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Pause-Record-Play 23.01.2026

Die ersten 20 für 26

Lockmittel Katze

So, jetzt habe ich lange genug gewartet, dass ich in diesen Newsletter keine Neujahrsgrüße zu schreiben brauche. Das Ding ist gelaufen bzw. läuft, wie eigentlich zu erwarten, genauso unglaublich an, wie das letzte aufgehört hat.
Entsprechend auch kein Wort zu Grönland, Iran, Renée Good, Daniel Günther oder der Tatsache, dass ich meine eigene Domain immer noch nicht aufgesetzt habe.
Stattdessen hier einfach mal das, was vermutlich die meisten erwarten: Die Musik-Empfehlungen, die ich bisher in 2026 aussprechen mag.

Einschub “Inspirierenders Zitat mit Kalenderbezug”

Nights are Warm
and the Days are Young

(David Bowie, "Golden Years". Song vom Album "Station To Station", das am 23.01.1976 erschien)

Es sind bereits 20 Alben von A, äh, also B wie Juliana Barwick bis XY wie Xiu Xiu und Yin Yin (ist wirklich so), und ich probiere ein neues Ordnungsprinzip aus (Hint: das mit der eigenen Domain wird eine hoffentlich sinnvoll überschaubare Seite), bei dem ich Kategorien und Tags nutze, um Orientierungshilfe zu geben.
Vermutlich werden die wenigsten bei allem mitgehen, was mir so gefällt, aber hoffentlich anhand der groben Orientierungen Prioritäten setzen können und trotzdem nicht abgeschreckt werden, auch in was reinzuhören, was "anders" ist als der eigene Kerngeschmack.

All das unten Folgende gefällt mir jedenfalls sehr gut, hört es euch doch mal an - Willkommen beim Musikjahrgang 2026!

Juhu! (Symbolbild)

Noch kurz zum Thema: Wie gehabt, Streaming ist super zum Kennenlernen von Musik, für die eigene Horizonterweiterung und den Alltag. Für die künstlerisch das ganze Zeugs Produzierenden ist Streaming bekanntlich nicht so lukrativ, und die Schere zwischen Milliarden-Geschäft für die Plattform-Betreiber und die Major-Rechteinhaber auf der einen Seite und die überwiegende Mehrheit der einzelnen Künstler*innen auf der anderen öffnet sich immer weiter.

Wenn Euch etwas gefällt, also bitte gerne Bands/Acts so direkt wie möglich unterstützen. Und die Strukturen, die für eine nicht-monopolistische Popkultur wichtig sind am besten gleich mit!
Plattenläden und Clubs heimsuchen, Tickets für und Merchandise bei Konzerten kaufen oder zumindest einen Weg finden, die die Vinyl- oder CD- oder Kassetten- oder was-auch-immer-Umsätze nicht durch die globale Verwertungskette der/des Convenience-Anbieter(s) mit der Preiskeule erzeugen.
Eine immer noch ganz gute Online-Möglichkeit dafür bietet die Plattform Bandcamp, weswegen ich die Alben auch mit der jeweils entsprechenden Seite dort verlinkt habe.

Ansonsten: Heute keine Inhaltsübersicht vonnöten, alles nur Album Reviews in alphabetischer Reihenfolge - Here you go!

Abriss (Symbolselfie)

PS: In Teilen läuft diese Musik natürlich in meiner wöchentlichen Sendung "Canteen" bei ByteFM (Öffnet in neuem Fenster), dem Sender, der noch bis zum 07.02. Geld bei Startnext sammelt (Öffnet in neuem Fenster) , um den Umzug in ein neues Studio mit Technik- und Arbeitsplatz-Upgrades zu versehen und der seit Januar nun auch in Berlin auf UKW zu empfangen ist - Frequenz 88,4.
Aber das wisst Ihr ja alles.

Deep Listening, Electronics, 2026
#Ambient #Cinematic #New-Age
#USA #Los-Angeles #Paris

Julianna Barwick & Mary Lattimore - Tragic Magic (InFiné)

https://marylattimoreharpist.bandcamp.com/album/tragic-magic (Öffnet in neuem Fenster)

Der ultimative Lockvogel hier ist vermutlich die Version des "Blade Runner"-Titels "Rachel's Song", ein schön kitschiger Publikums-Liebling der Vangelis Album-Fassung seines Soundtracks, den der Musiker 1994, zwölf Jahre nach der Filmpremiere veröffentlichte. Die Nummer, im eigentlichen Film nicht zu hören, dient hier und heute den wahl-kalifornischen Künstlerinnen Julianna Barwick und Mary Lattimore, beides etablierte Musikerinnen zwischen Ambient, Electronica und New Age Sounds, als narrativ aufgeladenes Material bei ihrer auf ganzer Länge schwelgenden Produktion, die sie in der Philharmonie de Paris mit Instrumenten aus dem dortigen Musée de la Musique realisiert haben. So erklingen neben den von Barwick bekannten elektronisch bearbeiteten, verhallten Vokal-Loops und Lattimores ätherischem Harfenspiel noch diverse Klangquellen aus mehreren Jahrhunderten, vom historischen Saiteninstrumenten bis zu frühen Analog-Synthesizer und sogar Drum-Machines. Ein ungehemmtes Sound-Vergnügen.

Alternative/Indie, Singer-Songwriter, 2026
#Bedroom #Lofi #Akustik-Gitare
#USA #New York

Otto Benson - Peanut (WNOADIARWB)

https://wnoadiarwb.bandcamp.com/album/peanut (Öffnet in neuem Fenster)

Als der New Yorker Otto Benson auf der High School war, erfand er die Kunstfigur Memo Boy, mit der er eine Zeitlang im Netz Musik-Tracks veröffentlichte: Home Recording Demos oder via Messenger-Apps erstellte Kollaborationen, die so etwas wie Electronic Emo-Folk darstellten. Mit seinem Schul-Abschluss 2017 schickte er das Projekt in die Abstellkammer, zeitgleich zu einer Entlassungswelle bei der Musik-Plattform SoundCloud, Memo Boys fiktivem Arbeitgeber. Seitdem veröffentlichte er als OTTO oder jetzt als Otto Benson. Auf "Peanut" macht er wunderbaren psychedelischen Elektronik-Pop, irgendwo zwischen Chill-Out-Songwriter und melancholischem Folktronica-Blues.

Global, Brazil, 2026
#Tropical #Bass
#Brasilien #Schweiz #Bern #Sao Paolo

Da Cruz - Som Sistema (Boom Jah)

https://dacruz.bandcamp.com/album/som-sistema-3 (Öffnet in neuem Fenster)

Afro-brasilianische Bass-Party mit ordentlicher Portion Tanzwut im Bauch. Disco für den Fortschritt, um einen früheren Albumtitel von Marianna Cruz knapp falsch zu übersetzen. Die Brasilianerin mit Wohnsitz in Bern realisiert seit 2007 ihren global-verankerten Mix aus urbanen Brasi-Sounds der Gegenwart und Einflüssen von aktuellen Afro Beats und europäischer Hörschule mit ihrem Schweizer Co-Produzenten Ane Hebeisen (auch als Musikjournalist tätig), der in einem früheren Laben Teil der Industrial-Szene der 1980er war.

Alternative/Indie, 2026
#Sprechgesang #Post-Punk
#UK #London

Dry Cleaning - Secret Love (4AD)

https://drycleaning.bandcamp.com/album/secret-love (Öffnet in neuem Fenster)

Trocken-indifferent und zeitgenössisch: Die Band spielt Hipster-Sound zwischen Post-Punk, Indie-Disco, New Wave und Old School Alternative Rock, während Florence Shaw uns dazu etwas ins Ohr spricht. Weniger kryptisch als Baxter Dury und herrlich unaufgeregt, dafür mit amüsantem Mix aus nebensächlicher, absurder und konkret auf den feministischen oder anders treffsicheren Punkt gebrachter Poetry.

Alternative/Indie, Singer-Songwriter, 2026
#Bedroom #Lofi #E-Piano
#USA #Woodstock

Will Epstein - Yeah, Mostly (Fat Possum)

https://willepstein.bandcamp.com/album/yeah-mostly (Öffnet in neuem Fenster)

Indie-Pop Songwriter Platte eines Musikers, der als Film-Komponist und experimentierfreudiger Kollaborateur von u.a. Nicholas Jaar und Dave Harrington auf dem nur scheinbar schlicht eingespielten Album hübsche Arrangement/Produktions-Ideen unterbringt, während er mit einer Wurlitzer&Co. grundierten, melancholisch-nostalgischen Stimmung poetische Momente im Alltag einfängt.

Soul, Hip-Hop, 2026

#Lofi-Hip-Hop #Alternative-R&B #Neo-Soul #Jazz-Funk
#USA #Richmond

DJ Harrison - ElectroSoul (Stones Throw)

https://djharrison.bandcamp.com/album/electrosoul (Öffnet in neuem Fenster)

Vermutlich wäre Devonne Andre Harrison gerne in den frühen 1970ern bei Sessions von Acts wie Sly & The Family Stone und Marvin Gaye mit im Studio gewesen. Wer nicht. Aber Harrison hätte im Gegensatz zu den meisten von uns dabei eine aktive musikalische Rollen einnehmen können. Auf „ElectroSoul“ drückt der Musiker mit dem irreführenden Künstlernamen seine Finger auf die Tasten von Vintage Keyboards (oder zumindest Keyboards, die Vintage Sounds hervorbringen) und bedient alle möglichen weiteren Instrumente, ohne dabei die Neo Soul Gegenwart zu vergessen. Dabei ist er genauso innovativ wie bei den Aufnahmen mit der Band Butcher Brown, aber vielleicht mit noch etwas mehr Soul zugange. Auf „ElectroSoul“ stehen dem Musiker aus Richmond, Virginia u.a. Pink Siifu, Yaya Bey, Yazmin Lacey, Kiefer und Angélica Garcia zur Seite.

Deep Listening, 2026
#Ambient #Soundscapes
#UK #Cornwall

Ryan Hooper - Memory Is A Winged Horse (Heavy Cloud)

https://heavycloud.bandcamp.com/album/memory-is-a-winged-horse (Öffnet in neuem Fenster)

Wer früh genug dran war, konnte die drei meditativen, Loop-basierten Ambient Tracks im Paket mit den zugehörigen Gedichten sowie weiteren Texten und Fotos erhaschen. Wir anderen müssen ohne ein physisches Exemplar aus der Reihe der "small runs of bespoke physical keepsakes" auskommen, denn das ist wie alles von Heavy Cloud längst ausverkauft. Zum Glück lässt sich der Sound auch körperlos geniessen. Aus der Reihe, "Now that's what I call Ambient": Musik, die ich mir gerne als Möbel in die mentale Innenarchitektur stelle.

Dream Pop, Alternative/Indie, 2026
#Deutschsprachig #Lofi #Bedroom
#Dland #Berlin

Oskar Ich - Toska (Froh & Munter)

https://frohundmunter.bandcamp.com/album/fm123-toska (Öffnet in neuem Fenster)

Psychedelische Stolpersteine auf dem Weg ins Wochenende. Schöner Pop zwischen Experimenten aus der 1980er Homerecording-Frühphase und 21st Century Modern. Marke: In Heimarbeit gebastelt, vermutlich im 1960er Architekten-Bungalow mit Blick auf Natur. Wobei nein: Im Kellerstudio ist "Toska" entstanden, ein Album, das es auch als CD in Mini-Auflage (25 Stück!) inklusive Booklet mit Comic-Illustrationen zu den Texten gibt.

Global, Alternative/Indie, African, 2026
#Desert-Blues #Desert-Rock #Assouf
#Algerien #Tamanrasset

Imarhan - Essam (City Slang)

https://imarhan.bandcamp.com/album/essam (Öffnet in neuem Fenster)

Die Wüste lebt: Seit zehn Jahren stehen Imarhan für ein angenehm modernisiertes Verständnis des sogenannten Tuareg-Rocks, der die Klänge von Tinariwen & Co. um eine elektronisch aufgebohrte Variante bereichert, bei der auch Keyboards und Drum Machines ihren Platz in der Oase haben. Gleichzeitig entspannend, introspektiv und Soundtrack der süd-algerischen Sahara in dystopischen Zeiten.

Dream Pop, Alternative/Indie, 2026
#Bedroom
#USA #Chicago

Immaterialize - Perfect (Angel Tapes/ Fire Talk)

https://immaterialize.bandcamp.com/album/perfect (Öffnet in neuem Fenster)

Verträumter Indie-Pop mit Schwerkraft reduzierender Wirkung. Ätherisches Songwriting und sphärische Produktion. Hübsch. Zur Ergänzung eignen sich die beiden Solo-Alben des Duos aus dem letzten Jahr: Alana Schachtel alias Lipticisms elektro-poppigeres "Wanted To Show You", das sie bei Phantom Limb herausgebracht hat, und das Ambient-Album "Post-Op" von DJ Immaterial, bürgerlich Erik Fure, das bei Extremely Pure erschienen ist.

Jazz, Latin, 2026
#Latin #Caribbean #Brazil #Postkolonial
#Schweiz #Genf

Louis Matute - Dolce Vita (naïve)

https://louismatute.bandcamp.com/album/dolce-vita (Öffnet in neuem Fenster)

Vonwegen das süße Leben: Gleich der erste Track des neuen Albums von Louis Matute verweist auf ein kolonialgeschichtliches Verbrechen. "Santa Marta" bezieht sich auf das sogenannte "Bananenmassaker" (auch u.a. von Gabriel García Márquzez thematisiert), bei dem 1928 bis zu zweitausend Arbeiter und ihre Familien von der kolumbianischen Armee zusammengeschossen wurden, um einen Streik gegen die "United Fruit Company" zu brechen. Die us-amerikanisch-schweizerische Firma (Weltmarkanteil am Früchtehandel 1954 über 30%) kennen wir inzwischen als "Chiquita". Der Gitarrist und Bandleader Matute kennt sie als politische Kraft in der Heimat seiner Familie in Honduras, von wo sein Großvater, ein linker Politiker, mit seiner Famile in den 1970ern vor der Diktatur in die Schweiz fliehen musste. Auf "Dolce Vita" bezieht sich der musikalische Enkel nun auf diverse solche geschichtlichen oder auch familiären Episoden auf einem Album, das souverän und wunderbar diverse Spielarten lateinamerikanischer und karibischer Musik durchspielt, inklusive zweier Brazil-Tracks, für die Matute prominente Hilfe von Dora Morelenbaum und Joyce Moreno erhält.

Post-Rock, 2026
#Ambient-Country #Cosmic-Americana
#USA #Chicago

Pullman - III (Western Vinyl)

https://pullman.bandcamp.com/album/iii (Öffnet in neuem Fenster)

Vermutlich die letzte Arbeit des Drummers Tim Barnes, der 2021 im Alter von 54 Jahren seine diagnostizierte familiäre Alzheimer-Krankheit öffentlich machte. Mit Tortoise-Musiker Ken Brown produzierte Barnes noch bis 2023 Tonspuren, die nun in ein drittes Album der "Post-Rock Supergroup" Pullman eingeflossen sind, das Brown und drei weitere Gitarristen mit mehr oder weniger perkussiver Begleitung eingespielt haben. "Folk in spirit, post-rock in method, and timeless in tone", sagt das Info der Platte, die 25 Jahre nach dem Vorgänger erscheint. Pullman sind Pioniere des Sounds, der als Ambient Country oder auch Cosmic Americana Schule gemacht hat.

Alternative/Indie, Electronics, 2026
#Synthpop #Electronica
#UK #London

PVA - No More Like This (It's All For Fun)

https://pvaareok.bandcamp.com/album/no-more-like-this (Öffnet in neuem Fenster)

Zurecht gehyptes Trio aus Südlondon mit ihrer zweiten Album-Veröffentlichung. Die Kunst der gefühlvollen Elektronik, irgendwo zwischen trip-hoppigem Chill, anzüglich-cooler Stimme, bewegungs-freundlichen Beats zum-wenigstens-mit-dem-Fuß-Wippen, entfremdeter Grundstimmung und unterschwelliger Wut. Großstadt-Musik.

Dream Pop, 2026
#Ambient-Pop #New-Age #Chamber-Pop
#USA #Southern-Pines

Kate de Rosset - It Will Burn (La Double Vie)

https://katederosset.bandcamp.com/album/it-will-burn (Öffnet in neuem Fenster)

Pastorale Musik aus der Zurückgezogenheit von Southern Pines in North Carolina. Von dort kommt Kate de Rosset und dahin ist sie wieder zurück gezogen, nach Stationen in Portland, Los Angeles und Austin. Ihr in Hallräumen und Tagträumen wandelndes neues Album erscheint auf dem Berliner Label La Double Vie, das die deutsch-brasilianische Musikerin Gloria de Oliviera gegründet hat.

Alternative/Indie, Electronics, Hyperpop, 2026
#Synthpop #Alt-Pop
#Norwegen #Oslo

Sassy 009 - Dreamer+ (Heaven-Sent)

https://sassy009.bandcamp.com/album/dreamer-3 (Öffnet in neuem Fenster)

Mit dem Promi-Feature von Blood Orange auf "Tell Me" hat die norwegische Musikerin Sunniva Lindgård für ihr neues Sassy 009 Album natürlich eine Kerbe in der alternativen Popwelt geschlagen. Wobei der Rest ihres neuen Albums noch dunklere Stimmungen einfängt als diese Vorzeige-Nummer und sie so etwas wie eine Düster-Variante von Hyperpop anbietet, die kaum Euphorie erzeugt, aber mit deutlich weniger überdrehtem Produktionsdesign als im Genre üblich, und so anschlussfähig sein könnte für Menschen, die eher Sad-Girl-Sounds und Trip Hop als Brat-iness suchen.

Diskurs Pop, Alternative/Indie, 2026
#Sprechgesang #Post-Punk
#UK #Nottingham

Sleaford Mods - The Demise Of Planet X (Rough Trade)

https://sleafordmods.bandcamp.com/album/the-demise-of-planet-x (Öffnet in neuem Fenster)

Je nach Hunderasse ist ein Jahr der treuen Begleiter für sie so Vitalitäts-zersetzend wie vier bis neun Menschenjahre für uns. Selbst unabhängig von der präzisen Timeline der Sleaford-Mods-Geschichtsschreibung (reden wir über die Anfänge ab 2007, zunächst ohne Andrew Fearn, oder nur die Phase mit Fern und Jason Williamson ab 2012?) sind die "Austerity Dogs" also nicht mehr die Jüngsten. Da kann der Biss schon mal nachlassen. Das wissen auch Williamson und Fearn und mildern ihre Beißattacken auf dem 13. Studio-Album sowohl textlich als auch musikalisch. Wer aber denkt, es ergäbe sich dadurch eine familienfreundliche Schoßhund-Perspektive, kennt die britischen Kumpel-mit-schlechter-Laune Typen aus Nottingham nicht wirklich. Zwar darf es hier und da mal etwas poppigere Gastvocals geben und Fearns seine Tracks mit ein bisschen niedlicherem Besteck als dröger Drum-Machine-Untermalung servieren, aber freundlich ist das hier noch lange nicht. Und schimpfen kann Williamson bestimmt noch bis ins wirklich hohe Alter.

Diskurs Pop, Alternative/Indie, 2026
#Hamburger Schule #Krautpop #Indie-Disco
#Dland #Hamburg

Die Sterne - Wenn es Liebe ist (PIAS)

https://tidal.com/album/486811562 (Öffnet in neuem Fenster)

Muss man erstmal hinkriegen: im 35. regulären "Dienstjahr" (für Bandgründer Frank Spilker steht nächstes Jahr sogar das 40. an...) als Band noch richtig frisch klingen: Ohne manieriertes Kokettieren mit irgendwelchen vermeintlich erworbenen, "ironisch" eingesetzten Meta-Skills, Selbstzitaten oder Angeber-Rumgemucke. Zum Glück auch ohne pseudo-dilettantisches Rumgerocke. Stattdessen mit zeitgemässem krauty Indie-Disco Rock/Pop, ordentlich Groove und Bumms in einem Continental Euro Sound. Am Mikro hat Spilker, dessen Texte mal aufzählungsartige Fragmente von Gegenwarts-Beobachtungen, mal autobiografisch-poetische Slogans sind, erstmalig Konkurrenz bzw. Unterstützung: Keyboarderin Dyan Valdés überrascht mit dem eindringlichen, englischsprachigen "Open Water" und bei "Fan von Irgendwas" kommen beide zusammen zu Wort(en).

Alternative/Indie, 2026
#Krautrock #Post-Rock
#Dland #Köln

Urlaub in Polen - Objects, Beings & Parrots (Tapete)

https://urlaubinpolen.bandcamp.com/album/objects-beings-parrots (Öffnet in neuem Fenster)

Multi-Instrumentalist Georg Brenner und gerade-noch-als-Teil-der-Band-Die-Sterne-im-Studio Dummer/Produzent Jan Philipp Janzen liefern 35 Minuten mit ordentlicher Motorik, treibendem Bass, schlichten englischen Texten und einem Geschmacksmuster aus der musikalischen Schnittmenge von rockigeren Eels-Tracks, britischem Post-Punk in der Definition von ca. 1980 und dem, was wir heute Psych-Rock nennen. Könnte man sich teilweise auch als einen einzigen live vorgetragenen, endlosen Track vorstellen, bei dem Cans 1973er „Moonshake“ Pate gestanden hat.

Alternative/Indie, 2026
#Post-Punk #Art-Pop #Noise-Pop
#USA #San-Jose

Xiu Xiu - Xiu Mutha Fuckin’ Xiu: Vol. 1 (Polyvinyl)

https://xiuxiu69.bandcamp.com/album/xiu-mutha-fuckin-xiu-vol-1 (Öffnet in neuem Fenster)

Was haben Talking Heads, The Normal, Screaming Jay Hawkins, Throbbing Gristle, Roy Orbison, Soft Cell, Robyn, This Heat, Glo Rilla, Daniel Johnston, Coil und The Runaways gemeinsam? Sie liefern die Originale für die neueste Sammlung neurotisch-experimentierfreudiger Cover-Versionen aus der popkulturellen Entfremdungshölle, in der das kalifornische Projekt Xiu Xiu um Jamie Stewart und Angela Seo verlässlich verstörende Kreise zieht. Ziemlich genial.

Alternative/Indie, 2026
#Psych-Funk #Cosmic-Groove #Indie-Disco
#Niederlande #Maastricht

Yin Yin - Yatta (Glitterbeat)

https://yinyin.bandcamp.com/album/yatta (Öffnet in neuem Fenster)

Ganz so „unique“ wie es das Info will, ist der Mix aus „disco, funk, surf, psychedelia, and Southeast Asian motifs“ nicht, den die niederländische Band Yin Yin nun zum vierten Mal auf Albumlänge darbringt. Aber wer will sich schon beschweren über unkomplizierte Tracks, die einen an Khruangbin, Altin Gün und Co. anschlussfähigen Instrumental-Sound liefern, kompositorisch mal mehr mal weniger auf Augenhöhe mit der bekannteren Stil-Verwandtschaft?

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https://steady.page/en/pause-record-play/about (Öffnet in neuem Fenster)