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Meer-Montag #23 - Geister des Ozeans

Über die Gefahr der Überfischung für unsere Meere habe ich hier schon ein paar Mal geschrieben. Heute soll es aber darum gehen, was passiert, wenn Fischereigeräte nicht den Weg zurück an die Oberfläche finden. Während früher noch Netze, Leinen und Haken bewusst und ohne Gedanken an Konsequenzen im Meer entsorgt wurden, gehen sie heute vor allem durch Unfälle oder Stürme verloren. Sie können sich in Schiffsschrauben verfangen oder bleiben an Hindernissen auf dem Meeresboden hängen, werden zerrissen und weitergeschleppt. Und bleiben dann dort liegen, wo die Strömung sie hintreibt. Doch bis sie sich in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten in winzig kleines Mikroplastik zersetzen sind sie weiterhin für den Tod unzähliger Meeresbewohner verantwortlich.

Man nennt sie Geisternetzte.

Laut WWF gehen in der Ostsee jedes Jahr zwischen 5.000 und 10.000 Netzteile verloren.* In ihnen können sich endlos weiter Tiere verheddern und sterben. So locken kleinere Fische z.B. größere Räuber in die Falle, die wiederum anderen als leichte Beute erscheinen. So sterben unzählbar viele Tiere ohne, dass dieser Fang irgendeinen Sinn hat. Somit ist dieser Fischereimüll eine große Gefahr für das Ökosystem. Es ist also enorm wichtig, Lösungen für dieses menschengemachte Problem zu finden.


Von 2022 bis 2023 gab es vom WWF ein Pilotprojekt zu verlorenen Fischereigeräten in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das vom Landesförderinstitut MV unterstützt wurde. Hierfür wurde die Ostsee mit einem Sonar kartiert. Wenn die dabei entstandenen Bilder einen Hinweis auf ein mögliches Netz am Boden gaben, wurde dies mit professionellen Tauchenden überprüft und somit gefundene Geisternetze in Zusammenarbeit mit lokalen Fischer*innen geborgen. Eine tolle Reportage über solch eine Bergung könnt ihr im Buch “Ein Leben für den Ozean” (Öffnet in neuem Fenster) lesen. Autor Florian Sturm durfte die Arbeit begleiten und beschreibt, wie hier Fischerei und Naturschutz zusammen arbeiten können.

Ghost Diving ist eine weitere weltweit agierende Organisation, die sich diesem Thema widmet. Auch in Deutschland gehören dem Verein ehrenamtliche Taucher*innen an, die in der Nord- und Ostsee nach Netzen tauchen und diese professionell bergen. Außerdem helfen sie z.B. bei der Kartierung von Seegraswiesen und leisten jede Menge Aufklärungsarbeit. Sollte euch das Thema also weiter beschäftigen, könnt ihr HIER (Öffnet in neuem Fenster)jede Menge weitere Infos und Möglichkeiten finden, selbst aktiv zu werden.

Selbstverständlich ist es einfacher, solche Netze aus der relativ flachen Ostsee zu bergen als aus der Tiefsee im Pazifik. Aber es ist ein Anfang. Außerdem gibt es bereits mehrere Firmen, die die Geisternetze nach der Bergung weiter verwenden. Die Firma Aquafil stellt aus ihnen das Garn “Econyl” her, das in der Textilindustrie genutzt werden kann. Bracenet aus Hamburg kennen vermutlich viele von euch bereits. Hier werden aus den Geisternetzen Armbänder, Schlüsselanhänger oder Hundeleinen hergestellt und damit auf das Problem Netze im Meer aufmerksam gemacht. Außerdem werden mit dem Verkauf der Produkte erneut Taucheinsätze finanziell unterstützt.

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* In dieser Studie (Öffnet in neuem Fenster) von 2022 wurde versucht zu erfassen, wie viel Fischereigeräte jährlich weltweit im Meer verbleiben:

Kategorie Meer-Montag

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