
Liebe Redensarten-Freundinnen und Freunde,
willkommen zu meinem siebzehnten Newsletter.
Nachdem ich - aus aktuellem Anlass - in meinem letzten das Thema Krankheit und Schwäche behandelt habe, geht es heute um das Gegenteil: Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Genesen sein, wieder gesund sein
Für diese Bedeutung stehen mehrere Redewendungen zur Verfügung. So kann man "wieder auf dem Dampfer (Öffnet in neuem Fenster)" oder "auf Deck (Öffnet in neuem Fenster)" bzw. "an Deck (Öffnet in neuem Fenster)" sein. Sie haben ihren Ursprung natürlich in der Sprache der Seeleute: Als "Deck" bezeichnet man ja nicht nur eine von mehreren Etagen von Bussen, Flugzeugen oder großen Schiffen, sondern vor allem die oberste freie Fläche auf einem Schiff.

Seeleute an Deck (Quelle: depositphotos.com (Öffnet in neuem Fenster))
Wenn also der Matrose nicht mehr krank unter Deck im Bett liegt, sondern wieder gesund geworden ist, dann ist er "wieder auf Deck (Öffnet in neuem Fenster)". Die Redensart wurde Ende des 19. Jahrhunderts geläufig.
Die gleichbedeutende Redewendung "wieder auf dem Dampfer sein (Öffnet in neuem Fenster)" ist wohl als weitere Variante anzusehen, wobei sicherlich auch eine Rolle gespielt hat, dass sie so ähnlich klingt wie "wieder auf dem Damm sein (Öffnet in neuem Fenster)", die wiederum auch das Gleiche bedeutet. Der "Damm" bezieht sich hier ursprünglich nicht auf die Bedeutung "Aufschüttung von Erde, Deich, Schutzwall gegen Hochwasser", sondern auf die Bedeutung "Fahrweg", die vor allem in Nordostdeutschland und Berlin gebräuchlich ist.
Viele kennen z. B. den Kurfürstendamm (kurz: Ku’damm), Berlins bekannteste Prachtstraße mit vielen Geschäften und Cafés - ein Muss für jeden Berlin-Besucher. Das Sinnbild ist also ähnlich: Wer wieder gesund und fit ist, ist wieder "auf den Beinen (Öffnet in neuem Fenster)".
Ganz ähnlich auch "über den Berg sein (Öffnet in neuem Fenster)": Hier wird der mühsame Aufstieg auf einen Berg sinnbildlich für die Widrigkeiten gesehen, die mit einer Krankheit verbunden sind. Diese Redensart ist aber auch weiter gefasst und kann für alle Arten von Schwierigkeiten, Anstrengungen und Belastungen angewendet werden, die man hinter sich gelassen hat:
Vier ganze Wochen lag ich krank im Bett, aber jetzt bin ich endlich über den Berg
Die Firma hat lange Zeit Verluste gemacht, aber nach einer Reihe von Aufträgen in den letzten Monaten ist sie über den Berg
Wer mit einem Überraschungsdebüt brilliert und beim dritten Album immer noch Erfolge einheimst, ist im Musikbusiness über den Berg

(Quelle: depositphotos.com (Öffnet in neuem Fenster))
Diese Redewendung ist übrigens nicht zu verwechseln mit "über alle Berge sein (Öffnet in neuem Fenster)". Das Sinnbild ist ähnlich, bedeutet aber etwas ganz anderes: fort / geflohen sein, weit weg sein. Meist wird die Redensart so verwendet, dass eine Person nicht mehr greifbar ist, weil man nicht weiß, wohin sie verschwunden ist:
Als Mitarbeiter der Sicherheitsfirma die Polizei informierten, waren die Diebe schon über alle Berge
Man hat die Stalltür erst geschlossen, als das Pferd längst über alle Berge war
Fit / gesund / aktiv / wach / leistungsfähig sein
Für diese Bedeutungen gibt es eine ganze Reihe an Redensarten und Ausdrücken, weshalb ich nur einige herausgreifen möchte.
So kann man mopsfidel (Öffnet in neuem Fenster) sein, also fit, munter, gesund und fröhlich. Der Ausdruck bezieht sich auf den Mops, ein kleiner Hund, der oft als Schoßhündchen gehalten wird und trotz seines eher mürrischen Gesichtsausdrucks als lebhafter und fröhlicher Hund gilt.
(Quelle: commons.wikimedia.org (Öffnet in neuem Fenster))
Gänzlich veraltet ist der um 1870 aufgekommene volkstümliche Spruch "Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Paletot (Öffnet in neuem Fenster)". Ein Schlager aus dem Jahr 1932 trug diesen Titel (Immer lustig, immer froh, wie der Mops im Paletot, denn die große Pleite kommt ja sowieso, Video (Öffnet in neuem Fenster), Text (Öffnet in neuem Fenster)). Ein Paletot ist eine bestimmte Art von Mantel, der heute nicht mehr getragen wird. Die Vorstellung ist hier, dass man das Hündchen unter seinem Mantel trägt. In Anspielung auf die daraus entstehende Auswölbung könnten hier die "Möpse (Öffnet in neuem Fenster)" als scherzhaft-saloppe Bezeichnung für den weiblichen Busen ihren Ursprung haben - aber das ist reine Spekulation.
Recht allgemein sind die Redewendungen "gut beieinander sein (Öffnet in neuem Fenster)" und "gut beisammen sein (Öffnet in neuem Fenster)". Sie können eine gute Stimmung, Gesundheit oder Leistungsfähigkeit bezeichnen.

(Quelle: depositphotos.com (Öffnet in neuem Fenster))
Die Adverben beieinander und beisammen bedeuten beide so viel wie zusammen. Sie beziehen sich ursprünglich auf die fünf Sinne, die der Mensch hat: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Redensartlich gelten sie als Komponenten des Verstandes und des konzentrierten, wachen Bewusstseins. Der Gedanke ist also, dass die Sinnesorgane alle zusammen gut funktionieren. Hier hat übrigens auch die Wendung "sie nicht mehr alle haben (Öffnet in neuem Fenster)" (spinnen, verwirrt, leicht verrückt sein, etwas Unverständliches tun) seinen Ursprung, die heute sehr oft zu hören ist. Wenn ich also sage
Der Typ hat sie nicht mehr alle
, dann ist das als Vorwurf zu verstehen. Aber ich schweife mal wieder ab.
Ganz ähnlich wie "gut beieinander (Öffnet in neuem Fenster)", nur moderner: gut drauf sein (Öffnet in neuem Fenster) (gute Laune haben, aktiv / leistungsfähig sein). "Drauf sein" in der Bedeutung "in einer bestimmten Stimmung sein" ist in der Jugendsprache (ca. 1970er Jahre) entstanden und heute in der Umgangssprache sehr verbreitet. Dementsprechend kann man "schlecht drauf (Öffnet in neuem Fenster)" sein (schlechte Laune haben, unkonzentriert sein). Man kann auch "schräg drauf (Öffnet in neuem Fenster)" sein, also sich merkwürdig / ungewöhnlich verhalten oder schlechte Laune haben). Wer jemanden fragt
Wie bist denn du drauf?
, dann steckt dahinter eine leichte Kritik und bringt zum Ausdruck, dass man seine Gedanken nicht nachvollziehen kann oder sein Verhalten nicht gut oder zumindest unpassend findet.
Über die Herkunft von "drauf sein" in dieser Bedeutung kann man nur spekulieren. Vielleicht hat die Wendung "es draufhaben (Öffnet in neuem Fenster)" (klug, geschickt sein, viel leisten können) oder "etwas auf dem Kasten haben (Öffnet in neuem Fenster)" (etwas gut können, besondere Fähigkeiten besitzen) eine Rolle gespielt. Diese Redensart kommt wohl daher, dass man sich den Schädel als Kasten vorstellt. Wenn dieser mit viel Hirn gefüllt ist, hat man auch "viel auf dem Kasten (Öffnet in neuem Fenster)". Es gibt aber auch andere Deutungen.
Wer nicht nur geistig fit ist und viel leisten kann, sondern das auch noch schnell, der ist "auf Draht (Öffnet in neuem Fenster)" oder "auf Zack (Öffnet in neuem Fenster)". Zack steht sinnbildlich für die sehr schnelle Bewegung, wohl hergenommen von der Zickzackbewegung des Blitzes. Genauso wie "zackig" ist der Ausdruck in der Soldatensprache des 2. Weltkrieges entstanden.

(Quelle: commons.wikimedia.org (Öffnet in neuem Fenster))
"Auf Draht sein (Öffnet in neuem Fenster)" hat dagegen seinen Ursprung wohl vom Telegrafendraht: Mit dem Ausbau der elektrischen Telegrafie im 19. Jahrhundert konnte man nun Nachrichten in Sekundenschnelle verschicken (heute denkt man da eher an das Telefon oder Internetverbindungen). In der Redensart ist der Draht daher das Sinnbild der Verbindung, der Schnelligkeit und der Informationsübertragung, weshalb sie gelegentlich auch im Sinne "telefonisch gut erreichbar sein" verwendet wird, oft als Wortspiel in der Werbung, z. B.
Wir sind immer auf Draht, permanent vernetzt und jederzeit erreichbar
So, war’s von mir für heute.
Viele Grüße,
euer Peter vom Redensarten-Index
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