
Herzlich willkommen bei UNBOXING TRANS. Dem Podcast Projekt, bei dem einzelne trans* Themen bis ins Detail ausgepackt werden. In jeder Folge bringen Kathleen und Julia jeweils Themen oder Objekte mit trans* Bezug mit, ohne dass das Gegenüber vorher davon weiß, diese unboxen wir dann :-)
In unserer vierten Folge sprechen wir über das sogenannte Sensitivity Reading und über eine Pride-Flagge in der Karibik!
Was Sensitivity Reading ist und wofür es wichtig ist, das unboxt Julia in der 4. Folge. Kathleens Objekt-Mitbringsel ist eine Flagge aus der Karibik. Außerdem gibt es den Anruf aus der Vergangenheit diesmal mit Hertha Wind, tolle Kulturempfehlungen und eine spannende Community-Frage “Wie teuer ist eine Transition"?”. DiePreise gehen an das FBI und das Rubicon in Köln.
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LG Kathleen und Julia
Inhaltlicher Überblick
(00:01:55) Unboxing by Julia: Sensitivity Reading
(00:29:14) Anruf aus der Vergangenheit
(00:36:42) Community Teil
(00:41:58) Unboxing by Kathleen: Pride Flag in St.Lucia
(00:50:15) Kulturempfehlungen
(00:57:28) Angstkatzenhäschen & Goldener Blumenstrauß
Unboxing by Julia - Sensitivity Reading
Oft schrecken Autor*innen vor sensiblen Themen oder Vielfalt bei ihren Figuren zurück, aus Sorge, etwas „falsch“ zu machen oder gar einen Shitstorm zu ernten. Beratung zum Umgang mit sensiblen Themen schafft hier Abhilfe.
Ein Sensitivity Consulting oder auch Sensitivity Reading kann in jeder Phase eines Projekts sinnvoll sein. Schon in der Planungsphase eines Projekts kann es helfen, darauf zu achten, dass beispielsweise die Repräsentation bestimmter Gruppen keine schädlichen Stereotype aufrechterhält.
Dabei geht Sensitivity Consulting über diskriminierungsfreie Sprache hinaus und hilft, diskriminierende Narrative durch eine zeitgemäße Darstellung von marginalisierten Gruppen zu vermeiden. Dies können z. B. People of Color (PoC), Frauen oder queere Menschen sein.
Es ist also ein Diskriminierungscheck, bei dem Texte auf für Minderheiten schädliche oder irreführende Inhalte untersucht werden.
Sensitivity Reading kann dabei helfen Erfahrungen darzustellen, die ohne eigenes Erleben nicht erfassbar sind, z. B. Behinderung, (systemischen) Rassismus, Trauma usw.
Ziel ist es: dass marginalisierte Personengruppen bzw. Angehörige solcher Gruppen (oder Charaktere in Büchern) authentisch und sensibel dargestellt werden. Dabei achtet man besonders darauf, dass keine falschen Informationen verbreitet oder verletzende Narrative reproduziert werden.
Im Idealfall fördert ein Sensitivity Consulting Mut zur Inklusion und stärkt Autor*innen den Rücken, freier, mutiger und vielfältiger zu erzählen – und ein breiteres Publikum zu erreichen.
Julia hat schon bei einigen Film- um TV-Produktionen als Beraterin dazu beigetragen, dass die erwähnten trans* Figuren authentisch dargestellt wurden.
Lindenstraße: trans* Frau “Sunny”
Bis ans Ende der Nacht: trans* Frau “Leni”
Ungeschminkt: trans* Frau “Josefa”
Weitere Informationen zum Sensitivity Reading und Personen, die Sensitivity Reading anbieten:
https://marius-schaefers.de/sensitivity-reader (Öffnet in neuem Fenster)https://www.fantastisch-lektoriert.de/lektorat (Öffnet in neuem Fenster)Medienleitfaden für diskriminierungssensible Repräsentation von trans* Menschen:
Warum Begriffe wie “Geschlechtsumwandlung” problematisch sind und wie man es besser machen kann. Julia hat auf ihrer Webseite mehrere Dokumente zusammengetragen, die Unterstützung in der Berichterstattung über trans* Personen liefern:
Anruf aus der Vergangenheit
Hertha Wind wurde in Ludwigshafen am Rhein geboren und überlebte nicht nur die NS-Zeit, sondern machte auch währenddessen ihre Transition. Zunächst versuchte sie ein “echter Junge” zu sein, konnte dies aber nicht aufrecht erhalten. Schon früh verschaffte sie sich Zugang zu Hormonen und führte die ersten geschlechtsangleichenden Operationen durch. Auch den Vornamen schaffte sie anzupassen. Allerdings wurde sie zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen, eine Erfahrung, die sie ein Leben lang traumatisierte.
Mitte der 50er Jahre wurde die Geschichte von Christine Jorgensen bekannt. Das ermutigte sie auch ihre Geschichte zu veröffentlichen.
Ausführliche Artikel:
https://lili-elbe.de/blog/2024/09/hertha-wind-trans/ (Öffnet in neuem Fenster)Die Pionierin Lili Elbe wurde von Clara von der Lili Elbe Bibliothek vorgestellt. Weitere Hintergrundinformationen zu Clara und zur Lili Elbe Bibliothek:
https://lili-elbe.de/ (Öffnet in neuem Fenster)Community Fragen
Bei Instagram hat Julia einen Aufruf (Öffnet in neuem Fenster) gemacht und um Fragen aus der Community gebeten. Seitdem gehen auf unterschiedlichen Wegen Fragen bei Julia ein. Julia war auf einer Veranstaltung und bekam die Frage:
“Wie teuer ist eine Transition?”
Die Kosten lassen sich nicht pauschal darstellen, sondern sind individuell bei jeder trans* Person unterschiedlich. Nicht jede trans* Person macht eine komplette Transition mit allen medizinischen Maßnahmen. Wenn man davon ausgeht, dass eine trans*Person ab ca. dem 15. Lebensjahr mit Hormontherapie (HRT) beginnt und eine Lebenserwartung von ca. 80 Jahren hat. Dann wäre die Dauer der HRT 65 Jahre. Es fallen Kosten für Medikamente an, Rezeptgebühren, regelmäßige Kontrollen der Hormonwerte, Laborkosten, usw.. Dazu kommen Kosten für Psychotherapie, welche in der Regel nur in der Anfangszeit erforderlich wird, weil sie eine Voraussetzung für medizinische Maßnahmen ist. Die Kosten für Operationen können ebenfalls variieren und sind auch bei trans* Männern und trans* Frauen unterschiedlich kostenintensiv. Die Kosten lassen sich also grob in drei große Blöcke einteilen:
Kosten für Medikamente
Kosten für Psychotherapie
Kosten für Chirurgie
Dabei stellen chirurgische Maßnahmen wohl den größten Teil der Kosten. Insgesamt würde ich schätzen, dass man mit 50.000-130.000€ rechnen muss. Der größte Teil wird bisher in Deutschland von den Krankenkassen übernommen.
Zum Vergleich (als Argumentationshilfe mit Menschen, die das als unsolidarisch “kritisieren” möchten):
Typ-1-Diabetes verursacht bis zu 300.000€
Einmalige Krebserkrankung kostet zwischen 80.000-250.000€
Unboxing by Kathleen
St. Lucia hat LGBTQI*-feindliches Gesetz abgeschafft

Der kleine karibische Inselstaat Saint Lucia hat ein historisches Urteil gefällt. Am 29. Juli 2025 wurden Kolonialgesetze gegen Homosexualität als verfassungswidrig aufgehoben.
Und zum ersten Mal -ever- wehte die Progress- Pride-Flagge auf St. Lucia!
Aktivist*innen feierten das Urteil und hoffen jetzt, dass es Druck auch auf andere Staaten mit ähnlichen Gesetzen ausübt. Zum Beispiel auf Trinidad und Tobago. Dort wurde ein LGBTQI*-feindliches Gesetz 2018 aufgehoben, aber im Frühjahr 2025 wurde es reaktiviert.
In der Region setzt sich u.a. die Eastern Caribbean Alliance for Diversity and Equality (ECADE) gegen diskriminierende Gesetze ein. In Barbados, Antigua und Barbuda, St. Kitts und Nevis sowie Dominica konnten alte diskriminierende Gesetzesregelungen aus der Kolonialzeit bereits gekippt werden.
ECADE: https://ecequality.org/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://ecequality.org/ (Öffnet in neuem Fenster)Aufklärungsprojekt: Zero Flags Project
Das ZERO FLAGS PROJECT stellt Flaggen all jener Länder aus, in denen auch heute noch queerfeindliche Gesetze herrschen. Ziel des Projekts mit seinem „Flaggen-Countdown“ ist die Zahl ‚Null‘. Wobei, ganz stimmt das nicht, denn die Initiator*innen möchten, dass eine Flagge am Ende übrig ist: die Regenbogenfahne. Ihre Vision ist, dass alle Menschen überall auf der Welt in sexueller und geschlechtlicher Freiheit leben können.
Noch ist die Welt davon weit entfernt. In 63 Ländern* ist Homosexualität im Strafgesetzbuch verankert. Das bedeutet: Rund 2 Milliarden Menschen leben in einem Land, in dem Homosexualität immer noch bestraft wird. In 11 Ländern steht auf Homosexualität sogar die Todesstrafe.
Das Zero Flags Project ist ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen, z.B. Pride Amsterdam, Human Rights Watch, Equal Rights Coalition u.a.
Auf der Website könnt ihr einen kleinen Clip sehen, wie die Flagge von St. Lucia abgebaut und durch eine Regenbogen-Flagge ersetzt wurde. One down!
Zero Flags Projekt: https://www.zeroflagsproject.nl/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.zeroflagsproject.nl/ (Öffnet in neuem Fenster)Direkt zum Video “Replacing flag of Sint Lucia”:
https://www.zeroflagsproject.nl/wp-content/uploads/2025/08/IMG_2803.mov (Öffnet in neuem Fenster)Reisen und Privilegien
Der Equadex bildet in einer Übersicht die LGBT-freundlichsten Länder der Welt ab. Ausgewertet werden der aktuelle Status von LGBT-Rechten, LGBT-Gesetze und -Freiheiten. Einbezogen wird zudem die öffentliche Einstellung gegenüber LGBT-Personen.
https://www.equaldex.com/equality-index (Öffnet in neuem Fenster)
https://www.equaldex.com/equality-index (Öffnet in neuem Fenster)Auch die “International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association” (ILGA World) hat eine Datenbank erstellt, mit der man sehen kann welche Länder für queere Menschen ein Risiko darstellen.
https://ilga.org/ilga-world-maps/ (Öffnet in neuem Fenster)
https://ilga.org/ilga-world-maps/ (Öffnet in neuem Fenster)Kulturtipps
Pakistanischer Spielfilm Joyland
Kathleen empfiehlt Joyland. Der Film erzählt die Geschichte einer sehr patriarchal geprägten pakistanischen Großfamilie, die in mehreren Generationen unter einem Dach lebt. Haider, ein Tagträumer, ist der jüngste Sohn. Seine moderne Frau verdient das Geld und Haider kümmert sich um den Haushalt, die Kinder seines Bruders und dessen Frau. Und er pflegt den alternden Vater. Haider und seine Frau werden von allen Seiten unter Druck gesetzt, dass endlich Nachwuchs kommt. Aber dafür braucht Haider feste Arbeit. Über einen Freund bekommt er die Chance auf ein Vortanzen und kriegt den Job als Background-Tänzer. Seiner Familie macht er Glauben, er manage ein Theater. Bei seinem Job verliebt sich Haider bald in die Tänzerin Biba, eine trans* Frau. Joyland zeigt in schönen Bildern, wie hin- und hergerissen der junge Mann ist zwischen eigenem Begehren, dem Wunsch nach Freiheit und den Erwartungen der Gesellschaft und Familie. Er gibt Einblicke in Pakistan, wie wir sie kaum sehen. In Bezug auf trans* Rechte ist Pakistan übrigens verhältnismäßig liberal. Homosexualität hingegen ist illegal - es droht eine bis zu lebenslängliche Gefängnissstrafe.
JOYLAND hatte 2022 Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes und erhielt dort den Jurypreis. Bei den Independent Spirit Awards 2023 wurde Joyland als "Bester internationaler Film" ausgezeichnet..
Kathleen hat das in Folge 1 empfohlene one-man-Stück „PARADIEISISCHE ZUSTÄNDE“ an der Schaubühne gesehen. Henri Maximilian Jakobs erzählt und singt darin von seiner Transition und macht das sehr berührend: mutig, traurig und lustig.
Es gibt noch Termine im November und Dezember.
Bei The Voice war gerade ein Künstler, der vor neun Jahren v schonmal dort vorgesungen hat. Allerdings vor seiner Transition. Louk Jones hat mit seinem Auftritt nicht nur abgesahnt und berührt - sondern ist auch für queere Sichtbarkeit eingestanden.
queer.de (Öffnet in neuem Fenster) hat den Auftritt als Video des Tages veröffentlicht. Und, weil’s so schön ist, teilen wir das Video hier.
https://www.queer.de/video-des-tages.php?vid=2460 (Öffnet in neuem Fenster)
Marius Schäfers
Julia empfiehlt Marius Schäfers. Marius Schreibt Bücher und er bietet auch Sensitivity Reading an. Seine Bücher sind:
realistische Romanzen
Romantasy
Kurzgeschichten
Er schreibt sowohl Geschichten, die einen trans* Bezug haben, als auch ohne.
Webseite von Marius: https://marius-schaefers.de/ (Öffnet in neuem Fenster)
Instagram: @derunbekannteheld (Öffnet in neuem Fenster)
https://marius-schaefers.de/ (Öffnet in neuem Fenster)Eine fantastische Frau (Film)
Die angehende Sängerin Marina lebt in Santiago de Chile mit dem deutlich älteren Orlando zusammen. Der hatte für Marina einst seine Familie verlassen, die es nie verwunden hat, dass er sich in eine Transfrau verliebte. Wie tief der Hass sitzt, bekommt Marina zu spüren, als Orlando plötzlich stirbt. Doch nicht nur dessen Angehörige begegnen ihr voller Voreingenommenheit, auch die chilenische Gesellschaft akzeptiert Marina nicht als das, was sie ist: eine fantastische Frau!
https://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/ausstrahlung-3553594.html (Öffnet in neuem Fenster)Preise
Unser Angstkatzenhäschen verleihen wir an Personen oder Institutionen, die mit transfeindlichem Verhalten auffallen.
Einem Bericht des unabhängigen Journalisten Ken Klippenstein vom 18. September zufolge erklärten zwei anonyme Beamte der nationalen Sicherheit, das FBI zieht es in Erwägung, trans* Personen als Untergruppe seiner neuen Bedrohungskategorie „Nihilistische Gewaltextremisten“ (NVEs) zu behandeln, die Anfang des Jahres geschaffen wurde. Das FBI definiert „Nihilistischen Gewaltextremismus“ als „kriminelles Verhalten … zur Förderung politischer, sozialer oder religiöser Ziele, die in erster Linie aus Hass auf die Gesellschaft als Ganzes und dem Wunsch resultieren, ihren Zusammenbruch durch die Verbreitung von wahllosem Chaos herbeizuführen.“
Quellen:
Unseren goldenen Blumenstrauß verleihen wir an Personen oder Institutionen, die sich besonders für trans*, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Menschen einsetzen.
Das Rubicon in Köln engagiert sich seit 50 Jahren für die queere Community.Seit einigen jahren wird in Köln regelmäig ein tin* Schwimmen angeboten und mittlerweile gibt es auch einen tin* Saunaabend: Rubicon Köln (Öffnet in neuem Fenster)
Hinweise
Während der Aufnahme sprachen wir vom “Kultusminister”. Richtig wäre Kulturminister („Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien“)
Credits
Konzept und Umsetzung: Kathleen und Julia
Musik: Moby
Produktion: heroess (Öffnet in neuem Fenster)
Steady: Julia
Ein besonderes Dankeschön geht an Clara Hartmann. Clara hat unseren Beitrag zum wiederholten Male mit dem Anruf aus der Vergangenheit sehr bereichert.
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