
Newsletter Neurodivergenz
Aktuelle News, Fachartikel & Podcasts
Ausgabe: Februar 2026
Dieser Newsletter bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über die neuesten Entwicklungen, Forschungsergebnisse und Ressourcen aus den Bereichen ADHS, Autismus, PDA (Pathological Demand Avoidance), Hochsensibilität und Hochbegabung. Alle Beiträge stammen aus dem Zeitraum ab 15. Januar 2026.
Neurodiversität am Arbeitsplatz: Unternehmen stehen 2026 vor der Bewährungsprobe
Quelle: Ad-hoc News, Januar 2026 (Opens in a new window)
Ein aktueller Bericht von NeuroBridge zeigt eine alarmierende Lücke zwischen dem Bewusstsein für Neurodiversität und der praktischen Umsetzung in Unternehmen. Während das Thema auf vielen Führungsetagen präsent ist, hinkt die konkrete Umsetzung deutlich hinterher: Nur etwa 36 Prozent der Arbeitgeber verfügen über eine spezifische Richtlinie zur Neurodiversität, und weniger als 40 Prozent der Unternehmen integrieren das Thema in ihre DEI-Strategien (Diversity, Equity & Inclusion). Diese Kluft hat reale Folgen: Fehlende Richtlinien erhöhen Burnout-Risiken und rechtliche Gefahren für Unternehmen. Juristen warnen, dass Bewusstsein ohne Handeln die Tür für Diskriminierungsklagen öffnet. Wenn Mitarbeiter ihre Bedürfnisse offenlegen und auf unvorbereitete Strukturen treffen, entsteht eine Angriffsfläche. 2026 ist mit mehr Auseinandersetzungen um "angemessene Vorkehrungen" zu rechnen. Der Trend geht weg vom starren Großraumbüro hin zu adaptiven Umgebungen mit "Quiet Zones" und kollaborativen Bereichen. Zu den Schlüsselelementen für 2026 gehören anpassbare Beleuchtung und Akustik sowie flexible Möblierung und digitale Asynchronität.
Neuro-Inklusivität wird 2026 zum Wettbewerbsvorteil
Quelle: Ad-hoc News, 30. Dezember 2025 (Opens in a new window)
Unternehmen setzen 2026 auf die gezielten Stärken neurodivergenter Mitarbeiter. Der neue Ansatz soll die mentale Gesundheit im gesamten Team fördern und die Innovationskraft steigern. Damit verlässt das Thema den Status eines reinen Diversity-Ziels und wird zur Kernstrategie. Der Fokus verschiebt sich radikal: weg von der bloßen "Unterbringung" neurodivergenter Menschen, hin zur aktiven Nutzung ihrer spezifischen Fähigkeiten. Statt ADHS oder Autismus primär als Herausforderung zu sehen, implementieren Vorreiterfirmen "Strength-Based Leadership". Diese Modelle bauen darauf, dass die psychologische Sicherheit für alle steigt, wenn individuelle neurologische Profile als Ressource dienen. In Zeiten des Fachkräftemangels wird mentale Gesundheit zum Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die neurodiverse Talente erfolgreich binden, sichern sich einen strategischen Vorteil. Besonders in Tech- und Kreativbranchen wird divergentes Denken direkt mit Produktinnovation in Verbindung gebracht. Erwartet werden im ersten Quartal 2026 neue Zertifizierungsstandards für "Neuro-Ready Workplaces" und angepasste Curricula in Bildungseinrichtungen zur Vorbereitung auf neurodiverse Teams.
Neurodivergenz: Ein anderer Blick auf Denken und Fühlen
Quelle: Heiligenfeld Blog, 8. Januar 2026 (Opens in a new window)
Neurodivergent beschreibt Menschen, deren Reizverarbeitung, Aufmerksamkeit, Kommunikation oder Motorik anders organisiert ist als erwartet. Formen der Neurodivergenz sind Autismus, ADHS, Dyslexie, Dyspraxie und Tourette. Der Artikel betont, dass es sich nicht um ein Etikett, sondern um eine Perspektive handelt: Diagnosen beschreiben Beeinträchtigungen und leiten Hilfe ab, während "neurodivergent" die Vielfalt beschreibt – mit Stärken und Bedarfen. Neurodivergenz liegt auf einem Kontinuum statt in Schubladen. Viele Merkmale liegen auf Skalen, wie beispielsweise Reizempfindlichkeit. Entscheidend ist die Passung zwischen Person und Umgebung, nicht die "Richtigkeit" der Person. Die Stärken sind real: Detailfokus, Mustererkennung, Systemdenken, Hyperfokus, Ehrlichkeit und Ausdauer. Diese Stärken entfalten sich, wenn Rahmenbedingungen stimmen – und sie ersticken, wenn alles gegen die eigene Logik läuft. Der Artikel plädiert für individuell angepasste Unterstützung im Arbeitsumfeld, wie ruhigere Arbeitsplätze, klare Strukturen und Homeoffice-Optionen, um die Lebensqualität neurodivergenter Menschen zu verbessern.
Pathological Demand Avoidance (PDA): Aktueller Forschungsstand
Quelle: Child Mind Institute, 14. Januar 2026 (Opens in a new window)
Pathological Demand Avoidance (PDA) ist ein Verhaltensmuster, bei dem Kinder extremen Widerstand gegen alles zeigen, was sie als Anforderung wahrnehmen. PDA wird am häufigsten bei autistischen Kindern beobachtet. Kinder mit PDA vermeiden oft Routineaufgaben durch Ausreden, Ablenkung oder Meltdowns, selbst wenn die Aufgaben für sie leicht zu bewältigen wären. Der Widerstand wird manchmal als vorsätzlicher Trotz missverstanden, ist aber besser als Folge von Angst und Inflexibilität zu verstehen. Jede externe Anforderung, die von jemand anderem kommt oder die die Person als von außen kommend wahrnimmt, erzeugt großes inneres Unbehagen, was zur Vermeidung führt. PDA gilt bislang nicht als eigenständige Diagnose in den gängigen Klassifikationssystemen (DSM-5, ICD-11), sondern wird als Profil innerhalb der Autismus-Spektrum-Störungen betrachtet. Im deutschsprachigen Raum gewinnt PDA zunehmend an Aufmerksamkeit, da viele Eltern und Fachleute dieses Profil als hilfreiche Erklärung für das Verhalten mancher Kinder sehen. Der Umgang mit PDA erfordert einen einfühlsamen, unkonventionellen Ansatz – starre Regeln und Druck fruchten hier wenig.
Neurodivergente Kreative High Achiever verstehen
Quelle: HSP Academy, Januar 2026 (Opens in a new window)
Kreative neurodivergente High Achiever denken, fühlen und arbeiten anders. Sie werden oft vom Umfeld unterschätzt, doch nicht zuletzt von sich selbst in einem völlig falschen Licht gesehen. Der Artikel richtet sich an kreative Selbstständige und Unternehmerinnen über 40, die leistungsfähig sind, Verantwortung tragen und viel aufgebaut haben und dennoch spüren, dass ihr aktuelles Arbeitsmodell zunehmend Energie kostet. Es geht nicht um Burnout, Überforderung oder mangelnde Motivation, sondern um Reibung, die entsteht, wenn hohe Kompetenz dauerhaft unterhalb der eigenen Identität eingesetzt wird. Der Text beleuchtet, warum neurodivergente Creative High Achiever (ADHS-nah, hochbegabt, kreativ-hochsensibel) oft lange funktionieren und warum der innere Widerstand, der sich später zeigt, kein Defizit, sondern ein Hinweis auf Fehlpassung ist. Neurodivergenz ist kein Makel, sie kann ein starkes Signal für kreative Hochbegabung sein. Unter der Oberfläche bleiben oft sowohl die Neurodivergenz als auch die Hochbegabung verborgen, was Menschen blind für ihre Gaben und beruflichen Sackgassen macht.
Hochbegabung und Hochsensibilität: Potenziale erkennen
Quelle: Begabungsblick, 15. April 2025 (Opens in a new window)
Hochbegabung kann sich in vielen Bereichen zeigen, denn hochbegabte Kinder zeichnen sich durch schnelleres Lernen, genaueres Beobachten und tieferes Nachdenken aus. Wenn Kinder genauer hinsehen, mehr wahrnehmen und mehr Dinge sie zum Nachdenken anregen, spricht man auch von Hochsensibilität oder "Overexcitability". Manche Forscher wie Kazimierz Dabrowski sagen: Damit ein Kind mehr wahrnehmen kann, müssen seine "Kanäle" offener sein. Dieses hohe Empfindungsvermögen wird von einem hochsensiblen Kind oft als störend wahrgenommen – dann ist es ihm in der Kita zu laut, der Film ist zu traurig, der Pullover ist zu kratzig. Dabei gehören aber auch übergroße Freude, eine sehr lebhafte Fantasie und sehr tiefe Bindungen dazu – und das kann sehr bereichernd sein. Wichtig ist bei all dem: Ein sehr hohes Empfindungsvermögen ist keine Krankheit. Ganz gleich, in welchem Bereich ein Kind hochsensibel ist: Es braucht Verständnis und Begleitung. Der Artikel plädiert dafür, Hochsensibilität nicht als Problem zu sehen, sondern als eine ganz besondere Begabung, die ein großes Geschenk sein kann.
Neurodivergenz bei EDS: Überraschende Zusammenhänge
Quelle: Deutsche Ehlers-Danlos Initiative, 17. Juli 2025 (Opens in a new window)
Menschen mit Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) weisen im Vergleich zur gesunden Allgemeinbevölkerung signifikant höhere Raten bei Autismus und ADHS auf. Laut einer aktuellen Erhebung sind circa 49 Prozent der vom hypermobilen EDS betroffenen Menschen neurodivergent. Diese Zahlen sind kein Randphänomen, sondern weisen auf ein klinisch relevantes Zusammenspiel hin. Gerade Menschen mit beiden Diagnosen berichten häufig von Verzögerung in der Diagnostik, Überforderung im Alltag und fehlender individueller Versorgung. Studien zeigen, dass Menschen mit Hypermobilität und Menschen mit Autismus oder ADHS viele überlappende Symptome haben. In einer großen Umfrage aus 2025 berichteten 49,1 Prozent der hEDS-Betroffenen und 39,7 Prozent der HSD-Betroffenen von mindestens einer neurodivergenten Diagnose. Der Artikel betont, dass nur durch ein ganzheitliches Verständnis von Körper und Psyche echte Unterstützung erfolgen kann. Routine-Screenings auf Autismus und ADHS bei EDS könnten die Lebensqualität stark verbessern.
Podcast-Empfehlung: Ping Pong - ADHS & Autismus
Quelle: Spotify / Apple Podcasts (Opens in a new window)
Jess und Rebecca erhielten ihre ADHS-Diagnose beide erst im Erwachsenenalter. Eine Weile später kam dann bei beiden die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung (ASS) dazu. In ihrem Podcast wollen sie mit Klischees aufräumen, Vorurteile bekämpfen und ihre Erfahrungen als erwachsene AuDHSlerinnen teilen. Bei ihnen gibt es keine Tabus und kein Schamgefühl – nur ganz viele wilde Gedankensprünge und den ehrlichen Austausch zweier Freundinnen auf dem Weg zu mehr Selbsterkenntnis und Selbstakzeptanz. Der Podcast wird wöchentlich aktualisiert und bietet authentische Einblicke in das Leben mit der Doppeldiagnose ADHS und Autismus. In aktuellen Folgen sprechen sie über Themen wie anderen gefallen zu wollen, sich anzupassen, den Drang sich dauernd zu rechtfertigen und autistisches Burnout. Der Podcast richtet sich an Betroffene, Angehörige und alle, die mehr über die Realität des Lebens mit ADHS und Autismus erfahren möchten. Die beiden Hosts schaffen einen sicheren Raum für offene Gespräche und brechen mit ihrer Offenheit viele Tabus rund um Neurodivergenz.
Über diesen Newsletter
Dieser Newsletter wurde zusammengestellt, um Ihnen einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Bereich Neurodivergenz zu geben. Die Themen umfassen ADHS, Autismus, PDA, Hochsensibilität und Hochbegabung.
Alle Quellen sind direkt verlinkt und stammen aus dem Zeitraum ab 15. Januar 2026. Die Zusammenfassungen bieten einen kompakten Einblick in die jeweiligen Themen und sollen als Orientierung und Ausgangspunkt für eine weitere Vertiefung dienen.
Neu : Ich habe einen eigenen (?) Neurodivergenz-Shop (Opens in a new window) mit Buchempfehlungen und Tools bzw. Gadgets rund um Neurodivergenz als Affiliate-Shop erstellt. Langfristig möchte ich da auch eigene Online-Bücher von mir mit anbieten.
Wenn Du meine Aufklärungsarbeit zu Neurodivergenz unterstützen möchtest, habe ich die Mitgliedschaften für ADHSSpektrum. Als “Vorkämpfer” wärst du auch in meiner Skool-Community mit den Webinaren bzw. Live-Calls alle 14 Tagen und Austausch mit 399 tollen anderen Mitgliedern meines “Tribes” dabei