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Blog-Buch

Vom Buchwunsch zum Blogger-Leben

Es ist etwa ein Jahr her, da schrieb ich meiner Freundin Christina morgens recht euphorisch eine Nachricht: “Ich schreibe gerade mein Buch!!” Und ich war richtig im Flow. Ich hatte 1567 Ideen und es floss nur so aus mir raus. Das ging etwa zwei Tage so.

Wir alle wissen, dass man ein Buch relativ selten in zwei Tagen schreibt (es soll solche Fälle geben, aber es ist nicht die Regel). Und nun ist es nunmal so, dass ich keine Schriftstellerin bin, deren Job es ist, jeden Tag zu schreiben. Mein Beruf besteht aus anderen, relativ vielfältigen Einzelbereichen. Und so geriet ich wieder mal in eine Phase, in der das Schreiben nicht den Platz fand, den es gebraucht hätte, damit daraus ein Buch entsteht. Jedenfalls nicht das Buch, das ich mir vorstellte.

Schubladen-Panik?

Ein Buch legt sich meistens recht klar fest, in welche Kategorie es einziehen will. Will es ein Roman sein, eine (Auto-)Biographie, will es ein Ratgeber oder einfach Popliteratur sein? Da ich selbst auch “vieles” bin (dazu gibt es auch einen Artikel (Öffnet in neuem Fenster)), fiel es mir schwer, eine passende Kategorie zu finden und mich schreibtechnisch auch daran zu halten. Das Buch beschäftigte sich mit brandaktuellen Themen, wie KI und digitale Welten im Kontrast zu kreativem Denken, aber auch allgemeine Bereiche wie das Wohlbefinden in einem kreativen Leben, während wir in kapitalistischen Strukturen zurecht kommen wollen.

Und so kam ich dann nicht nur kapazitätstechnisch, sondern auch formattechnisch an meine Grenze. Ich hatte das Gefühl, das Projekt “Buch”, brauchte eine andere Form. Eine, die fortlaufender, individuell gestaltbarer, weniger statisch sein konnte. Klar, es ist toll ein festes Werk in den Händen zu halten. Das Wissen, wieviel Arbeit und Liebe man komprimiert hineingelegt hat, während es entstanden ist schafft ein nahezu erhabenes Gefühl. Ich kenne dieses Gefühl selbst, weil ich bereits zwei Kinderbücher veröffentlicht habe. Aber für das, was ich nun mit meinem Thema rund um kreatives Denken vorhatte, passte das Format “Buch” wohl einfach noch nicht.

Und deshalb ist gibt es seit einigen Monaten diesen Blog, denn er erfüllt alles, was ich mir für meine LeserInnen und mich selbst wünsche. Wechselnde Formate, Ratgeberfunktion, Einblicke in mein persönliches Denken, auseinandersetzen mit gesellschaftlichen Themen, tagesaktuelle Aufschläge sowie auch allgemeingültige Überlegungen zu unterschiedlichen Lebensbereichen, mal ist es eine Kolumne, mal eine Portraitserie, mal ein Werkzeugkoffer. Alles mit der Klammer “kreatives Denken” und einer persönlichen Note. Die Ideen-Liste ist für die nächsten Jahre gefüllt.

Ideenliste für Blogideen, die mir am Herzen liegen

Wunderkerzen-Mentalität?

Mit dem Buch wollte ich inspirieren. Ich wollte zum Nachdenken anregen, ich wollte meine eigene Haltung zeigen. Aber ein ganz entscheidender Punkt hat wohl auch mit zu diesem Blog geführt. Auch Bücher haben heute ähnlich wie Social Media-Inhalte viel zu oft einen Wunderkerzen-Effekt. Besonders dann, wenn sie Zeitgeist und Aktualität beherbergen wollen, ereilt sie ein Schicksal, das ihrer Intention nicht gerecht wird. Sie tauchen für eine kurze Zeit auf, werden gehyped und dann oft schnell wieder vergessen, weil ein anderes Thema in den Fokus gerät. Das heißt nicht zwangsläufig, dass die Qualität des Buches nicht genügt, es ist einfach unsere Art auf die Welt zu blicken geworden. Während wir früher monatelang Zeit hatten, einen Film im Kino zu gucken, müssen wir heute innerhalb von 2 Wochen schnell ein Ticket besorgen, weil bereits die nächsten Filme in der Warteschlange stehen. Oft gehen wir dann schon gar nicht mehr los, weil wir wissen, dass wir es auf dem nächsten Streamingdienst dann ja eh bald sehen können.

Thank you, next!

Als ich mein erstes Kinderbuch “Die Emsel packen ihre Sachen” veröffentlicht hatte, war die häufigste Frage in den ersten Tagen “Und wann kommt das nächste?”. Das ist einerseits natürlich ein Kompliment, aber es zeigt auch, dass nichts mehr Zeit haben darf. Es braucht immer neue Reize, wir akzeptieren kaum mehr, dass es eine Menge Arbeit braucht, ein Buch komplett zu entwickeln, zu schreiben, zu illustrieren, lektorieren, setzen und drucken zu lassen. Mit KI geht ja jetzt (vermeintlich) alles auf Knopfdruck. Und Amazon Prime liefert direkt am nächsten Tag.

Bücher sind - besonders im Rahmen des Selfpublishing - in den letzten Jahren die neue Visitenkarte geworden und in einer Zeit, in der sich viele nichtmal mehr die Mühe machen, Texte selbst zu schreiben, sondern sie über ein Large Language Model wie ChatGPT erstellen lassen, werden sie immer generischer, unpersönlicher und der Buchmarkt wird geflutet, während echte AutorInnen weit davon entfernt sind mit ihren Werken noch ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Nur einige, sehr wenige und etablierte AutorInnen können das. Der Wert von Büchern hat sich stark verändert. Wenn das Projekt “Buch” wieder in den Fokus kommt, möchte ich etwas Bleibendes schaffen, gemeinsam mit einem zu mir passenden Verlag, der ebenso wie ich Anspruch an gute Qualität und geistige Nachhaltigkeit hat. Daher habe ich das Thema vorerst noch verschoben, doch ich bin sicher, es wird die Zeit dafür kommen.

PopUp-Inspiration

Und deshalb habe ich zunächst einen sowohl auf eine Art kontinuierlicheren, aber gleichzeitig flexibleren Weg für mich gefunden, Euch zu mehr kreativem Denken zu inspirieren. Immer wieder einen kleinen Denkmoment in die Leben meiner LeserInnen zu schicken, der aber mehr erfordert als die drei Sekunden-Aufmerksamkeit von Instagram und TikTok. Der nachhaltiger ist, der wiederfindbar und damit auch wiederanwendbar ist.

Auf diesem Blog kann ich spontan Gedanken und mein Wissen teilen, ich kann regelmäßige Impulsgeberin sein, um meine LeserInnen daran zu erinnern, dass sie sich von der digitalen Übermacht nicht einschüchtern lassen müssen, sondern ihre kreative Selbstwirksamkeit stärken können. Ich kann die “Ach guck, ihr geht´s genauso”-Person sein, die wir uns oft wünschen, wenn wir uns mit unseren Fragen eher alleine und ratlos fühlen und gleichzeitig meine Wege teilen, mit genau diesen Fragen umzugehen ohne den Anspruch zu haben, die alleinige Wahrheit zu kennen.

Mit diesem Blog kann ich die Kreativfluencerin sein, die sich nicht dem Algorithmus beugt und gleichzeitig ein Beispiel sein, dass es möglich ist.

Danke, dass Du meine Texte liest. Wenn Du meine Arbeit unterstützen möchtest und noch mehr Einblicke haben möchtest, kannst Du BlogClub-Mitglied werden und damit in die Community einsteigen.

Kategorie Persönliche Einblicke

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