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Zeit, dass sich was dreht!

Es ist Montag, der 8. Juni 2026, und du liest die STOFFKUNDE, meinen Trikot-Newsletter. Es ist die letzte Ausgabe in diesem wöchentlichen Erscheinungsrhythmus. In dieser Ausgabe dreht sich alles um die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, den USA und Kanada und am Ende auch ein bisschen darum, wie es nach der Sommerpause mit der STOFFKUNDE weitergehen wird.

Die Übersicht der Ausrüster der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Adidas (14), Nike (12) und Puma (11) teilen sich mit 37 Teams den Hauptkuchen der Teams. Lediglich Kelme hat mit Bosnien-Herzegowina und Jordanien noch mehr als ein Team unter Vertrag. Grafik: Mit freundlicher Genehmigung von Football Kit Archive

In meinem STOFFKUNDE Trikot-Podcast von letzter Woche spreche ich mit dem Afrika-Trikotexperten Daniel Haas ausführlich über die afrikanischen Teilnehmer (Öffnet in neuem Fenster) bei dieser WM und ihre Trikots und ihre Trikothistorie. Diese Folge solltet ihr euch auf alle Fälle anhören, denn Daniel ist nicht nur ein exzellenter Fachmann, sondern auch ein sehr eloquenter Gast, der die Folge sehr kurzweilig macht.

Wir sprechen darin nicht nur über Puma, die mit elf Nationen bei der WM vertreten sind, davon neben Neuseeland, Paraguay, Portugal, Österreich, Schweiz, Tschechien mit Marokko, Ägypten, Ghana, Elfenbeinküste und Senegal auch die meisten afrikanischen Teams unter Vertrag haben. Algerien und Südafrika werden in Adidas auflaufen, Tunesien in Kappa, die DR Kongo in Umbro und Kap Verde in Capelli Sport. Wie Kap Verde ist auch Capelli erstmalig bei einer Fußball-Weltmeisterschaft mit dabei.
Auch dazu erfahrt ihr mehr in der besagten Podcastfolge (Öffnet in neuem Fenster) mit Daniel. Überall da, wo ihr eure Podcasts hört.

Die weiteren Adidas-Teams sind Co-Gastgeber Mexiko, Japan, Argentinien, Kolumbien, Katar, Saudi-Arabien, Deutschland, Belgien, Spanien, Schottland, Curaçao und Schweden.

Mit Nike spielen neben den beiden weiteren Gastgeber-Nationen USA und Kanada auch Südkorea, Australien, Brasilien, Uruguay, England, Frankreich, Kroatien, Norwegen, die Niederlande und die Türkei.

Vervollständigt wird das Feld neben den bereits genannten Ausrüstern und Nationen noch um 7Saber (Usbekistan), Majid
(Iran), Kelme (Jordanien und Bosnien-Herzegowina), Marathon (Ecuador) und Saeta (Haiti). Besonders interessant ist zudem sicherlich, dass Reebok mit Panama wieder im Fußball vertreten ist. Und aus deutscher Sicht, dass Jako mit dem Irak ebenfalls das erste Mal bei einer Weltmeisterschaft mit dabei ist.

Auch Dr. Peter Rohlmann hat selbstverständlich zur WM einen aktuellen Newsletter verschickt. Ich habe mal die meiner Meinung nach interessantesten Punkte rausgesucht.

Was das Ausrüstersponsoring und das finanzielle Engagement bei den Fußballnationen anbetrifft, sind die drei großen Herstellermarken im Fußball immer vorne dabei. Grafik: PR-Marketing.

Wie auch in der Bundesliga haben sich die Verkaufspreise von Fan-Trikots der Nationalmannschaften über die letzten 16 Jahre um über 50 % verteuert.

Die Trikotverkäufe der Nationalmannschaften haben sich in den letzten 20 Jahren selbstverständlich ebenfalls ständig erhöht. Wurden 2002 bei einem Teilnehmerfeld von 32 Mannschaften 8,7 Mio. Mal verkauft. 2014 bei und nach der WM waren es bereits 17,7 Mio. Stück. Wobei sich das deutsche Weltmeister-Trikot von der WM in Brasilien alleine 3 Mio. Mal verkauft hat. Für die bevorstehende Weltmeisterschaft werden Trikotverkäufe von 18 bis 23 Mio. Stück erwartet.

Die nachfolgende Trikotgeschichte erschien im Sommer 2024 im Zeitspiel-Magazin zur Heim-EM in Deutschland und daher haben die die ersten beiden Trikots eher einen EM-Bezug. Im Text geht es jedoch inhaltlich um die gesamte Trikotzeit der Nationalmannschaftszeit und darum, dass die Partnerschaft mit Adidas, die im Dezember diesen Jahres zu Ende geht, was Trikots angeht, keine 72 Jahre andauert, sondern 28 Jahre kürzer ist.

Ende März 2024 platzte die Meldung über Fußball-Deutschland herein, dass Adidas ab 2027 sein Mandat als Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft an Nike verliert. In vielen Artikeln, Nachrichten und Social-Media-Posts wurde darauf verwiesen, dass der DFB mit seiner Entscheidung eine 70 Jahre andauernde Partnerschaft „einfach des Geldes wegen“ beiseitegeschoben habe. Dass diese Partnerschaft allerdings nur bei den Schuhen so lange währte und nicht bei den Trikots, kam in vielen Berichten zu kurz oder wurde gar unterschlagen. Deshalb nachfolgend ein kleiner Überblick, in welchen Trikots die DFB-Auswahl bei den großen Turnieren der vergangenen 72 Jahre gespielt hat.

In Leuzēla-Trikots der Textilfabrik G. & A. Leuze aus Pfullingen bei Reutlingen wurde Deutschland 1954 in Bern Weltmeister und trug auch bei der WM 1958 in Schweden wieder Trikots aus dem Hause Leuze. Es existierten zwei Familienzweige mit dem Namen Leuze, deren Wege sich nach rund 20 gemeinsamen Jahren im Jahre 1877 getrennt hatten. Aus dem einen entwickelte sich mit Leuze Electronic ein Weltkonzern im Bereich Sensorik am Standort Owen. Der andere hatte nicht so viel Glück. Er verkaufte seinen Sportbekleidungsbereich 1975 an den ebenfalls in Pfullingen ansässigen Wettbewerber Erima.

Im Jahr 1936 hatte der 35-jährige Diplom-Kaufmann Erich Mak (EriMa) die im Jahr 1900 in Reutlingen gegründete Sportbekleidungsfabrik R. Wehrstein & Co. übernommen. Nach der Übernahme baute Mak das Sortiment beständig aus und wurde über den Sportfachhandel Ausrüster zahlreicher namhafter Klubs. Zur WM 1962 in Chile kam auch die Fußball-Nationalmannschaft hinzu, nachdem Erima zuvor schon bei den Olympischen Spielen in Rom erste deutsche Athleten mit Sportbekleidung ausgerüstet hatte. 1976 übernahm Adidas das hochrentable Unternehmen. Gemeinsam stattet man diverse Bundesliga-Mannschaften aus. Dank speziell ausgehandelter Verträge traten einige Teams wie der VfB Stuttgart, der 1. FC Köln oder der 1. FC Kaiserslautern im wöchentlichen Wechsel mal in Adidas-, mal in Erima-Trikots an. Auch die Nationalmannschaft bestritt nach der Übernahme durch Adidas die WM 1978 in Argentinien und die Europameisterschaft 1980 in Italien noch in Trikots aus Reutlingen. Lediglich im EM-Endspiel gegen Belgien wechselte man wegen der hohen Werbewirksamkeit der Partie auf Trikots mit den drei Streifen.

Spielertrikot von Rüdiger Abramczik aus dem Länderspiel gegen England am 22. Februar 1978 in München (Endstand 2:1). Abramczik stand in der Startelf und spielte 90 Minuten durch. 1976 trug die DFB-Auswahl exakt dieses Template beim EM-Turnier, auch der DFB-Adler sah genau so aus. Lediglich das Erima-Logo war nicht auf den Trikots abgebildet. Das Trikot hat bereits die 3-D-Rückennummer aus Plastik.
Damals gab es aber auch noch Länderspiele in Trikots mit aufgenähter Rückennummer ohne 3-D-Look. Im Halbfinale und Endspiel 1976 wurde ebenfalls noch mit aufgenähten Nummern gespielt. Foto: Andreas Schallenmüller

Bei den Weltmeisterschaften 1966 in England und 1970 in Mexiko spielte die deutsche Mannschaft wiederum in Trikots des englischen Herstellers Umbro, der als Generalimporteur von Adidas-Schuhen in Großbritannien eine enge Geschäftsbeziehung nach Herzogenaurach pflegte. Was Adi Dassler in Sachen Fußballschuhe in Deutschland war, verkörperten die HUMphries BROthers in Sachen Sportbekleidung in England. Ähnlich wie Adidas in der Bundesliga rüstete Umbro in den 1980er-Jahren den Großteil der heimischen Profiklubs und auch die Three Lions mit Trikots aus. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien spielte Deutschland erstmals von Kopf bis Fuß in Trikots, Hosen, Stutzen und Schuhen mit den drei Streifen.

Spielertrikot von Klaus Allofs. Während die DFB-Auswahl die drei Vorrunden-Spiele bei der EM 1980 in Italien noch in Erima-Trikots spielte, kamen beim Endspiel gegen Belgien erstmals Adidas-Trikots mit den berühmten drei Streifen zum Einsatz. In Rom wurde in Kurzarm-Trikots gespielt, ansonsten entspricht dieses Template, inklusive der Rückennummer und dem DFB-Adler, exakt dem Final-Template. Lediglich das Trefoil-Logo war aus Werbeverbotsgründen nicht auf den Trikots zu sehen. Deutschland spielte damals alle vier Turnierspiele in Weiß. Fotos: Andreas Schallenmüller

Insofern beträgt die dauerhaft nach außen klar sichtbare Adidas-Partnerschaft mit Textilien im Jahr 2026 keine 72 Jahre, sondern lediglich 44 Jahre. Natürlich immer noch lang genug, um dem bevorstehenden Wechsel mit Wehmut entgegenzublicken.

Spielertrikot von Frank Mill aus dem Jahr 1988. In welchem der 17 Länderspiele von Frank Mill es zum Einsatz kam, ist leider nicht mehr nachzuvollziehen. Das Trikot entspricht exakt dem DFB-Template, mit dem auch bei der Heim-EM gespielt wurde. Nach 1984 durften neben den Schulterstreifen auch wieder das Trefoil und der Adidas-Schriftzug getragen werden. In allen vier Turnierspielen kam das weiße Heimtrikot zum Einsatz. 1990 wurde im selben Template dann auch die WM gespielt, und Deutschland gewann zum dritten Mal nach 1954 und 1974 den WM-Titel. Dementsprechend hat diese Version natürlich einen besonderen Stellenwert bei allen deutschen Trikotfans. Foto: Andreas Schallenmüller.

Die DFB-Trikots stammen aus der Sammlung von Andreas Schallenmüller, welche ihr unter @schalle_0711 (Öffnet in neuem Fenster) bei Instagram findet.

Eine richtig tolle WM-Geschichte der BBC, die mir bei Blue Sky in die Timeline gespült wurde, möchte ich euch nicht vorenthalten.

108 Trikots wurden von den Teams vorgestellt, inklusive der, die von Torhütern getragen werden. Aber nur 87 davon werden mindestens einmal im Turnier getragen werden. Die FIFA hat bereits bekannt gegeben, welche Trikots in welchen Spielen getragen werden müssen während der 72 Gruppenspiele.

Besonders spannend finde ich den Fakt, dass keines der nachfolgend aufgeführten Teams sein Auswärtstrikot in einem der Gruppenspiele tragen wird: Australien, Österreich, Belgien, Curacao, DR Kongo, Iran, Elfenbeinküste, Japan, Niederlande, Portugal und Südafrika.

Kanada, Kap Verde, Mexiko und Panama werden alle drei Trikots während der Gruppenphase mindestens einmal tragen.

Noch mehr Infos dazu im nachgefügten Link. Schon jetzt eine meiner Lieblingsgeschichten zu dieser WM, bevor sie überhaupt gestartet ist.

https://www.bbc.com/sport/football/articles/c89340zzd9go (Öffnet in neuem Fenster)
STOFFKUNDE

Wie anfangs schon geschrieben, ist das die letzte wöchentliche STOFFKUNDE-Ausgabe. Diesen Erscheinungsrhythmus werde ich nach der Sommerpause, die mindestens bis Mitte August geht, nicht weiterführen (können). Es war ein tolles erstes Jahr und ich habe es genossen, diesen Newsletter aufzusetzen und mich damit auszuprobieren. Ich bedanke mich bei allen von euch, die mich in diesem Jahr unterstützt haben.

Aktuell schließen Matthias Gorke, Stefan Hermanns und ich die letzten Geschichten für die Neuauflage von „Das Gladbach-Trikot“ ab. Wir befinden uns da in den letzten Zügen. Bis Ende Juni sollte alles im Kasten sein. Dann geht es nahtlos im Juli mit den Arbeiten an Bundesliga-Trikots weiter, wo ja ebenfalls im nächsten Jahr im Sommer schon meine Abgabe-Deadline ist.

Weil die Arbeiten am Buch, ein wöchentlicher Newsletter und eine wöchentliche Podcast-Ausgabe in der Frequenz, wie ich sie jetzt vor allem zuletzt von Anfang April bis Ende Mai hatte, in Zukunft nicht kompatibel sind mit meinem beruflichen und privaten Alltag, muss und werde ich Umstellungen vornehmen. Da ich zudem, wie schon vor ein paar Ausgaben berichtet, mit der STOFFKUNDE auch kein Newsaggregator sein möchte, sondern mehr hintergründige, längere und analytische Texte schreiben möchte, wird der Newsletter, wenn er wieder kommt, in jedem Fall mehr in eine neue, magazinigere Richtung gehen. Wann der Neustart erfolgt und in welchem Erscheinungsintervall, kann ich euch zum heutigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Ich gehe mal von einer monatlichen Erscheinungsweise aus. Es können aber auch alle sechs oder alle acht Wochen werden.

Zum Podcast. Den möchte ich ebenfalls gerne fortsetzen, aber ob es wieder eine zusammenhängende Staffel wird oder der Podcast in Zukunft ebenfalls nur alle vier Wochen erscheint, vermag ich jetzt ebenfalls noch nicht zu sagen. Ich mache mir in den nächsten Wochen dazu weiter intensive Gedanken.

Doch egal, wie es nach der Pause weitergeht, würde ich mich freuen, wenn ihr mir treu bleibt. Und ihr könnt mich weiterhin mit dem Kauf eines meiner Supporterpakete (Öffnet in neuem Fenster) unterstützen. Denn eure Unterstützung hilft mir sehr, die STOFFKUNDE weiterzuführen und so (neu) zu gestalten, dass sowohl ich als Autor/Creator und ihr als Leser damit in Zukunft rundum zufrieden seid.

Vielen Dank und bis demnächst,
Herzlichst, euer Steve


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