Liebes Taubenschlag-Publikum,
der international bekannte Taube Pantomime JOMI ist tot. Er wurde 73 Jahre alt und starb am Freitag, dem 15. August, wie der saarländische Rundfunk (SR) berichtete. Mehr Infos über sein Leben hier (Öffnet in neuem Fenster). Wir haben im Archiv auch noch das Sendungstranskript von Sehen statt Hören über den “Poet der Stille”. Hier (Öffnet in neuem Fenster) erfährt man einiges Interessantes über ihn – und vielleicht wird die Sendung demnächst ja wiederholt?
https://www.taubenschlag.de/2025/08/jomi-ist-tot/ (Öffnet in neuem Fenster)In Hamburg wird das Zentrum für Disability Studies geschlossen.
Die dort Arbeitenden wurden zum Jahresende gekündigt. Das Zentrum wurde 2005 an der Uni Hamburg gegründet, wie die taz in ihrem Bericht über die Schließung (Öffnet in neuem Fenster) schreibt. Seit 2014 gehört es zur Evangelischen Hochschule des Rauhen Hauses. Der Linken-Abgeordneten Sabine Ritter fiel die drohende Schließung schon im Juni auf, sie stellte eine Anfrage in der Hamburgischen Bürgerschaft: Wieso das “Zedisplus”, wie das Zentrum abgekürzt heißt, im Koalitionsvertrag nicht vorkommt? Nach einigem Hin und Her gab der Senat dann zu, dass das Zedisplus aufgelöst und ein neues Konzept an der Fachhochschule HAW entwickelt werden soll.
Der Verein für Disability Studies Deutschland (Öffnet in neuem Fenster) (DSD) befürchtet nun, dass die versprochene Neubeschäftigung der Leute aus dem Team des Zedisplus nicht kommt –
"Bestünde die Absicht, das Zedisplus dort weiterzuführen, würde man direkt darüber reden.”
Genau das passierte nicht. Die Linke musste erst konsequent nachhaken, bis der Senat “die Katze aus dem Sack” (taz) ließ. Außerdem ist die Rede davon, dass eine Fördermaßnahme für Behindertenwerkstattbeschäftigte geschaffen werden soll, bei der diese ausgebildet werden und nach drei Jahren auf den regulären Arbeitsmarkt kommen könnten. Die Befürchtung hierbei ist, dass zwei Konzepte, nämlich Forschung und individuelle Förderung, finanziell gegeneinander ausgespielt werden und das Zedisplus, in welcher Form auch immer, das Nachsehen haben könnte. Dafür spricht auch die Geheimniskrämerei des Senats und die Beteuerungen ohne konkrete Garantien.
Wer unterstützen will, kann diese Petition auf WeAct unterschreiben:
https://weact.campact.de/petitions/disability-studies-bedroht-kritisch-emanzipatorische-wissenschaft-schutzen-und-starken-1 (Öffnet in neuem Fenster)Followtipp: “Was ihr überseht”
Der Instagram-Kanal @was_ihr_uberseht (Öffnet in neuem Fenster) informiert über Diskriminierungen innerhalb der Tauben-Communities. Also Rassismus, Sexismus, Ageismus, quasi alle Ismen. Im ersten Beitrag (Öffnet in neuem Fenster) geht es gleich um eine diskriminierende Situation im Gehörlosenzentrum. Alle Posts sind farblich kodiert und es gibt einen Einführunsgpost zu den verschiedenen Diskriminierungsformen.
Die Tischlerei SpechtApfel sucht für den Gründungskredit einen Geldgeber – nicht für den ganzen Kredit von 200.000€, sondern nur für den Eigenanteil von 20.000€, den die Bank voraussetzt.
“Vielleicht kennst du auch jemanden in deinem Umfeld – aus der Familie, dem Freundeskreis oder mit eigener Firma – der bereit wäre, mich bei der Finanzierung des benötigten Eigenkapitals zu unterstützen, um bei den Banken den benötigten Kredit beantragen zu können.”
Hier (Öffnet in neuem Fenster) geht’s zum Posting – oder direkt eine Mail an hallo@spechtapfel.de (Öffnet in neuem Fenster) schreiben. Vielleicht springt ein maßgefertigtes Unikat als Dank für die Hilfe raus?
Wichtig: Es ist kein Spendenaufruf! SpechtApfel sucht quasi einen Kredit für einen Kredit.
Der Heidepark macht einen auf Phantasialand:
Dominik “Domwitz” Weitz berichtete auf Instagram über diskriminierende Praktiken im Freizeitpark. (Sein Video hat er inzwischen wieder gelöscht).
Heidepark wollte keine gehörlosen Fahrgäste auf bestimmte Bahnen lassen, weil sie den Sicherheitsanweisungen nicht folgen könnten. Das wirft natürlich neben der eigentlichen Diskriminierung auch andere Fragen auf: Wie geht der Park mit Gästen um, die nicht deutsch sprechen oder hören können? Kann ja sein, dass Touris Achterbahn fahren wollen, auch wenn es auf den ersten Blick etwas abwegig scheinen mag.
Der Deutsche Gehörlosen-Bund wurde in den Kommentaren eifrig markiert, doch mal was zu unternehmen, machte er dann auch und gab die Zuständigkeit an den Landesverband Niedersachsen ab. In einem Video (Öffnet in neuem Fenster) erklärt Simone Nestvogel (DGB PR/Social Media) zusammen mit Thomas Ritter (Vorstand LV Niedersachsen), dass bereits an einer Lösung gearbeitet wird. Der DGB sichert dabei Begleitung und Unterstützung zu.
Klingt bekannt?
Die DGZ berichtete 2017 schon über das Phantasialand-Gehörlosenverbot (Öffnet in neuem Fenster)und hakte 2018 noch einmal nach (Öffnet in neuem Fenster), wie der aktuelle Stand ist. Das Fazit für den Park war damals – nach Engagement des DGB und Verweis auf die UN-Behindertenrechtskonvention – offensichtlich, in einer Broschüre explizit die Nutzung von 33 Fahrgeschäften für Gehörlose zu verbieten – nur fünf waren erlaubt, darunter ausgerechnet auch noch eine “Musikschule”. Recherchen der DGZ ergaben dann aber, dass Gehörlose auf die Inkognito-Strategie setzten: Einfach in der Warteschlange nicht gebärden, bis man im Wagen sitzt.
Apropos DGZ: Gibt grade wieder ein günstiges Abo (Öffnet in neuem Fenster), Juli bis Dezember für nur 25 Euro. Muss man auch nicht selber kaufen, kann man z.B. verschenken, um andere Leute auf die älteste und seriöseste Zeitung für Gehörlose aufmerksam zu machen.
Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat eine Umfrage gestartet zum Thema “Unterstützung und Barrieren im Schulalltag”,
natürlich in DGS. Hier (Öffnet in neuem Fenster) das Ankündigungsvideo auf Instagram, in Collab mit Taubenschlag und dem Bundeselternverband gehörloser Kinder (Öffnet in neuem Fenster). Der Landesverband der Gehörlosen Bayern ruft in seiner aktuellen Pressemitteilung (Öffnet in neuem Fenster) ebenfalls zur Teilnahme auf.
“In einer anonymen Umfrage mit Gebärdensprachvideos können Eltern erzählen, welche Schule sie für ihr Kind gewählt haben, welche Erfahrungen sie an der aktuellen Schule machen, wo es Probleme gibt und wie die Inklusion funktioniert.”
Die Umfrage läuft noch bis zum 11. September 2025.
https://dimr-huerden.limesurvey.net/686519?lang=de (Öffnet in neuem Fenster)Lesestoff mit Gehörlosenbezug ist selten, um so wichtiger, nicht die Zeit mit Klischees zu verschwenden. Luka (Öffnet in neuem Fenster) hat für das Blog “Nixenzauber” das schon etwas schwierig betitelte Buch “Nicht hören! Fühlen!” (Ähnlichkeiten zu “Wer nicht hören will, muss fühlen” sind wohl Zufall) von Linda Eicher rezensiert, also eine Kritik geschrieben. (Öffnet in neuem Fenster)Das Buch ist im Selfpublishing erschienen, also Eigenverlag.
Leider ist das Buch zwar okay geschrieben, aber das Thema Gehörlosigkeit eher klischeehaft behandelt:
“Auch gab es in Soleys Schule einfach keine Dolmetschenden, sondern die Kommunikation lief über eine Klassenkameradin, welche einen kleinen Tauben Bruder hat. Sehr unrealistisch, dass die Schule ohne Dolmetschende stattfindet, welche Kommunikation für alle Beteiligte ermöglichen könnten.”
Schade! Aber immerhin etwas Sichtbarkeit…?
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Zu guter Letzt noch in eigener Sache: im September ist die DGB-Bundesversammlung, genauer gesagt am 27.09.2025 in Bremen. Wir – also Taubenschlag – suchen noch eine Person (oder zwei Personen?), die für uns hinfahren und darüber berichten könnte. Fahrt und Übernachtung übernehmen wir natürlich, Honorar auch.
Wenn Du Lust auf eine einmalige Erfahrung hast, melde dich gerne bei uns - antworte einfach auf diese Mail oder schreib an info@taubenschlag.de (Öffnet in neuem Fenster)!
Wenn Du wissen willst, wie wir letztes Jahr berichtet haben: Hier ein Beispielvideo (Öffnet in neuem Fenster) – oder scroll einfach auf unserem Instagram-Profil runter bis zum November 2024. Wir sind natürlich auch völlig offen für neue Formate und Ideen. Wichtig ist nur: Video, DGS und aktuell oder gleich live vor Ort.
So dann – bis in zwei Wochen wieder!
Grüßt:
Wille
P.S.: Aus der Kategorie “Netzfund” (oder eher “Beifang”) ein alter Artikel aus dem Guardian, leider englisch – haltet euch fest/get this! – einer von Schneewittchens Zwergen hätte beinahe den Namen Deafy bekommen. Also auf Deutsch Taubsi oder vielleicht Stummel? Allein schon wegen der wahrscheinlich grauenhaften deutschen Übersetzung muss man froh sein, dass das nur eine Idee aus der Planungsphase geblieben ist. Raus kam das Ganze übrigens, als bei einer Auktion Skizzen versteigert wurden. Der ganze Artikel (von 2016) hier:
https://www.theguardian.com/film/2016/jul/01/burpy-baldy-deafy-snow-white-seven-dwarfs-auctioned-artwork-disney (Öffnet in neuem Fenster)Hat euch der Newsletter gefallen? Leitet ihn gern weiter:
Taubenschlag war lange ein ehrenamtliches Projekt, ein Blog, eine lebendige Pinnwand. Zwei Jahre lang haben wir mit dem ersten DJE-Projekt (Öffnet in neuem Fenster) – kurze und längere, mehr und weniger tief recherchierte journalistische Artikel veröffentlicht, gefördert von der Europäischen Union. Abseits davon: Die Sparte “Übers Dolmetschen (Öffnet in neuem Fenster)” mit einer eigenen Webseite (Öffnet in neuem Fenster) ist einerseits eine für alle zugängliche Informationsquelle rund um Standardfragen zum Dolmetschen (ähnlich wie nicht-stumm.de (Öffnet in neuem Fenster), welches sich rund um Taubsein und Gebärdensprachen dreht) und andererseits Heimat für exklusive Meinungs- und Diskussionsbeiträge. Fehlt dir etwas? Hast du Lob, hast du Tadel? Schreib uns an info@taubenschlag.de (Öffnet in neuem Fenster) !
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