Sensorische Überlastung am Arbeitsplatz ist für viele neurodivergente Menschen eine häufige und ernstzunehmende Herausforderung. Sie kann Konzentration, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen.
Wichtig ist: Die Belastung entsteht nicht durch „zu wenig Belastbarkeit“, sondern durch eine nicht angepasste Umgebung. Hier sind neuroaffirmative Strategien, die helfen können – unterteilt nach Sinneskanal und Unterstützungsform:

🎧 Geräuschüberempfindlichkeit (auditiv)
Strategien:
Noise-Cancelling-Kopfhörer oder Gehörschutz verwenden (auch in Stillarbeitsphasen)
Silent Zones im Büro einrichten oder ruhige Einzelarbeitsplätze ermöglichen
Hintergrundgeräusche reduzieren (z. B. keine Musik, kein Dauertelefonklingeln)
Verbindliche Pausenzeiten für Rückzug einführen
Anpassungen:
Bitte um Sitzplatz weg von Druckern, offenen Türen oder Großraumbereichen
Remote- oder Homeoffice-Optionen nutzen
💡 Lichtempfindlichkeit (visuell)
Strategien:
Indirektes, warmes Licht verwenden statt greller Deckenbeleuchtung
Sonnenbrille oder Kappe bei grellem Licht (auch drinnen)
Bildschirmfilter oder Blaulichtfilter nutzen
Helligkeit am Arbeitsplatz individuell regulierbar machen
Anpassungen:
Fensterarbeitsplätze meiden oder mit Vorhängen/Jalousien abdunkeln
Flimmerfreie LED-Leuchten einfordern
👃 Geruchsempfindlichkeit (olfaktorisch)
Strategien:
Raum regelmäßig lüften
Eigene Duftneutralisatoren oder ätherische Öle (bei Verträglichkeit) nutzen
Parfümfreie Zone durchsetzen
Anpassungen:
Bitte um Arbeitsplatz fern von Küche, Reinigungsmitteln oder stark duftenden Kolleg:innen
Geruchsarme Reinigungsprodukte empfehlen
🤝 Berührungs- / Näheempfindlichkeit (taktil)
Strategien:
Klare persönliche Distanzzonen kommunizieren
Kleidung aus reizarmen Materialien wählen
Keine Handschläge oder körperliche Begrüßungen erzwingen
Anpassungen:
Eigener Arbeitsplatz mit klar abgegrenztem Bereich
Keine engen Wege oder Sitzordnungen
⏰ Pausen & Rückzugsmöglichkeiten
Regelmäßige sensorische Pausen einplanen – z. B. im Ruheraum, draußen oder im abgedunkelten Raum
„Ampelsystem“ nutzen: z. B. farbliche Kennzeichnung für „nicht stören“
Rückzugsräume einfordern, auch für kurze Reizreduktion
📄 Kommunikation & Transparenz
Kolleg:innen über sensorische Besonderheiten informieren (ggf. mit Unterstützungsschreiben)
Reizbelastung ernst nehmen, nicht bagatellisieren
Selbstbestimmtes Arbeiten ermöglichen (z. B. über Aufgaben-Zeitfenster statt starre Zeiten)
🧠 Individuelle Techniken zur Reizregulation
Kurze Achtsamkeitsübungen oder Reizfilterübungen (z. B. gezielte Atmung, visuelle Fixierung auf ruhige Objekte)
Einsatz von Stimming-Tools (z. B. Knautschball, Fidget Cube)
Arbeitsplatz visuell strukturieren (visuelle Timer, To-Do-Listen, klare Ablageflächen)
In unserer Skool Community habe ich noch eine ausführliche Checkliste zur Anpassung des Arbeitsplatzes an diese besonderen Bedürfnisse als Datei.
Welche sensorischen Belastungen rauben DIR Leistungsfähigkeit und Lebensqualität am Arbeitsplatz (oder auch so), die du eigentlich verändern müsstest aber noch nicht beeinflussen kannst?