Liebe Lesende,
der fünfte Newsletter kommt von mir: Karo.
Vor ein paar Wochen kam Mia auf mich zu. Sie ist 15 Jahre alt und interessiert sich für Journalismus. Schon im letzten Jahr hatte sie mich gefragt, ob ich ihr helfen kann, einen Praktikumsplatz in einem der vielen Medienhäuser hier in Köln zu finden.
Wir haben Redaktionen angeschrieben. Viele.
Und nur Absagen bekommen.
Keine Zeit. Keine Kapazitäten.
Dabei will die Branche doch genau das: jünger werden, neue Perspektiven, neue Stimmen, Leser*innen, die mitwachsen, Zuschauer*innen, die Nachrichten schauen oder hören.
Also habe ich mich entschieden, das Praktikum selbst anzubieten.
In den letzten zwei Wochen hat Mia mich begleitet: bei Recherchen, Gesprächen und der Themenfindung. Wir haben Redaktionen besucht, waren in Live-Sendungen, haben hinter Bühnen und in Studios geschaut. Und wir saßen oft stundenlang über Hefte und Zeitungen gebeugt: haben Medien analysiert, Texte gelesen, Podcasts gehört und sie war bei einem unserer Kollektiv-Calls dabei.
Und immer wieder kamen dieselben Fragen:
Warum? Wie funktioniert das?
Diese Fragen sind es, die etwas auslösen. Die Dinge wieder schärfen, die man selbst längst automatisiert hat.
Und damit sind wir bei einem der Gründe, warum wir uns als Kollektiv organisieren:
Bilden. Fördern. Weitergeben.
Workshops: Wissen teilen
Wir haben unser Workshop-Angebot weiterentwickelt.
Wir wollen mit euch unser Wissen teilen:
Wie entsteht eine gute Geschichte?
Wie strukturiere ich eine Recherche?
Wie erzähle ich im Audiojournalismus?
Und wie funktioniert das eigentlich, frei zu arbeiten?
All diese Fragen beantworten wir in unseren Workshops, für 2026 haben wir ein vielfältiges Portfolio zusammengestellt. Alle Infos dazu findet ihr hier (Öffnet in neuem Fenster).
Aus dem Kollektiv
Während ich mit Mia in Köln unterwegs war, haben sich andere aus dem Kollektiv mit unterschiedlichen Themen befasst:
Auf den Spuren von Graf Dracula
(Öffnet in neuem Fenster)Ein Gottesdienst in Beirut und ein Orchester in Damaskus
Theresa war im Libanon und hat für Deutschlandfunk Kultur einen protestantischen Gottesdienst und Friedhof in Beirut (Öffnet in neuem Fenster)besucht. Sie spricht mit Menschen aus Madagaskar, Deutschland und dem französischen Pfarrer, der die Gemeinde zusammenbringt. Ich habe unheimlich gerne reingehört, es ist ein ruhiges, sehr nahes Stück über Glauben, Gemeinschaft und eine etwas andere, derzeit kaum vorstellbare, Seite des Lebens im Libanon.
Gemeinsam mit Laila hat sie in Damaskus einem Orchester zugehört (Öffnet in neuem Fenster): Das Syrische Nationale Symphonieorchester spielte selbst während des Bürgerkriegs weiter. In ihrer Reportage zeigen sie, wie das Orchester Menschen unterschiedlicher religiöser und gesellschaftlicher Gruppen zusammenbringt und Musik zu einem seltenen Raum von Gemeinschaft und Hoffnung wird.
(Öffnet in neuem Fenster)Wie geht investigative Recherche für Gen Z?
Das funk Format ‚cooked‘, produziert vom Spiegel, grillt die Verantwortlichen hinter Missständen, die junge Leute betreffen. Eva hat hierfür zu Jugendreisen nach Lloret de Mar recherchiert: Jedes Jahr fluten tausende Jugendliche in den Partyort - der erste Urlaub ohne Eltern, Party ohne Ende. Neben Sommer, Sonne, Schaumparty hat der Partytourismus für Minderjährige an die Costa Brava auch seine Schattenseiten: Eva hat mit rund 30 Betreuenden, Gästen und Menschen aus der Branche gesprochen, die von Ausbeutung, Extremsituationen und vermehrt sexuellen Übergriffen vor Ort berichten. Den Film könnt ihr hier s (Öffnet in neuem Fenster)ehen.
Über Extremismus berichten
Wie berichten wir über Extremismus? Darüber hat Olivia mit Christina Feist, Journalistin und Überlebende des rechtsextremistischen Anschlags in Halle, in ihrem Podcast (Öffnet in neuem Fenster)gesprochen, und Christina Feist darüber einen Text (Öffnet in neuem Fenster) im medium magazin geschrieben. Sie appelliert an Journalist*innen, sich der Würde von Opfern und Angehörigen bewusst zu sein und warnt davor, durch unreflektierte Berichterstattung Täter*innen zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Frühdemenz
(Öffnet in neuem Fenster)Rückblick: Femizide und Gewaltprävention
Bereits im vergangenen Jahr beschäftigten wir uns mit Täterperspektiven und Berichterstattung: Unsere Recherche zu Femiziden und Gewaltprävention war unser Jahresthema 2025 und sie beschäftigt uns auch 2026 weiter:
Timo hat mit sternchen.fm (Öffnet in neuem Fenster) darüber gesprochen, wie Partnerschaftsgewalt entsteht, welche Rolle Medien spielen und warum Prävention so schwierig umzusetzen ist.
Ausblick
Unser neues Jahresthema dreht sich um die aktuelle (Auf-)Rüstung. Es geht um Unternehmen und Deals, die in diesem Jahr wichtig werden, die steigenden Waffenexporte, und wir schauen genau hin, ob bald KI lernt, Kamikazedrohnen zu lenken (Öffnet in neuem Fenster)oder wie Tech-Start-ups die Rüstungsbranche umkrempeln (Öffnet in neuem Fenster). Diese zwei Texte hat Bartl im Rahmen unserer Jahres-Recherche schon veröffentlicht.
In den kommenden Wochen könnt ihr Ann live aus ihrem Buch „Axe Vanilla. Aus den Jahren der ersten Male“ lesen hören und sehen: Am 26.03. in der Lettrétage in Berlin, am 11.04. während des Seitensprünge Festivals in Hamburg und am 17.5. während der KLP (Kulturelle Landpartie) im Wendland.
Was machen die Kolleg:innen?
Das Jahr hatte erst begonnen, doch statt Konfliktlösungen ist ein neuer Krieg ausgebrochen. Es scheint, als seien wir umgeben davon. Oder auch mittendrin. Der völkerrechtswidrige Krieg der USA und Israels gegen den Iran beschäftigt derzeit einige Menschen auch bei uns, viele Iraner:innen, Libanes:innen, Israelis, Palästinenser:innen und Iraker:innen leben in Deutschland. Manche sind unsere Kolleg:innen.
Wie Omid Rezaee (Öffnet in neuem Fenster), der vor einigen Jahren aus dem Iran fliehen musste, da er aufgrund seiner Berichterstattung dort verfolgt wurde. Jetzt schreibt er aus dem Exil Analysen und ordnet die Hintergründe in seinem Heimatland für die ZEIT ein.
Über die katastrophale Lage der über eine Million Vertriebenen im Libanon berichtet Stella Männer (Öffnet in neuem Fenster)und über die Rolle der Kurd:innen im Irak (Öffnet in neuem Fenster) ist eine Reportage von Julian Busch und Vincent Haighes in der WOZ erschienen.
Zum Schluss
Auch wenn wir oft vor unseren Laptops sitzen: Unsere Arbeit bringt uns nah an das, was in der Welt passiert. An Konflikte, Krisen, Traumata von Menschen.
Deshalb, vielleicht auch für euch, eine kleine Erinnerung an uns selbst:
Passt auf euch auf. Nehmt euch Pausen. Geht raus. Fragt eure Freund:innen, wie es ihnen geht.
Und gebt weiter, was ihr wisst.
Mit besten Grüßen
Karo
Das Selbstlaut-Kollektiv sind Ann Esswein, Karolina Kaltschnee, Olivia Samnick, Anina Ritscher, Anna-Theresa Bachmann, Alicia Prager, Paul Hildebrandt, Sandra Singh, Laila Sieber, Helena Manhartsberger, Eva Hoffmann, Nora Börding und Timo Stukenberg. Mehr Infos und Links zu unseren Veröffentlichungen findet Ihr auf unserer Website (Öffnet in neuem Fenster), auf Instagram (Öffnet in neuem Fenster), LinkedIn (Öffnet in neuem Fenster) und BlueSky (Öffnet in neuem Fenster).