
Als ich das erste Mal von diesem Effekt in Bezug auf Kleidung gelesen habe, war mein Gedanke: das stimmt doch gar nicht.
Doch bei genauerem Hinsehen stimmt er nicht nur beim Ausmisten, sondern lässt sich wunderbar auf alle Lebensbereiche übertragen: der Besitztumseffekt.
Dieser entsteht durch eine kognitive Verzerrung.
Die Beobachtung war, dass wenn wir etwas als unseren Besitz oder zu uns gehörend ansehen, wir zum Beispiel beim Verkauf einen höheren Preis ansetzen, als wir selbst beim Kauf zahlen würden.
Übertragen auf andere Lebensbereiche wie unseren Job würde es bedeuten, wir werten ihn innerlich auf, weil wir bereits so viel rein investiert und Ja zu der Stelle gesagt haben.
Oder es fällt uns schwer, Kleidung ohne Gegenleistung abzugeben, weil wir sie bereits besitzen und es sich wie ein Verlust anfühlt (obwohl das Geld auch dann nicht wiederkommt, wenn das Teil im Schrank hängt).
Oder bei Freundschaften, an denen wir festhalten, weil sie schon lange existieren, nicht weil sie echt sind.
Spannend oder?
So lösen wir den Effekt auf
Wir haben sicher alle schon diesen Effekt gespürt und ihm nachgegeben.
Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt ein Bewusstsein dafür haben und ihn auflösen können, um jetzt bessere Entscheidungen für uns zu treffen- vor allem aus den richtigen Gründen.
Wenn wir wieder objektivere (seien wir mal ehrlich, es bleibt subjektiv) Entscheidungen treffen wollen, brauchen wir kleine Hilfen, die uns wieder in eine neutrale Entscheidungssituation bringen.
Bei der Kleidung wären es Fragen wie:
“Wenn ich das Teil nicht schon hätte, würde ich es heute kaufen?”
“Wenn ein Koffer verloren ginge, in dem dieses Teil ist, wäre ich traurig, dass es weg ist?”
Beim Job wären es Fragen wie:
“Wenn ich diesen Job nicht bereits hätte, würde ich mich jetzt auf diese Stelle bewerben?”
“Wenn mir jetzt eine Kündigung ausgesprochen würde, würde ich meinen Job vermissen?”
Bei Freundschaften oder auch Beziehungen wären es Fragen wie:
“Wenn wir nicht schon befreundet wären, wäre das eine Person, die ich unbedingt näher kennenlernen wollte?”
“Wenn diese Person mir erzählt, dass sie für 1 Jahr wegzieht, wäre ich traurig? Was würde ich vermissen?”
Du siehst, in welche Richtung die Fragen abzielen. Es geht um eine gewisse emotionale Distanz, um klarer zu sehen, wie du wirklich zu den Dingen und Menschen stehst, um nicht aus dem Besitztumseffekt heraus zu handeln.
Lass mir gern deine Gedanken da, ob du dich darin wieder erkennst oder es hilfreich ist.