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Warten im Godot*

Das ist mein erstes Stück für die Bühne. Eigentlich ein Zufall. An einem Sonntagmorgen bin ich alleine. Frau und Kind unterwegs. Also fahre ich und komme an einem Café mit dem bezeichnenden Namen Godot vorbei. Kurzer Hand halte ich. Habe ja sonst nichts weiter vor. Erst setze ich mich davor, als es dann frisch wird und der Regen droht, verkrümele ich mich nach drinnen.

Warten auf Godot heißt das bekannte Stück von Samuel Becket. Als ich das Café Godot später verlasse, habe ich mein erstes Stück geschrieben. Bezeichnenderweise heißt es Warten im Godot.

Ein schlichtes Stück. Fünf Szenen, zwei Figuren, ein Ort. Ein absurdes Kammerspiel über das Schreiben, das Warten, das Denken, das Nichts. Ich mache die Reduktion zum Prinzip, die Sprache ist das Material, Zögern ist das eigentliche Ereignis.

Kein Ortswechsel, keine weiteren Figuren. Sprachlich reduziert, zirkulär, mit Leerstellen. Jede Szene ein Kreisgang, mit minimaler Verschiebung. Anlehnung an Beckett, aber heutige Sprache und Bezüge. Unaufgelöstes Ende – das Warten bleibt.

Zur Besetzung:

Tillmann – etwa fünfzig, Schriftsteller, ironisch, erschöpft, hoffend.

Der Mann – etwas jünger, ruhig, präzise, scheinbar gelassen

Zum Ort:

Ein Tisch im Café Godot.

Zur Zeit:

unbestimmt – ein einziger Tag, eine Woche, ein ganzes Leben.

Zum Inhalt:

Szene 1 – Der Entschluss

Inhalt:

Tillmann eröffnet das Gespräch mit dem Satz: „Ich habe beschlossen, einen Bestseller zu schreiben.“

Ein nüchterner, fast absurder Anfang. Der Mann hakt ein, stellt Fragen. Wieso? Wozu? Was ist das Ziel?

Es zeigt sich schnell: Der Entschluss steht, aber nichts weiter. Kein Thema, kein Plan, nur ein Gefühl der Dringlichkeit.

Beide tasten sich aneinander heran. Keine Freunde, keine Gegner. Zwei Wartende.

Zentrale Themen:

Motiv, Sinn, Zweck von Literatur.

Das Materielle vs. das Geistige.

Der Anfang als bloßes Versprechen.

Szene 2 – Das Angebot

Inhalt:

Die Männer sprechen über das Schreiben. Über Titel, Tinte, Themen.

Tillmann ringt um Relevanz. Der Mann antwortet gelassen, zirkulär.

Sie spielen mit der Idee eines gemeinsamen Projekts – doch es bleibt vage.

Ein erstes Gefühl der Wiederholung. Wie ein Gespräch, das sie schon oft geführt haben.

Das Publikum beginnt zu ahnen: das Warten ist endlos.

Zentrale Themen:

Wiederholung.

Das Scheitern am Anspruch.

Dialog als Ersatz für Handlung.

Szene 3 – Die Wiederholung

Inhalt:

Tillmann und der Mann bemerken, dass sie wieder bei denselben Gedanken gelandet sind.

Die Tage verschwimmen. Haben sie überhaupt geschlafen? War gestern heute?

Tillmann fragt, ob Godot vielleicht längst gekommen sei.

Der Mann: „Und du hast ihn weggeschickt.“

Zentrale Themen:

Zeitverlust.

Unfähigkeit zum Fortschritt.

Abwesenheit als Prinzip.

Szene 4 – Das Flackern

Inhalt:

Etwas stört den Rhythmus: Das Licht flackert. Ein Glas fällt um.

Keine äußere Figur tritt auf – aber es geschieht etwas, das nicht geschieht.

Beide nehmen es wahr. Doch keiner benennt es direkt.

Das Gespräch kreist nun um die Möglichkeit, dass etwas anders ist.

Und doch bleibt alles gleich.

Der Mann stellt infrage, ob es Tillmann je ernst war mit dem Bestseller.

Zentrale Themen:

Selbstzweifel.

Verdrängung.

Die Angst vor Veränderung.

Szene 5 – Das Verstummen

Inhalt:

Die Gespräche werden bruchstückhaft.

Sätze brechen ab. Gedanken versanden.

Tillmann schreibt nicht mehr. Der Mann hat den Füller weggelegt.

Ein letzter Versuch, etwas zu sagen – dann: Schweigen.

Der Schluss bleibt offen. Ist das Ende erreicht? Oder beginnt es jetzt?

Zentrale Themen:

Endlichkeit.

Leere.

Der Moment vor dem Aufbruch – oder vor dem endgültigen Verstummen.

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