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Mit dieser Technik machst du jede Geschichte besser

Ewig recherchiert, tolles Tape gesammelt und dann sitzt du vor einem leeren Dokument und denkst: Okay. Und jetzt? So ging’s mir, als ich bei Wild Wild Web an der (Öffnet in neuem Fenster)Kinox.to (Öffnet in neuem Fenster)-Story (Öffnet in neuem Fenster) gearbeitet habe. Aus der Patsche geholfen hat mir damals mein Kollege Tim Howard.

Tim ist einer der besten Podcaster, die ich kenne. Er war unter anderem bei Reply All und Radiolab (und hat dort bei der besten Folge aller Zeiten mitgearbeitet! (Öffnet in neuem Fenster)) Jetzt ist er im Podcast-Team der ZEIT. Von ihm habe ich eine Technik gelernt, die dir eine klare Struktur gibt und dir so viele schlechte Skript-Fassungen erspart: Beats.

Die Idee: Bevor du anfängst zu schreiben, erzählst du die Geschichte einfach aus deinem Gedächtnis. Am besten deinem Redakteur. Zusammen identifiziert ihr die wichtigsten Erzählschritte. Tragen die, trägt auch die Folge. Wenn nicht, merkst du es, bevor du dich in zehn verschiedenen Skript-Versionen verrennst.

Benedikt Dietsch ist freier Journalist und Teil des Podcast-Teams des BR (u.a. “Wild Wild Web”, “Nicht mehr mein Land”). Zusammen mit Ali Gutsfeld berät er Podcasts und gibt Workshops. (Öffnet in neuem Fenster)

Kurz & knapp

🎯 Wofür?
Damit aus einem chaotischen Haufen Notizen und Interviews eine klare Geschichte wird. Und: um schlechte Skripte zu vermeiden, bevor man sie schreibt. 

⚙️ Wie?
Du erzählst jemandem deine Geschichte in Alltagssprache. Zusammen schreibt ihr die wichtigsten Momente als kurze Sätze auf – das sind deine Beats. Erst danach schreibst du das Skript.

Merken
Beats sind die Story in einfachen Sätzen: keine O-Töne, keine Details. Sie kommen immer vor dem Schreiben und zeigen dir, ob die Folge schon trägt.

In 4 Schritten zur perfekten Geschichte

Schritt 1: Die Geschichte laut erzählen

Such dir eine Person (am besten deine Redakteur:in oder Producer:in) und erzähl ihr, worum es geht – ohne Notizen, ohne Skript, so wie du wirklich sprechen würdest. Nimm dich dabei kurz auf.

Schritt 2: Beats aufschreiben

Während du erzählst, notiert deine Kolleg:in die wichtigsten Erzählschritte – eure Beats. Wichtig ist, was dir wichtig ist: Was denkst oder fühlst du? Welche Frage treibt dich weiter? Welche neuen Fragen tauchen auf? Wie hat sich deine Theorie weiterentwickelt?

Schritt 3: Beats testen und nachschärfen

Geh die Beats einmal laut durch: Funktioniert die Story? Ist sie stringent? Werden die Fragen beantwortet, die du aufwirfst? Ist es spannend? Wenn nicht: Beats umstellen, kürzen, schärfen.

Schritt 4: Loslegen

Jetzt baust du dein Skript um die Beats herum. Du kannst die Beats zum Beispiel in GROSSBUCHSTABEN ins Dokument schreiben. Dazwischen füllst du später Skript und O-Töne. Der Vorteil: Dein Dokument ist nicht mehr leer, du musst „nur noch“ ausformulieren.

Lass uns gemeinsam was starten! Wir geben Workshops, begleiten Produktionen dramaturgisch und haben Bock auf neue Formate. Schreib uns gerne (Öffnet in neuem Fenster).

Werkstattgespräch Tim Howard

Tim Howard ist Redakteur im Podcast-Team der ZEIT. Er hat in den USA für einige der erfolgreichsten Shows überhaupt gearbeitet, zum Beispiel Radiolab (Öffnet in neuem Fenster) und Reply All (Öffnet in neuem Fenster). Seit 2018 wohnt er in Berlin.

Seit wann benutzt du Beats – und wo hast du das gelernt?
Oh Mann, ich habe so ein schreckliches Gedächtnis… Ich glaube, dass ich Beats schon bei Radiolab benutzt habe. Ja, doch, ich erinnere mich ganz dunkel an eine Präsentation: Ich stehe da, schreibe in Großbuchstaben Beats auf und versuche, die Story so simpel wie möglich zu erzählen. Aber ja, später bei Reply All haben wir das dann ständig benutzt, in ganz vielen Varianten.

Ich habe lange eigentlich nur mit Storyboards oder Post-its gearbeitet. Also die wichtigsten Momente hin- und hergeschoben, bis ich meine Struktur gefunden habe. Was ist der Vorteil von Beats?
Post-its benutze ich fast nie. Klar, du siehst die Reihenfolge, findest Lücken, kannst Sachen umhängen. Aber bei narrativen Podcasts interessiert mich noch etwas anderes: die Stimme der Erzählerin, ihre Haltung zur Geschichte, die Emotionen. Mit Beats zwingst du dich, die Story so zu erzählen, wie du sie einem Freund erzählen würdest: „Ich geh da hin, dann sagt diese Frau diesen einen Satz, und ich denke: Holy shit!“ – sowas ist wichtig für die Geschichte, aber das schreibst du auf keine Post-its drauf. Mit den Beats schaffst du es, deine Reaktionen so zu Papier zu bringen, wie sie dir spontan in den Sinn kommen. 

Wann im Prozess benutzt du Beats?
Mir ist eigentlich nur eine Sache wichtig: Beats müssen vor dem Schreiben passieren. Wenn jemand einfach sagt: „Okay, jetzt fang ich an zu schreiben“, kriege ich immer ein bisschen Schiss, weil ich denke: Moment, wir haben doch noch keinen Fahrplan.

Ich mache sie meistens, wenn die wichtigsten Interviews geführt sind und vielleicht schon eine erste Auswahl an O-Tönen existiert. Es kann aber sogar ein Vorteil sein, wenn die Recherche noch nicht fertig ist. Wenn man die Beats macht, fällt einem oft auf, dass noch etwas fehlt. Oder man kommt auf eine neue, spannende Frage, der man unbedingt noch nachgehen will.

Kann man Beats auch allein machen?

Kann man, ja! Neulich habe ich bei der ZEIT an einem neuen Podcast gearbeitet, der Reporter war im Urlaub, also habe ich einfach zwei Seiten Beats für ihn geschrieben. Das hat funktioniert, aber ich fand es ein bisschen schwächer, als wenn wir es zusammen gemacht hätten – seine Formulierungen, seine Perspektive haben gefehlt. Beats sind am besten, wenn sie persönlich sind.

Also: Such dir am besten jemanden dafür. Und nimm keinen, der zu nett ist! Wenn du die Story deiner Mutter erzählst, findet sie das vielleicht alles spannend, einfach weil sie dich liebt. Das ist sweet, aber nicht hilfreich. Du brauchst Leute, die dir auch mal sagen: Das ist langweilig! Oder: Das verstehe ich nicht!

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