FILM-KRITIK (Öffnet in neuem Fenster)
“Marty Mauser, a young man with a dream no one respects, goes to hell and back in pursuit of greatness.”
Dies ist die Kurzfassung der Handlung von MARTY SUPREME in den Produktionsnotizen. Der Film um einen selbstbewussten, eher arroganten, cleveren und frechen Glücksspieler mit klarer Zielsetzung ist lose vom Leben des amerikanischen Tischtennisspielers Marty Reisman inspiriert. So heißt die von Timothée Chalamet fantastisch verkörperte Figur in den 1950er-Jahren spielenden fiktiven Geschichte Marty Mauser.

Dieser kann ein Arschloch sein, ein Egoist, ein notorischer Lügner ist er irgendwie eh. Doch nicht selten gutmeinend und aus der Situation heraus - too smart for his own good. Zudem wird dem Hasardeur oft selbst übel mitgespielt. Was nach (Androhung von) Gewalt, der Bezeichnung als “Kike”, um Geld betrogen worden zu sein, einer Not-So-Little-White-Lie, um ihn in eine Beziehung zu drängen sowie der Aufforderung zu Betrug, darin gipfelt, dass er ein Schwein küssen soll. Als Jude (Öffnet in neuem Fenster).
Apropos: Es ist teils faszinierend zu sehen, wie das Netz - X und Co. - steilgehen, weil sei MARTY SUPREME und Team einfach mal eine zionistische Verschwörung, Propaganda (Öffnet in neuem Fenster) und derlei unterstellen. Ein Post unterstellt etwa, dass der Cast aus “genozidalen Zionisten” bestünde, Pyramiden nicht von Sklaven, Tagelöhnern und schon gar nicht Jüdinnen/Juden errichtet worden seien, usw. usf. Viel Spaß beim antisemitischen Brain Fuck (oder einen Tausendstel davon) (Öffnet in neuem Fenster)!

Allein derlei… “Reaktionen” sind schon einmal Grund genug, den Film von Josh Safdie (Drehbuch gemeinsam mit Ronald Bronstein), der in vielerlei Hinsicht schlicht purer Wahnsinn ist, zu feiern. Wie crazy, kreativ, liebevoll und nicht selten bezaubernd die auch musikalisch (Score: Daniel Lopatin) mitreißende Nummer ist, ein zusätzlicher. (Der Film überflügelt alle Erwartungen und zählt für die Produktionsfirma A24 bereits jetzt zum größten Box Office-Erfolg an den US-Kinokassen, dort ist er bereits im Home Entertainment verfügbar.) MARTY SUPREME überrascht also auf vielen Ebenen. Allein schon, weil er kein Sportfilm, sondern ein Menschfilm ist. Mit allen Guten und Schlechten, die so dazugehören. Vor allem im New York der 50er-Jahre!

Der Film feiert das Leben mit allen möglichen Stolperstellen, verrückten wie tragischen Geschichten und menschlichen Schweinen, egal welcher Herkunft. Wenn auch #ausgutenGründen der alte weiße Mann hier oft der größte Wichser ist. (Bestens vorgestellt von Shark Tank-Legende Kevin “Mr. Wonderful” O’Leary als Milton Rockwell, der Marty in der Tat wie eine Kakerlake behandelt. Wollte mensch hier ursprüngich mal Kevin Spacey besetzen oder ist schlicht Zufall? A dig at him?) Wenigstens schläft Schnauzer-Marty mit dessen Trophy Wife, die eine wunderbare Gwyneth Paltrow so anmutig wie wandlungsfähig, so selbstbewusst wie verbittert spielt.

Überhaupt ist die Besetzung spitze (Fran Drescher als nicht ganz so typische Mamme), bis ins letzte Detail perfekt passend zu den Figuren und nicht selten ebenso überraschend wie der Verlauf des Films selbst (Öffnet in neuem Fenster). Dass es neun Oscar-Nominierungen gab, gehört da zu den weniger überraschenden Dingen. Je weniger ihr also über MARTY SUPREME und das zügige Voranrennen, das die zweieinhalb Stunden kaum merklich sein lässt, wisst, umso besser.
https://www.youtube.com/watch?v=7vFqw93woB0 (Öffnet in neuem Fenster)Das unterscheidet ihn auch vom (ebenfalls/teils) gefeierten ONE BATTLE AFTER ANOTHER (Öffnet in neuem Fenster). Der allerdings an sich eine luxuriöse, sich selbst vergewissernde, selbstverliebte Semi-Systemkritik mit zu vielen Längen und ohne echte Substanz ist (Öffnet in neuem Fenster). So unterhaltsam das Good-People-Vehikel auch ist. Da hatte Ari Aster in seinem hierzulande unterschätzten EDDINGTON weit mehr zu sagen. Bildgestaltung dort wie bei MARTY übrigens vom im Iran geborenen französischen Kameramann Darius Khondji.

So, was noch?! Keine Ahnung. Geht halt ins Kino - es lohnt sich. Der zweite Film-Fiebertraum des Jahres (Öffnet in neuem Fenster). Huzzah!
JW
PS: Jaja, wieder einige englische Worte und Co., gefällt nicht allen von euch. Get over it! (Übrigens empfehle ich den Film in englischer Sprache und sei es mit deutschen Untertiteln.)
PPS: Danach gönnt euch mal zwei, drei Folgen von Nobody Wants This (auf Netflix).
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MARTY SUPREME ist ab dem 26. Februar 2026 im Kino zu sehen
Regie: Josh Safdie; Drehbuch & Schnitt: Ronald Bronstein, Josh Safdie; Musik: Daniel Lopatin; Bildgestaltung: Darius Khondji; Darsteller*innen: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A'zion, Kevin O'Leary, Tyler Okonma, Abel Ferrara, Fran Drescher, Sandra Bernhard, Koto Kawaguchi, Luke Manley; Laufzeit ca. 149 Minuten; FSK: 12