WAS IST NEU?
Der Winter
Weihnachtspause vorbei. Ich hoffe, ihr habt Euch alle gut erholt. HAHA. Wer erholt sich bitte an Weihnachten? Naja. Hier mal eine Winterfolge. Da ich diesen Newsletter schreibe, während das Land im Schnee der Sturmtiefs “Elli”und “Gunda” versinkt. Übrigens ein sehr schöner Name,(also nicht Gunda)… Habe schon überlegt meinen Sohn in Elli umzubenennen. Sein Name Lucifer hat eh oft für Verwirrungen gesorgt. Jedenfalls sieht es im Norden und Osten und Westen schlimm aus. Eiseskälte und viel Schnee. Die Deutsche Bahn hat vorsorglich den Fernverkehr eingestellt. Machen die ohnehin gern, den Verkehr einstellen. Auch wenn mal eine Tür klemmt oder ein Klo überschwemmt ist. Aber der Blick aus dem Fenster hier in Berlin offenbart: Von Wegen! Es schneit nichtmal. Leichter Wind. Minus 5. Sogar der Strom geht wieder. Der kleine Lucifer war echt enttäuscht. Alle hatten ihn auf einen echten Wintersturm eingestimmt - und nun: einfach Winter. Ich werfe mit schönen Boomer-Sätzen um mich: “Die Winter früher, in meiner Jugend, waren noch echte Winter!” Oder: “Bei uns früher hat es noch richtig geschneit. Manchmal mussten wir erst die Tür freischaufeln, bevor wir das Haus verlassen konnten.” Und: “Zu meiner Zeit sind wir noch mit dem Hundeschlitten in die Schule gefahren. Bis in den Mai rein.” Sagen wir es so: Bei uns im Süden, im Schwarzwald, bringt uns so ein bisschen Schnee nicht aus dem Konzept. Als ich kürzlich mitten in der Nacht nach einem Auftritt, bei Minusgraden, leichtem Schneefall plus Nebel, Sichtweite ca. 10 Meter, mit 80 über die Landstraße brauste, das Höllental hinunter, lichthupte es doch häufiger hinter mir! “HIER IST HUNDERT, DU LAHMARSCH!, sagte die Lichthupen. MAN KANN DOCH HIER SUPER 130 FAHREN. WENN DU NICHT BREMST, RUTSCHT DU AUCH NICHT. OH, VORSICHT KURVE!”
DAS TELEFONAT
Meine Mutter ruft aus meiner Heimatstadt Freiburg an.
„Sebastian, ich war gerade im Laden, um das Weihnachtsgeschenk von dir umzutauschen.“
„Du hattest dich doch darüber gefreut“, sage ich.
„Ja, weil man das so gut umtauschen kann.“
„Mama, ich habe dir einfach geschenkt, was du dir gewünscht hast: eine Handtasche. Du hast mir sogar den Amazon-Link geschickt.“
„Deswegen konnte ich die in dem Laden nicht zurückgeben.“
„Das klingt logisch.“
„Aber immerhin konnte ich den Schal, den ich von deinem Vater bekommen habe, umtauschen. Und zwar in die Handtasche von dir. Und die habe ich dann gleich wieder umgetauscht, in einen Rucksack. Den schenke ich Irma zum Geburtstag. Die hat zwar schon einen, aber den kann sie ja dann wieder umtauschen.“
„Hä?“
„Jetzt wäre es super, wenn du bei Amazon meine Handtasche in den Schal umtauschen könntest. Weil der so schön war.“
„Mama, das klingt jetzt komisch. Aber ich habe die Tasche gar nicht bei Amazon gekauft. Sondern ich habe euer letztes Geburtstagsgeschenk für mich, diesen Kerzenständer in Form zwei schmusender Schwäne, gegen die Tasche umgetauscht.“
„Ach, das war ein schöner Kerzenständer”, ruft meine Mutter.
„Okay, dann tausche ich die Tasche einfach wieder zurück gegen den Kerzenständer und den bekommst dann du.“
„Perfekt. Dann war es mit den Weihnachtsgeschenken dieses Jahr mal unkompliziert“, sagt meine Mutter und legt auf.
BUCHEMPFEHLUNG
Winterbücher
Wenn ich an Bücher über den Winter denke, fällt mir sofort Das Schloss von Franz Kafka an. Das Dorf, in dem der ganze Roman spielt, liegt unter einer hohen Schneedecke. Es schneit permanent Manchmal sinken die Figuren so tief in den Schnee, dass man sie kaum noch sieht. Schon der berühmte Beginn des Buchs erschafft die kalte Landschaft: “Es war spätabends als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schloßberg war nichts zu sehen, Nebel und Finternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte, und blickte in die scheinbare Leere empor.”
Und passend dazu meine zweite Empfehlung: Wenn die Welt draußen kalt und dunkel ist, liest man ja gern tolle und ausufernde Geschichten mit spannendem Plot. Da kann man eigentlich alle Bücher von Jennifer Egan lesen. Jeder Roman der New Yorkerin ist großartig, spannend und lustig. Und sie hat auch ein Buch über ein Schloss geschrieben, The Keep (dt. Im Bann) heißt es. Und dieses alte Schloss zu erreichen ist ähnlich schwer wie bei Kafka. Ein New Yorker Hipster verwirrt sich in der Provinz eines irgendwie europäischen Landes, findet zu sich in diesem Schloß, und verliert sich schließlich wieder. Kalt ist es auch immer mal wieder. Und obwohl es ein grandioses Epos ist, hat der Roman nur 300 Seiten…
SONGS FOR THE LEFTOVERS - Winteredition
Meine schönsten Winterlieder-Empfehlungen:
Mercury Rev - Tonite it shows. (Öffnet in neuem Fenster) Ich finde, das könnte auch gut “Tonite it snows” heißen. Große Hymne.
Fleet Foxes - White Winter Hymnal. (Öffnet in neuem Fenster) Eigentlich jedes Lied der Fleet Foxes ist ein Winterlied. Vor allem auf ihrem Debutalbum. Wunderschöne mehrstimmiger Gesang, 70er Jahre Folk.
Locas in Love - Wintersachen (Öffnet in neuem Fenster). Die Kölner Band hat 2008 ein ganzes Album mit dem Titel “Winter” veröffentlicht. Niedlicher deutscher Indiepop über das Nachhausekommen an Weihnachten und das Alleinsein im Winter.
Björk - Frosti (Öffnet in neuem Fenster). Wer könnte besser über die Kälte singen als die Isländerin Björk? Beste Wintermusik. Das hier ist nur ein kurzes Klingel-Stück, aber das ganze Album Vespertine passt perfekt zum kalten Januar. Und zum zweisamen “Kuscheln” zuhause im Bett.
WAS KOMMT?
Mein neues Programm "Kleinere Katastrophen” startet am 22. Januar in Karlsruhe (Öffnet in neuem Fenster). Dann gehe ich auf Tour, alle Termine auf www.sebastianlehmann.net (Öffnet in neuem Fenster). Am 19. Februar bin ich damit in Berlin, im SO36: Tickets (Öffnet in neuem Fenster).
VIELEN DANK FÜRS LESEN.
Dein Sebastian.