81 Jahre nach Kriegsende verblassen viele Schauplätze nationalsozialistischer Verbrechen im kollektiven Gedächtnis. Dazu zählen die sogenannten „Wanderhöfe" des Bayerischen Landesverbands für Wander- und Heimatdienst (LVW) – Orte systematischer Verfolgung, die heute kaum jemand kennt.

Das Stigma wirkt bis heute. Mit Zuschreibungen wie „arbeitsscheu" oder „asozial" verfolgten die Nationalsozialisten Menschen, die nicht in ihr Weltbild passten. Diese willkürlichen Kategorien legitimierten Zwangsarbeit, Internierung und sogenannte „Disziplinierung" – auch in den Wanderhöfen.
Bischofsried: die einzige Fraueneinrichtung des LVW
Der Wanderhof Bischofsried nahm eine Sonderstellung ein. Hier betrieb der LVW seine einzige Einrichtung zur Umerziehung von Frauen. Für eine Einweisung genügte der Vorwurf „volksschädigenden Verhaltens". Einen konkreten Straftatbestand benötigten die Behörden nicht.
Wer waren diese Frauen? Was erlebten sie in Bischofsried? Welche Folgen hatte der Aufenthalt für ihr weiteres Leben?
Sechsteilige Artikelreihe in der BayernHistoryApp
Diesen Fragen geht die Historikerin Magdalena Nunhöfer in einer sechsteiligen Artikelreihe nach. Sie schildert den Alltag im Wanderhof, analysiert das Stigma „asozial" und zeigt, wie geschlechtsspezifische Zuschreibungen die NS-Verfolgung prägten. Auch die Nachgeschichte des Ortes nach 1945 untersucht Nunhöfer.
Der NaziCrimesAtlas verzeichnet rund 25.000 Verfahren zu NS-Verbrechen. Wo eine biografisch und lokal vertiefte Perspektive sinnvoll ist, ergänzt die App BayernHistory diese Lücke – exemplarisch in der Artikelreihe zu Bischofsried im Themenbereich „NS-Erinnerungsorte".
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Förderung
(Öffnet in neuem Fenster)Das Projekt NaziCrimesAtlas wurde im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert (Förderzeitraum 2024–2025).