
Die Bundesregierung hofft darauf, in diesen Tagen ihren Haushalt für 2025 durchzubringen. B-Note wirft einen genauen Blick auf die geplanten Ausgaben. Und: In der Premier League spielt Geld keine Rolle mehr.
Alle reden davon, irgendwie versteht man es grob, doch im Detail kann es niemand so richtig erklären: In diesen Wochen möchte die Bundesregierung den Haushaltsentwurf für 2025 durchbringen. Haushalt, das klingt für viele Menschen erstmal nach Wäsche waschen und Staubsauger, nur meistens passiert das ohne langfristige Beratungen, Verhandlungen und endgültige Beschlüsse unterschiedlicher politischer Lager.
Was genau während dieses komplizierten parlamentarischen Verfahrens passiert, ist nicht immer ganz durchschaubar, deswegen habe ich mir das ganze Haushaltsthema etwas intensiver angeschaut – mit Fokus auf den Sport und eine Sitzung Ende August.
Für den Staat geht es kurz gesagt um Einnahmen und Ausgaben und die Frage, welche Ressorts wie viel Geld für welche Ziele ausgeben –so weit, so klar. Das Scheitern der Ampel hatte vor Augen geführt, dass die erhofften Ausgaben von SPD und Grünen von der dritten Partei im Bunde (FDP, like, wer sie noch kennt) blockiert werden konnten und letztlich zum Scheitern der Regierung führten. Deswegen war der geplante Staatshaushalt für 2025 auch eines der wichtigsten innenpolitischen Themen in den vergangenen Wochen und Monaten.
Bundesregierung sagt Tschüss zum Haushalt 2025
Wegen der Bundestagswahl im Februar, der Konstituierung des Bundestags im März und dem Amtsantritt der Bundesregierung im Mai blieb bisher wenig Zeit, um das zu tun, aber immerhin konnte ein Entwurf im Juni verabschiedet werden. Die verschiedenen Streitigkeiten über die Schwerpunktsetzung hatten bisher nicht den Eindruck hinterlassen, dass die schwarz-rote Koalition in vollumfänglicher Harmonie arbeiten würde – sie bewegt sich bis dato in Ansätzen in denselben Sphären wie die Vorgängerregierung.
Vier Wochen später, kurz vor der Sommerpause, konnte der Bundestag über das 3.421 Seiten große Dokument beraten.
Mittlerweile ist September, und deswegen hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, den Haushalt bis zum Herbst 2025 zu verabschieden. Der Druck steigt, denn am heutigen Donnerstag sollen nur noch letzte Diskussionspunkte in der „Bereinigungssitzung“ geklärt werden. Zuvor allerdings war der Entwurf bei den einzelnen Ausschüssen gelandet, die darüber beraten und ihn bestenfalls absegnen sollten.
Sportausschuss tagt digital
So geschehen auch am Mittwoch vergangener Woche, als sich der Sportausschuss zu einer digitalen Sitzung zusammenschaltete. Die Vorsitzende Aydan Özoğuz (SPD) saß zusammen mit ihren Mitarbeitenden im Paul-Löbe-Haus, nur Christian Görke von den Linken hatte sich ebenfalls dort eingefunden. Der Rest der Ausschussmitglieder hatte sich per Videokonferenz dazugeschaltet, weil sie entweder im Wahlkreis unterwegs oder vielleicht noch im Urlaub waren.
Die Sitzung begann mit technischen Problemen insbesondere auf der Seite des CSU-Urgesteins Stephan Mayer, der in den ersten Minuten kaum erreichbar war und zwischendurch sogar unwissentlich seinen Bildschirm teilte. Klassiker wie „Wir hören Sie leider nicht, bitte nochmal Mikrofon anmachen“ und „Können Sie uns im Kanzleramt hören?“ weckten lebhaft die Erinnerungen an die Corona-Zeit. Einige der Abgeordneten hatten zudem während der gesamten Sitzung eine recht hohe Screentime, das wiederum löste Erinnerungen an die Candy-Crush-Leidenschaft des damaligen Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow aus.
Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) stellte zu Beginn den geplanten Etat genauer vor. Etwa eine Milliarde Euro plant die Bundesregierung im Haushaltsjahr 2025 ein, so steht es im Dokument (Opens in a new window) “Bundesmittel der unmittelbaren oder mittelbaren Förderung des Sports”, das wesentlich überschaubarer als das epochale Gesamtdokument ist. Davon sind für die Sportförderung 333 Millionen aus dem BMI vorgesehen. Laut Schenderlein soll der damit zusammenhängende Reformprozess „effizienter und strukturierter“ gestaltet werden.
Im Dokument ist haarklein aufgeführt, was die einzelnen Ressorts wie zum Beispiel das Bundeskanzleramt (680.000 Euro), das Bundesinnenministerium (BMI) für den Sport (388 Millionen Euro) und das Bundesministerium Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (265 Millionen) ausgeben möchten. Ein Blick in die Details offenbart interessante Einblicke in die konkrete sportpolitische Planung und Schwerpunktsetzung der schwarz-roten Koalition.
Eine Auswahl: Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ist ein Projekt zur “Förderung von Maßnahmen gegen Rassismus im Sport” gestoppt worden, es wird nicht mehr finanziell unterstützt. Dasselbe gilt für ein Projekt zur “Förderung von Flüchtlingsprojekten im Bereich Sport” im Bundeskanzleramt. Das Projekt mit dem sperrigen Titel “Fußball vereint gegen Rassismus: Vernetzung und Ausbau der Anlaufstellen für Gewalt und Diskriminierungsvorfällen in den Landesverbänden des DFB im und durch den Fußball” wird ebenfalls nicht mehr weitergeführt. Neu ist aber ein Modellprojekt, das Sraßenfußball mit Demokratiebildung verknüpft und dafür 221.000 Euro erhält.
Der Gassenhauer Olympia-Bewerbung wird vom Bundesinnenministerium in diesem Jahr mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Der Beitrag für das geplante Zentrum für Safe Sport wird um etwa eine halbe Million reduziert. Im Bereich Sportstättenbau stehen 18,8 Millionen Euro aus dem BMI zur Verfügung. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen will für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur” auch etwa 400 Millionen Euro investieren.
Schenderlein schloss mit einem Ausblick auf das Haushaltsjahr 2026, in dem der Sport-Etat Aufwüchse (mit dieser technokratisch klingenden Beschreibung sind höhere Summen gemeint) von etwa 100 Millionen Euro bekommen soll. Man darf also gespannt bleiben.
Fraktionen loben und kritisieren
Die Fraktionen bekamen danach fünf Minuten Zeit für Fragen an die Bundesregierung. CSU-Politiker Mayer hatte nach wie vor Schwierigkeiten, weshalb die AfD in Person des vom Landesverfassungsschutz Brandenburg als rechtsextrem eingestuften Abgeordneten Lars Schieske beginnen durfte.
SPD-Politikerin Bettina Lugk gab hernach zu Protokoll, dass ihre Fraktion in dem Etat ein „positives Signal“ sehe, der dann doch noch sprechfähige Stephan Mayer erwähnte „zufriedene Sportverbände“. Tina Winklmann von den Grünen kritisierte die fehlende Transparenz in der Verteilung der Gelder. Christian Görke (Linke) befand, dass Deutschland im Leistungssport eh nicht mehr in der Weltspitze sei und der Haushalt daran auch nichts ändern werde. Die Sportförderung sei ein „ineffizientes System“, Trainer und Athleten seien unterbezahlt, das Potenzialanalysesystem (PotAS, bitte selbst googeln) ein „bürokratisches Monster“.
Nach dem Abschluss der Beratungen begann die Abstimmung über Änderungsvorschlage, die aber alle abgelehnt wurden – darunter zwölf der AfD-Fraktion. Interessant ist hier der „Titel 684 20 im Kapitel 0601, Titelgruppe 02“: Die Grünen hatten vorgeschlagen, das bisher laufende Projekt „Präventionsprogramm gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport“ auch weiterhin so zu benennen. Die Bundesregierung hatte den neuen Namen „Bundesprogramm gegen Extremismus und Antisemitismus im Sport“ vorgeschlagen. Die Grünen-Fraktion sah darin ein „falsches gesellschaftliches Zeichen“, denn Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit seien die „Hauptgefahren für den Sport“.
Grüne und Linke waren für den Antrag. Union, AfD und SPD dagegen. So viel zur antifaschistischen DNA der Sozialdemokraten.
Final fand der gesamte Entwurf die Zustimmung des Ausschusses, denn die Regierungsfraktionen fielen sich nicht in den Rücken. Grüne und Linke waren dagegen, die AfD enthielt sich.
Was lernen wir aus dieser Sitzung? Erstmal: Bundestagsabgeordnete sind auch nur Menschen, die Probleme mit einer Videokonferenz haben. Die Aufstellung eines Haushalts ist wahnsinnig kompliziert, gerade bei dieser Finanzlage des Bundes. Aber vielleicht ist die Bundesregierung ganz froh darüber, dass der Sport-Etat reibungslos verabschiedet wurde, weil hier keine tiefgreifende Strukturreform stattfindet. Gar nicht zur Sprache kam, dass Finanzminister Lars Klingbeil vor kurzem seine Ressortkollegen um Sparvorschläge gebeten hatte. Insgesamt möchte der Bund 2025 mehr als 500 Milliarden Euro ausgeben, da spielt der Sport also insgesamt keine allzu große Rolle.
Die Frage ist, was sich für den Sport ändern wird, auch in der Zukunft. Was bringen alle Aufwüchse, wenn bis dato völlig unklar ist, wo genau der Fokus der Bundesregierung liegt. Ist es der Spitzensport oder doch der Breitensport? Das werden wir sehen, denn auch der Haushalt für 2026 muss zeitnah über die Bühne gebracht werden.
Und wenn wir schon beim Geld sind: Eigentlich ist es nicht zulässig, ohne weiteren Kontext Milliardensummen miteinander zu vergleichen, den Versuch unternehmen wir allerdings trotzdem. Also: Unmittelbare und mittelbare Förderung im Haushaltsjahr 2025 der deutschen Bundesregierung, das Thema hatten wir schon. Hier geht es um 1,048 Milliarden Euro an Steuergeldern. Schwenk nach England.
Die 20 Vereine der Premier League nehmen ihr Geld hauptsächlich durch Vermarktung im In- und Ausland, Medienrechte und britische oder ausländische Investoren ein. 2024 lag der Umsatz laut Deloitte bei mehr als sieben Milliarden Euro. Und wer so viel Geld einnimmt und sich im sportlichen Wettbewerb befindet, der hat auch richtig Bock, um einen hohen Batzen wieder auszugeben. Laut dem Portal transfermarkt.de (Opens in a new window) hat die Premier League in diesem Sommer mehr als 3,55 Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben, der eigene Rekord aus 2023 ist damit pulverisiert.
Selbst die zweitklassige Championship kommt auf Transferausgaben von 309 Millionen Euro – und ist damit nah dran an der mittelbaren Sportförderung der Bundesregierung.
Wäre die schwarz-rote Koalition also ein Premier-League-Verein mit einem Etat für 2025 von etwas mehr als einer Milliarde Euro und hätte sie auf diese Weise Geld für die teuersten Verstärkungen in diesem Sommer ausgegeben, hätte sie dafür die folgende Elf zusammen bekommen:

In dieser Elf bliebe für Xavi Simons nur die Bank. Nochmal zum Genießen die Ablösesummen aus diesem Transfersommer in England:
Alexander Isak: 144 Mio. Euro
Florian Wirtz: 125 Mio. Euro
Hugo Ekitiké: 95 Mio. Euro
Nick Woltemade: 85 Mio. Euro
Benjamin Sesko: 76 Mio. Euro
Bryan Mbeumo: 75 Mio. Euro
Matheus Cunha: 74 Mio. Euro
Martin Zubimendi: 70 Mio. Euro
Eberechi Eze: 69 Mio. Euro
Viktor Gyökeres: 66 Mio. Euro
Xavi Simons: 65 Mio. Euro
Die taktische Ausgewogenheit dieser Mannschaft wäre ziemlich bedenklich, Martin Zubimendi wäre der einzige Defensivspieler. Mit Nick Woltemade würde zwangsläufig der größte Spieler ins Tor gehen müssen.
Was lernen wir aus diesem absurden Vergleich? Die Premier League ist finanziell der Konkurrenz meilenweit enteilt, diese Liga spielt in ihrer eigenen Liga. Spieler aus dem oberen Durchschnitt werden für hohe zweistellige Millionensummen gekauft, vielleicht werden bei fünf Millionen mehr oder weniger auch mal die Augen zugedrückt.
Doch Geld allein löst bekanntlich nicht alle Probleme, schafft nicht automatisch Erfolg. Auch nicht im Sport-Etat der Bundesregierung.
PS: Vielen Dank, wenn du es bis hierhin geschafft hast, den Text zu lesen. Wie wäre es, jetzt per Social Media oder WhatsApp Werbung für B-Note zu machen? Ich fänd’s super, vielen Dank!