Möge die Macht mit uns sein (denn wir brauchen es!)
von Stefan Hünl

Eine Galaxis, gar nicht mal so weit entfernt...
Happy Star Wars Day!
Während wir uns heute artig "May the 4th be with you" wünschen und unsere Plastik-Lichtschwerter schwingen, lohnt sich ein kurzer Blick weg von den CGI-Effekten und hin zum politischen Kleingedruckten. Denn seien wir ehrlich, George Lucas hat uns damals kein Science-Fiction-Märchen serviert, sondern einen verdammt ungemütlichen Leitfaden für den Untergang der Demokratie.

Das Ende der Republik
Tod durch Gähnen und Geschäftsordnung
Erinnern wir uns an die Galaktische Republik. Ein riesiger, schwerfälliger Apparat, der so sehr mit Prozeduren, Ausschüssen und dem Debattieren über Handelsrouten beschäftigt war, dass er die Bedrohung vor der eigenen Nase nicht sah.
Die "wehrhafte Demokratie" der Jedi war leider eher eine "meditierende Demokratie". Man spürte zwar eine "Erschütterung der Macht", blieb aber lieber im Ratssaal sitzen, anstatt das Problem an der Wurzel zu packen. Wenn die Bürokratie so komplex wird, dass niemand mehr durchblickt, schlägt die Stunde der Vereinfacher.

"Mit donnerndem Applaus"
Die Machtübernahme 2.0
Palpatine ist der Prototyp des modernen Rechtspopulisten. Er kam nicht mit dem Panzer (das kam erst später), sondern mit der Opferrolle und dem Versprechen von "Sicherheit und Ordnung".
Der Trick: Man nehme eine Krise (echt oder hausgemacht), schüre die Angst vor dem "Anderen" (Separatisten/Jedi/Eliten) und präsentiere sich als der einzige, der aufräumen kann.
Die Realität: Das Imperium wurde nicht gewaltsam erkämpft, es wurde gewählt. Padmé Amidalas berühmtester Satz, "So geht die Freiheit zugrunde: mit donnerndem Applaus", ist heute kein Filmzitat mehr, sondern ein täglicher News-Ticker.

Sturmtruppen in feinem Zwirn
Das moderne Imperium trägt heute keine weißen Plastikrüstungen (die sind eh schlecht für die Ökobilanz), sondern oft Anzug, Krawatte und ein sehr gut gepflegtes Social-Media-Profil.
Statt Todessternen werden Algorithmen des Hasses gebaut. Die Strategie bleibt gleich: Spaltung, Desinformation und die Behauptung, das System sei ohnehin korrupt. Außer man selbst ist an der Macht.

"Viel zu lernen Du noch hast, junger Padawan."
Wenn uns Meister Yoda und der 4. Mai eines lehren sollte, dann das:
Die dunkle Seite ist verdammt verführerisch, weil sie einfache Antworten auf komplizierte Fragen liefert.
Wer glaubt, dass unsere demokratischen Institutionen unzerstörbar sind, hat die Prequels nicht verstanden (oder sie wegen Jar Jar Binks ignoriert – verständlich, aber riskant).

Das Fazit für heute
Genießen wir unsere Film-Marathons und tragen wir unsere Chewbacca-Socken mit Stolz.
Aber lasst uns nicht vergessen:
Wenn im Parlament demnächst jemand nach "Sondervollmachten" ruft, um die Ordnung wiederherzustellen, lasst uns genau hinschauen, ob er unter der Kapuze nicht doch gelbe Augen hat.
In diesem Sinne:
Möge die Macht (und Wehrhaftigkeit) mit euch sein! Immer.

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