Hallo und herzlich Willkommen zur 13. Ausgabe „Mediapreneur“.
Hier schreiben David Reiter und Sören Mannschitz jede Woche abwechselnd für Medienschaffende, die unabhängig publizieren.
➽ Das sind wir (Öffnet in neuem Fenster)
Du empfängst diesen Newsletter als eine(r) von 174 Abonnent:innen (+3). Die heutige Ausgabe hat 1.288 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 6:30 Minuten. Teile den Newsletter gerne mit anderen Medienschaffenden, die unabhängig publizieren.
➽ Link zur Anmeldung (Öffnet in neuem Fenster)

(Öffnet in neuem Fenster)
Letzte Woche hat OpenAI den Podcast „TBPN“ gekauft — eine tägliche Tech-Live-Show aus dem Valley über das Valley mit 58.000 YouTube-Abonnent:innen (heute sind es ein paar mehr geworden), deren Kaufpreis laut Financial Times im niedrigen dreistelligen Millionenbereich lag. OpenAI-Chef Sam Altman war regelmäßiger Gast, ebenso Zuckerberg und Nadella.
Brands, die eine eigene Audience haben, brauchen keine Podcasts zu kaufen. Der Rest schon. Und das Muster ist nicht neu.
Der Radio-Hersteller RCA gründete vor genau einhundert Jahren das Sender-Netzwerk NBC – na klar, um Radios zu verkaufen. Google kaufte 2006 YouTube. Spotify kaufte 2016 „Fest und flauschig“. HubSpot kaufte 2021 den Blog „The Hustle“ und erst kürzlich die Gründer-Website „Starter Story“. Die Liste ließe sich beliebig fortführen.
Der Grund ist jedes Mal derselbe: Vertrauen lässt sich nicht schnell aufbauen. Also kauft man es, ob in Form einer Publikation oder gleich einer ganzen Plattform.
Ich finde diese Art Deals ehrlich gesagt nicht besonders klug. Denn immer geht mit einem Verkauf der unmittelbare Verlust von Vertrauen für beide Seiten einher.
Natürlich will ich niemandem in Abrede stellen, dass so ein Angebot manchmal der verlockendere Weg ist (zu meinen eigenen Erfahrungen später mehr). Manchmal ist ein dreistelliger Millionenbetrag schlicht ein Argument, das schwer zu ignorieren ist.
Wer seine Unabhängigkeit aufgibt, sollte aber wissen, zu welchem Preis er oder sie das tut — und wirklich damit im Reinen sein. Denn die versprochene redaktionelle Freiheit von TBPN durch OpenAI ändert nichts an der Struktur. Wer Budget, Studio und Gäste-Pipeline durch dasselbe Unternehmen bezieht, das man covern soll, trifft irgendwann keine freien Entscheidungen mehr. Schon gar nicht, wenn man an den Strategie-Chef reportet.
Was das mit uns zu tun hat
Was OpenAI da nun also eingekauft hat, baust du gerade auf. Nur mit einem Unterschied: Du kannst entscheiden, ob du es behältst.
Okay, für die meisten von uns ist ein Akquisitionsangebot keine realistische Gefahr. Aber die Grundfrage dahinter schon: Verkaufst du deine Autorität — einmalig, endgültig, mit allen Konsequenzen? Oder vermietest du sie zeitweise, behältst die Kontrolle und entscheidest jedes Mal neu, wer rein darf und wer nicht?
Für die meisten passiert das nicht durch einen großen Deal. Es passiert durch kleine Entscheidungen: Eine Anfrage annehmen, weil das Geld gerade passt. Eine Kooperation nicht ablehnen, weil man nicht weiß, ob die nächste kommt.
Irgendwann sitzt eine Brand in deinem Medium, die du dir nicht ausgesucht hast und deine Audience spürt das, auch wenn sie es nicht benennen kann.
Darum gilt es das Vertrauen deines Publikums und deine Integrität um jeden Preis zu schützen.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung
In der Frühphase von Shelfd habe ich versucht, den klassischen VC-Weg zu gehen — jemand mit Geld finanziert die Vision und gemeinsam baut man etwas Großes. Was ich damals noch nicht wusste: Die Leute mit Geld haben ihre eigenen Träume. Und einer dieser Träume hatte herzlich wenig mit meinem zu tun.
Was als Partnerschaft begann, endete in einer gerichtlichen Auseinandersetzung über unterschlagene Honorare. Erst wurde mir ein Investment in Aussicht gestellt, wenn ich meine Expertise in ein bestehendes Startup einbringe. Als ich erkannte, dass ich hier nur vor den Karren gespannt werden sollte, änderte ich das unmittelbare Agreement in eine klassische Beauftragung. Blöd nur, dass nach anfänglichen Zahlungen irgendwann kein Geld mehr floss, ich aber immer noch daran glaubte, mir hier die Sporen zu verdienen und dass der Investor irgendwann auch in meine Ideen investieren würde.
Die Monate danach habe ich damit verbracht, mein Projekt wieder aufzurichten und zu fokussieren, das ich eigentlich hätte schützen können — wenn ich früher gewusst hätte, was mir wirklich wichtig ist: Unabhängigkeit über Rendite.
Wer das nicht weiß, entscheidet nicht. Der reagiert. So ging es mir.
🔴 Wir gehen regelmäßig am Donnerstag um 20:15h ins Gespräch mit Mediapreneuren – und du kannst live dabei sein, deine Fragen stellen und Ideen mitbringen. Darauf freuen wir uns:
16.04. mit Mathias Janutsch von „Leipzig lauscht“ zum Thema Ideen gesucht: Ein gemeinnütziges Podcast-Festival braucht Support aus der Community
23.04. mit David Gaedt vom „Good News Magazin“ zum Thema Community-Finanzierung: Wie sah euer Wachstum auf heute >1.300 Mitglieder aus?
➽ Über diesen Link (Öffnet in neuem Fenster) lädst du dir diese und alle zukünftigen Live-Gespräche mit unabhängigen Medienschaffenden in deine Kalender-App (einfach kopieren und als neues Abo hinzufügen).
Unabhängigkeit braucht ein Geschäftsmodell
Die Wahrheit liegt nun irgendwo dazwischen. Man muss partnern und kooperieren, um voranzukommen. Aber man sollte seine eigenen Ideen und Ideale schützen, so gut es geht.
Langfristig empfehlen wir Mediapreneuren ihr Geschäftsmodell breit aufzustellen — Mediasales, Community-Finanzierung, Events, Merch... Wer auf mehreren Beinen steht, ist weniger anfällig dafür, dass ein einziger Einbruch alles ins Wanken bringt.
Das baut man nicht auf einmal. Man fängt irgendwo an.
Zum Start eignet sich die Integration von Werbepartnern, denn das Schöne an Mediasales ist: Es funktioniert unabhängig von der eigenen Größe. Nicht erst ab 10.000 Abonnent:innen, nicht erst wenn das ominöse Media-Kit perfekt ist.
Die Einstiegsfrage dazu ist ganz einfach: Kannst du gerade drei Brands benennen, die inhaltlich zu dir passen? Nicht zu deiner Reichweite, sondern zu deiner Audience, zu deinen Werten, zu dem, wofür dein Medium steht?
Wer diese Frage nicht sofort beantworten kann, wartet auf OpenAI. Das ist aber ein langer, ungewisser Pfad.
Wer sie beantworten kann, ist auf dem besten Weg, seine Unabhängigkeit langfristig zu sichern.
By the way: Mit Werbung und Sponsorings hat TBPN längst Deals in Millionenhöhe erwirtschaftet. Die Rede ist von $5M Dollar in 2025 und anvisierte $30M Dollar in 2026. Das wäre der Weg gewesen, den ich an ihrer Stelle weiter gegangen wäre. Denn woran mangelte es ihnen in dieser Welt? Nicht an Unabhängigkeit.
Ein Experiment
Sören und ich haben in den letzten Monaten auf der Basis unserer Zusammenarbeit mit Mediapreneuren einen Guide entwickelt, mit dem du die richtigen Brands nicht nur anschreibst, sondern auch Antworten bekommst und Gespräche vereinbarst.
Er hilft dir, wenn du bislang zu wenige Antworten erhalten hast oder du dich bisher einfach nicht getraut hast, Brands selbst anzusprechen.
Der Grund, warum das unabhängig von deiner Größe funktioniert: Brands kaufen keine Reichweite. Sie kaufen Lösungen für konkrete Ziele. Aufmerksamkeit bei einer bestimmten Zielgruppe, messbare Aktionen, authentischen Content, den sie weiterverwenden können. Wer versteht, welches dieser Ziele er oder sie bedienen kann, hat ein Angebot. Egal ob man 500 oder 50.000 Abonnent:innen erreicht. Doch wie erreicht das Angebot die richtigen Ansprechpartner:innen?
In unserem Guide lernst du den ersten und wichtigsten Schritt: die Ansprache. Also wen du kontaktierst und was du anbietest. Unsere E-Mail-Struktur kommuniziert dabei genau vier Dinge:
Ich kann dir helfen
Ich bin unkompliziert
Ich bin professionell
Ich bin dein logischer Partner
Wir arbeiten bereits mit Creatoren nach diesem System und wissen, dass es funktioniert. Bisher haben wir es allerdings immer in enger Begleitung installiert. Mit unserem neuen Angebot bieten wir eine Möglichkeit für Mediapreneure, den wichtigsten Schritt im Mediasales mit einem verprobten Vorgehen selbst aufzubauen, zum Schnapper-Preis von 49 EUR.
Ich persönlich denke, dass der Guide ein No-Brainer für alle ist, die sich auch nur damit beschäftigen, einen Podcast oder Newsletter mit Werbung zu monetarisieren. Wenn du mehr dazu erfahren willst, antworte kurz auf diese Mail oder kommentiere drüben auf LinkedIn (Öffnet in neuem Fenster).
Drei Fragen zur Selbstreflexion
Bevor du diese Mail schließt:
Weißt du, was Unabhängigkeit für dich konkret bedeutet — oder ist es bisher nur ein Gefühl?
Wann hast du das letzte Mal aktiv entschieden, mit wem du zusammenarbeitest — statt es dem Zufall zu überlassen?
Wenn du morgen eine Traummarke anschreiben würdest — hast du eine Idee, warum sie antworten sollte?
Schreib mir zurück. Und wenn du bei Frage 3 hängen bleibst, ist das vielleicht der beste Grund, beim Experiment mitzumachen.
Wir lesen uns
David

🎒 Mediapreneur ist Ambassador der Berliner Mitgliedschafts-Plattform Steady. Wenn du dich über unseren Affiliate-Link anmeldest (Öffnet in neuem Fenster), können wir dir eine 60-minütige, individuelle Beratung zu deiner Community-Finanzierung anbieten. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten. Du sparst sogar die Steady-Provisionen in den ersten drei Monaten nach Launch.
Impressum (Öffnet in neuem Fenster) | Ergänzende Datenschutzerklärung (Öffnet in neuem Fenster)