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013 - Taubenschlag-Newsletter:

Liebes Taubenschlag-Publikum,

die Rezensionen für SORDA sind zum Start des Films am 30. Oktober eingetrudelt. Wir sammeln die besten Stilblüten und die Perspektiven hörender Autor*innen.

Der Falter (Ausgabe 44) macht mit “Die Hürde Hören” einen schönen Titel aus der Rezension und ansonsten auch behutsam:

“Bei Tisch quasselt [der hd. Ehemann] mit seinen Freunden fröhlich durcheinander, Ángela flüchtet frustriert. Von welchen Lippen soll sie im stillen Kuddelmuddel ablesen?”

Schöne, wenn auch knappe Rezension von Martin Nguyen. Auch online abrufbar. (Öffnet in neuem Fenster)

Die Kronen Zeitung vom 30. Oktober leistet sich gleich mal den Knaller: “Das Kind kommt gottlob gesund zur Welt.” Also falls noch jemand nicht aufgerollte Zehennägel hatte, bitte sehr. “Doch die gehörlose Enddreißigerin fühlt sich zunehmend isoliert.” JA WARUM NUR. Dabei ist das Kind doch gesund. Rezensionsqualität: Geht so.

Die Furche vom 30. Oktober ebenfalls mit einem schönen Titel: “Groteske Welt”, warte, nein, das war für den Imkerfilm BUGONIA. Die richtige Überschrift für Korda ist ganz banal “Gehörlos Mutter werden”, ja, wenn die stärkste Szene die Geburt war, warum nicht. Ansonsten erkennt Autorin Heidi Strobel ganz treffend, dass es in erster Linie um das

“Unvermögen eines Paares, gemeinsam zu besprechen, wie es die persönlichen Stärken zum Wohl des Kindes nutzen könnte”,

geht. Weiter geht’s zur Kölnischen Rundschau, am 30.10. jeck wie sonst immer am 11.11.:

“ein sympathisches Paar aus der Großstadt, weltoffen, zugewandt und divers, denn Angela ist seit früher Kindheit gehörlos.”

Noch mal zum Mitschreiben: “divers, weil Angela gehörlos ist”. Inhaltlich bestimmt nicht falsch, aber was für ein Konzept. Geht aber weiter:

“Da Hector die Gebärdensprache erlernte, kommen die Beiden in ihren unterschiedlichen Freundeskreisen gut klar.”

Wie nett von Hector. Später dann

“gekränkte Eitelkeit, wenn… plötzlich nur noch Kind und Vater im Mittelpunkt stehen”.

Eitelkeit, definitiv das Problem hier. Ebenso das “körperliche Handicap der Frau”. Man muss der Rundschau zugute halten, dass sie zum Schluss immerhin zugeben, dass Hörgeräte nicht immer die Lösung sind.

Der (sehr gelungene und intensive) Film läuft nun so langsam auch nicht mehr im Kino – aber der Verleih informiert: Wenn eine Sondervorstellung gewünscht ist, lassen sich manche Kinos davon überzeugen, diese durchzuführen. Einfach fragen, Info kommt direkt vom Verleih:

Sollte der Film also in Ihrem Kino oder in einem Kino in Ihrer Nähe nicht zu einer passenden Zeit gezeigt werden, unterstützen wir Sie gern dabei, mit einem Kino Kontakt aufzunehmen – zum Beispiel, um eine Sondervorstellung zu organisieren.

Schreiben Sie dafür einfach an office@pifflmedien.de (Öffnet in neuem Fenster)

Und ganz wichtig: Der Film ist immer untertitelt! Lediglich der Ton kann je nach Fassung deutsch oder spanisch sein.

Veranstaltungshinweis:

Achtung: Anmeldefrist 20.11.2025!

Am 13.12. gibt es ein Seminar zu “Gehörlosen Menschen im Nationalsozialismus” im geschichtsträchtigen Haus der Wannsee-Konferenz bei Berlin bzw. Potsdam. Details und Anmeldung etc. hier:

https://www.taubenschlag.de/2025/11/seminar-der-ghwk-gehoerlose-menschen-im-nationalsozialismus/ (Öffnet in neuem Fenster)

Die Teilnahme ist kostenlos, Fahrtkostenzuschuss ist möglich. Mehr Infos unter dem Link oben oder direkt hier (Öffnet in neuem Fenster).

Ein Loch im Kopf zu haben, war lange Handarbeit. Also, was Cochlea-Implantate angeht. Die Universität Lübeck hatte dafür jetzt erstmals Roboter eingesetzt. Allerdings nicht für die ganze OP, sondern nur für das Einfädeln der Elektroden in die Hörschnecke. Das berichteten die Lübecker Nachrichten am 24. Oktober. Der Vorteil bei der Methode: das bestehende Restgehör wird geschont, die Aussichten auf funktionierendes Rest- und ebenfalls funktionierendes Elektrogehör sind besser. Damit erweitert sich die Attraktivität von CIs für Schwerhörige, die ja noch was zu verlieren haben, etwas mehr.

Tipp: Bei Sehen statt Hören und drumherum ist ordentlich was los dieses Jahr. Grund: 50 Jahre Jubiläum oder so. Besonderes Schmankerl neben diversen Gastauftritten dieser Beitrag von Lohnt sich das?, bei dem Gehälter und Berufe verglichen werden und der Job eines Qualitätssicherheitsbeauftragten vorgestellt wird. Seht hier selbst, wie scharf seine Augen und sein Feingefühl sind:

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/sehen-statt-hoeren/lohnt-sich-das-in-gebaerdensprache-100.html (Öffnet in neuem Fenster)

Übrigens: Lohnt sich das? ist immer auf der Suche nach Protagonist*innen, also Leuten, die ihren Job vorstellen wollen. Wenn ihr also nen besonders geilen oder besonders grausigen Job/Position habt, meldet euch mal: lohntsichdas@br.de (Öffnet in neuem Fenster)

Veranstaltungshinweis:

https://www.taubenschlag.de/2025/11/museum-signer-fuehrung-19-11-25-ausstellung-bemusterung-galerie-bezirk-oberbayern/ (Öffnet in neuem Fenster)

Bettelbetrug mit Hightech: ein falscher tauber falscher Bettler (also beides nicht) hat einem Mann in Oberursel gehörig abgezogen: Als der Mann 2 Euro spenden wollte, sagte der Betrüger (auf einmal sogar in Lautsprache), dass sein Verein nur bargeldlose Spenden annimmt und reichte einen Kartenleser. Dann täuschte er technische Probleme vor, so dass die Karte mehrmals zum Einsatz kam. Dem Spender/Opfer kam das zu spät komisch vor. Die Polizei konnte auch nix mehr machen, Betrüger und etwa 1.000 Euro waren schon weg. Berichtete die Frankfurter Rundschau am 31. Oktober.

Die Hamburger Kulturininstitution Kampnagel ist schon lange am Start, was Gehörlosigkeit angeht und lassen sich nicht lumpen, wenn sie zwei DEGETH-Stars für einen Workshop gönnen. Jon Savkin sollte allen ein Begriff sein, und Indika Sandaruwan bald auch: Letzterer gewann beim diesjährigen DEGETH gleich vom Fleck weg den Preis als bester Schauspieler. Und zwar zu Recht. Grund genug, sich diesen Deaf Poetry Workshop mal genauer anzuschauen:

https://www.taubenschlag.de/2025/11/deaf-poetry-workshop-jon-savkin-indika-sandaruwan/ (Öffnet in neuem Fenster)

Wir geben zu, wir sind diesmal etwas auf Kante genäht und bringen diesmal vor allem Veranstaltungshinweise, aber dieser hier muss noch genannt werden: Am Wochenende vom 21. bis 23.11. gibt es im Hebbel am Ufer in Berlin unweit des Gehörlosenzentrums (wenns dann noch steht) gleich fünf (!) Gebärdensprachen. Jefta van Dinther inszeniert MERCURY RISING. Das Stück verspricht spannend zu werden, nicht zuletzt weil mit Rita Mazza die Avantgarde der Tanztheaterperformance von und mit und in Gebärdensprachen zu sehen ist.

Mehr Infos hier:

https://www.hebbel-am-ufer.de/programm/pdetail/jefta-van-dinther-mercury-rising-2025 (Öffnet in neuem Fenster)

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Grüßt:

Wille

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