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Über die Suche nach Banksy und Christian Ulmens Anwalt

Liebe Übonnentin, lieber Übonnent,

vor ein paar Wochen kam mein Neunjähriger begeistert aus dem Schulunterricht zurück. Im Fach Kunst war es um Banksy gegangen, jenes weltbekannte britische Street-Art-Phantom, das mit seiner Kunst seit Jahren gekonnt zwischen politischer Subversion und Fototapeten-Mainstream balanciert. Frisch vom Banksy-Hype infiziert und mit seiner Trinkflasche als „Sprühdose“ rannte mein Sohn durch die Wohnung und rief mir atemlos zu, was sie über den Künstler gelernt hatten. Unter anderem, dass hinter dem Unbekannten entweder ein Mann namens Robin Gunningham stecke, oder der Sänger einer Band namens Monster Attack (er meinte Massive Attack).

Was Viertklässler fasziniert, finden offenbar auch Journalisten spannend. Immer wieder hat es in der Vergangenheit Versuche gegeben, die Identität Banksys zu entschlüsseln. Einige davon kamen bereits zu belastbar wirkenden Ergebnissen, etwa eine Recherche der britischen Daily Mail (Öffnet in neuem Fenster) von 2008, die Gunningham als den Street-Art-Star identifizierte. Zu Massive-Attack-Sänger Robert Del Naja führt wiederum die Spur, dass wiederholt Banksy-Graffitis in Städten auftauchten, in denen die Band gerade ein Konzert gespielt hatte. Und sowohl Gunningham als auch Del Naja kommen wie der Künstler aus Bristol. Ein endgültiger Beweis fehlte aber bisher.

Bis jetzt. Ein dreiköpfiges Investigativ-Team der renommierten Nachrichtenagentur Reuters hat sich auf die Suche nach Banksy (Öffnet in neuem Fenster) begeben und ist aufgrund neuer und sehr überzeugender Belege bei Robin Gunningham gelandet. Dazu flogen die Rechercheure in ukrainische Kriegsgebiete, wo Banksy 2022 Werke hinterlassen hatte. Sie fanden bisher unbekannte Polizeiakten in New York, in denen Gunninghams Name steht. Sie verglichen Fotos und sprachen mit unzähligen Wegbegleitern und Augenzeugen.

Man kann das eine beeindruckende Rechercheleistung nennen. Mir erscheint es hingegen als sinnlose journalistische Selbstdarstellung. Ein voyeuristisches Boulevardstück im Deckmantel des investigativen Journalismus.  

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