga-world-map-sexual-orientation-laws-20-languages/ (Öffnet in neuem Fenster)Damit ist der erste Grundstein für das Thema gelegt und ich gehe über zu den Grundlagen. Wir erörtern gemeinsam die unterschiedlichen Privilegien und sprechen über die verschiedenen Herausforderungen bei sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Außerdem besprechen wir ausführlich die unterschiedlichen Ebenen von Geschlecht anhand des Gender Unicorn.

Dann wird es politisch. In verschiedenen Folien zeige ich die globale Situation antifeministischer Bewegungen auf. Besonders die USA spielen dabei eine große Rolle. Die Beschneidung von trans* Rechten ist dort auf einem Rekordniveau angelangt. Aber auch reproduktive Rechte (Recht auf Abtreibung) haben sich seit einer Entscheidung des Supreme Court (Öffnet in neuem Fenster) stark verschlechtert. Zudem gibt es die ersten Versuche die gleichgeschlechtliche Ehe zu attackieren, das Frauenwahlrecht wird in Frage gestellt und im Pentagon protestieren Journalist*innen wegen Pressefreiheit, weil jeder Bericht vom Pentagon geprüft werden soll, bevor er veröffentlicht wird. Die Grundrechte einer Demokratie werden scheibchenweise zurückgedreht.
Wir sprechen über Project 2025 (Öffnet in neuem Fenster) und Agenda Europe (Öffnet in neuem Fenster) und tauschen uns darüber aus, wie man in diesen Zeiten resilienter werden kann. Das “Anti-Gender-Movement” hat auch Europa im Blick und überall wo autokratische Kräfte erstarken, da zählen “gender”-Themen, zu den ersten Opfern.
Zum Abschluss unterhalten wir uns noch ca. 1 Stunde und reden auch über die Art und Weise, wie im Bereich Kultur damit umgegangen wird. Einige erzählen von persönlichen Erfahrungen, wie sie z.B. aufgrund ihres Erscheinungsbildes diskriminiert werden. Für mich ist es schockierend zu hören, dass Menschen nur wegen ihres Aussehens oder ihrer Art Musik zu machen benachteiligt werden.

Am Ende verständigen wir uns auf positive Themen, die wir brauchen. Zum Beispiel eine demokratische Haltung. Dazu zählt auch ein Werteverständnis, wie wir selbst Demokratie begreifen. Aber auch die Unterscheidung zwischen Neutralität und Verfassungstreue sind von hoher Bedeutung.
So erleben wir alle einen angenehmen Sonntagnachmittag und lassen die Veranstaltung mit chilliger Musik vom DJ und angenehmen Gesprächen und Networking ausklingen.
Instagram-Ankündigung zur Veranstaltung:
https://www.instagram.com/p/DTa6_C8DPJk/ (Öffnet in neuem Fenster)