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Digitale Gewalt: Von Ulmen zu 'All Men'

Mitte März hat der Ulmen-Skandal die einen – zumeist Männer – ziemlich überrascht und die anderen – zumeist Frauen – weit weniger überrascht, weil sie im übergriffigen, missbräuchlichen und manipulativen Verhalten, das Collien Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorwirft, keine skandalöse Einzeltat sehen, sondern eine Fortsetzung männlicher Verhaltensmuster, die in der Gesellschaft vielerorts zu finden sind. Seitdem ist eine Diskussion entstanden darüber, ob monströse Einzeltaten überhaupt noch monströse Einzeltaten sind, wenn es viele Monster gibt, viele Täter und mit ihnen viele Taten.

Im Wissen, dass schon viel Kluges gesagt und geschrieben wurde zur Causa Ulmen und im Bewusstsein, dass feministisches Empowerment und die Diskussion über Gewalt gegen Frauen grundsätzlich ohne „Erklärmänner“ und ihre Think Pieces auskommt, möchte ich mir nichtsdestoweniger ein paar Gedanken machen zur politischen, kulturellen und sozialen Tragweite dieses Missbrauchsfalls. Warum? Weil der Fall Ulmen-Fernandes mich persönlich sehr beschäftigt, seit Tagen. Weil ich nach wie vor versuche, die gesellschaftliche Bedeutung dahinter zu verstehen und einzuordnen. Weil Schreiben, als Autor, meine Art des Nachdenkens ist.  

Und damit bin ich nicht allein. Viele von uns beschäftigt die Bedeutung dieses Missbrauchsfalls, der einerseits singulär erscheint und gleichzeitig für so viele andere steht, für ähnliche oder noch schlimmere. Dies alles tue ich ohne Anspruch, die volle Trageweite des Falles Fernandes in allen Details durchschaut und verstanden zu haben (was als Außenstehender eh kaum möglich ist und für meine Argumentation auch nicht nötig); ich schreibe diesen Text lediglich in der bescheidenen Hoffnung, dass ich ein paar Gedanken ausformuliere, an die andere anschließen und die zum Weiterdenken einladen.

»Du hast mich virtuell vergewaltigt«

Beginnen wir mit einem Rückblick. Zu Fernandes‘ Vorwürfen, die der Spiegel (Opens in a new window) nach mehrmonatiger Recherche zuerst und umfassend berichtet hat, gehören: Identitätsdiebstahl, die Kontaktaufnahme zu dutzenden, wenn nicht hunderten Männern und das Versenden pornografischer Bilder und Videos in Fernandes‘ Namen, Fake-Profil-Sextalk mit ihr unbekannten Männern ebenso wie mit ihr persönlich bekannten Männern aus ihrem direkten Arbeitsumfeld, Verabredungen zum Telefonsex, vermeintlich als Collien Fernandes selbst (mit per KI verstellter Stimme), ebenso wie das Verbreiten von Pornografie in Video- und Bildform, die Collien Fernandes darstellen soll. Die Fakeprofile waren offenbar minutiös angelegt und in einigen Aspekten glaubwürdig gestaltet. Der Identitätsdiebstahl und die Kontaktaufnahme erfolgten primär über LinkedIn – und beides erfolgte über viele Jahre hinweg. Der langjährige Identitätsdiebstahl war bekannt, Collien Fernandes geht schon länger öffentlich dagegen vor (Opens in a new window).

Die Wendung, die viele nun als spektakulär (Opens in a new window) empfinden: Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vor, der Täter hinter alldem gewesen zu sein. Er habe es ihr gegenüber bereits Ende 2024 gestanden, so Fernandes. „Du hast mich virtuell vergewaltigt“ lautet der Spiegel-Artikel (Opens in a new window), der ihre Sicht darlegt, und der neben faken Identitäten, digitaler Gewalt und Herabwürdigung auch körperliche Auseinandersetzungen und physische Gewalt innerhalb der mittlerweile geschiedenen Ehe schildert. Christian Ulmen wiederum veranlasst seinen Anwalt (Opens in a new window), vieles abzustreiten, ohne auf Details einzugehen. Der Rechtsanwalt Christian Schertz spricht von „unwahren Tatsachen (Opens in a new window)“, ebenso von „unzulässiger Verdachtsberichterstattung“. Der Spiegel und die mit der Recherche beauftragten Journalisten und Journalistinnen wiederum betonen eine saubere, kritische, und vor allem tatsachenorientierte Arbeitsweise (Opens in a new window) mitsamt zulässiger Verdachtsberichterstattung (Opens in a new window). Der Instagram-Beitrag (Opens in a new window) von Collien Fernandes, welcher ihre Perspektive zusammenfasst und eine mediale Lawine lostrat, erhielt innerhalb von weniger als einer Woche weit über achthunderttausend Likes und über vierzigtausend Kommentare.

Männer, Gewalt, Verantwortung

Das gesellschaftspolitische Nachbeben ist immens. Die wesentlichen Fragen, welche dieser Tage öffentlich verhandelt werden, lauten unter anderem:

1.      Wie viel „Ulmen“ steckt in „All Men“ – und umgekehrt? Wo endet individuelle Verantwortlichkeit und wo beginnt gesellschaftliche Verantwortung? Sind wir alle schuld, oder „nur“ ein Einzelner?

2.      Wie können Frauen sich wehren gegen männliche Gewalt, online wie offline? Wie können wir, als Gesellschaft, insb. Frauen besser schützen vor digitaler Gewalt, die insb. von Männern ausgeht? Wie verbessern wir die Infrastruktur diesbezüglich? Wie lässt sich feministisches Empowerment sozial, rechtlich, politisch angehen und umsetzen?

3.      Bezüglich Geschlechterrollen, Veränderungswillen und Verantwortungsdimensionen: Wie kann ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel stattfinden? Was bedeutet Verantwortung? Was ist die politische Dimension? Und wie sind die Frontverläufe der Debatte digitaler Gewalt hinsichtlich „rechts“ und „links“?

Weil alle drei Fragenkomplexe – und die dazugehörigen Antworten – zusammenhängen und sich wechselseitig bedingen, möchte ich einige ebenfalls zusammenhängende Überlegungen dazu formulieren.

 

Gewalt gegen Frauen auf dem Höchststand

Fangen wir zunächst mit etwas Statistik an. Indem wir Daten, Fakten und – in Anspielung auf die Stilblüte des Ulmen-Anwalts Christian Schertz – „wahre Tatsachen“ in die Diskussion holen, versachlichen wir dieselbe.

(Opens in a new window)https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_HaeuslicheGewalt2024.html (Opens in a new window)

Das Bundeskriminalamt schreibt im November 2025:

„Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 265.942 Menschen Opfer Häuslicher Gewalt, ein neuer Höchststand. Fast jedes fünfte in der Polizeilichen Kriminalstatistik zu Delikten, die auch, aber nicht ausschließlich diesem Phänomenbereich zugerechnet werden, erfasste Opfer ist Opfer von Häuslichen Gewalt. Diese sind mit 70,4 Prozent überwiegend weiblich.“

Ferner ergibt eine Auswertung der BKA-Daten aus dem Jahr 2024:

„Im Jahr 2024 wurden insgesamt 171.069 Opfer von Partnerschaftsgewalt registriert. Mehr als die Hälfte der Opfer (58,1 Prozent) erlitten dabei vorsätzliche einfache Körperverletzungen, 25,6 Prozent waren von Bedrohung, Stalking und Nötigung betroffen.“

(Opens in a new window)

 

Die Daten sprechen eine deutliche Sprache. Häusliche und partnerschaftliche Gewalt sind in Deutschland keine Seltenheit, im Gegenteil. Häusliche Gewalt nimmt zu (Opens in a new window) und ist auf einem Höchststand (Opens in a new window), während es gleichzeitig ein immenses Dunkelfeld gibt, schätzungsweise 19 von 20 Fällen bleiben verborgen (Opens in a new window). Schlimmer noch: es werden Gelder für Präventionsprogramme gestrichen.

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-11/haushaltsausschuss-missbrauchsopfer-gelder-gestrichen (Opens in a new window)

Während es also strukturelle Hürden bei der Ermittlung und rechtlichen Verfolgung „klassischer Gewaltdelikte“ (vor allem) gegen Frauen gibt, zeigt sich mit dem Fall Fernandes (und aller verwandten Fälle (Opens in a new window)) eine neue Form des Gewaltdelikts – die digitale und virtuelle Gewalt (Opens in a new window) gegenüber Frauen. Wobei „neu“ relativ ist. Bei genauer Betrachtung und weiterer Recherche zeigt sich, dass das Phänomen der Deepfake-Pornografie (Opens in a new window) uns schon fast ein ganzes Jahrzehnt begleitet; die ersten deepfake-pornografischen Beiträge mit einer gewissen Reichweite kamen um das Jahr 2017 auf, u.a. auf der Plattform Reddit. Getan hat sich seitdem: wenig.

Der jetzige Opferschutz reicht nicht, es braucht bessere Rechtsprechung

Sprechen wir also jetzt – gesamtgesellschaftlich wie berufspolitisch – darüber, wie wir den Opferschutz und die Präventionsarbeit hinsichtlich digitaler Gewalt verbessern können, ist es eine „Besser spät als nie“-Diskussion. Viel wurde die letzten Tage darüber geschrieben, dass die deutsche Rechtsprechung diesbezüglich nicht ausreicht und bspw. Spanien (Opens in a new window), wo Fernandes ihren Ex-Mann Ulmen angezeigt hat, da beide Wohnsitze auf Mallorca haben, bezüglich digitaler Gewalt eine bessere, angemessenere Rechtsprechung (Opens in a new window) hat, die Opfer-Anliegen ernster nimmt als jene in Deutschland.  

Insofern ist es gut und wünschenswert, dass hierzulande juristisch nachgebessert wird, und es ist zu begrüßen, dass sich politisch wirklich etwas bewegt:

„Justizministerin Hubig will mit einem neuen Gesetz gegen digitale Gewalt vorgehen. Nach Bekanntwerden des Falls Collien Fernandes gilt dabei der Ahndung pornografischer Deepfakes ein besonderes Augenmerk. Derzeit sind Erstellen und Verbreiten solcher Aufnahmen noch weitgehend straffrei.“

https://www.n-tv.de/politik/Fuer-Deepfakes-soll-es-kuenftig-bis-zu-zwei-Jahre-Haft-geben-id30505883.html (Opens in a new window)

Sowohl die Regierung als auch die Opposition befassen sich momentan intensiv mit dem Thema digitaler Gewalt:

„Die Grünen-Rechtspolitikerin Lena Gumnior hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, der KI-gefälschte intime Aufnahmen unter Strafe stellen würde. Der Vorstoß geht über die Pläne der Bundesregierung hinaus.“

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruene-legen-eigenen-gesetzentwurf-zu-digitaler-gewalt-vor-a-5b1ce3b0-f01b-407a-a314-66d58e0c5cfa (Opens in a new window)

Wichtig erscheint hierbei aus juristischer Sicht, dass keine Schlupflöcher entstehen, worauf auch Rechtsanwalt Chan-jo Jun hinweist:

(Opens in a new window)https://bsky.app/profile/jun.de/post/3mhpmxkpy722e (Opens in a new window)

Strafrechtsexpertin Anja Schmidt argumentiert:

„Nicht nur das Verbreiten sollte unter Strafe stehen, sondern auch das Herstellen und der private Gebrauch. Und das mit einer angemessenen Strafdrohung.“

https://www.instagram.com/p/DWTKL0MjSe9/ (Opens in a new window)

Wie auch immer genau die Regelung in Zukunft aussieht – zentral ist, dass Betroffene digitaler Gewalt sich nicht nur ernstgenommen fühlen, sondern dass ernsthaft ermittelt wird und überhaupt ernsthaft ermittelt werden kann; und dass jene, die ungefragt pornografische Inhalte von anderen erstellen oder verbreiten sich mit einer Rechtsprechung konfrontiert sehen, die sie von solchen Widerlichkeiten abhält, indem sie den Online-Missbrauch ausermittelt und angemessen bestraft.

Collien Fernandes selbst bringt die aktuelle dysfunktionale Lage im Gespräch mit der Tagesschau auf den Punkt:

„[I]ch habe das Gefühl, dass wir hier etwas im System haben, das nicht funktioniert. Und darauf möchte ich gerne hinweisen. Da muss sich ganz dringend etwas ändern. Denn warum sollte man etwas zur Anzeige bringen, wenn am Ende nichts dabei rumkommt?“

https://www.tagesschau.de/inland/collien-fernandes-interview-ulmen-100.html (Opens in a new window)

 

Von „Ulmen“ zu „All Men“

Während Einzeltaten in trivialer Interpretation immer die Taten Einzelner sind, finden jedoch auch Einzeltaten vor einem gesellschaftlichen, einem sozialen und einem politischen Hintergrund statt. Als einzelne Menschen sind wir logischerweise einzelne Menschen, dennoch fühlen, denken und handeln wir vor dem Hintergrund unserer politischen Rahmenbedingungen, unserer Handlungspraxen und vor dem Hintergrund dessen, was in unserer Gesellschaft als „normal“, „akzeptabel“ oder zumindest „toleriert“ gilt. Der soziologische Fachbegriff hierfür lautet Sozialisation (Opens in a new window). Wir alle bestimmen mit, was in einer Gesellschaft geht und was nicht geht, indem wir es akzeptieren – oder uns aktiv bestimmten Entwicklungen entgegenstellen, sie kritisieren, sie nicht akzeptieren. Werte und Normen sind insofern nur Werte und Normen, indem wir etwas aus ihnen für unsere Lebenswirklichkeit ableiten.

Die letzten Jahre haben leider gezeigt, dass u.a. sexistische Denkweisen, Äußerungen und Haltungen wieder mehr an Konjunktur gewinnen, auch und insbesondere bei Jüngeren:

https://www.fr.de/panorama/zurueck-in-die-50er-junge-menschen-denken-wieder-konservativ-zr-94205703.html (Opens in a new window)

Ein besonderes Problem stellt die sogenannte „Manosphere (Opens in a new window)“ dar, ein ebenfalls digitales, ultrasexistisches, antifeministisches Netzwerk (pseudo-)männlicher Influencer. Dort werden Frauen entmenschlicht, degradiert und gedemütigt – und sehr dürftige Denkweisen und Weltanschauungen verbreitet, nicht selten mit dickem Bizeps und Zigarre, und gegenüber einem meist jugendlichen Publikum als maskuliner Way of Life inszeniert. In der Manosphere werden nicht nur extremistische Ideologien verkauft, es geht auch buchstäblich um Geld: um Abos, minderwertige Fitness-Produkte und dubiose Krypto-Investments. Rechte Influencer wie Andrew Tate vergiften Köpfe und leeren Portemonnaies.

https://taz.de/Netflix-Doku-Inside-the-Manosphere/!6163017/ (Opens in a new window)

Eltern, vor allem Eltern von Jungen, stehen heutzutage also vor der doppelten Schwierigkeit: Ihren Jungs nicht nur Werte zu vermitteln, sondern emanzipatorische Werte zu vermitteln; Werte, die Gleichberechtigung vermitteln und die somit im genauen Gegensatz stehen zu dem, was sexistische Influencer auf TikTok, Instagram, X und YouTube von sich geben.

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Wenn ich einen Ratschlag geben soll, wäre es dieser: Sprecht mit euren Jungs – und ich meine wirklich Jungs, schon im Grundschulalter – über Geschlechterverhältnisse, über Gender und Macht, über Männlichkeit und Weiblichkeit und alles dazwischen. Hört ihnen zu, fragt sie (vorsichtig), was sie bewegt, was sie denken, was sie fühlen und – sollten sie bereits ein Smartphone besitzen – was sie so online konsumieren. Für alle, die dabei Hilfe benötigen: Zum Thema digitale Aufklärung hat Madita Oeming (Opens in a new window) gerade ein interessantes Buch veröffentlicht.

https://www.rowohlt.de/buch/madita-oeming-madita-oeming-aufgeklaert-statt-aufgeregt-9783499016622 (Opens in a new window)

Die Verantwortung muss die Seiten wechseln!

Ein Satz, der dieser Tage immer wieder zu Recht zitiert wird, lautet: „Die Scham muss die Seite wechseln“. Der ikonische Satz von Gisele Pélicot (Opens in a new window) (ursprünglich geht das Zitat zurück auf die Anwältin und Frauenrechtlerin Gisèle Halimi (Opens in a new window)), die zum Vorbild im Kampf gegen sexualisierte Gewalt und zum Symbol für weibliches Empowerment wurde, ist auch dieser Tage so gültig wie immer.

Er wird präzisiert und weitergedacht: „Nicht nur die Scham muss die Seite wechseln, sondern die Angst muss die Seite wechseln, die Konsequenzen müssen die Seite wechseln und die Ressourcen“, sagt beispielsweise Autorin Düzen Tekkal, die gemeinsam mit Ricarda Lang und vielen weiteren prominenten Frauen einen Forderungskatalog gegen sexualisierte digitale Gewalt (Opens in a new window) aufgestellt hat. Der darin enthaltene Zehn-Punkte-Plan verdient Aufmerksamkeit und Umsetzung, bitte schaut ihn euch an:

https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/zehn-punkte-plan-sexualisierte-gewalt-deepfake-praevention-fernandes-100.html (Opens in a new window)

Und wir Männer? Wir Männer müssen herausfinden aus dem Luxus des Schockiertseins. Schock und Empörung sind verständliche erste Reaktionen auf solche Fälle wie den Fall Ulmen-Fernandes – wenn es jedoch dabei bleibt, ist niemandem geholfen. Wir Männer sollten nachvollziehen, warum Frauen im Zeitalter von Epstein, Sean Combs, Pelicot usw. eben nicht sonderlich überrascht sind, wenn ein weiterer monströser Fall ans Licht kommt. Wir Männer sollten Frauen zuhören, wenn sie ihre Erlebnisse schildern. Wir Männer sollten uns solidarisch zeigen, wo es nur geht. Wir Männer sollten Frauen als Expertinnen in eigener Sache anerkennen und ihnen Gehör schenken und eine Bühne geben, wo es möglich ist. Wir Männer sollten andere Männer darin unterstützen, nicht-sexistische Formen von Männlichkeit für sich zu suchen, zu finden und zu leben. Und wir Männer sollten andere Männer zur Rechenschaft ziehen, wo ihr Verhalten – digital oder offline – Frauen bedrängt, beleidigt, missachtet oder sie missbraucht.

Und auf politischer Ebene: Wir Männer sollten fordern, dass unser Bundeskanzler sich positioniert (Opens in a new window) (jenseits rechtspopulistischer Plattitüden (Opens in a new window)). Wir Männer sollten uns Politikern entgegenstellen, die Opferschutz abschaffen oder als „links“ framen (Opens in a new window) wollen. Wir Männer sollten unser Kreuz bei Parteien machen, die die Belange von Mädchen und Frauen ernstnehmen, und nicht bei jenen Parteien, die sie bevormunden, ihre Probleme kleinreden oder, wie im Fall der AfD, Gewalt gegen Frauen in ihrem Sinne instrumentalisieren.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/verschwoerungstheorien-fernandes-ulmen-li.3457076?reduced=true (Opens in a new window)

 

Gesellschaftlicher Wandel ist ein langsamer Prozess, ein gemeinsamer Prozess. Der Fall Fernandes-Ulmen hat seine Berechtigung als öffentliche Diskussion und als demokratischer Aushandlungsprozess. Weil er über den individuellen Fall hinausweist. Weil er wichtig ist. Weil er uns alle betrifft.

Das letzte Wort gebe ich dementsprechend Collien Fernandes (Opens in a new window) selbst (die gerade wegen Morddrohungen (Opens in a new window) eine Demoteilnahme absagen musste):

„Ich äußere mich nicht erst jetzt zu diesem Sachverhalt, sondern bereits seit Jahren. Und dass ich mittlerweile weiß, wer der Täter ist, soll daran nichts ändern. Mir ist einfach wichtig, darauf hinzuweisen, welche gesetzlichen Schutzlücken es gibt. Ich habe selbst Erfahrungen damit gemacht, dass wenn man das Thema zur Anzeige bringt, diese Anzeige nicht weiter verfolgt wird, das ganze Thema relativ schnell fallen gelassen wird. Also ich habe selbst Erfahrungen mit dem Justizversagen gemacht.“

https://www.tagesschau.de/inland/collien-fernandes-interview-ulmen-100.html (Opens in a new window)

weiterführendes

Hilfs- und Präventionsangebote

Diese Liste übernehme ich von der BKA-Webseite (Opens in a new window) und habe sie etwas erweitert.

Dokutipps:

Louis Theroux: Inside the Manosphere:

https://www.zeit.de/feuilleton/film/2026-03/louis-theroux-inside-the-manosphere-netflix-dokumentation-maenner (Opens in a new window)

Die ZDF-Reportagen „Deepfake-Pornos: Digitaler Missbrauch” von Collien Fernandes selbst:

https://www.zdf.de/reportagen/die-spur-deepfake-pornos-collien-ulmen-fernandes-100 (Opens in a new window)

Buchempfehlungen

Ingrid Brodnig - Feindbild Frau (2026)

https://www.brandstaetterverlag.com/buch/feindbild-frau/ (Opens in a new window)

Veronika Kracher - Bitch Hunt. Warum wir es lieben, Frauen zu hassen (2026)

https://www.verbrecherverlag.de/shop/bitch-hunt-warum-wir-es-lieben-frauen-zu-hassen/ (Opens in a new window)

Tobias Ginsburg – Die letzten Männer des Westens (2021)

https://www.rowohlt.de/buch/tobias-ginsburg-die-letzten-maenner-des-westens-9783499003530 (Opens in a new window)

Ute Frevert – Die Politik der Demütigung (2017)

https://www.fischerverlage.de/buch/ute-frevert-die-politik-der-demuetigung-9783103972221 (Opens in a new window)

Weiterführende Artikel und Links:

In Solidarität mit Collien Fernandes: 10 Forderungen an die Bundesregierung (Opens in a new window)

https://weact.campact.de/petitions/in-solidaritat-mit-collien-fernandes-10-forderungen-an-die-bundesregierung (Opens in a new window)

“Wir müssen was tun. Um unsere Solidarität zu zeigen. Und um dazu beizutragen, dass sich in Deutschland ordentlich was ändert. Über’s Wochenende haben wir mobilisiert.

Wir sind nun über 250 (!!!) Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Wir sind entsetzt über die abscheuliche Gewalt, die Collien Fernandes öffentlich gemacht hat. Wir stehen in Solidarität an ihrer Seite und bewundern ihren Mut.

Die Straflosigkeit männlicher Gewalt muss endlich ein Ende haben. Wir fordern von der Bundesregierung Schutz vor männlicher Gewalt und digitaler sexualisierter Gewalt.

Initiatorinnen:
Kristina Lunz
Ricarda Lang
Düzen Tekkal”

https://hateaid.org/deepfakes/ (Opens in a new window)

https://www.watson.de/leben/analyse/683376931-fall-collien-fernandes-neue-form-von-gewalt-betrifft-frauen-massiv?utm_source=firefox-newtab-de-de (Opens in a new window)https://www.sueddeutsche.de/medien/andrew-tate-digitale-gewalt-manosphere-netflix-li.3450346?reduced=true (Opens in a new window)

PS: Wer einen Einblick in die bizarre Welt der Antifeministen haben möchte, hier ein Kurzausschnitt (Opens in a new window). Inhalt: Der fragil-maskuline Anti-Feminist Andrew Tate sitzt allein auf einer Yacht und „argumentiert“, wer nicht, wie er, „hypermaskulin“ und einsam auf einer Yacht in Hong Kong dahinvegetiere (und sattdessen Serien wie „Buffy“ schaue), sei schwul. Nicht weniger bizarr und unfreiwillig komisch – der Ex-Kampfsportler Tate, wie er ausführt, er sei ultramännlich und lese folglich keine Bücher (Opens in a new window). Leser interessierten sich ja für alberne Dinge wie „Piraten auf Booten“, so Tate (das sagt er wirklich). Solche Auftritte erinnern mich mich an das, was Historiker Thomas Zimmer im Podcastgespräch mit mir (Opens in a new window) über Donald Trump sagte. Solche Männer können „lächerlich und gefährlich zugleich“ sein, sagte Zimmer. Es schließt sich nicht aus. Dass die hypersexistischen Influencer aus der Manosphere wie Andrew Tate (Opens in a new window), Sneako (Opens in a new window), HStikkytokky (Opens in a new window) usw. fragile Witzfiguren und Männlichkeitskarikaturen sind (wie man gut in der Doku von Louis Theroux „Inside the Manosphere (Opens in a new window)“ sieht), macht sie leider nicht ungefährlich. Sie sind insb. für Kinder, Jugendliche und junge Männer ein Einflussfaktor.

PPS: Dieser Beitrag ist, in Auszügen, auch auf Instagram, wo ihr ihn kommentieren oder teilen könnt!

https://www.instagram.com/p/DWWfqzzjDJ6/?img_index=1 (Opens in a new window)

PPPS: Schon meinen Podcast mit Janosch Dahmen (Opens in a new window) gehört?

https://steady.page/de/janskudlarek/posts/10a71265-b42a-4954-a3ec-869c0c7ca7ff (Opens in a new window)
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