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Wer schützt die Demokratie? NGOs zwischen Angriff, Verantwortung und politischer Instrumentalisierung.

Folge 4: Correctiv — Journalismus im Fadenkreuz. Warum Aufklärung zum "Skandal" umgedeutet wird.

von Stefan Hünl

Über die Serie

Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Sie braucht Menschen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Strukturen, die sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und autoritäre Ideologien stellen.

Genau diese Arbeit leisten in Deutschland zahlreiche Vereine, Initiativen und Bildungsprojekte. Sie tun dies oft unter schwierigen Bedingungen, werden häufig angegriffen von rechts und leiden zunehmend unter politischen Druck.

Während die AfD demokratische Institutionen delegitimiert, Teile der Union nach rechts rücken und wirtschaftliche Eliten sozialen Zusammenhalt systematisch untergraben, geraten ausgerechnet jene Organisationen ins Visier, die sich für Demokratie, Aufklärung und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.

Diese Serie fragt: Wer sind diese NGOs wirklich? Was leisten sie konkret? Wie werden sie finanziert? Welche Kritik ist berechtigt? Und welche ist Teil einer rechten Strategie zur Schwächung der Zivilgesellschaft?

Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern eine Gefahr. Wer Demokratie schwächt, stärkt ihre Feinde.

Folge 4

Correctiv — Journalismus im Fadenkreuz. Warum Aufklärung zum "Skandal" umgedeutet wird.

Der Spiegel und der Stein

Stellen Dir vor, jemand hält Dir einen Spiegel vor, und was Du darin siehst, gefällt Dir nicht. Du hast zwei Möglichkeiten: Du kannst dein Gesicht waschen, oder Du kannst versuchen, den Spiegel mit einem Stein zu zertrümmern.

In der politischen Auseinandersetzung der Gegenwart wird immer öfter zum Stein gegriffen. Eines der prominentesten Ziele in Deutschland ist derzeit Correctiv. Das Recherchezentrum ist kein klassisches Verlagshaus, sondern eine gemeinnützige NGO. Ihr Auftrag: Investigative Recherche im öffentlichen Interesse. Doch genau dieser Auftrag hat sie zum ultimativen Feindbild jener gemacht, die das Dunkle für ihre politische Agenda brauchen.

#Senfkuchen

Demokratie braucht keine Zuschauer, sondern eine Immunabwehr!

Hast Du auch das Gefühl, dass wir in einer Ära der ständigen politischen Diskursverschiebung leben?
In der Kulturkämpfe uns spalten und ein Mangel an legislativer Konsequenz das demokratische Immunsystem zunehmend schwächt?
Lobbyismus, Rechtsextremismus, der Aufstieg der "Erb-Aristokratie" und die omnipräsenten Interessen des Kapital
— Diese Strukturen haben nur einen Zweck: Die gerechte und notwendige Umverteilung von "oben nach unten" zu verhindern!
Macht Euch nichts vor: Die Kaste der asozialen Oligarchen entfesselt eher das "vierte Reich" bevor sie einen Cent Vermögenssteuer zahlt oder ihre Deutungshoheit aufgibt.
Beides ist notwendig!
Beides wird geschehen!
Ihre Angst davor treibt sie an!

Ob AfD, MAGA, Kreml oder (zunehmend auch) die Union — Der #Senfkuchen schaut genau da hin, wo andere wegschauen. Fakten und Analysen gegen Hetze und politische Skrupellosigkeit. Denn Demokratie lebt davon, dass Fehlverhalten sanktioniert wird. Nicht nur durch Institutionen, sondern vor allem durch informierte Bürger:innen wie Dich.

Bleib kritisch. Bleib informiert. Setz ein Zeichen.

Die Rolle von Correctiv: Journalismus als zivilgesellschaftliche Instanz

Correctiv füllt eine Lücke, die der klassische Lokal- und Regionaljournalismus aus Ressourcenmangel oft nicht mehr schließen kann. Langwierige, teure Recherchen zu Korruption, Steuerraub (wie bei den Cum-Ex-Files) oder rechten Netzwerken sind kein Beifang, sondern das Kerngeschäft.

Als spendenfinanzierte Organisation ist Correctiv unabhängig von Anzeigenkunden oder staatlichen Weisungen. Doch genau diese Unabhängigkeit wird ihnen als "Eliten-Projekt" ausgelegt. Wer Transparenz schafft, wird selbst unter das Mikroskop gelegt, was legitim ist. Doch was wir bei Correctiv erleben, geht weit über legitime Medienkritik hinaus.

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Potsdam und die Kunst der Inversion

Die Recherche zum Treffen in Potsdam (Öffnet in neuem Fenster) im November 2023 war ein Wendepunkt. Zum ersten Mal wurde schwarz auf weiß dokumentiert, wie weit die Pläne zur »Remigration (Öffnet in neuem Fenster)«, ein Euphemismus für Massendeportationen, in bis dato bürgerlich getarnte Kreise reichen. Die Reaktion folgte einem Muster, das wir aus der psychologischen Kriegsführung kennen: die Inversion (Umkehrung).

Nicht der Inhalt des Treffens wurde zum Skandal erklärt, sondern die Tatsache, dass darüber berichtet wurde. Journalistische Methoden wurden als "Stasi-Praktiken" geframed. Die juristische Prüfung kleinster Formulierungen wurde als "Einsturz des Lügengebäudes" inszeniert, obwohl die Kernfakten vor Gericht Bestand hatten.

Das Ziel dieser Strategie ist die Delegitimierung der Quelle. Wenn man die Botschaft nicht vernichten kann, muss man den Boten für unzurechnungsfähig erklären.

Warum Aufklärung als "Skandal" umgedreht wird

Warum funktioniert das? Der Reuters Institute Digital News Report zeigt ein sinkendes Vertrauen in etablierte Medien bei gleichzeitig steigender Nutzung von "alternativen" Informationsräumen. In diesen Echokammern wird investigative Arbeit systematisch als "Auftragsarbeit der Regierung" umgedeutet.

Wer aufklärt, stört die Erzählung vom "geheimen Plan der Eliten". Deshalb muss der Aufklärer selbst zum Verschwörer gemacht werden. Wenn Correctiv über Rechtsextremismus berichtet, wird nicht über Rechtsextremismus diskutiert, sondern über die Finanzierung von Correctiv.

Das ist ein klassischer Whataboutism (Ablenkungsmanöver), der darauf abzielt, die Öffentlichkeit zu erschöpfen, bis sie glaubt: "Die lügen doch sowieso alle."

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Angriff auf das Fundament

Laut Reporter ohne Grenzen hat sich das Klima für Journalisten in Deutschland verschlechtert (Öffnet in neuem Fenster). Angriffe auf Demos sind das eine. Systematische, digitale Hetze das andere. Wenn investigative Recherche zum Feindbild wird, verliert die Demokratie ihr Frühwarnsystem.

Investigativer Journalismus ist die Immunreaktion eines gesunden Staatskörpers. Wenn wir zulassen, dass diese Reaktion als "Krankheit" umgedeutet wird, öffnen wir die Tür für jene, die im Verborgenen planen.

Den Spiegel halten

Es ist völlig in Ordnung, über journalistische Methoden zu streiten. Es ist notwendig, die Finanzierung von NGOs zu hinterfragen. Aber wir müssen erkennen, wann Kritik aufhört und Vernichtungswille beginnt.

Wenn Aufklärung zum Skandal erklärt wird, ist nicht die Presse in Gefahr, sondern die Wahrheit. Und ohne Wahrheit gibt es keine demokratische Entscheidung.

Bisherige Folgen
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Quellenangaben

correctiv.org: Transparenzbericht und Stellungnahmen zu den Potsdam-Recherchen.

Reporter ohne Grenzen: Rangliste der Pressefreiheit 2024 – Fokus Deutschland.

Reuters Institute Digital News Report 2024: Vertrauen in Medien und Nachrichtennutzung.

Oberlandesgericht Hamburg: Beschlüsse zu den einstweiligen Verfügungsverfahren bezüglich der Potsdam-Berichterstattung.

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Ende