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WIR GLAUBEN ZU MESSEN, WAS WIR NUR INTERPRETIEREN

Die Illusion der objektiven Hundebewertung. Ein Essay aus vier Jahrzehnten Praxis.

Über den Autor

Seit über vierzig Jahren arbeite ich mit Hunden. Ich habe Lawinen- und Rettungshunde geführt. Ich war im Schlittenhundesport aktiv und gewann 2004 die Schweizer Meisterschaft in der unlimitierten Sprintklasse. Ich habe Dienst- und Sporthunde ausgebildet, Prüfungen abgenommen und selbst an zahllosen teilgenommen.

Als Herausgeber und Übersetzer des Werkes «Der Belgische Schäferhund: 125 Jahre illustrierte Geschichte» habe ich mich über Jahre hinweg mit der funktionalen und historischen Entwicklung von Gebrauchshunderassen beschäftigt. Meine Abschlussarbeit an der Freien Journalistenschule Berlin befasste sich mit der medialen Darstellung von Hunden und deren Einfluss auf gesellschaftliche Wahrnehmungsmuster.

Dabei hat sich eine Erkenntnis verfestigt, die mich nicht mehr loslässt: Wir glauben zu messen, was wir nur interpretieren. Dieses Essay ist der Versuch, diese Beobachtung zu durchdenken. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist eine Reflexion — subjektiv, aber begründet. Und eine Provokation.

Vorwort — Je sicherer wir uns fühlen, desto weniger verstehen wir

Wir treffen Entscheidungen über Gebrauchshunde, als wären sie objektiv. Sie sind es nicht. Das habe ich gelernt: Je sicherer wir uns fühlen, desto weniger verstehen wir wirklich.

Wir beobachten einen Hund für zehn Minuten — und glauben, sein Wesen erfasst zu haben. Wir messen Cortisolwerte — und sind überzeugt, Stress erkannt zu haben. Wir sehen eine Abstammung — und meinen, die Zukunft vorhersagen zu können.

„Das Problem ist nicht, dass wir unwissend sind. Das Problem ist, dass wir glauben, es nicht zu sein."

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