Zum Hauptinhalt springen

Der digitale Assistent

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass digitale Assistent:innen meistens „weiblich“ sind? Das liegt nicht nur an Nutzerpräferenzen, sondern auch daran, dass weibliche Stimmen häufig als freundlicher und hilfsbereiter wahrgenommen werden. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, spiegelt tief verankerte Rollenbilder wider.

Mein Vater saß einmal in meinem Auto und wir fuhren gerade los. Während ich aus der Ausfahrt zurücksetzte, kam die erste Ansage meines Navis. Die Stimme: männlich. Mein Vater ganz verdutzt:
“Du hast ja einen Mann, der die Route ansagt”, meinte er während er sich mit mir für den Schulterblick umdrehte. Auch als Beifahrer musste er immer die Kontrolle wahren.
“Ja”, sagte ich. “Du weißt doch, ich höre so gerne auf Männer.”
Er lachte und schnallte sich an.

Ist dir denn auch schon einmal aufgefallen, dass digitale Assistent:innen in den meisten Fällen „Frauen sind”?
Siri, Alexa, das Navi generell oder der Google Assistant werden standardmäßig mit weiblichen Stimmen ausgeliefert – zum einen, weil viele Nutzer:innen genau diese wählen (laut Umfragen entscheiden sich gerade Männer bewusst dafür), zum anderen weil die kreierenden

Notiz: Die entwickelnden Tech-Teams sind übrigens auch meist auch männlich.

Der Grund: Weibliche Stimmen werden häufig als „freundlicher“ oder „hilfsbereiter“ wahrgenommen.
(*aktuelle Studien dazu am Ende des Beitrags)

Klingt harmlos – ist aber kulturell aufgeladen. Denn dahinter steckt ein bekanntes Muster:
Assistenz = Frau, Supportarbeit = weiblich.
Technologie ist nicht neutral. Sie spiegelt gesellschaftliche Erwartungen und Rollenbilder wider.
Das Ergebnis: Digitale Assistentinnen klingen wie das Klischee der stets freundlichen, unsichtbaren Helferin.

Wie wird das verändern oder wenigstens beeinflussen können? Hier kommt dein Move: Wähle bewusst eine männliche Stimme. So zeigst du: Support ist kein weibliches Default-Setting. Design prägt Denken. Deine Stimmeinstellung ist vielleicht nur ein Klick –aber sie sendet eine Botschaft:

Care und Service sind keine Geschlechterfrage. Weder digital noch im echten Leben.

👉 Aktuelle Studien, auf die im Beitrag verwiesen wird:

Goodman et al. (2023), veröffentlicht bei ScienceDirect
Zentrale Ergebnisse:

  • Weibliche Stimmen wurden als vertrauenswürdiger wahrgenommen als männliche Stimmen.

  • Diese Wahrnehmung beeinflusste auch, wie sehr Personen einem (z. B. sprachbasierten) System folgen.

➡️ „Vertrauenswürdig“ ist in der Forschung eng verwandt mit Attributen wie Freundlichkeit, Wärme und Hilfsbereitschaft.

Eine Studie zu Voice Assistants (2023) zeigt:

    • Stimmen mit „femininen“ Eigenschaften wurden als wärmer wahrgenommen.

Foto von Emilipothèse (Öffnet in neuem Fenster) auf Unsplash (Öffnet in neuem Fenster)

Kategorie Mikrofeminimus To Go

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von STORY.HELDIN und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden