Haie. Es fällt mir zwar nicht schwer, über andere Meeresbewohner zu reden aber ich gebe zu: über Haie rede ich schon sehr sehr gern. Sie faszinieren mich mit ihrer Vielfalt, ihrem Aussehen, ihrer Anpassung an verschiedenste Lebensräume und ja, vielleicht auch, weil einige von ihnen gefährlich sind. Irgendwo müssen wir alle unsere Dopaminkicks finden, oder? Solange ich noch nicht so weit bin, mit Haien im Meer tauchen zu können (ich arbeite hart daran!), begnüge ich mich mit Pinsel und Papier. Und nutze die Chance, euch diese wundervollen Raubtiere etwas näher zu bringen. Heute möchte ich euch einige Haie vorstellen und zeigen. Denn in der letzten Woche erschien unser Kreativheft über Haie und im Vergleich zu anderen Malbüchern können hier kleine und große Menschen jede Menge über die verschiedenen Tiere lernen.
Der Bogenstirnhammerhai kommt nahezu weltweit in tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen vor. Er bildet oft große Gruppen, die dann gemeinsam sehr weit wandern. Besonders auffällig ist bei den Hammerhaien der namensgebende Kopf: er wird Cephalofoil genannt. Die breite Form wirkt wie ein Flugzeugflügel und ermöglicht dem Hai mehr Auftrieb und eine größere Wendigkeit. Durch diese besondere Form und die Lage der Augen am äußeren Ende hat der Hammerhai einen Rundumblick. Durch seitliche Bewegungen des Kopfes kann er sehr gut räumlich sehen und Entfernungen abschätzen. Die Nasenlöcher der Hammerhaie sind weiter voneinander entfernt als bei anderen Haien. Somit kann das Tier sozusagen räumlich riechen und gezielter nach Beute suchen.

Ein naher Verwandter ist der Schaufelnasen-Hammerhai. Er wird etwa einen Meter lang und lebt im tropischen und subtropischen Westatlantik bei Wassertemperaturen über 21 °C. Der Schaufelnasen-Hammerhai ernährt sich von Krebsen, kleinen Fischen, Mollusken und oft auch von Seegras! Eine echte Besonderheit unter den Haien, da andere Arten keine pflanzliche Nahrung verdauen können. An der Unterseite des des Haikopfes befinden sich die Lorenzinischen Ampullen. Das sind sehr empfindliche Sinnesorgane, mit denen der Hai seine Beute „spüren“ kann, zum Beispiel einen Stachelrochen, der sich im Sand vergraben hat. Alle Haie besitzen diese, bei den Hammerhaien sind es durch den breiten Kopf besonders viele, was sie zu sehr erfolgreichen Jägern macht.

Doch Haie leben nicht nur in warmen Gewässern. Der Grönlandhai lebt vor allem in den kalten Gewässern der Arktis und kann dort bis zu 2000m tief tauchen. Er wird durchschnittlich 4 bis 5 Meter lang, größere Exemplare können jedoch fast 8 Meter Länge erreichen. Außerdem ist er das Wirbeltier, das die längste Lebenserwartung hat: Untersuchungen haben gezeigt, dass Grönlandhaie mindestens 400 Jahre alt werden! Er ist graubraun bis olivgrün und ernährt sich vor allem von Fischen und Robben. Auf den Augen des Hais sitzt oft ein bestimmter Ruderfußkrebs. Es ist nicht bekannt, ob er dem Hai schadet oder nützt. Entweder lähmt er die Augen und der Hai könnte dadurch sogar erblinden. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Ruderfußkrebs luminesziert, also Licht erzeugt und somit die Aufmerksamkeit anderer Tiere erregt und der Hai damit Nahrung anlockt.

Haie sind wahrscheinlich eine „Schlüsselart“. Das bedeutet, dass sie in einem Ökosystem dafür sorgen, dass das Gleichgewicht bestehen bleibt. Wenn sie verschwinden, könnte ein ganzer Lebensraum ebenfalls verschwinden.
Ökosysteme basieren auf dem Gleichgewicht der Beziehungen zwischen verschiedenen Organismen. Diese Balance ist entscheidend für alles Leben auf der Erde. Denn das Land, auf dem wir leben kann nicht getrennt vom Meer betrachtet werden. Auch hier gibt es wichtige Beziehungen und Kreisläufe. Verschwindet eine Art in einem Ökosystem, löst dies einen Dominoeffekt aus, der sich auf das gesamte Ökosystems auswirkt und es instabil macht. Würden die Haie in einem Ökosystem verschwinden, würde z.B. die Population pflanzenfressender Beutetiere zunehmen, wodurch es weniger Pflanzen gibt, da sie mehr gefressen werden als sie nachwachsen können.
Im Falle der Seegraswiese würde dann nicht nur ein Lebensraum für viele kleinere Arten zerstört werden, sondern auch ein wichtiger CO2-Speicher fehlen. Seegraswiesen binden 30-50 Mal mehr CO2 als ein Wald auf einer gleich großen Fläche und produzieren gleichzeitig den Sauerstoff, den wir atmen. Grüne Meeresschildkröten fressen gern dieses Seegras. Wenn sie dabei nicht gestört werden, grasen sie allerdings ganze Gebiete komplett ab. Wenn Tigerhaie dort sind und die Meeresschildkröten dazu zwingen, in Bewegung zu bleiben, um nicht als Beute zu enden, werden die Seegraswiesen gleichmäßiger abgefressen und es bleibt genug übrig, um weiterhin ausreichend Lebensraum zu bieten.
Deshalb ist eine reichhaltige und vielfältige Biodiversität so wichtig. Schlüsselarten wie Haie spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit von Ökosystemen. Ob wir uns vor ihnen fürchten oder sie bewundern: wir brauchen Haie.

Wenn ihr mehr über diese Tiere erfahren wollt oder sie euren Kindern näher bringen wollt, könnt ihr unser Wildes Kreativheft über Haie ab jetzt herunterladen und selbst ausdrucken.