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Das geheimnisvolle Motiv des Tyler Robinson

Polizeifoto von Tyler Robinson

Nur wenige Male habe ich mich zu dem Attentat auf Kirk geäußert. Und noch nicht einmal mit einem Blog-Beitrag. Aber es ist so viel Unfug unterwegs, dass ich die Kommentarspalten aus Gründen der psychischen Gesundheit weitestgehend ignoriert habe.
Bedauerlich, denn es ist das Gegenteil von dem, was U.M. sein sollte.

Anlass dies zu schreiben war, dass mir spontan kein anderes Thema bekannt ist, bei dem so viel Unwissenheit und Hörensagen geäußert wurde.
Ich möchte niemanden überzeugen. Sondern ein wenig Hintergrund geben. Einige Argumente aufgreifen, die gerade kursieren.
Eine andere Perspektive anbieten.

Kommunikation

Kommunikation ist der Austausch von Informationen. Nicht nur durch Sprache, auch durch Zeichen.
Ein Hund, der die Ohren anlegt, kommuniziert. Das Handy, dessen Batterie-Anzeige leuchtet, kommuniziert.

Kommunikation kann an Plattformen gebunden sein, an Instanzen. Schrift ist nur ein Mittel der Kommunikation. Morsezeichen auch.
Diese Plattformen unterliegen Moden. Vor allem durch technische Möglichkeiten. Telegrafen, Fernseher, Telefon. Alles nur eine Frage der Möglichkeiten.

Im Falle der Berichterstattung zum Attentäter von Charlie Kirk haben wir es nun mir zwei Variablen zu tun. Einmal der Form der Kommunikation, und einmal der Plattform der Kommunikation.

Mem und Meme

Ein Mem ist ein Informationsmuster, das im Hirn gespeichert ist. Hört sich verkopft an. Aber jeder Mensch hat solche Mem gespeichert.

In den meisten Kulturräumen steht Grün für etwas Positives und Rot für etwas Schlechtes. Das ist vermutlich so alt wie die Menschheit selber. Das ist ein Mem. Also hat man die Lichter auf Ampeln grün oder rot gemacht.
In unserem Kulturkreis steht Schwarz auch für den Tod. In Japan gibt es aber eine gänzlich andere Auffassung von Tod. Deshalb gehen die Menschen dort nicht in Schwarz zu einer Beerdigung, sondern in Weiß.
Mems sind also immer auch sozial gebunden, an Kulturen, Gesellschaften, und so weiter.

Aber so etwas gab es schon vor dem Internetz.
Ich erinnere mich daran, dass irgendwann Anfang der 80er spätabends der BBC-Film „Auf den Schultern eines Riesen“ lief. Er wurde geschrieben nach der Autobiografie von Terrence „Terry“ Wiles, einem „Contergan-Opfer“.
In einer Szene kommt es zu einem sehr typischen Mutter Sohn Gespräch in der Küche. Der schwerstbehinderte Terry will einen Keks. Seine kochende Mutter sagt, dass es gleich Essen gibt. Er quengelt und sie sagt „Ok, dann nimm dir halt einen“. Woraufhin er sagt „Aber ich habe keine Arme“. Und sie lakonisch antwortet „Tja, ohne Arme keine Kekse“.

Ich weiß nicht mehr, wer es zuerst sagte. Ich weiß aber noch sehr genau, dass entweder ich oder mein Kumpel diesen Spruch in der Schule brachte. Und wir prusteten, weil wir beide diesen für unsere Altersgruppe eher uninteressanten Film gesehen hatten.
So wurde „Ohne Arme keine Kekse“ zu einem Mem. Was wir ständig anbrachten. Und was sich verselbstständigte. Hast du beim Völkerball versucht einen Ball zu fangen und fallen lassen, schrie von irgendwo einer „Ohne Arme keine Kekse“.
Ich glaube nicht, dass wir die „Erfinder“ des Spruchs waren. Vermutlich sind mehrere auf die Absurdität des Satzes aufmerksam geworden. Genau wie meiner Meinung nach niemand bestimmtes die Nudel erfunden hat. Weil es keinen Raketenwissenschaft ist, ein Stück Teig in kochendes Wasser fallen zu lassen. Das kann auch in China, Japan, Italien und Deutschland unabhängig voneinander passiert sein.

Ein anderes Mem meiner Jugend waren Deine Mutter-Witze. Irgendwann wurde daraus im Umfeld meines Football-Teams nur noch „Deine Mutter“. Das schweizer Taschenmesser der Ablehnung, der Code für „Verpiss Dich!“.
Neue Schuhe? Deine Mutter!

Ein solches Mem in einen Medieninhalt zu stecken, wird als Meme bezeichnet. Es ist ein „Kulturphänomen“.

Und auch das gab es immer schon.
Man verknüpft etwas, das für viele Menschen des eigenen Kulturkreises hat, mit etwas, was das symbolisiert. Oder dem Widerspricht.
Und natürlich ist das Netz voll davon.

Foto eines riesigen Steins, der nach einem Erdrutsch ein halbes Haus und ein Auto unter sich begraben hat.
Ein Meme von mir von etwa 2012. Das Bekannte "X% aller Unfälle passieren im Haushalt" verknüpft mit einem Bild, an das man dabei sicher nicht denkt.

Die Meme-Kultur

Und nun gehen Medien hin, und versuchen – zumeist falsch – zu erklären, was ein Meme ist. Oder sprechen von einer geheimnisvollen „Meme Kultur“. Es kommt mir gerade etwas vor, als würde eine verkopfte Ärztin versuchen einem leicht debilen Rentner zu erklären, was Röntgenstrahlen sind.

Dadurch wird der Eindruck vermittelt, Tyler Robinson sei Teil einer geschlossenen Gruppe gewesen, die über solche Codes kommuniziert hat. Aber wir alle kommunizieren ständig über solche Codes.

Es hat sich nur eine bestimmte Form dieser Codes kultiviert. Und das liegt schlicht an der derzeitigen Form von Kommunikation.
Ich kann mich daran erinnern, wie ich damals auf der langen Autofahrt vom Rheinland nach Flensburg mit meiner damaligen Freundin per SMS kommuniziert habe. Sag es in 160 Zeichen. Wer das heute, über ein Viertel Jahrhundert später, nicht mehr nachvollziehen kann, der hat nie darüber nachgedacht oder sich unter einem Stein versteckt.

Und weil diese Technik zumeist aus den USA kam, wurde auch die Kommunikation teilweise amerikanisiert. LOL stand für Laughing Out Loud, LMAO für Laughing My Ass Off.

Discord

Robinson soll über Discord kommuniziert haben.

Die Idee Internetz entstand vor allem dadurch, Computer von Universitäten miteinander verbinden zu wollen, um Informationen auszutauschen. Und ein wichtiger Gesichtspunkt war die E-Mail. Die eigentlich gar nicht zum Internet gehört.

Und so ähnlich muss man sich Discord vorstellen. Discord ist keine geheime Plattform, kein Facebook von Verschwörern und Revoluzzern. Sondern eine Kommunikationsplattform. Dem Sinn von E-Mails gar nicht so unähnlich, mit etwas X (Twitter) und Facebook-Gruppen dabei.

Jeder hat sicher schon einmal gesehen, wenn Menschen mit Kopfhörer und Mikrofon mit anderen zusammen ein Ballerspiel zocken. Wie bei echten Soldaten macht es mehr Sinn, wenn man sich mit seinen Teampartnern koordinieren kann. Eine direkte Kommunikation ist aber in den Spielen in der Regel nicht möglich. Also kam man auf Discord.

Auf Discord kann man einen eigenen „Server“ aufmachen, im Grunde eine eigene Gruppe, wie bei Facebook. Und man kann dann auch eine direkte Kommunikation über Audio starten, wie bei Skype oder Zoom und vielen anderen.
Man kann aber auch Nachrichten schreiben. Die dann möglichst kurzgehalten werden.
Discord ist also nichts Geheimnisvolles, sondern eine Kommunikationslösung, wie es inzwischen hunderte andere gibt.

Ungeplegter, übergewichtiger Mann vor seinem Computer mit Kopfhörer und Mikofon.
Ein durchschnittlicher Gamer kommuniziert über einen Discord Server.

Weil Discord vor allem von Gamern genutzt wurde, nutzen viele außerhalb es nun einmal nicht. Deshalb ist der Altersdurchschnitt sicher niedriger. Weil 20-jährige nun einmal weniger dazu tendieren, eine Zoom-Konferenz zu starten.

Und da Discord wenig kontrolliert, kommen natürlich auch Spinner von allen Seiten auf die Idee, dort eine eigene Gruppe aufzumachen und darüber zu kommunizieren.

Es gibt bisher keinen Hinweis darauf, dass Tyler Robinson Teil eines irgendwie gearteten Netzwerkes oder einer geschlossenen, klar umrissenen Gruppe gewesen wäre. Weder Links noch Rechts, weder Groyper noch Antifa.
Und keiner, der es behauptet hat und bei dem ich nach Primärquellen gefragt habe, konnte eine klare Antwort geben.

Ein schriftlicher Chat auf Discord

Wenn jemand schreibt, Robinson sei auf „bestimmten Seiten“ gewesen, weiß ich sofort, dass derjenige nur etwas aufgeschnappt hat, was er inhaltlich gar nicht verstanden hat und nur nachplappert.
Das ist etwa so, als hätte man in den Achtzigern verschwörerisch gemunkelt, ein Attentäter habe telefoniert. Ja, sicher, der wird wohl mal telefoniert haben. Entscheidend ist doch, mit wem und was gesagt wurde.

Groyper

Der Mensch lernt sein Leben lang dazu. Ganz einfach, weil er ein Leben lang Informationen sammelt.
Es macht wenig Sinn mit einer Vierjährigen über Erbschaftssteuer zu diskutieren, die dabei stolz einen Popel präsentiert, den sie sich aus der Nase gezogen hat. Und die meisten 22-Jährigen, wie Tyler Robinson, werden sicher nicht einmal wissen, dass „Bella Ciao“ ein antifaschistisches Partisanenlied ist. Sie kennen es aus dem Fernsehen, wo seine ursprüngliche Bedeutung entkoppelt wurde. Für einen 22-Jährigen braucht es keinen tieferen Sinn, das irgendwo drauf zu schreiben. Hauptsache es ist irgendwie „cool“.

Diese ganze Rumdeutelei hat begonnen, als bekannt wurde, dass Robinson Inschriften auf den Patronenhülsen hinterlassen hat. Darunter auch der mysteriöse Code LMAO, der über ein Viertel Jahrhundert alt ist. Ja ja, diese Jugend von heute.

Zwei amerikanische Soldaten mit einer Bombe, auf der "Happy Easter, Adolph" geschrieben wurde.
Munition Beschriften und Meme der 1940er. Mit den bis heute üblichen Rechtschreibfehlern.

Und dann hatte man einen Aufmacher: Die Groyper. Von denen die allermeisten sicher nie etwas gehört haben dürften. Es ist auch überflüssig, es zu erklären.
Das ist nicht einmal eine „Bewegung“. Das ist kaum eine „informelle Gruppe“, eine „Community“, die nach deutschen Maßstäben locker als rechtsextrem zu bezeichnen ist. Überwiegend junge Menschen.
Dass die nun Memes besetzen, wird zu einer nationalistischen Verschwörung umgedeutet, die bewusst und gezielt versucht Linke zu unterwandern.

Ich sehe dort den gleichen Mechanismus, mit dem „Antifa“ umgedeutet wird zu einem Verein mit Mitgliedsausweisen. Was ja auch mit der Hamas getan wird, im Versuch, die Hamas als Kulturphänomen und Gesellschaftsstruktur von den „normalen“ Palästinensern abzugrenzen.

„Antifa“ bedeutet aber erst einmal nur „antifaschistisch“. Kriminalisten, Soziologen oder ähnliche verwenden den Begriff aber für die „Antifaschistische Aktion“. Und viele Leute setzen sich das ikonografische Symbol der zwei Flaggen im Kreis ins Profil, die niemals mit dem Schwarzen Block in Kreuzberg Mülltonnen anzünden würden.

Der Mensch ist ein Rudeltier, sein Urinstinkt ist es, sich Gruppen zugehörig fühlen zu wollen. Er definiert sich und andere darüber. Und so werden Symbole und Kommunikation besetzt, die vielleicht etwas ganz anderes bedeuten. Tattoos waren auch eher etwas für Leute aus dem Knast und Seemänner. Und plötzlich lief auch die Versicherungsfachangestellte mit einem Arschgeweih durch die Eifel.

Mir ist kein Nachweis bekannt, dass Tylor Robinson Groypern war.
Bei jedem Beitrag deutscher Medien, den ich dazu gelesen habe, konnte ich bildlich vor mir sehen, wie der Chefredakteur der Autoin vor zwei Tagen gesagt hat: „Mach da mal eine Story zu.“ Und die dann angefangen hat zu googeln. Oder zu „recherchieren“, wie es dann heißt.

Ein typisches Meme.

Fakten werden zu Meinungen

Kirk und Robinson werden instrumentalisiert auf Teufel komm raus.
Über Kirk sind auch in großen Medien Aussagen im Umlauf, die dieser nie getätigt hat oder die zumindest aus dem Kontext gerissen wurden.

Beispielsweise hat er nie gesagt, dass Schwarze keine Piloten werden könnten oder sollten. Er hat gesagt, dass viele Menschen Angst haben, wenn sie einen schwarzen Piloten sehen, weil sie aufgrund von Quotenregelungen nicht mehr sicher sein können, ob dieser Pilot auch qualifiziert ist, oder ob er nur Pilot wurde, weil er schwarz ist.

Er hat auch nicht gesagt, dass Schwule gesteinigt werden sollen. Sondern eine YouTuberin hatte sich bezüglich Homosexuellen auf das Alte Testament bezogen, in dem stehe, man solle seinen Nachbarn lieben. Kirk hat darauf hin nebenbei gesagt, dass im gleichen Teil (Levitikus) stehe, ein Mann, der bei einem anderen Mann liegt wie bei einer Frau, mit dem Tod bestraft werden soll. Der Ausschnitt ist nach wie vor online, jeder kann es sich anschauen. Er hat ein Argument als Rosinenpickerei entkräftet und nichts gefordert.
Und zitiert haben beide übrigens falsch.

Ein Foto von Robinson, einmal mit einem neutralen Shirt und jeweils ein Fakte des Bildes, auf dem er ein Trump und ein Harris Shirt trägt.
Eine weit verbreitete Fälschung, die wohl immer diejenigen bedarfsgerecht glauben, die auf der jeweils anderen Seite stehen.

Und so geht das mit sehr vielen angeblichen Aussagen weiter, die schlicht verzerrt und uminterpretiert werden.
Ich kenne das selber. Denn auch ich habe etwas gegen Quotenregelungen. Völlig locker, entspannt, demokratisch, mit guten Argumenten. Und wann immer das Thema kommt, wird mir unterstellt, ich hätte etwas gegen irgendwelche Minderheiten. Aber das ist doch gar nicht der Punkt.
Ich halte mich lieber zurück und warte auf eine Quotenregelung beim American Football.

Andererseits hat Kirk bestimmte Dinge tatsächlich gesagt.
Die Abtreibung in den USA hielt er für schlimmer als den Holocaust. Weil in seinen moralischen Werten ein Ungeborenes gleichwertig ist mit einem geborenen Kind. Und wenn in den USA jährlich eine Million Abtreibungen stattfinden, dann hat Kirk da nun einmal einen Punkt, der in sich konsistent ist.

Ein Kommentator schrieb, Kirk habe die Todesstrafe für Biden gefordert. Davon wusste ich nichts, also habe ich nachgefragt. Wie immer. Eine andere Kommentatorin hat mir dann einen Hinweis gegeben und ich habe den Ausschnitt gefunden. Und tatsächlich, Kirk hat gesagt, dass Biden vor Gericht gestellt werden und dafür die Todesstrafe bekommen sollte.
Wenn man das, was Biden getan hat, als Verbrechen gegen die US-Bevölkerung sieht, ist auch das nun einmal in sich konsistent. Er hat nicht gefordert, Biden zu lynchen.

Das sind reine Tatsachenfeststellungen. Ob er etwas gesagt hat, oder nicht.
Aber es ist völlig egal, zu welchem Ergebnis ich komme, irgendjemand hat etwas dagegen. Alleine das Prüfen und nennen von Fakten stößt bei vielen Menschen auf Ablehnung. Und genau das ist das Problem unserer Zeit. Fakten sind zu Meinungen geworden.

Man kann darüber streiten, ob das, was Biden getan hat, Hochverrat ist. Oder ob er etwas überhaupt getan hat. Man kann darüber diskutieren, ob man das für angemessen hält. Aber man kann doch nicht darüber streiten, ob Kirk das so gesagt hat. Er hat. Ende.

Und man muss anerkennen, dass Kirk für viele Menschen in den USA damit ein Symbol für die Redefreiheit war. Die gerne mit der deutschen Meinungsfreiheit verwechselt wird. Oder jetzt dazu gemacht wird.

New York Giants bei den Dallas Cowboys: Memory für Kirk, 14.09.2025

Auf einem Auge blind

Eine andere Nutzerin schrieb gleich mehrfach, es sei eine Lüge, dass Linke den Tod von Kirk feiern würden. Doch genau das haben sie.
Natürlich nicht alle. Natürlich nicht die Fünfzigjährige aus Ennepetal, die seit 30 Jahren in der Gewerkschaft ist. Aber viele. Sehr viele.

In den USA ist es während Gedenkveranstaltungen zu vielen Prügeleien und Festnahmen gekommen, weil junge Menschen sie gestört haben. Auch deutsche Streamer und YouTuber haben mit entsprechenden Kommentaren brilliert. Häufig juristisch geschickt verklausuliert. Darunter auch ein Mitarbeiter der Die Linken. Und natürlich hat El Hotzo auch wieder seinen Shit Storm. Der irgendwie einfach nur deshalb viel Reichweite hat weil er… na ja, weil er viel Reichweite hat. Die gleiche Qualifikation, um im RTL-Dschungel zu landen.

Posting von "El Hotzo" am Tag des Attentats auf Kirk.

Man ist gerade immer auf dem Auge blind, was der vermeintlich eigenen Seite am selbstwertdienlichsten ist.

Und dann sind da noch die, die nun erzählen, dass die Begriffe Rechts und Links irgendwie ausgedient hätten. Aber diese Begriffe können nie ausgedient haben, weil sie Gesellschaftsmodelle widerspiegeln.
Das Römische Imperium hate überreiche Eliten und strikte Hierarchien. Die Germanen hatten Anführer, die fast demokratisch verhandelten. Wir verwenden den Begriff „rechts“ aber nicht für Rom und die Germanen waren sicher alles andere als Kommunisten. Trotzdem gab es schon damals Entwürfe für Gesellschaften.

…hat der Tag Struktur

Ich habe mich wenige Male und eher beiläufig zu dem Anschlag auf Kirk und zu Tyler Robinson geäußert. Ich bereue das.

Mir ging es aber nicht darum, den Täter einer bestimmten Gruppe zuzuordnen. Sondern den Unfug, der im Netz unterwegs ist, zu widerlegen. Ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen.
Weder muss ich jemanden verteidigen, noch für irgendetwas mein Beileid ausdrücken. Wenn ich den Stecker ziehe, existieren in meiner Welt weder die Kinder von Kirk, noch die Familie von Robinson. Man sollte seine Emotionen für das aufsparen, was einen persönlich betrifft.
Man sollte weniger hinterfragen, warum Menschen sich auf die eine oder andere Weise zu etwas äußern, sondern warum sie sich überhaupt öffentlich zu etwas äußern, was sie nicht betrifft. Die Simulation von sozialer Interaktion.

Insgesamt halte ich die bewiesene Tatsache, dass Tyler Robinson mit seinem Mitbewohner eine Beziehung hatte, der wiederum wahrscheinlich transsexuell ist, für einen weit wichtigeren Indikator für ein Motiv oder seine innere Befindlichkeit, als dass er angeblich mal irgendwo mit irgendwem gechattet hat.

Den Gedanken, das nun im Anspruch des Absoluten in der Verantwortlichkeit von „Linken“ oder „Rechten“ zu legen, habe ich gar nicht. Und sehe es auch nicht. Das ist nur das, was viele Menschen in ihrer Kommunikation daraus machen.

Tyler Robinson kam aus einer konservativen Familie. In der zumindest der Vater sich immer weiter nach rechts gewendet hat. Und ausgerechnet in dieser Situation ist der Sohn mit einem Mitbewohner zusammen, den er liebt. Hinzu kommt eine Entfremdung von der eigenen Familie, alleine durch die Tatsache der üblichen räumlichen Trennung von Studenten in den USA.

Ich bin ziemlich sicher, dass Tyler Robinson eher linke Wertvorstellungen hat. Die er, auch gepuscht durch die immer radikalere Lagerbildung in den USA, vielleicht nicht einmal selber hinterfragt hat.
Und ebenso sicher bin ich, dass Robinson sich der Wirkmacht seiner Tat gar nicht bewusst war. Darüber hat er in seiner Einzelzelle nun genug Zeit nachzudenken. Jemanden, den man als Feind erkennt, durch Gewalt zum Schweigen zu bringen, ist immer ein Zeichen von Hilflosigkeit, einen Konflikt anders zu lösen. Nur dass er noch etwas hilfloser war, als die rhetorisch unfähigen Studenten, die sich von dem Medien-Profi Kirk in seinen Debatten haben vorführen lassen.

Und was die Medien nun daraus machen, ist teilweise absurd. Parallelwelten werden aufgemacht, nur um für die Klicks der eigenen Zielgruppe etwas zu schaffen, was es so gar nicht gibt. Aber was es so viel einfacher macht. Denn weißt Du wer der Feind ist, hat der Tag Struktur.

Kategorie Medien und Politik

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